Fachschaft Sozialwissenschaften

[ Aktuelles ]


[ Hauptseite ]     Archiv:     [ 2009 ]     [ 2008 ]     [ 2007 ]     [ 2006 ]     [ 2005 ]     [ 2004 ]     [ 2003 ]     [ Index ]

Ältere Meldungen finden Sie im Archiv.


Meldung vom 7.7.2010 [ Nach unten ]

Mediennutzung im Generationenvergleich - Eine Studie

Welche Bedeutung haben die Massenmedien in unserer Gesellschaft? Wird ihre Macht eher über- oder unterschätzt? Und gilt dieser Befund für alle Generationen gleichermaßen?

Johanna Vogt, Schülerin des St.-Ursula-Gymnasiums, spürte dieser Problematik nach. Mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens, den sie sowohl an ihre Mitschüler als auch an deren Eltern und Großeltern austeilte, erforschte die Zwölftklässlerin den Medienkonsum gleich dreier Generationen. Das Ergebnis liegt nun in einer sozialwissenschaftlichen Facharbeit vor.

Johanna Nimmt man alle Befragten zusammen, sind als Informationsträger die Medien Fernsehen, Internet und Zeitung (mit jeweils 50 bis 60 Prozent "regelmäßiger" Nutzung) am beliebtesten. Auch das Radio (36 Prozent) kann noch mithalten. Weit abgeschlagen liegen hingegen Fachbücher und Illustrierte (je 3 Prozent).

Differenziert man allerdings nach Generationen, sind teils beträchtliche Unterschiede in den Nutzungsgewohnheiten zu verzeichnen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Zeitungslektüre, die von Alt zu Jung immer weiter abnimmt. Von den Großeltern lesen stattliche 94 Prozent die Zeitung "regelmäßig", die restlichen 6 Prozent zumindest "häufig". Bei den Eltern gibt es immerhin noch 80 Prozent regelmäßige Leser; von den befragten Gymnasiasten schaut hingegen nur jeder Fünfte stetig in die Tagespresse.

Umgekehrt ist es beim neuen Medium Internet: 9 von 10 Jugendlichen surfen regelmäßig durchs weltweite Netz. Von den Eltern macht dies nur ein Drittel, von den befragten Großeltern kein einziger. 70 Prozent der Alten nutzen das Internet eigenem Bekunden nach "nie", die restlichen 30 Prozent nur "manchmal".

Relativ ausgeglichen stellt sich der Fernsehkonsum dar. "Regelmäßige" Zuschauer sind die Jugendlichen zu mehr als 70 Prozent; bei den Eltern und Großeltern liegt die Quote bei etwa 50 Prozent.

Das Radio steht mit einer regelmäßigen Nutzung von 7 Prozent dagegen bei den Alten nicht so hoch im Kurs wie bei den beiden jüngeren Generationen (jeweils ca. 42 Prozent).

Hinsichtlich der Seriosität der Medien fallen die Einschätzungen uneinheitlich aus. Während die Älteren und die Jüngeren große Stücke auf die Neutralität und Objektivität der Zeitung halten, sieht die mittlere Generation die Presse eher als "subjektiv-parteiisch" an.

Das Fernsehen punktet in Sachen Glaubwürdigkeit besonders bei den Älteren, das Radio bei allen drei Generationen. Großes Zutrauen haben sämtliche Befragten auch in das Internet - seltsamerweise besonders die Großeltern, obwohl sie dieses Medium kaum nutzen. Zeitschriften gelten hingegen generationenübergreifend als wenig verlässliche Informationsquellen.

Eine dominante Rollen spielen die Zeitungen und das Fernsehen vor politischen Wahlen. Mehr als 80 Prozent der Erwachsenen informieren sich mithilfe dieser beiden Medien, bei den Jugendlichen sind es immerhin 70 Prozent. Letztere konsultieren dafür stärker das Internet; im Übrigen lassen sie sich auch eher von den aushängenden Wahlplakaten beeinflussen als die älteren Jahrgänge.

In einem Punkt sind sich alle drei Generationen einig: Auf Wahlkampfstände in den Fußgängerzonen können die Parteien guten Gewissens verzichten. Deren Informationswert tendiert den Befragten zufolge gegen null.

  Die vollständige Facharbeit finden Sie [ hier ] (PDF-Format).


Meldung vom 29.5.2010 [ Nach unten ]

"Andersrum" - Schüler als Frau in Köln und Siegen unterwegs

Wie reagiert die Gesellschaft, wenn jemand "aus der Rolle fällt" - zum Beispiel aus seiner angestammten Geschlechterrolle? Marvin Bröcher, Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums, wollte es wissen. Er setzte eine blonde Perücke auf, zog hochhackige Schuhe und ein Damenkostüm an und schminkte sich. Solchermaßen als Frau verkleidet (wenn auch als Mann erkennbar) ging er durch die Fußgängerzonen von Köln und Siegen, um die Reaktionen der Passanten zu testen.

Marvin in Siegen Schaufensterbummel in Köln Die Idee zu seinem "Andersrum" betitelten Selbstversuch war ihm im Sozialwissenschaften-Unterricht auf der Suche nach einem Thema für eine Facharbeit gekommen. "Ich wollte, obwohl ich 'Nicht-Betroffener' bin, feststellen, inwieweit Homosexualität und Transsexualität in unserer Gesellschaft inzwischen akzeptiert sind", erklärte der Zwölftklässler. "Köln habe ich mir ausgesucht, weil die Stadt in diesen Dingen als sehr liberal gilt. Siegen verkörpert da eher den konservativen Gegenpol."

Marvins Befürchtung, er könne wegen seines Outfits womöglich tätlich angegriffen werden, erwies sich als unbegründet. Zwar gab es in beiden Städten genügend Passanten, die - meist hinter seinem Rücken - tuschelten und lachten, die meisten verzogen jedoch, solange sie mit ihm in Blickkontakt standen, keine Miene. Offene Aggressionen blieben aus.

Besonders in Köln erlebte der Schüler sogar eine Reihe positiver Reaktionen. So fragte er dort in einem Kaufhaus nacheinander mehrere Verkäuferinnen nach dem Weg zur Damentoilette. Alle gaben ihm freundlich Auskunft. Auf der Toilette angekommen, begann er sich vor dem Waschtisch den Lippenstift nachzuziehen. Drei ältere Damen, die hinzutraten, kommentierten dies wohlwollend: "Schön sieht das aus, schön!" - Mehrere Passanten, die Marvin um Feuer bat, zeigten sich zwar leicht irritiert, doch ausgesprochen höflich.

Erkennbar negative Reaktionen waren die Ausnahme. In Köln hielt eine Mutter im Vorbeigehen ihrem etwa dreijährigen Kind beim Anblick der Mann-Frau spontan die Augen zu. Und als Marvin am Siegener Busbahnhof auf einer Bank Platz nahm, beäugte ihn seine betagte Sitznachbarin erst misstrauisch, dann wechselte sie nervös auf eine andere Bank.

Insgesamt, so Marvin am Ende seines Versuchs, habe er sich in Köln "angenommener" gefühlt. In Siegen seien ihm die Menschen distanzierter begegnet. Unangenehm sei vor allem das Gefühl gewesen, ständig angestarrt zu werden. "Der Druck war enorm", resümierte er. "Ich habe das ja nur zwei Vormittage gemacht. Trotzdem kann ich mir jetzt vorstellen, was es bedeutet, ein Leben lang im 'falschen' Körper zu stecken."


Meldung vom 8.5.2010 [ Nach unten ]

Die Qual der Wahl - St.-Ursula-Schülerin suchte politischen Rat in der Öffentlichkeit

Wen soll ich wählen? Diese Frage beschäftigte neben vielen anderen Bürgern vor der Landtagswahl auch Karina Wessels, Schülerin des St.-Ursula-Gymnasiums. Behängt mit einem Plakat, auf dem sie die Passanten um politische Beratung bat, zog sie deshalb einen Tag vor der Wahl durch die Kölner Innenstadt und suchte in - laut Statistik - "Deutschlands belebtester Fußgängerzone" nach Antworten.

Ratlos Entgegen ersten Befürchtungen, sie setze sich mir ihrer Aktion dem Hohn und Spott ihrer Mitmenschen aus, erlebte Karina vorwiegend positive Reaktionen. Besonders die Wahlhelfer, die an den verschiedenen Parteiständen beim Wahlvolk ein letztes Mal um Unterstützung warben, waren des Lobes voll. "So offensiv um Rat zu fragen finde ich hervorragend", erklärte eine Grünen-Helferin. "Eine tolle Aktion", bestätigte ein Vertreter der Linken.

Ein Passant, der sich als ehemaliger Bundestagsabgeordneter zu erkennen gab, stellte fest: "Sich zu informieren ist allemal besser, als nur zu rebellieren und Krawall zu machen." Und ein älterer Herr am CDU-Stand geriet angesichts des "mutigen Engagements" der Schülerin sogar ins Schwärmen: "Solche jungen Leute brauchen wir heutzutage in den Führungspositionen unserer Partei!"

Mitunter schossen die Parteigänger in ihrer Euphorie allerdings übers Ziel hinaus. So wurde die Schülerin mit Wahlkampf-Flyern geradezu überhäuft. Die Grünen hefteten ihr sogar einen Parteiaufkleber auf ihr Plakat. "Hinzu kam, dass ich an manchen Ständen regelrecht zugetextet wurde", klagte Karina im Nachhinein. Ein zehnminütiger politischer Monolog bringe sie in ihrer Entscheidung jedoch nicht weiter. Nach ihren eigenen Interessen und Wünschen sei sie kaum einmal gefragt worden.

Außer von den Politprofis erhielt Karina Wessels auch Rat von den "einfachen" Passanten. Einige riefen der Schülerin im Vorbeigehen kurzerhand ein Parteikürzel zu. Ein ausländischer Straßenverkäufer merkte an, die Schildträgerin könne sich glücklich schätzen, in einer Demokratie zu leben. In seiner Heimat habe er wegen seiner politischen Überzeugung im Gefängnis gesessen.

Es gab aber auch kritische Stimmen. "Am besten gehst du gar nicht erst wählen", war eine typische Rückmeldung. Ein junger Mann ging sogar noch weiter: "Wenn du fertig bist, kannst du mir das Plakat geben", erklärte er. "Dann drehe ich auch noch mal eine Runde!" Insgesamt signalisierten viele Passanten, sie wüssten ebenfalls nicht, wen sie wählen sollten.

Der Anlass für Karinas ungewöhnliche Aktion war eine Facharbeit, die die Oberstufenschülerin derzeit im Sozialwissenschaften-Unterricht zum Thema "Politische Teilhabe" schreibt. Vor gut einem halben Jahr hatten einige ihrer Mitschüler in Köln bereits eine ähnliche Plakataktion durchgeführt: Im Vorfeld der Bundestagswahl boten sie auf großen Schildern ihre Wählerstimme zum Kauf an.

Filmdokumentationen der Aktionen finden sich im Internet auf dem Youtube-Kanal der Schule:
www.youtube.de/user/Sozialwissenschaften.


Meldung vom 3.5.2010 [ Nach unten ]

Frank-Walter Steinmeier und Gregor Gysi im Gespräch

Frank-Walter Steinmeier in Oberveischede Traumjob Politiker? Zu diesem Thema befragten Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums in den letzten fünf Jahren zahlreiche Spitzenpolitiker aus Bund und Land. Auch im aktuellen Wahlkampf schwärmten die Jugendlichen wieder aus. Gesprächspartner waren diesmal unter anderem SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in Oberveischede und sein Amtskollege Gregor Gysi von der Linken in Siegen.

Ein ebenfalls vereinbartes Interview mit Roland Koch (CDU) fiel dagegen aus. Der hessische Ministerpräsident musste in den Turbulenzen der Griechenlandkrise kurzfristig andernorts die Bundeskanzlerin vertreten.

Welche Eigenschaften man haben müsse, um in der Politik erfolgreich zu sein, wollten die Schüler von ihren Gesprächspartnern als Erstes wissen. Frank-Walter Steinmeier nannte hier vor allem Vernunft und Verantwortungsgefühl: "Wer nur auf Postenjagd aus ist, liegt falsch." Für Gregor Gysi waren "Leidenschaft, ein unbedingter Wille und klare politische Ziele" unverzichtbare Eigenschaften.

Gregor Gysi in Siegen Auch hinsichtlich der Fehler, die ein Politiker nie machen sollte, wussten beide Befragten Rat. "Er sollte", so Steinmeier, "seine Politik niemals mit Blick auf die Umfragedaten von gestern und nie mit Blick auf die Schlagzeile von morgen machen." Gysi stellte heraus, man solle keinesfalls Dinge versprechen, die man nicht halten könne.

Auf die Frage, welche Fehler sie persönlich schon begangen hätten, gaben sich beide Herren hingegen recht zugeknöpft. "Zu viele, als dass man die hier alle einzeln auflisten könnte", resümierte Steinmeier vage. Und Gregor Gysi merkte belustigt an: "Das werde ich Ihnen nicht erzählen!"

Gleichwohl gestand er im Folgenden einige Schwächen ein. Die schwierigste Entscheidung seines Lebens - und vielleicht sogar ein Fehler - sei sein Rücktritt als Berliner Wirtschaftssenator gewesen. Für Frank-Walter Steinmeier lagen die schwersten Momente in seiner Zeit als Außenminister: im Krisenmanagement in Nahost und auf dem Balkan sowie in den Verhandlungen mit den Entführern von Deutschen im Ausland.

Zum Schluss stellten die Schüler wie üblich ihre "Feenfrage": Welches Ziel die Gesprächspartner sofort verwirklichen würden, wenn sie bei der guten Fee einen Wunsch freihätten.

Beiden Politikern fiel die Antwort nicht schwer. Frank-Walter Steinmeier wünschte sich, dass alle Deutschen "weiterhin in Frieden leben" könnten. Und auch Gregor Gysi befand: "Nie wieder Krieg auf der Erde!"

Steinmeier im InterviewGysi im Interview

Die Fraktionsvorsitzenden im Interview.


Meldung vom 30.4.2010 [ Nach unten ]

Bundesjustizministerin a. D. Brigitte Zypries und Jugendhilfeverein zu Gast in der Schule

Neue Wege in der Justiz - Unter diesem Motto fand am 30. April im St.-Ursula-Gymnasium eine Veranstaltung des Siegener Jugendhilfevereins "Brücke" unter prominenter Beteiligung statt. Zu Gast war neben fünf "Brücke"-Vertretern auch die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD).

Brigitte Zypries In dem knapp zweistündigen Vortrag wurden den Schülern der Jahrgangsstufe 12 und den Streitschlichtern der Schule das "Kriminal-Pädagogische Schülerprojekt Siegen" (KPS) und der sogenannte "Täter-Opfer-Ausgleich" (TOA) vorgestellt.

Das KPS gibt es in Siegen seit 2005. Es basiert auf der Überlegung, jugendliche Erst- oder Zweittäter statt vor ein herkömmliches Gericht vor ein Gremium Gleichaltriger zu stellen. "Unsere Erfahrung zeigt, dass sich junge Straftäter von dem Urteil anderer Jugendlicher viel mehr beeindrucken lassen als durch Schuldsprüche Erwachsener", erklärte Projektleiterin Silke Menn-Quast und beschrieb im Folgenden den Ablauf:

Nach einem Vorgespräch zwischen einem Vertreter des "richtenden" Schülergremiums, einer Sozialpädagogin sowie dem Täter und dessen Erziehungsberechtigten kommt es zur "Verhandlung". Hierbei verantwortet sich der Täter vor dem vierköpfigen Gremium, an dem Schüler möglichst aller Schulformen teilnehmen. Die Jugendlichen entscheiden nach einem ungefähr einstündigen Gespräch über die Sanktion. Diese kann von einer einfachen Entschuldigung über das Ableisten von Sozialstunden (etwa bei Körperverletzungen) bis hin zum Entzug des Rollerschlüssels beim Fahren ohne Fahrerlaubnis reichen.

Referenten und Auditorium Alle Schüler, die im Gremium über Sanktionen gegen Jugendliche befinden, sind vom "Brücke"-Verein unter Beteiligung der Polizeiinspektion Siegen und der Staatsanwaltschaft ein halbes Jahr lang sowohl in grundlegenden rechtlichen Fragen als auch in Rhetorik geschult worden.

Waren es im Jahr 2005 noch 40 Fälle, werden inzwischen jährlich doppelt so viele Delikte vor dem Schülergremium verhandelt. Die Erfolgsquote bei Zweittätern liegt in Siegen bei 88 bis 90 Prozent.

Trotz dieser Erfolge ist nicht klar, inwieweit das Projekt fortgesetzt werden kann, da seine weitere Finanzierung zurzeit nicht gesichert ist. Auch gibt es andere Vorbehalte: So steht Brigitte Zypries zum Beispiel einer bundesweiten Einführung des Kriminalpädagogischen Projekts kritisch gegenüber. Sie befürchtet eine Erosion des staatlichen Gewaltmonopols. Private Einrichtungen könnten mit den übertragenen Aufgaben leicht überfordert sein.

Im zweiten Teil des Vortrags ging es um den sogenannten "Täter-Opfer-Ausgleich" (TOA). Dieser wird seit 1990 im Jugend-, seit 1994 im Erwachsenenstrafrecht angewandt. Voraussetzungen hierfür sind die Bereitschaft sowohl des Täters als auch des Opfers, nach der Tat noch einmal unter Aufsicht eines Mediators zusammenzukommen und eine einvernehmliche Regelung oder "Strafe" zu finden. 50 bis 60 Prozent der Opfer und 75 Prozent der Täter sind zu diesem Schritt bereit. Besonders häufig kommt es bei Körperverletzungen zu einem TOA.

Dieses Projekt beurteilt die ehemalige Bundesjustizministerin wohlwollender. Ihr zufolge liegt die Erfolgsquote bundesweit sehr hoch: In 80 Prozent der Fälle kommt es zu einvernehmlichen Regelungen, zu 90 Prozent werden diese auch eingehalten.

Der Vertreter der Polizeiinspektion Siegen, Peter Ginsberg, kritisierte allerdings, dass der TOA besonders im Bereich des Jugendstrafrechts durch die Jugendämter zu selten in Anspruch genommen werde. Strittig sei auch hier häufig die Finanzierung.


Meldung vom 29.4.2010 [ Nach unten ]

Alles im Eimer - neues Experiment im Forum

Der Versuch im Forum Zwei Jahre nach dem inzwischen schon legendären Käfig-Experiment fand im Forum der St.-Ursula-Schulen ein neuer Versuch statt. Zu Beginn einer großen Pause setzten sich 24 Neuntklässler im Zentrum der Pausenhalle im Kreis zusammen und betrachteten schweigend einen schwarzen Eimer, den sie zuvor genau in der Mitte des Raums platziert hatten. Auf Nachfragen reagierten sie nicht, sondern verharrten zwanzig Minuten lang unbeweglich.

Die Reaktionen der übrigen Schüler entsprachen denen, die schon aus dem Käfig-Versuch bekannt waren. Nach einigem Zögern und Rätseln, "was das alles solle", begannen besonders die Unterstufenschüler, das Verhalten der Sitzenden auszutesten. Sie gaben ihnen leichte oder auch stärkere Stöße und lieferten hämische Kommentare. Als sie feststellten, dass sie von ihren "Opfern" nichts zu befürchten hatten, verlegten sie sich darauf, Essensreste zuerst in den Eimer, später dann auch auf die Sitzenden zu werfen. Auch kleinere Münzen kamen als Wurfgeschosse zum Einsatz.

Schließlich wagten es zwei Jungen, in die Mitte des Sitzkreises zu springen. Einer drehte den Eimer um und nahm darauf Platz, danach wanderte der Eimer von Hand zu Hand durch die Reihen der Zuschauer, wurde zwischendurch einem der Sitzenden über den Kopf gestülpt und landete zuletzt wieder an seinem ursprünglichen Ort. Am Ende der Pause war die Mitte der Halle von Müll übersät.

Müllreste Ähnliche Reaktionen waren seinerzeit auch schon im Käfig-Experiment zu beobachten: Nach einer Phase der vorsichtigen Annäherung gab es auch damals aggressives Verhalten gegenüber den Käfiginsassen, die sich nicht wehren konnten. Später nahmen einige männliche Schüler den Käfig insofern in Besitz, als sie auf ihn draufkletterten. Müllwurfattacken und Münzen-Bombardements gehörten seinerzeit ebenfalls zum typischen Verhalten einiger Umstehenden.

Das Fazit des aktuellen Experiments: Offenbar genügt es, sich anders als gewöhnlich zu verhalten, um bei seinen Mitmenschen Aggressionen auszulösen. Insbesondere das Signal, wehrlos zu sein, führt bei einigen Zeitgenossen zu hemmungslosen Übergriffen, auch wenn ihnen die "Anderen" überhaupt nichts getan haben.

"Unter normalen Umständen würde es kein Fünftklässler wagen, einen, geschweige denn 24 Neuntklässler anzugreifen", resümierten die am Versuch Beteiligten, allesamt Mitglieder eines Sozialwissenschaften-Differenzierungskurses. "Umso erschreckender ist es zu sehen, welches Verhalten zur Schau gestelltes Anderssein, verbunden mit erklärter Friedfertigkeit, auslösen kann."


Meldung vom 18.4.2010 [ Nach unten ]

Parlamentserfahrungen (2): Als Europapolitiker in Brüssel

Die Attendorner Delegation Unter dem Motto "Your Europe, Your Say" stand eine dreitägige Jugendplenarsitzung, die Mitte April in Brüssel mit Jugendlichen aus ganz Europa stattfand. Veranstalter war der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA). Als einziger Vertreter Deutschlands waren zu diesem Treffen drei Schüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums geladen: die Zwölftklässler Lena Sangermann, Luise Warns und Alexander Cremer sowie ihr begleitender Lehrer Markus Aufderlandwehr.

Noch während der Begrüßung durch den Präsidenten des EWSA, Mario Sepi (Italien), am ersten Abend wurden die unmittelbaren Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf Island mit seinen Einschränkungen für den europäischen Flugverkehr deutlich, konnten doch einige der Teams entweder nur verspätet oder gar nicht nach Brüssel kommen.

Die zentrale Veranstaltung der drei Tage in Brüssel stellte eine Plenarveranstaltung dar, bei der die Schülergruppe des St.-Ursula-Gymnasiums ihr Verhandlungsgeschick und ihre Sprachkenntnisse testen konnte.

Gemeinsam mit den Jugendlichen aus den anderen EU-Ländern galt es hier, Empfehlungen an die Europäische Kommission zu einer europaweiten Alkoholstrategie zu überarbeiten, über die am Ende diskutiert und abgestimmt wurde. Elektronische Stimmenabgabe und rund dreißig Simultandolmetscher sorgten dafür, dass Lena, Luise und Alexander hautnah miterleben konnten, wie Entscheidungsprozesse in der EU ablaufen.

Irini Pari aus Griechenland, Vizepräsidentin des EWSA, hatte die dreitägige Veranstaltung angeregt und begleitete sie auch. Sie ließ alle Teilnehmer mit ihrem Engagement und ihrer Freude an der Arbeit mit Jugendlichen spüren, dass es ihr ein besonderes Anliegen ist, jungen Menschen Europa näher zu bringen. Ihr galt am Ende der besondere Dank nicht nur der Attendorner Gruppe.

Beim Abschlussdinner hätte die Stimmung kaum besser sein können. Viele Gruppen hatten zu diesem Anlass kleine Darbietungen vorbereitet, so gab es Tänze aus Andalusien und Griechenland oder ein Frankreich-Quiz. Lena, Luise und Alexander beendeten dabei ihre Darbietung zu Deutschland mit einer kleinen süßen Überraschung aus der Heimat, hatten sie doch für alle Teilnehmer Attendorner Iserköppe im Gepäck, die man sich von Estland bis Zypern schmecken ließ.

BegegnungenDie gesamte Gruppe
DebatteIrini Pari und Mario Sepi
HektikBegegnungen

Vielfältige Begegnungen in Brüssel.


Meldung vom 26.3.2010 [ Nach unten ]

Bildungspolitik im Fokus - Podiumsdiskussion zur Landtagswahl

Podiumsdiskussion Wohin steuert die Bildungspolitik nach der Landtagswahl? Unter diesem Motto stand im Attendorner St.-Ursula-Gymnasium ein Podiumsgespräch vor etwa 350 Oberstufenschülern. Zur Diskussion geladen waren die Landtagskandidaten des Kreises Olpe: der Abgeordnete Theo Kruse (CDU) sowie die Bewerber Fred Josef Hansen (Bündnis 90/Die Grünen), Werner Neitzel (FDP) und Susanne Schmitt (Die Linke). Der erkrankte SPD-Landtagsabgeordnete Reinhard Jung ließ sich durch seine Siegener Kollegin Helga Schwarz-Schumann vertreten.

Darüber, dass Nordrhein-Westfalen nicht das "Bildungsland Nr. 1" sei, sondern gehörigen Nachholbedarf habe, waren sich alle Anwesenden einig. Differenzen gab es jedoch bei den Problemlösungen.

So bekannte sich Theo Kruse klar zum bisherigen dreigliedrigen Schulsystem. Den unterschiedlichen Begabungen müsse man mit einem differenzierten Angebot Rechnung tragen. Gute Schulpolitik sei keine Frage der Schulstruktur. Kruse und sein FDP-Kollege Neitzel erklärten hierzu, die schwarz-gelbe Landesregierung habe, indem sie mehr Lehrerstellen geschaffen und den Unterrichtsausfall halbiert habe, "gute Arbeit geleistet".

Die Vertreter der übrigen Parteien sahen das anders. Susanne Schmitt (Die Linke) gab zu bedenken, dass das derzeitige System Kinder der unteren Schichten benachteilige und sie "abhänge". Erforderlich seien mehr individuelle Förderung, kleinere Klassen und mehr Sozialarbeiter in Problembereichen. Ihre Partei bevorzuge "eine Schule für alle" bis zum 10. Schuljahr.

Volles ForumSo weit wollte Fred Josef Hansen (B'90/Die Grünen) nicht gehen. Er plädierte für eine erweiterte Grundschule bis zum 6. oder 7. Schuljahr, da die Kinder am Ende der 4. Klasse zu früh sortiert würden. Anschließend habe aber das Gymnasium als Vorbereitung auf das Studium durchaus seine Berechtigung. Die Haupt- und Realschulen sollten als Verbundschulen zusammengefasst werden.

Helga Schwarz-Schumann (SPD) verwahrte sich gegen den Begriff "Einheitsschule". Die SPD stehe für eine Gemeinschaftsschule. Man wolle nicht "einen gleichen Brei für alle", sondern gemeinsames Lernen bei gleichzeitiger individueller Förderung. Die CDU in anderen Bundesländern, etwa in Hamburg, sehe das inzwischen ähnlich.

Werner Neitzel (FDP) sprach sich grundsätzlich für eine Beibehaltung der Dreigliedrigkeit aus, doch müsse das Schulsystem noch durchlässiger werden. Im Übrigen müsse man, um die Chancengleichheit der Schüler zu erhöhen, schon vor der Grundschule, in den Kindergärten ansetzen. Die von der FDP vorgeschlagene Regionalschule sei ein Kompromiss zwischen den Positionen der CDU und der anderen Parteien.

Im Folgenden fragten die beiden Schüler-Moderatoren der Diskussion nach der Zukunft der Privatschulen im Lande. Hier sprach sich Susanne Schmitt langfristig ganz klar für deren Abschaffung aus. Demgegenüber setzten sich die Vertreter der anderen Parteien für ihren Fortbestand ein. "Konkurrenz", so Werner Neitzel, "belebt das Geschäft." Dieser Einschätzung schloss sich, trotz eines früheren anderslautenden SPD-Parteitagsbeschlusses, auch Helga Schwarz-Schumann an.

Einzelbefragung von Helga Schwarz-Schumann Wie sie zu den Kopfnoten stünden, wollten die Schüler weiter wissen. Theo Kruse plädierte dafür und verteidigte zudem die Vorgabe des Schulministeriums, auch außerschulisches soziales Engagement mit auf die Zeugnisse aufzunehmen. Der Kreis Olpe mit seinen vielfältigen Vereinen biete hierfür die besten Voraussetzungen. Dem widersprach Fred Josef Hansen: "Kopfnoten sind unsinnig. Sie beurteilen nicht das Sozialverhalten der Schüler, sondern deren Elternhaus." Auch den "Heimvorteil" des Kreises Olpe ließ er nicht gelten. Die Universität in Berlin wisse nicht, ob eine gefühlte Drei aus Attendorn besser sei als eine gute Zwei aus Duisburg.

Ein klares Nein zu Kopfnoten gab es auch von der SPD-Abgeordneten Schwarz-Schumann. Sie spiegelten nur subjektive Eindrücke wider. Extrovertierte, "kommunikativere" Schüler seien da gegenüber zurückhaltenden im Vorteil.

Viel Beifall bei den jugendlichen Zuhörern erntete Susanne Schmitt für ihre Aussage, die Linke wolle nicht nur die Kopfnoten, sondern gleich das gesamte Notensystem abschaffen und durch individuelle Beurteilungen nach dem Muster der frühen Grundschuljahre ersetzen.

Zu möglichen Koalitionen nach der Landtagswahl befragt, machten die Kandidaten klare Ansagen. Die Vertreter der CDU und der FDP sprachen sich für eine Fortsetzung der schwarz-gelben Zusammenarbeit aus. SPD-Vertreterin Schwarz-Schumann plädierte für Rot-Grün. Susanne Schmitt von der Linken sah in Rot-Rot-Grün eine Perspektive. Auffällig offen gab sich Fred Josef Hansen. Seine Partei bevorzuge Rot-Grün; er persönlich sehe aber auch in einer schwarz-grünen Koalition kein Problem.

Helga Schwarz-Schumann MdL Diskussionsrunde Theo Kruse MdL
Im Wartestand Susanne Schmitt, Werner Neitzel, Fred Josef Hansen
Das Publikum Divergenzen CDU - SPD Die Herausforderer

Uneinigkeit über die Bildungspolitik


Meldung vom 12.3.2010 [ Nach unten ]

Informationen zum Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss

Hans-Joachim Wilms Wie funktioniert die Europäische Union? Diese Frage beantwortete Hans-Joachim Wilms, Mitglied im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA), vor zwei Oberstufenkursen des St.-Ursula-Gymnasiums.

Im ersten Teil seines Vortrags stellte Wilms zunächst die wichtigsten Institutionen der EU vor, danach plauderte er "aus dem Nähkästchen" und schilderte den Schülern, wie man mit Hilfe geschickter Verhandlungsstrategien und -taktiken politische Inhalte durch- und umsetzt. Auch über die konkrete Arbeit im Ausschuss gab er Auskunft.

Der EWSA wurde 1957 eingerichtet. Er ist eine beratende Institution der Europäischen Union, die den zentralen EU-Organen (Kommission, Rat, Parlament) mit ihrem Sachverstand zur Seite steht. Hierzu erarbeitet der Ausschuss Stellungnahmen zu EU-Legislativvorschlägen und behandelt in sogenannten Initiativ-Stellungnahmen weitere Themen, die seiner Meinung nach aufgegriffen werden sollten. Eine der wichtigsten Aufgaben des Ausschusses ist es, eine "Brücke" zwischen den EU-Institutionen und der sogenannten organisierten Zivilgesellschaft zu schlagen.

Die Veranstaltung stand im Zusammenhang mit einer Einladung des EWSA an drei Schüler des Gymnasiums, im April an einer dreitägigen internationalen Jugendplenarsitzung in Brüssel teilzunehmen. Die Attendorner Jugendlichen sind die einzigen Vertreter Deutschlands in der Debatte.


Meldung vom 13.2.2010 [ Nach oben ]

Parlamentserfahrungen (1): Besuche in Berlin und in Düsseldorf

Deutscher Bundestag "Mitmischen" heißt das Jugendportal des Deutschen Bundestags. Der Internetdienst bietet speziell für Jugendliche und junge Erwachsene vielfältige Informationen zu den unterschiedlichsten politischen Themen. Das Beste aber: Die Besucher können sich interaktiv beteiligen: im Themen-Chat mit Abgeordneten aller im Bundestag vertretenen Fraktionen, in der Community mit Gleichgesinnten.

Dass sich "Mitmischen" lohnt, erfuhr jetzt Anna Carla Kugelmeier, Schülerin des St.-Ursula-Gymnasiums. Als "Power-Userin" mit besonders vielen Forums-Beiträgen wurde sie als eine von fünf Jugendlichen aus ganz Deutschland vom bundestagseigenen "Referat Online-Dienste, Parlamentsfernsehen, PuK4" Ende Januar für drei Tage nach Berlin eingeladen.

Im Mittelpunkt des Aufenthalts standen eine Führung durch den Bundestag sowie der Besuch einer Plenarsitzung. Da sich das Plenum gerade mit dem Jahreswirtschaftsbericht 2010 befasste, war die Regierungsbank fast vollständig besetzt; auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war anwesend. Und weil das Thema so wichtig war, ging auch eine ganze Riege bekannter Personen ans Rednerpult: etwa Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und die Oppositionspolitiker Hubertus Heil (SPD), Fritz Kuhn (B'90/Die Grünen) und Sahra Wagenknecht (Die Linke). Der neue FDP-Generalsekretär Christian Lindner hielt gar seine "Jungfernrede".

Landtag NRW Neben der Plenarsitzung standen mehrere Hintergrundgespräche auf dem Programm, so mit dem Chefredakteur der Zeitung "Das Parlament", Guido Heinen, und mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Friedrich (SPD). Den Höhepunkt des dreitägigen Aufenthalts bildete ein Treffen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), den die Jugendlichen ausgiebig "löcherten".

Nach ihrer Rückkehr aus Berlin ging für Anna Carla der Polit-Marathon gleich weiter. Nur zwei Tage später trat sie in Düsseldorf ein zweiwöchiges Praktikum im nordrhein-westfälischen Landtag an. Die erste Woche verbrachte sie beim parlamentsdokumentarischen Dienst, die zweite in der Pressestelle.

Besonders dort war sie gefordert: Neben der Übernahme des Telefondienstes im Referatssekretariat begleitete sie die Arbeit des Besucherdienstes und verfasste schließlich sogar zwei eigene Artikel für die Landtagszeitschrift "Landtag intern".

Mit dem Aufenthalt in der NRW-Landeshauptstadt erfüllte Anna Carla das hausinterne Curriculum des St.-Ursula-Gymnasiums, das für die Jahrgangsstufe 11 zu Beginn des zweiten Halbjahrs die Ableistung eines zweiwöchigen Praktikums vorsieht.

Auf der Pressetribüne Wirtschaftsminister Brüderle am Rednerpult Bundestag mit Bundesadler
Bundestagsplenum Reichstagskuppel

Impressionen aus dem Bundestag.


[ Hauptseite ]     Archiv:     [ 2009 ]     [ 2008 ]     [ 2007 ]     [ 2006 ]     [ 2005 ]     [ 2004 ]     [ 2003 ]     [ Index ]


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010