Fachschaft Sozialwissenschaften

[ Archiv: 2007 ]


Meldung vom 1.12.2007 [ Nach unten ]

Jugend und Finanzen - Eine Kooperation mit der Stiftung Warentest

  Markus PröllSowi-Kurs
Für Schülerinnen und Schüler steht beim Start in das Berufsleben oder in das Studium eine Vielzahl finanzieller Entscheidungen an: Wie versichere ich mich richtig? Wie lege ich mein Geld an? Brauche ich eine Altersvorsorge und, falls ja, wie soll diese konkret aussehen?

Hier die richtigen Informationen zu finden und nach geeigneten Kriterien das "Passende" auszuwählen ist oft nicht einfach, denn es gibt eine fast unüberschaubare Fülle von Anbietern und Angeboten für Finanzdienstleistungen. Umso wichtiger ist es, dass bereits in der Schule der Start in die Eigenverantwortung erleichtert wird und Jugendliche und junge Erwachsene auch im Bereich Finanzen kritisches Konsumverhalten lernen.

Um diesen kritischen Umgang mit Finanzprodukten wie Girokonten, Versicherungen oder Spareinlagen zu üben, nimmt der Zusatzkurs Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 13 an dem neuen medienpädagogischen Projekt "Jugend und Finanztest" der Stiftung Warentest teil.

In diesem Projekt erhalten alle Schülerinnen und Schüler der teilnehmenden Klassen bzw. Kurse ein halbes Jahr lang kostenlos die Zeitschrift "Finanztest" in den Unterricht geliefert. Aus einer Übersicht wählen die Schüler zu den Schwerpunkten Geld und Recht, Versicherungen oder Altersvorsorge geeignete Unterrichtsthemen aus, denen sie sich während des Projektzeitraums mit Hilfe der Zeitschrift widmen. Speziell auf die aktuelle Ausgabe abgestimmte Arbeitsbögen erleichtern den Zugang zu den jeweiligen Inhalten. Zudem begleitet die Internetseite www.jugend-finanztest.de das Projekt mit einem umfangreichen Download- und Blogbereich.

Ziel des Projekts ist es, mit Hilfe von "Finanztest" das Sachwissen und Analysevermögen sowie die Urteils-, Methoden- und Handlungskompetenz in Sachen "Finanzen" zu stärken. Zur Vorbereitung des Unterrichtsvorhabens, das Anfang Dezember beginnt, nahm Kurslehrer Markus Pröll bereits Ende Oktober an einem zweitägigen Einführungsseminar in Berlin teil.


Meldung vom 26.10.2007 [ Nach unten ]

Hilfe zur Selbsthilfe - Entwicklungspolitische Diskussion

Johannes Schaaf und Martin Breiwe (Mitte, li. u. re.) mit Schülern "Hilfe zur Selbsthilfe" - unter diesem entwicklungspolitischen Motto stand am 26. Oktober 2007 eine Begegnung mit Mitarbeitern des katholischen Hilfswerks Misereor. Martin Breiwe, Leiter der Abteilung Projektpartnerschaften und Spendenkontakte, sowie Johannes Schaaf, Referent für Projektpartnerschaften, referierten zur Situation in Lateinamerika und standen unter anderem den Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 12 sowie dem Eine-Welt-Arbeitskreis Rede und Antwort.

Angenehm überrascht zeigten sich die beiden Misereor-Mitarbeiter von den Fragen der Jugendlichen. "Die waren sehr gut vorbereitet. Da steckt viel Engagement und Interesse dahinter", resümierte Martin Breiwe anerkennend den Schulvormittag, dessen Abschluss ein gemeinsames Mittagessen in der Cafeteria bildete.

Ursprünglich hatte sich zu dem Termin im St.-Ursula-Gymnasium sogar der Hauptgeschäftsführer des Misereor-Hilfswerks, Professor Dr. Josef Sayer, angesagt. Im letzten Moment musste er das Treffen jedoch stornieren: Bundeskanzlerin Merkel hatte ihn kurzfristig eingeladen, sie auf ihrer Reise nach Indien zu begleiten.


Meldung vom 13.10.2007 [ Nach unten ]

Software-Preis des "Jugendforums NRW" für Attendorner Computersimulation

Für ihr Projekt "off world" wurden Stefan Röben und Niklas Bein, Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums, beim diesjährigen "Jugendforum NRW" in Köln ausgezeichnet. Als Prämie erhielten sie ein Software-Paket im Wert von rund 900 Euro.

"off world"-Screenshot Unter dem Motto "Spielend lernen in virtuellen Welten" hatten das NRW-Familienministerium und das Kölner Jugendamt Mitte Oktober Software-Anbieter und interessierte Jugendliche aus ganz Deutschland zu einem zweitägigen Forum zum Thema Multimedia und Computerspiele in den Kölner MediaPark geladen - so auch die beiden angehenden Attendorner Abiturienten. Diese richteten in der Domstadt, wie schon im letzten Jahr, zusammen mit ihrer Mitschülerin Kerstin Rüenauver einen eigenen Messestand ein, nahmen an Podiumsdiskussionen teil und stellten das Konzept ihres neuen Echtzeit-Spiels vor.

"off world" verbindet, so die Programmierer, den Spaßfaktor herkömmlicher Strategiespiele mit einer komplexen ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Simulation, in der jeder Spieler auf vielfältige Weise die Geschicke seines Landes bestimmen kann. Dabei geht es allerdings nicht darum, im Wettlauf mit der Zeit die üblichen Reichtümer anzuhäufen; vielmehr soll der Spieler ein günstiges Umfeld für die Gesamtgesellschaft erstellen, die im Hintergrund modellartig simuliert wird.

Dass ihnen das umfangreiche, zurzeit noch im Planungsstadium befindliche Projekt über den Kopf wächst, glauben die beiden Programmierer nicht. "Wir sind ziemlich stressfest", erklärte Niklas Bein. Der Erfolg gibt ihm Recht: In den vergangenen Jahren gewannen er und seine Mitschüler bereits dreimal hintereinander den renommierten "Join Multimedia"-Softwarewettbewerb der Siemens AG.


Meldung vom 27.9.2007 [ Nach unten ]

60 Jahre politische Arbeit - Zu Gast bei Elsbeth Rickers

Auch in den Herbstferien war die Schüler-AG "Traumjob Politiker?" des St.-Ursula-Gymnasiums aktiv. Diesmal befragten die Jugendlichen in Wenden die langjährige Landtagsabgeordnete des Kreises Olpe, Elsbeth Rickers (CDU). In einem zweieinhalbstündigen Interview gab die mittlerweile 91-Jährige Auskunft zu sechs Jahrzehnten politischer Arbeit.

Elsbeth Rickers mit Gästen Auf die Frage, ob es einen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Politik gebe, wusste die ehemalige Parlamentarierin sofort eine Antwort: Politikerinnen müssten häufiger die anstrengenden Arbeiten übernehmen, für die sich die Herren zu fein seien. In ihrer aktiven Zeit habe jeder männliche Politiker mit Freuden in der Landeshauptstadt Reden gehalten. Wenn es jedoch darum gegangen sei, zu einem Vortrag ins ferne Ostwestfalen zu reisen, habe man den Kolleginnen galant den Vortritt gelassen - mit dem fadenscheinigen Argument, das dortige Publikum wolle "lieber mal eine Frau hören".

Dass sie sich als Frau um das Direktmandat im Wahlkreis Olpe beworben und dieses dann auch erobert habe, sei seinerzeit, so Elsbeth Rickers, eine mittlere Sensation gewesen. "Für viele Männer in meiner Partei war das unvorstellbar." Dabei machten Frauen in der Regel die bessere Politik: "Sie stehen mehr im Leben als die Männer."

Bezeichnend sei in dieser Hinsicht eine Begegnung mit Bundeskanzler Konrad Adenauer gewesen. Gönnerhaft habe dieser in ihre Richtung gefragt: "Was will denn das Küken hier?" Darauf habe sie ihm geantwortet: "Ohne dieses Küken hätten Sie früher ganz schön hungern müssen." - In der Tat hatte ihm Elsbeth Rickers im Zweiten Weltkrieg, als er von den Nationalsozialisten inhaftiert worden war, zusätzliche Lebensmittel ins Gefängnis geschmuggelt.

Nachdenklich reagierte Elsbeth Rickers auf die Frage, ob die Nazi-Ideologie nach dem Krieg tatsächlich aus den Köpfen der Deutschen verschwunden sei. "Ich fürchte, die gibt es auch jetzt noch", erwiderte die CDU-Politikerin. "Wenn ich mir ansehe, wie heutzutage in unserer Gesellschaft oft mit Alten und Behinderten umgegangen wird, dann frage ich mich schon, ob da nicht doch noch der Gedanke vom ‚lebensunwerten Leben' herumspukt."

Beeindruckt zeigten sich die jugendlichen Interviewer von dem Engagement, mit dem sich die 91-Jährige auch heute noch sozialpolitisch betätigt. Nach wie vor ist sie Vorsitzende der Olper "Mutter und Kind-Stiftung", und als ehemalige Beiratsvorsitzende der JVA Attendorn nimmt sie zudem regen Anteil an den derzeitigen Plänen zur Erweiterung des Gefängnisses. "Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie es sich die Attendorner gefallen lassen können, dass man ihnen mitten in ihr Tourismusgebiet eine neue Strafanstalt mit fünfeinhalb Meter hohen Außenmauern setzen will", gab sie den Jugendlichen zu Protokoll.

Als sie hörte, dass sich eine ihrer Interviewpartnerinnen im neu gegründeten Attendorner Jugendparlament engagiere, wurde ihre Stimmung allerdings wieder gnädig. "Das ist die richtige Richtung", gab sie den Schülern mit auf den Weg. "Mischt euch ein! Macht euch bemerkbar!"


Meldung vom 14.9.2007 [ Nach unten ]

Jugend und Wirtschaft - Ein Angebot des Bankenverbands und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Lukas Weber und Titus M. Horstschäfer Spannende Wirtschaftsthemen entdecken, recherchieren, Interviews führen, Artikel schreiben und vielleicht den eigenen Beitrag in der Zeitung wiederfinden. In diese griffige Formulierung packen der Bundesverband deutscher Banken und die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihr Projekt "Jugend und Wirtschaft", ein Angebot an deutschsprachige Schulen im In- und Ausland.

"Jugend und Wirtschaft" ist ein medienpädagogisch und wirtschaftspolitisch ausgerichtetes Projekt für den Schulunterricht, vorwiegend in den Fächern Sozialwissenschaften/Politik, Erdkunde und Deutsch. Etwa ein Jahr lang, von Mitte September bis Ende September des Folgejahres, erhalten alle teilnehmenden Schüler und Lehrer vom Bankenverband ein Freiabonnement der F.A.Z. und arbeiten mit ihr im Unterricht. Dabei geht es nicht nur darum, die Zeitung zu lesen; vielmehr sollen die Jugendlichen auch für sie schreiben. Jeweils am ersten Donnerstag jeden Monats publiziert die F.A.Z. ausgewählte Schülerartikel im Wirtschaftsteil. Weitere Artikel werden in einer so genannten "Kleinen Zeitung" abgedruckt.

Im Schuljahr 2007/2008 nimmt als eine von 60 nominierten Schulen erstmals auch das St.-Ursula-Gymnasium an dem Projekt teil. Ab dem 17. September sind die 24 Schülerinnen und 2 Schüler des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Jahrgangsstufe 12 aufgefordert, in Sachen Ökonomie in Unternehmen, sozialen Institutionen und der Politik zu recherchieren.

Zunächst einmal hieß es für Kursleiter Frank U. Kugelmeier allerdings, selbst zu recherchieren. In einem dreitägigen Einführungsseminar in Berlin erhielt er zusammen mit seinen Kollegen von den anderen teilnehmenden Schulen Detailinformationen zur Durchführung des Projekts. Zu Beginn zeichneten - sozusagen als Anreiz für die neuen Teilnehmer - F.A.Z.-Herausgeber Holger Steltzner und Klaus-Peter Müller, Präsident des Bankenverbands und Vorstandssprecher der Commerzbank, besonders gelungene Arbeiten des letzten Jahres aus.

Anschließend gaben Anke Papke, Projektleiterin und Direktorin beim Bundesverband deutscher Banken, Lukas Weber, Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sowie Titus Maria Horstschäfer vom projektbegleitenden Aachener IZOP-Institut wertvolle Tipps und Hilfen zur Zeitungsarbeit.


Meldung vom 14.9.2007 [ Nach unten ]

Im Interview: Anke Papke über das Fach Wirtschaft in der Schule

Frau Papke, Sie leiten für den Bankenverband das Projekt "Jugend und Wirtschaft". Warum braucht man überhaupt ein solches Projekt?

Anke Papke Man braucht ein solches Projekt, um Wirtschaft in den Schulen stärker zu verankern, und vor allen Dingen, um junge Leute für Wirtschaft zu interessieren und sie für die Zeit nach der Schule fit zu machen, wenn sie ihr Leben eigenständig in die Hand nehmen und im Wirtschaftsleben aktiv werden wollen.

Aus Ihrer Antwort spricht ja zwischen den Zeilen die Klage über Defizite an den Schulen. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann sind Wirtschaftsthemen im Unterricht offenbar bisher nicht hinreichend vertreten. Wo genau sehen Sie die Defizite?

Sie haben Recht: Wirtschaft ist in den schulischen Lehrplänen generell noch zu wenig verankert. Es gibt selten ein echtes Fach "Wirtschaft". Wir haben erstens das Problem, dass wir hierfür nicht wirklich ausgebildete Lehrer haben. Hier müsste eigentlich systematisch Unterricht erteilt werden. Das ist aber im Grunde genommen zurzeit nicht möglich. Zweitens: Wenn Sie "Wirtschaft" lediglich an Fächer wie "Politik", "Geschichte" und "Geografie" andocken, dann werden Sie das nicht in dem nötigen systematischen Maße tun können, um bei den Jugendlichen tatsächlich eine ökonomische Grundbildung zu legen. Die aber ist erforderlich.

Jetzt gibt es ja Kritiker, die dem Engagement der Kreditinstitute in den Schulen durchaus reserviert gegenüber stehen. Ich mache es mal am Beispiel des "Planspiels Börse" der Sparkassen fest. Da gibt es durchaus Kollegen, die sich gegen dieses Spiel wehren und sagen: "Ich möchte meine Schüler nicht zu Zockern erziehen!" Denn in dem Planspiel geht es ja hauptsächlich um Spekulationsgewinne. - Wie stehen Sie zu solcher Kritik?

Es gibt sicherlich Projekte, bei denen Kritik berechtigt ist. Ich kann da jetzt keine im Einzelnen nennen; es sind mir auch keine konkreten bekannt. Aber generell glaube ich, dass Projekte, die Wirtschaft und Schule zusammenbringen, den Leuten einen Einblick über die Schulzeit hinaus geben. Auch wenn ich lerne, was ein Spekulationsgewinn ist, ist das etwas, was mir weiterhilft. Ich muss wissen, dass es so etwas gibt, und ich muss vor allem die Risiken einschätzen können. Allein daraus können junge Leute schon sehr viel für den Fall lernen, dass sie, wenn sie im entsprechenden Alter sind, beispielsweise Aktien kaufen wollen.

Wie stehen die Schulministerien zu Ihren Bestrebungen, das Fach "Wirtschaft" im Unterricht zu stärken oder gar selbstständig einzuführen?

Zunächst einmal: Unseren Projekten gegenüber, dem gegenüber, was wir mit den Lehrern gemeinsam, mit den Schülern und für die Schulen tun, sind die Kultusministerien außerordentlich aufgeschlossen. Sie unterstützen uns auch bei unserer Arbeit. - Anders sieht es aus, was die Einführung eines selbstständigen Faches angeht: Das sehen wir ja in der Realität, dass es eben kein eigenes Fach, sondern allenfalls eine Kombination mit anderen Fächern gibt, dass "Politik" mit "Wirtschaft" verbunden oder dass "Wirtschaft" innerhalb eines Faches "Gemeinschaftskunde" unterrichtet wird. Da würden wir uns wünschen, dass da noch mehr geschieht.

Der Bankenverband engagiert sich ja in dieser Hinsicht schon über zwanzig Jahre. Welche Veränderungen haben Sie in dieser Zeit in den Schulen beobachten können? Gibt es da, was wirtschaftliche Fragestellungen angeht, Entwicklungen hin zum "Besseren" - oder sind es eher Wellenbewegungen, die das Interesse von Schule an Wirtschaft widerspiegeln?

Bankenverbandspräsident Klaus-Peter Müller während der Preisverleihung "Jugend und Wirtschaft" Man muss grundsätzlich sagen, dass sich sehr viel bewegt hat. Das betrifft sowohl die Lehrer als auch die kultusministerielle Seite. Wir haben mittlerweile ein sehr großes Interesse von Lehrern an Wirtschaftsprojekten. Wir registrieren da auf Seiten der Lehrer sehr viel Engagement; denn all das findet zum Teil ja auch außerhalb des Unterrichts statt. Das heißt, hier sind die Lehrer wirklich gefordert; aber sie nehmen es an. Und da muss man ganz klar sagen: Hut ab! Das finde ich ganz beachtlich. - Auf Seiten der Kultusministerien ist eigentlich auch eine Menge passiert. Es gibt heutzutage eine größere Chance und mehr Möglichkeiten, Wirtschaft zu unterrichten. Alle Verantwortlichen wissen, dass das erforderlich ist. In vielen Bundesländern ist beispielsweise das Fach "Politik" in ein Fach "Politik und Wirtschaft" umgewandelt worden; das gibt es in Hessen, das gibt es in Niedersachsen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Inzwischen wird also Wirtschaft intensiver unterrichtet. - Allerdings sind wir - wie ich eben schon sagte - der Meinung, dass das nicht hinreichend ist. Wir hätten gerne mehr mit Blick auf die Bedeutung, die der Wirtschaftsunterricht für die Zukunft der jungen Menschen hat, die er auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland hat. Wir brauchen einfach junge Menschen, die nach dem Abitur, nach dem Realschulabschluss, aber auch nach dem Hauptschulabschluss eine tiefe ökonomische Grundbildung haben. Dafür müssen wir einfach noch mehr tun.

In Deutschland gibt es ja öffentliche, aber auch private Schulen. Da könnte man doch sagen: Warum gründet der Bankenverband nicht einfach eigene Privatschulen, in denen die wirtschaftlichen Themen dann entsprechend stärker unterrichtet werden? Wie stehen Sie zu einem solchen Vorschlag?

Ich glaube, grundsätzlich ist es nicht die Aufgabe eines privatwirtschaftlichen Verbandes, Schulen zu gründen. Das haben wir bisher auch nicht getan. "Schule" ist zunächst einmal eine hoheitliche Aufgabe. Natürlich gibt es auch sehr gute Privatschulen, deren Engagement wir sehr begrüßen; denn Wettbewerb belebt das Geschäft. Aber wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, selbst in die Gründung von Schulen einzusteigen.

(Das Gespräch führte Frank U. Kugelmeier am 14.9.2007 in Berlin.)


Meldung vom 13.8.2007 [ Nach unten ]

Schulministerin und UN-Jugenddelegierte zu Besuch in Attendorn

Barbara Sommer Einen ereignisreichen Start ins neue Schuljahr verbuchte das St.-Ursula-Gymnasium im August. Gleich in der ersten Woche kam Schulministerin Barbara Sommer zu einem Interview mit der Schüler-Projektgruppe "Traumjob Politiker?" ins Haus. Vier Tage später hatte die Schule im Rahmen eines sozialwissenschaftlichen Aktionstags zum Thema Globalisierung die beiden UN-Jugenddelegierten Marah Köberle (22) und Jonathan Mack (23) zu Gast.

Die Fragen der Schüler an die Ministerin waren breit gefächert - sie reichten von den Kopfnoten über das Zentralabitur bis zum "Sitzenbleiben", vom Bußgeld für Schulschwänzer bis zur Schuldenberatung im Unterricht.

Barbara Sommer nutzte die Gelegenheit, einige Missverständnisse hinsichtlich der jüngst diskutierten Sechs-Tage-Woche richtig zu stellen. Diese sei nur ein Angebot an die Schulen, keineswegs eine Verpflichtung. Ob auch samstags Unterricht stattfinden solle, müssten letztlich die Gremien vor Ort entscheiden.

Deutlich bezog die Ministerin Stellung zum Kopftuchstreit. Wenn eine muslimische Lehrerin im Unterricht ein Kopftuch trage, sei das nicht nur eine individuelle Geste. Das Tuch sei vielmehr ein Symbol. Dadurch würden Dinge tradiert, durch die die Schüler und insbesondere die Schülerinnen unzulässig beeinflusst werden könnten. Das Tragen christlicher Ordenstracht im Unterricht, etwa von Religionslehrern, bleibe hiervon unberührt: "Wir stehen auf dem Boden einer christlichen Tradition. Christliche Werte gehören in unsere Schule. Da ist schon ein Unterschied zu machen, wenngleich das manche Gerichte anders sehen."

Marah Köberle und Jonathan Mack Uneins waren die Schüler und die Ministerin in der Frage des so genannten "eigenverantwortlichen Arbeitens". Das Schulministerium verpflichtet die Oberstufenschüler seit kurzem auch bei ausfallendem Unterricht zur Anwesenheit in der Schule. Sie sollen, so die Ministerin, in der Zeit ohne Lehrer im Klassenraum Lernstoff eigenständig nacharbeiten und vertiefen. Die Betroffenen betrachteten diese Erwartung als illusionär: "Wenn wir Inhalte individuell erarbeiten sollen, können wir das am besten zu Hause."

Weniger kontrovers verlief die Begegnung mit den UN-Jugenddelegierten. Den über achtzig anwesenden Schülern der Jahrgangsstufen 12 und 13 erläuterten die beiden Gäste ihre Funktion: Die Bundesrepublik Deutschland entsende jährlich jeweils zwei Repräsentanten der deutschen Jugend zu den Vereinten Nationen. Zusammen mit Abordnungen aus anderen Nationen trügen diese Delegierten dann im Herbst auf der Generalversammlung in New York und in diversen Ausschusssitzungen die politischen Vorstellungen und Wünsche der Jugend der Welt vor.

Dazu holten sie, die beiden deutschen Delegierten, zuvor auf einer umfangreichen Tour quer durch die Bundesrepublik Informationen über die Interessen, Ideen und Forderungen der hiesigen Jugendlichen ein - so auch in Attendorn.

Walter Viegener im Plenum Die St.-Ursula-Schüler steuerten dann auch gleich einige interessante Vorschläge bei: So forderten sie beispielsweise eine weltweite Übereinkunft, Altwaffen aus Armeebeständen zu verschrotten, statt sie, wie bisher, über Mittelsmänner gewinnbringend in Krisengebiete zu verkaufen. Das soziale Engagement von Staaten und Unternehmen solle in internationalen Rankings dokumentiert werden. Auch wurde der Ruf nach Mindestlöhnen in Entwicklungsländern laut.

Ob sie in einer globalisierten Welt, besonders angesichts der Konkurrenz aus Fernost, Angst um ihre Zukunft hätten, wollten die Jugenddelegierten von den St.-Ursula-Schülern wissen. Einige äußerten, sie sorgten sich in der Tat um ihr berufliches Auskommen. Die meisten blickten jedoch optimistisch nach vorn.

Vielleicht lag dies an dem Vortrag eines weiteren Gastes des Aktionstags: Walter Viegener, Mitinhaber der Attendorner Firma Viega, mit 2800 Mitarbeitern in aller Welt selbst längst ein Global Player, legte in seinen Ausführungen ein deutliches Bekenntnis zum Standort Deutschland ab. Die fernöstlichen Mitbewerber sehe er zwar mit Sorge und besonders die Produktpiraterie mache der Branche sehr zu schaffen, doch halte er an seinem mittelständischen Unternehmenskonzept fest. Jedenfalls werde, solange er lebe, keine "Heuschrecke" seine Firma übernehmen.


Meldung vom 1.7.2007 [ Nach unten ]

Begegnung mit Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel

Bernhard Vogel (vorn) in Schwerte "Woher? - Wohin? Abenteuer Menschsein" - Unter diesem Motto lud die Katholische Akademie Schwerte in der ersten Woche der Sommerferien zur "Campus-Akademie 2007", einem Projekt für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 der katholischen Gymnasien im Erzbistum Paderborn. Sieben Tage lang gaben namhafte Referenten, darunter Prof. Dr. Clemens Börsig, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutsche Bank AG, Gerald Baars, Leiter des WDR-Fernsehstudios Dortmund, und Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel, Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung, Auskunft zu Themen wie "Medienmacht und Wirklichkeitsdeutung", "Gesellschaft gerecht gestalten" oder "Die Macht der Banken und ihre gesellschaftliche Verantwortung".

An der "Campus-Akademie", die als kostenloses Stipendium vergeben wurde, nahm vom St.-Ursula-Gymnasium u. a. Kerstin Rüenauver, langjähriges Mitglied der AG "Traumjob Politiker?", teil. Ihr besonderes Interesse galt dem Gespräch mit Ministerpräsident a. D. Vogel, der ihr und ihren "Kommilitonen" vielfältige "Kardinalfragen" aus Politik und Ethik beantwortete.

Nach etwa zwei Stunden beschloss Vogel seine Ausführungen mit einem Appell an seine Gesprächspartner, sich nicht unterkriegen zu lassen: "Es ist ein Abenteuer zu leben, ein großartiges Abenteuer. Und nichts ist schlimmer, als wenn jemand schon mit achtzehn vor lauter Sorgen nicht mehr schlafen kann. Ihr habt eine großartige Sache vor euch. Lasst euch von niemandem einreden, dass das Leben nur aus Krisen und Problemen besteht. Euch steht die Welt offen."


Meldung vom 20.6.2007 [ Nach unten ]

Neue Auszeichnung für das "Traumjob Politiker?"-Projekt

Helmut Kuhne MdEP im Interview Eine neuerliche Auszeichnung für ihr Projekt mit politischen Interviews erhielten die Schülerinnen und Schüler der AG "Traumjob Politiker?" Anfang Juni. - Im Rahmen des Förderprogramms "Demokratisch Handeln" der Theodor-Heuss-Stiftung und der Akademie für Bildungsreform, repräsentiert durch die Universität Jena, wurden sie zur viertägigen "Lernstatt Demokratie", einem Forum für politisch engagierte Jugendliche, nach Jena eingeladen.

Leider konnten die Schülerinnen und Schüler diesen Termin jedoch nicht wahrnehmen: Sie hatten sich zuvor schon entschieden, stattdessen zum zeitgleich stattfindenden Evangelischen Kirchentag nach Köln zu fahren und dort weitere Interviews zu führen. So wurde ihnen ihre Anerkennungsurkunde, unterzeichnet von Hildegard Hamm-Brücher (Theodor-Heuss-Stiftung) und Peter Fauser (Akademie für Bildungsreform), Mitte Juni postalisch zugestellt.

Zu diesem Zeitpunkt führten die AG-Teilnehmer bereits ihr nächstes Politikergespräch: Am 15. Juni stellte sich ihnen in Attendorn in einem etwa einstündigen Interview der Europaabgeordnete Helmut Kuhne (SPD).


Meldung vom 9.6.2007 [ Nach unten ]

Interview-Marathon beim Evangelischen Kirchentag

Gleich zwei Schülerteams des St.-Ursula-Gymnasiums rückten mit Kamera und Mikrofon aus, um auf dem 31. Evangelischen Kirchentag in Köln prominente Geistliche und Politiker zu ihrem Glauben und zum Verhältnis von Religion und Politik zu befragen.

Kirchentagspräsident Höppner im Gespräch Dass die interviewten Kirchenvertreter an ein Leben nach dem Tod glauben, stand dabei außer Frage. "Das ist für mich eine der Grundbotschaften des christlichen Glaubens", erklärte den Jugendlichen beispielsweise Fernsehpfarrerin Mechthild Werner ("Das Wort zum Sonntag"). Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sah dies genauso. Eine konkrete Vorstellung vom Jenseits habe er allerdings nicht: "Es gibt Dinge, die man sich erst vorstellen kann, wenn sie eingetroffen sind."

Weiter gestreut waren die Antworten der Politiker. Während sich Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) als einen "gläubigen Christenmenschen" bezeichnete und auch Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) feststellte, "dass wohl irgendetwas von uns bleibt", erklärte Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, sie sei noch immer auf der Suche nach dem, was sie glauben könne. Ähnlich formulierte es Grünen-Fraktionschefin Renate Künast: Bei ihr sei der Glaube an das Jenseits je nach Lebensphase ganz unterschiedlich ausgeprägt.

Inwieweit sich Kirchenvertreter in die Politik einmischen dürften, fragten die Schüler weiter und machten ihre Frage, wie schon in früheren Interviews, am Beispiel des Augsburger Bischofs Walter Mixa und seiner Kritik an der Familienministerin fest. Deutliche Worte kamen hier vom Gastgeber des Kirchentags, dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Nikolaus Schneider. Wenn es um Tod und Leben der Menschen gehe, müsse ein Bischof sich einmischen. Doch wenn es darum gehe, ein sehr enges, einseitiges Familienbild zu stabilisieren, dann solle er sich dazu als "Mitbürger", nicht aber mit dem Anspruch des Bischofs äußern.

Kardinal Karl Lehmann im Gespräch Auch der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der als Gast auf dem Kirchentag weilte, ging auf Distanz. Natürlich habe jeder Bischof das Recht, seine Meinung zu sagen. Bischof Mixas Ansichten seien jedoch nicht repräsentativ für die Bischofskonferenz. Dass man die Politik der Bundesregierung hinterfrage, sei legitim. "Doch wäre es besser gewesen, das wäre ohne Polemik gesagt worden."

Unerwarteten Zuspruch erhielt der Augsburger Bischof hingegen von TV-Pfarrer Jürgen Fliege, den die Schüler ebenfalls interviewten. "Ich bin zwar kein Parteigänger von Mixa, aber Mixa hat Recht. Er macht, wenn auch unpopulär, darauf aufmerksam, dass Familie in unserer Gesellschaft immer noch unter dem Diktat der Ökonomie steht."

Welches politische Ziel sie sofort verwirklichen würden, wenn die gute Fee ihnen einen Wunsch erfüllte, wollten die Schüler abschließend von ihren Interviewpartnern wissen. Angesichts des parallel zum Kirchentag stattfindenden G8-Gipfels fielen die Antworten nahezu einmütig aus. Kirchentagspräsident Höppner wünschte sich, das Millenniumsziel der Halbierung der Armut in der Welt bis zum Jahr 2015 tatsächlich zu erreichen. Kardinal Lehmann sprach sich für eine Demokratisierung Afrikas und die Beseitigung der dort herrschenden Korruption aus. Wolfgang Thierse wollte für Veränderungen im Welthandel sorgen, "damit die Afrikaner und Südamerikaner mehr Chancen haben". Und Kirchenpräses Schneider, der ebenfalls für einen fairen Welthandel plädierte, fügte einen weiteren Aspekt hinzu: "Ich würde den Waffenexport unter strengste Kontrolle stellen, sodass damit die Kriege nicht länger befeuert werden."

Kardinal Karl Lehmann Reinhard Höppner Nikolaus Schneider
Claudia Roth MdB (B'90/Grüne) Wolfgang Thierse MdB (SPD) Renate Künast MdB (B'90/Grüne)
Jürgen Fliege Mechthild Werner Fritz Schramma (CDU)

Gefragte Kirchentagsgäste


Meldung vom 18.5.2007 [ Nach unten ]

"EU-Schülergipfel" in Köln - Europa-Informationen aus erster Hand

Im Gespräch mit Lale Akgün MdB "Europa wird 50": Unter diesem Motto lud das Bundespresseamt am 18. Mai interessierte Jugendliche aus NRW nach Köln zu einem "EU-Schülergipfel" mit Europa- und Bundestagsabgeordneten. Die Schüler-AG "Traumjob Politiker?" des St.-Ursula-Gymnasiums ließ sich diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Wie sich vor Ort herausstellte, waren die Jugendlichen aus der Hansestadt allerdings, vermutlich wegen des beweglichen Ferientags, die einzigen Gäste der Veranstaltung. Umso mehr Zeit nahmen sich die anwesenden Parlamentarierinnen für die Fragen der Attendorner.

Einig waren sich alle Politikerinnen darin, dass die Zukunft nicht in den Nationalstaaten, sondern in einem vereinten Europa liege. Nur die EU, so Ruth Hieronymi (CDU), Mitglied des Europäischen Parlaments, könne auf Dauer Frieden und soziale Sicherheit in Europa erhalten.

Unterschiede zeigten sich indessen in der Frage eines möglichen EU-Beitritts der Türkei. Hier bezog Hieronymi eindeutig Position: Ihrer Ansicht nach würde eine Vollmitgliedschaft sowohl die Türkei als auch die EU überfordern. Etwas moderater äußerte sich ihre Parteikollegin, die Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen. Für die CDU sei dies ein "heißes Thema". Sie persönlich könne sich zwar eine Mitgliedschaft der Türkei, sofern diese ihr Rechtssystem anpasse, vorstellen; die CDU generell setze jedoch auf eine "privilegierte Partnerschaft".

Demgegenüber sprach sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün, selbst gebürtige Türkin und seit 1981 Deutsche, massiv für einen Beitritt aus: "Wenn Europa strategisch und geopolitisch an Bedeutung gewinnen möchte, muss es die Türkei aufnehmen." Natürlich müsse aber auch die Türkei diesbezüglich "ihre Hausaufgaben machen".

Die Brücke von der Europa- zur deutschen Innenpolitik schlugen die Schüler, indem sie die aktuelle Krippenpolitik der Bundesregierung thematisierten. In dieser Frage herrschte unter allen Anwesenden Einmütigkeit. Besonders betroffen zeigte sich die grüne Bundestagsabgeordnete Kerstin Müller, seit einem Jahr Mutter einer Tochter. Auch als Oppositionspolitikerin unterstütze sie den Vorstoß der Familienministerin ausdrücklich. Der Ausbau der Betreuungsplätze für die Unter-Dreijährigen sei überfällig. Es sei ein Skandal, dass die Unterbringung der Kinder in Deutschland, anders als in anderen europäischen Ländern, immer noch als Privatsache abgetan werde.

Auch die CDU-Abgeordnete Ursula Heinen plädierte dafür, mehr für die Kinder und die Familien zu tun. Dazu gehörten selbstverständlich mehr Kindergarten- und Krippenplätze, aber auch eine bessere Versorgung in den Bereichen Schule und Ausbildung.

Lale Akgün (SPD) begrüßte die Diskussion um die Kinderbetreuung ebenfalls. Sie erinnere sich leidvoll daran, wie sie als berufstätige Mutter habe bitten und betteln und organisieren müssen, um ihr Kind versorgt zu wissen. Auf die Frage der Schüler, wie sie in diesem Zusammenhang die Äußerungen des Augsburger Bischofs Walter Mixa zur Krippenpolitik bewerte, winkte Akgün ab: "Das ist der Versuch, die Zeit aufzuhalten. Aber die Zeit lässt sich nicht aufhalten."

Ursula Heinen, CDU Kerstin Müller, Bündnis 90/Grüne
Lale Akgün, SPD Ruth Hieronymi, CDU

Interviewpartnerinnen in Köln


Meldung vom 15.5.2007 [ Nach unten ]

Rechte Sympathien - Das "Experiment der verlorenen Briefe"

In Köln hatten fünfzig Autofahrer Ende April ein Erlebnis der besonderen Art. An der Windschutzscheibe ihres geparkten Fahrzeugs klemmte jeweils ein fertig adressierter und frankierter Briefumschlag, an den ein kleiner gelber Notizzettel geheftet war. Seine Aufschrift: "Brief lag neben Ihrem Auto. Gehört er Ihnen?"

Marcel Prentler mit Briefen Hier war nicht ein nachlässiger Postzusteller am Werk; verteilt hatte die Umschläge vielmehr ein Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums. Marcel Prentler, Jahrgangsstufe 12, bestritt mit seinem "Experiment der verlorenen Briefe" eine sozialwissenschaftliche Facharbeit. Die Hälfte der Briefumschläge hatte er unter seinem normalen Namen an sich selbst adressiert; die anderen fünfundzwanzig waren unter der gleichen Postadresse an "Kamerad M. Prentler, Nationaler Schutzbund des Deutschtums e. V., Sektion 37" gerichtet.

Gleich zwei Fragen versuchte der Schüler mit seiner Experimentalanordnung zu beantworten. Erstens: Würden die Autofahrer die offensichtlich fehlgeleiteten Briefe tatsächlich in den nächsten Postkasten werfen und somit an den Empfänger weiterreichen? Und zweitens: Würde ihre Bereitschaft, den Brief einzuwerfen, von dem jeweiligen Adressaten - dem "einfachen" Bürger oder dem offenkundig rechtslastigen "Kameraden" - abhängen?

Die Antworten ließen im wahrsten Sinne des Wortes nicht lange auf sich warten. Nach einer Woche hatte der Gymnasiast fünfundzwanzig Briefe wieder im Kasten, eine weitere Woche später folgte ein Nachzügler. Die Rücklaufquote der Umschläge lag also bei 52 Prozent.

Bemerkenswert waren aber vor allem die Resultate hinsichtlich der beiden Anschriften. Hier ließen sich nämlich kaum Unterschiede feststellen: Den "einfachen" Adressaten erreichten 14 Briefe, den "Kameraden Prentler" immerhin 12. Den Versuchspersonen, die die Umschläge weitergeleitet hatten, war es augenscheinlich gleich gewesen, wem sie da gerade "Amtshilfe" leisteten.

Marcel Prentler zeigte sich von dem Ergebnis mehr als überrascht. Er habe gedacht, dass die Probanden deutlicher differenzieren und sich einem "Nationalen Schutzbund" erkennbar verweigern würden. Vielleicht, so notierte er in seiner Facharbeit, sei die Gruppe mit dem zweifelhaften Namen aber lediglich als "irgendein Heimatverein" angesehen worden. Sein Lehrer Frank Kugelmeier bilanzierte: "Offenbar sind in unserer Gesellschaft rechtsextreme Gruppierungen wieder salonfähig geworden, sodass kaum jemand etwas dabei findet, ihnen zuzuarbeiten."

Die Idee zu dem Experiment, mit dem sich die Einstellung der Menschen zu bestimmten Themen unauffällig überprüfen lässt, stammt übrigens von dem bekannten US-amerikanischen Sozialpsychologen Stanley Milgram. Dieser hatte bereits im Jahr 1963 je hundert "verlorene Briefe" an die "Freunde der Nazi-Partei" und an einen unbescholtenen Bürger adressiert. Die Rücklaufquote betrug seinerzeit für den Bürger 71 Prozent, für die rechtsextreme Partei 25 Prozent.


Meldung vom 5.5.2007 [ Nach unten ]

Im Rollstuhl - Ein Selbstversuch

Niemand wünscht sich, im Rollstuhl zu sitzen. Aber niemand kann sicher sein, nicht doch irgendwann auf ihn angewiesen zu sein. Wie es ist, sich als Gehbehinderter durchs Leben schlagen zu müssen, das erforschte jetzt Jessica Steinberg, Schülerin der Jahrgangsstufe 12. Für ihre Facharbeit schickte sie eine Freundin einen Tag lang im Rollstuhl durch die Kölner Innenstadt und beobachtete das Verhalten der Vorübergehenden.

Die Agentin im Rollstuhl Die Probleme fingen bereits damit an, das aus einem Attendorner Altenheim entliehene Gerät in den Kleinwagen der Schülerin zu verfrachten. "Uns wurde schlagartig klar, wieso es für Rollstuhlfahrer wichtig ist, in einem extra für sie ausgestatteten Auto transportiert zu werden", resümierte Jessica in ihrer Arbeit.

In Köln selbst wurden die Probleme nicht geringer. Zwar erlebte die "Gehbehinderte" hier in der Fußgängerzone und in den Kaufhäusern hin und wieder Zuspruch und kleine Aufmerksamkeiten, doch zeigten sich die meisten Passanten bzw. Kunden eher gleichgültig. Mitunter waren die Reaktionen sogar ausgesprochen taktlos und provokant. Häufig wurde die Rollstuhlfahrerin von eiligen Vorübergehenden schlichtweg abgedrängt, und eine Gruppe Jugendlicher ließ sich in ihrer Gegenwart sogar lautstark über ihre Gebrechen aus, bis einer der Beteiligten schließlich vorschlug, ihr "'nen Stein zwischen die Speichen" zu werfen.

Komplikationen gab es bei der Suche nach einer geeigneten Toilette. Zu einem öffentlichen WC wurde der jungen Behinderten der Zugang verwehrt, da sie keinen entsprechenden Ausweis vorlegen konnte. Trotz ihres Hinweises, sie habe ihn lediglich vergessen, blieb das Wachpersonal hart.

Im Kaufhaus waren die Angestellten umgänglicher, doch bedeutete hier der "Gang" zur Toilette zunächst einmal, sich an der Information den Schlüssel für das WC im nächsthöheren Stockwerk zu holen und dann zehn Minuten lang auf einen der überfüllten Aufzüge zu warten.

Natürlich gab es aber auch positive Momente. "Ein schönes Erlebnis hatten wir, als ein behinderter Junge unseren Weg kreuzte", berichtete Jessica. "Er grüßte uns, vor allem aber lächelte er unsere Rollstuhlfahrerin freundlich an." Und als der Behinderten zwischen Dom und Hauptbahnhof eine Treppe den Weg versperrte, fanden sich sogleich einige hilfreiche Hände, die sie über die Stufen expedierten.

Zum Konzept des Versuchs gehörte es, dass die Rollstuhlfahrerin einen Teil der Strecke in der Kölner Innenstadt allein zurücklegen, einen anderen Teil von ihrer Mitschülerin geschoben werden sollte. Dabei kamen die beiden zu einem überraschenden Ergebnis. War die Behinderte allein unterwegs, nahmen die Passanten erheblich mehr Rücksicht auf sie, als wenn sie sich in Begleitung zeigte.


Meldung vom 30.4.2007 [ Nach unten ]

Wahrheiten und Mehrheiten - Bundestagspräsident Norbert Lammert im Gespräch

Norbert Lammert, MdB Ihren auch überregional bekannt gewordenen Interviews mit deutschen Spitzenpolitikern fügte die Schüler-AG "Traumjob Politiker?" Ende April ein weiteres hinzu. Kein Geringerer als Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) stand den Jugendlichen in Arnsberg eine halbe Stunde lang Rede und Antwort.

Zu Beginn stellte Lammert klar, dass er als Präsident des Deutschen Bundestags zwar zur Überparteilichkeit verpflichtet sei, dass er sich aber als Parlamentsmitglied durchaus auch das Recht nehme, politisch Stellung zu beziehen. Allerdings versuche er sich in aktuellen Streitfragen zurückzuhalten und sich stattdessen mehr den grundsätzlichen Themen zuzuwenden.

Dem Vorwurf, früher seien die politischen Auseinandersetzungen im Bundestag gehaltvoller gewesen als heute, begegnete Lammert mit zwei Argumenten. Zum einen seien die großen Richtungsentscheidungen in Deutschland - die soziale Marktwirtschaft, die Westorientierung, die Wiederbewaffnung - in der Frühzeit der Bundesrepublik gefallen. Von daher habe man die hochgradig kontroversen Debatten damals als existenzieller empfunden als heutige Diskussionen "über Rentenanpassungen von 0,65 Prozent". Zum anderen behalte man - nicht nur in der Politik - in der Erinnerung meist nicht die Tagesbanalitäten, sondern die großen Ereignisse. Auch damals habe es aber bei genauerem Hinsehen nicht mehr als zehn Abgeordnete gegeben, die als Redner einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätten.

Ob Politiker heutzutage überhaupt noch Macht besäßen, ob diese nicht längst in die Vorstandsetagen der großen Konzerne abgewandert sei, wollten die Schüler weiter wissen. Auch hier antwortete Lammert abwägend. Sicher habe man es inzwischen mit einer "Ökonomisierung von Politik" zu tun. Andererseits seien es aber immer noch die Politiker, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen festlegten.

Im Gespräch Auf die Frage, welche Eigenschaften ein erfolgreicher Politiker haben müsse, antwortete Lammert kurz und bündig: "Sensibilität und ein dickes Fell." Das eine sei ebenso unverzichtbar wie das andere. Für den größten Fehler eines Politikers hält es der Bundestagspräsident, sich in eine ausweglose Lage zu manövrieren. Man brauche immer Gestaltungsalternativen: "Deshalb ist politischer Fundamentalismus eine der Untugenden in einem demokratisch verfassten Staat."

Auch den Aspekt "Kirche und Politik" hatten die Schüler auf ihrer Themenliste. Lammert beschrieb hier ein Dilemma: "Kirche und Religionen handeln von Wahrheiten. Dabei spielen Mehrheiten keine Rolle. Politik handelt hingegen von Mehrheiten und beruht auf der Überzeugung, dass niemand Wahrheitsansprüche erheben darf."

Ob sich vor diesem Hintergrund Kirchenvertreter überhaupt in die Politik einmischen dürften, fragten die Schüler weiter - und hatten dabei die Äußerungen des Augsburger Bischofs Mixa zur Krippenpolitik der Familienministerin im Blick. Lammert bejahte dies ausdrücklich, wobei er sich eine solche Beteiligung jedoch weniger in tagesaktuellen Auseinandersetzungen, sondern eher in Grundsatzfragen des Lebensschutzes oder der bioethischen Entwicklung wünschte. Zugleich schränkte er ein: "Wenn ich mich in eine politische Debatte begebe, muss ich mich auch deren Spielregeln unterwerfen. Dann hat auch ein Bischof keinen Wahrheitsanspruch auf seiner Seite." Nur diejenige Politik könne also umgesetzt werden, für die es letztlich eine Mehrheit gebe.


Meldung vom 28.4.2007 [ Nach unten ]

Solidarität in der City - Das "Experiment der peinlichen Zettel"

Valeria, Josephine, Helena und Lena mit einem der "peinlichen Zettel" Nach mehreren Bettelprojekten in den Jahren zuvor zog es einige Oberstufenschüler des St.-Ursula-Gymnasiums Ende April 2007 erneut in die Kölner City. Wiederum testeten sie die Hilfsbereitschaft der Passanten - diesmal jedoch in einem ganz anderen Experiment.

Das Szenario war einfach: Im Halbstundentakt ging jeweils ein Schüler durch die stark frequentierte Fußgängerzone. Auf seinem Rücken klebte ein handgeschriebener Zettel, den ihm augenscheinlich irgendein Spaßvogel ohne sein Wissen angeheftet hatte. Darauf stand ein peinlicher oder auch sexuell anzüglicher Text. Wie würden die Passanten auf das vermeintliche "Opfer" reagieren? Würden sie es auf seine Situation aufmerksam machen - oder es einfach laufen lassen? Hierüber führten die Mitschüler des Opfers in einiger Entfernung diskret Buch - Stoff für zwei sozialwissenschaftliche Facharbeiten.

Die Idee zu dem "Experiment der peinlichen Zettel" hatte Fachlehrer Frank Kugelmeier; die Zettelaufschriften steuerten die Versuchsteilnehmer selber bei. Das beruhigende Ergebnis des Projekts: Tatsächlich wurde jedes "Opfer" angesprochen, durchschnittlich alle fünf Minuten einmal. Allerdings gab es Unterschiede: Während sich Marcel, der als "Vollidiot" durch die Straßen lief, Lena ("Ich stinke") und Valeria ("Ich verkaufe meinen Körper") mit nur wenigen Hinweisen begnügen mussten, kam Helena ("Ich bin eine Schlampe und krieg nix mit") in einer halben Stunde immerhin auf neun Treffer. Auf ihren Zettel "Kick me" reagierten die Passanten sogar im Minutentakt.

"Ich stinke" Besonders hervor taten sich hier einige grüne Lokalpolitiker, die ihren Parteiinfostand am Neumarkt aufgebaut hatten: Kaum sahen sie die Schülerin, da stürzten auch schon drei von ihnen herbei, rissen ihr das Schild ab und zerknüllten es sofort.

Auch ein Obdachloser lief spontan hinter einem der Opfer her und hielt es an. Auf Nachfrage der Beobachter, warum er das getan habe, winkte er ab: "Dazu kann ich nichts sagen. Ich wollte nur nett sein."

Typischer war jedoch, dass die Passanten eine ganze Weile brauchten, um sich zur Hilfe zu entschließen. Viele kämpften sichtlich mit ihrer Entscheidung. Sie vergewisserten sich erst einmal, ob sie vielleicht selbst einen Zettel auf dem Rücken trügen. Dann berieten sie sich häufig mit ihrem Partner, ehe sie nach frühestens 20 Sekunden, manchmal aber auch erst nach ein bis zwei Minuten handelten.

Allerdings gab es auch gegenteilige Reaktionen - Passanten, die sich über die Zettel erkennbar belustigten, mitunter sogar noch ihr Fotohandy zückten, um ein Erinnerungsbild zu machen, ansonsten aber nicht einschritten. Auf ihr Verhalten angesprochen, meinten sie, die Situation aufzuklären sei ihnen zu peinlich gewesen. Ein junger Mann rechtfertigte sich gar damit, er habe das Ganze für eine "Wette" gehalten.

Demgegenüber erklärten die Helfer unisono, sie hätten sich sehr gut in die Lage des Opfers hineinversetzen können. "Wäre ich in einer solchen Situation", meinte eine Passantin, "dann wäre ich doch auch heilfroh, wenn mir jemand Bescheid sagen würde."

Dass der Gang durch die Fußgängerzone tatsächlich einen hohen Peinlichkeitsfaktor aufwies, darüber waren sich alle Projektteilnehmer abschließend einig. Zum Glück kam ihnen das strahlende Wetter zu Hilfe. "So konnten wir uns während des Versuchs ein wenig hinter unseren Sonnenbrillen verstecken", erklärte Josephine, die das Experiment später schriftlich auswertete.


Meldung vom 21.4.2007 [ Nach unten ]

"Keine neuen Polarisierungen aufbauen" - Interview mit Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker

Erzbischof Hans-Josef Becker im Gespräch Der Besuch des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker anlässlich der 100-Jahr-Feier des Attendorner Internats Collegium Bernardinum bot einer Schülergruppe des St.-Ursula-Gymnasiums Gelegenheit, den Kirchenvertreter - wie zuvor schon mehrere andere Interviewpartner - zum Verhältnis von Religion und Politik zu befragen. Dabei zielten die Jugendlichen vor allem auf die gerade erst abgeschlossene Nahostreise der deutschen Diözesanbischöfe.

Palästina sei ein wunderschönes Land, aber auch ein Land voller Widersprüche, erklärte der Erzbischof. Denn angesichts der politischen Verhältnisse sei die Situation bedrückend. Angesprochen auf die Äußerungen des Eichstätter Bischofs Hanke, beim Besuch der von Israel abgeriegelten Palästinensergebiete fühle man sich an eine "gettoartige Situation" erinnert, erklärte Becker, diese Formulierung sei nur aus der Unmittelbarkeit der damaligen Betroffenheit angesichts der neun Meter hohen Grenzmauer zu verstehen. Wörtlich fügte er allerdings hinzu: "Ob es klug war, das dann - auch im Zusammenhang mit dem Warschauer Getto - an einer solchen Stelle zu betonen, ist eine andere Sache."

Dass die Situation in Nahost ein Beleg für Samuel Huntingtons These vom "Kampf der Kulturen" sei, verneinte der Erzbischof. Sehr wohl manifestiere sich dort jedoch ein "Krisensymptom unserer heutigen Zeit": "Solange es keine stabile Regelung für den Nahen Osten gibt, wird er immer auch eine Gefährdung des Weltfriedens darstellen."

Mit Blick auf die jüngsten Äußerungen des Augsburger Bischofs Mixa zur Krippenpolitik der Bundesfamilienministerin von der Leyen stellte Becker klar, dass es jedem Christen, wenn er offensichtliche Missstände erkenne, zustehe, den Finger auf die Wunde zu legen und sich zu äußern. Doch schränkte der Erzbischof ein: "Es gehört dazu allerdings, sich so sachlich und so hilfreich wie möglich zu äußern - damit nicht neue Polarisierungen aufgebaut werden."


Meldung vom 25.3.2007 [ Nach unten ]

"Das Jenseits-Projekt" - Eine soziologische Studie

Ministerpräsident Dieter Althaus Gibt es ein Leben nach dem Tod? Auf diese Frage sucht eine Schülergruppe des St.-Ursula-Gymnasiums im Rahmen eines religionssoziologischen Projekts seit dem Herbst 2006 Antworten bei Prominenten aus Politik und Kirche. Kurz vor dem Osterfest 2007 zogen die Fragesteller eine erste Zwischenbilanz.

So glaubt etwa Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) fest an ein Jenseits. Sein Glaube, so erklärte er den Schülern, gebe ihm die Gelassenheit, sich im Diesseits nicht so wichtig zu nehmen. Wie das Jenseits konkret aussehen könne, stelle er sich jedoch nicht vor.

Auch Marah Köberle und Jonathan Mack, die diesjährigen deutschen UN-Jugenddelegierten, glauben an ein Leben nach dem Tod. Für sie ist es ein "Leben im Gleichgewicht".

Ganz anderer Auffassung ist die grüne Bundestagsabgeordnete Ute Koczy. Ihr zufolge beendet der Tod die menschliche Existenz. Umso mehr müsse man sich im Diesseits engagieren: "Dieses Leben, das wir jetzt haben, ist das entscheidende."

Andrea Nahles, MdB In einem "ernsthaften theologischen Dilemma" sieht sich die Bundestagsabgeordnete und SPD-Parteilinke Andrea Nahles. Sie könne sich eine Auferstehung nach dem Tode nicht vorstellen. Dabei sei sie von ihren Werten und Moralvorstellungen her "tief katholisch": "Ich bin eine Christin, die nicht an die Ewigkeit glaubt. Seit zwanzig Jahren kämpfe ich mit diesem Problem; das ist nicht nur lustig."

Der heimische Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Schauerte (CDU) hielt sich im Interview hingegen eher bedeckt. "Diese Frage möchte ich nicht beantworten", erwiderte er den Jugendlichen und verwies auf seine Persönlichkeitsrechte: "Ich gehöre euch nicht ganz."

Pater Don Bosco Onyalla Auskunftsfreudiger waren naturgemäß die Vertreter der Kirche. Der Paderborner Weihbischof Matthias König erläuterte, er habe viele Menschen getroffen, die positive Erfahrungen mit dem Jenseits gemacht hätten, so dass er die Gewissheit habe, "dass es da irgendetwas gibt". Wie dieses Jenseits aussehen könne, erklärte er den Schülern so: "Wenn man sich an einen ganz konkreten glücklichen Moment in seinem Leben erinnert und den aufs Unendliche ausdehnt, dann ist das vielleicht so eine Ahnung von ewigem Leben."

Für Prälat Josef Sayer, den Misereor-Hauptgeschäftsführer, ist das Jenseits ein Ort, an dem "die Menschen in Gemeinschaft mit Gott sind und keine Kriege mehr führen". Und Gabriele Leifeld, Mitorganisatorin der diesjährigen Misereor-Eröffnungsveranstaltung, stellt sich das Jenseits vor allem in Farben vor: "Gelb, rot, orange - warm."

Rita Panicker Interessant waren auch die Antworten der ausländischen Interviewpartner, allesamt Gäste der aktuellen Misereor-Fastenaktion. Der kenianische Pater Don Bosco Onyalla präsentierte neben der christlichen auch seine afrikanische Sicht der Dinge. "Alle Afrikaner glauben, dass die Verstorbenen nicht ganz verschwinden. Sie leben in Gemeinschaft mit den Lebenden weiter." Er persönlich glaube sogar, dass die Toten später einmal ihren Körper zurückerhalten würden.

Salah Sebeia, Caritas-Projektleiter in Ägypten, beschrieb das Jenseits als "einen Ort, wo wir eine Freude erleben werden, die mit aller Freude hier auf Erden nicht vergleichbar ist." Und seine Mitarbeiterin Seham Soliman ergänzte: "Dort wird es auch keine Teilung der Religionen geben. Alle werden mit denselben Augen auf Gott sehen." Marianne Wagdy, ihre ägyptische Dolmetscherin, ging das Problem eher philosophisch an: "Das Leben hat für mich nur einen Sinn, wenn uns die vielen offenen Fragen, die wir hier haben, in einem Jenseits beantwortet werden."

Professor Li JinyuanRita Panicker, Leiterin eines Straßenkinder-Projekts im indischen Delhi, führte die Schüler in die hinduistische Mythologie ein. Dort glaube man an die Wiedergeburt: "Wer gerne tanzen möchte, kann darauf hinarbeiten, dass er später vielleicht als Tänzer wiederkommt." Sie selbst sehe das Jenseits als einen Ort des Friedens und der Entspannung, "vereint mit all den Lieben, die vor uns gegangen sind".

Der chinesische Professor Li Jinyuan, Gestalter des diesjährigen Misereor-Hungertuchs, sieht das Jenseits dagegen streng geteilt. Wer ein Leben lang Gutes getan habe, der werde in den Himmel aufgehen. Wer schlecht gewesen sei, der werde in der Hölle enden. "Gutes tun" bedeutet für den Nicht-Christen Li vor allem "mit Freunden zusammenleben": "Davon wird einem das Herz warm."

Und noch eine zweite Antwort gab er den Schülern mit auf den Weg: "Ich verehre den deutschen Dichter Goethe sehr. Goethe ist zwar schon gestorben, aber er lebt mit seinen Worten noch in meinem Herzen." Auch das sei eine Form von Leben nach dem Tod.

Die Befragungen, die unter dem Arbeitstitel "Das Jenseits-Projekt" firmieren, werden voraussichtlich im kommenden Schuljahr fortgesetzt, statistisch ausgewertet und anschließend multimedial aufgearbeitet.


Meldung vom 3.3.2007 [ Nach unten ]

Auszeichnung beim Wettbewerb "Echt arm?" des Paritätischen Wohlfahrtsverbands

Ausschnitt aus dem ZDF-Beitrag Nach ihren Auszeichnungen mit dem österreichischen "Media Literacy Award" und dem "Netdays-Medienpreis" der nordrhein-westfälischen Landesregierung konnten die Schülerinnen und Schüler der "AG Schwarzweiß" des St.-Ursula-Gymnasiums Anfang März einen weiteren Erfolg verbuchen. Nun sind sie auch unter den Gewinnern des Wettbewerbs "Echt arm?", einer Ausschreibung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und der "Aktion Mensch".

Zur Erinnerung: Im Frühjahr 2006 hatten 36 Schüler, aufgeteilt in "arme Schwarze" und "reiche Weiße", fünf Tage in der Schulaula verbracht und das Zusammenleben von Wohlhabenden und Bedürftigen getestet. Dabei waren sie von Mitschülern gefilmt worden. Der entstandene Film wurde nun in der Kategorie Video prämiert. Der Preis: Zwei Kameraleute des Projekts dürfen Mitte Juni an einem kostenlosen zweitägigen Videoschnittkurs in einem professionellen Schnittstudio in der Nähe von Berlin teilnehmen.

Insgesamt beteiligten sich 550 Gruppen oder Einzelpersonen an der bundesweiten Ausschreibung, in der Jugendliche und junge Erwachsene aufgefordert waren, ihre persönliche Perspektive auf das Thema Armut darzustellen. Einige der Siegerbeiträge, darunter das Attendorner Projekt, wurden am 3. März in der ZDF-Sendung "Menschen - Das Magazin" vorgestellt.


Meldung vom 1.3.2007 [ Nach unten ]

Das "Bettelarm"-Projekt im WDR-Hörfunk

Im WDR-Studio Ende Oktober 2006 zeigten sich zehn Schülerinnen und Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums in der Kölner Fußgängerzone in ungewöhnlichem Outfit. Einige nahmen am Straßenrand als Bettler Platz und baten um milde Gaben, andere hängten sich Pappplakate um und suchten auf der Schildergasse und der Hohe Straße "Arbeit jeder Art", wieder andere versuchten sich auf der Domplatte als Straßenmusiker und als "Statuenmensch" im Almosenempfang.

Vier Monate nach diesen Aktionen kam das Projekt "Bettelarm", das seinerzeit von einem "Pro Sieben"-Fernsehteam begleitet wurde, unverhofft zu neuen medialen Ehren. WDR-Redakteur Dragan Gasic, der sich im Internet über das Experiment der Attendorner Schüler informiert hatte, bat Projektleiter Frank Kugelmeier ins Kölner Hörfunkstudio. Dort gab dieser, zusammen mit Stephan Santelmann, dem Leiter des Kölner Sozialamts, und Hubert Ostendorf, dem Initiator der Düsseldorfer Obdachloseninitiative "fifty-fifty", am 1. März in der Sendung "Arena" zwei Stunden lang Auskunft zum Thema "Betteln in unseren Städten".

Das oben stehende Bild zeigt Santelmann (links), Kugelmeier (2. von links) und Ostendorf (rechts) zusammen mit WDR2-Moderator Michael Brocker im Studio.


Meldung vom 27.2.2007 [ Nach unten ]

"Kirche und Politik" - Recherchen in Paderborn

Josef Sayer Kirche und Politik - wie passt das zusammen? Dieser Frage ging Ende Februar die Schüler-AG "Traumjob Politiker?" nach. Anlässlich der Eröffnung der Misereor-Fastenaktion holte sich die Gruppe in Paderborn Informationen aus erster Hand.

Für Professor Dr. Josef Sayer, den Hauptgeschäftsführer von Misereor, war der Zusammenhang selbstverständlich: "Kirche ist eine Einrichtung, die von Jesus Christus gesandt ist, um für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt zu arbeiten. Das ist ein äußerst politischer Auftrag", erklärte er den Jugendlichen. Misereor werde deshalb im Jahr 2007 eine besondere politische Aktion starten - nämlich die 0,7 Prozent des Staatsbudgets einfordern, die eigentlich für Entwicklungshilfe vorgesehen seien. In Deutschland werde dieser Betrag, zu dem sich die westliche Welt verpflichtet habe, deutlich unterschritten. Deshalb sammle man derzeit Unterschriften, die am 2. Mai Minister Steinbrück überreicht und später während des G8-Gipfels an die in Berlin versammelten Finanzminister der großen Industriestaaten weitergeleitet werden sollten - als Signal, die Armen der Welt im Blick zu behalten.

Matthias König Auch Weihbischof Matthias König, der der Schülergruppe in einem längeren Interview Rede und Antwort stand, sah keinen Widerspruch zwischen Kirche und Politik: "Warum ist Jesus damals ans Kreuz geschlagen worden? Unter anderem, weil er die bestehende Ordnung in Frage gestellt hat - die religiöse und, so haben es die Herrschenden zumindest empfunden, auch die politische."

Ob man sich also als Kirchenvertreter auch in die aktuelle Tagespolitik einmischen dürfe, wollten die Schüler weiter wissen - mit Blick auf den Augsburger Bischof Mixa, der kürzlich die "Krippenpolitik" der Bundesfamilienministerin kritisiert hatte. Hier äußerte sich der Weihbischof zurückhaltend. Grundsätzlich solle sich jeder getaufte Christ in die Gesellschaft einbringen, auch politisch. Andererseits habe Papst Johannes Paul II. aus guten Gründen das geistliche Amt für unvereinbar mit politischen Ämtern erklärt. Ein "echter" Politiker dürfe ein Priester also nicht werden.

Auch auf die Globalisierung und ihre Folgen für die Kirche kamen die Jugendlichen zu sprechen. Im Grunde genommen, so Weihbischof König, sei die Kirche selbst der größte "Global Player", da sie weltweit vernetzt sei. Gerade dies fordere ihr aber auch ein besonderes entwicklungspolitisches Engagement ab: "Eine Aufgabe der Kirche ist es, da immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und zu sagen: Lasst die Armen nicht noch mehr an den Rand geraten!"

Ute Koczy MdB Sorge bereitete dem Bischof die Tätigkeit vieler so genannter evangelikaler Sekten in der Dritten Welt, etwa in Brasilien oder Nigeria. Diese verkündeten die falsche Botschaft: "Bekehre dich zu Jesus, und du wirst reich wie wir!" Tatsächlich bereicherten sich aber allenfalls die Prediger selbst - nämlich an den Spenden der Armen, die dann noch weniger hätten.

Ähnlich sah dies Ute Koczy, grüne Bundestagsabgeordnete und entwicklungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Durch die evangelikalen Sekten, so erklärte sie den Attendorner Schülern, gebe es etwa in Nigeria viel "sozialen Unfrieden", der die Entwicklungsprojekte der Politik und der großen Kirchen beeinträchtige. Dass hingegen Hilfswerke wie Misereor ihre Berechtigung haben, stand für sie außer Zweifel: "Es wäre sehr schade, wenn sich die Kirche aus der Entwicklungsarbeit zurückziehen würde."

Kritischer beurteilte die grüne Abgeordnete freilich einzelne Äußerungen von Kirchenvertretern, etwa die Regensburger Rede von Papst Benedikt, die im islamischen Raum eine unverkennbar politische Wirkung gehabt habe: "Der Papst hat da einen Fehler gemacht. Es ist ihm zum Glück gelungen, ihn auszubügeln, aber da hing viel an einem seidenen Faden. Da wünsche ich mir keine Wiederholung."


Meldung vom 24.2.2007 [ Nach unten ]

Treffen mit den deutschen UN-Jugenddelegierten

Während des Interviews Seit drei Jahren entsendet die Bundesrepublik Deutschland jeweils für ein Jahr zwei so genannte Jugenddelegierte zu den Vereinten Nationen. Zusammen mit Delegierten aus anderen Nationen tragen sie auf der Generalversammlung in New York und in diversen Ausschusssitzungen die politischen Vorstellungen und Wünsche der Jugend der Welt vor.

Zuvor holen sie jeweils auf einer umfangreichen Deutschland-Tour in eigens angebotenen Workshops Informationen über die Interessen, Ideen und Forderungen der deutschen Jugendlichen ein.

Zu Beginn der diesjährigen Tour, die Ende Februar in Paderborn startete, hatte die Schüler-Arbeitsgruppe "Traumjob Politiker?" des St.-Ursula-Gymnasiums Gelegenheit, die soeben ernannten Jugenddelegierten für das Jahr 2007, Marah Köberle (Augsburg) und Jonathan Mack (Berlin), zu ihrer Arbeit zu befragen.

Vor ihrer Nominierung, so erfuhren die Attendorner Schüler, hatten sich die beiden einem umfassenden und strengen Auswahlverfahren stellen müssen. Schließlich gehe es darum, nicht nur "mal eben" nach New York zu fliegen; vielmehr solle die deutsche Jugend angemessen vertreten werden. Neben dem Politikstudium, das die beiden Delegierten absolvieren, sei die Arbeit für die UN mindestens ein "zusätzlicher Halbtagsjob". Die Aussicht, zusammen mit der deutschen Delegation des Auswärtigen Amts zur Generalversammlung zu fahren, dort als Berater in den Ausschüssen zu sitzen und gegenüber Diplomaten aus aller Welt die eigenen politischen Vorstellungen zu vertreten, sei die Mühe aber allemal wert.

Ob sie denn glaubten, von den "alten Hasen" im diplomatischen Geschäft überhaupt ernst genommen zu werden, wollten die Attendorner Schüler wissen. Jonathan Mack war sich hier sicher: "Wir sind zwar Jugendliche, aber wir haben uns intensiv mit der Thematik beschäftigt." Die Deutschland-Tour diene ja gerade dazu, Meinungen zu sammeln und dieses Fachwissen dann kompetent einzubringen. Im Übrigen sähen die Statuten der Vereinten Nationen die Institution der Jugenddelegierten ausdrücklich vor.

Und Marah Köberle ergänzte: "Ich glaube, es ist auch eine Chance, dass wir Jugendliche sind; denn wir fallen auf. Wir sind dort natürlich - zusammen mit den Jugenddelegierten der anderen Länder - die Jüngsten. Ich denke, das ist ein Vorteil, weil irgendein gestandener Diplomat in New York wahrscheinlich nicht besonders ins Auge fällt. Als Jugendlicher hat man da vielleicht ein bisschen mehr Außenwirkung, so dass man versuchen kann, gerade dadurch etwas zu erreichen."


Meldung vom 22.2.2007 [ Nach unten ]

"Nur wer sich bildet, wird frei" - Alphabetisierung in Ägypten

Seham Soliman und Salah Sebeia, mit den Dolmetscherinnen Marianne Wagdy (l.) und Catherine Rox-Dornberg (r.) Dass Schulunterricht nichts Selbstverständliches ist, erfuhren am Donnerstag, dem 22. Februar 2007, etwa 120 Schülerinnen und Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums aus erster Hand. Salah Sebeia, Direktor des Grundbildungsprogramms der Caritas in Ägypten, und Seham Soliman, Betreuerin des dortigen Alphabetisierungsprogramms, besuchten auf Einladung der Fachschaft Sozialwissenschaften/Politik vier Mittelstufenklassen, um über ihr Projekt zu berichten, das 2006 von der UNICEF als eine der weltweit neun besten Bildungsinitiativen ausgezeichnet wurde.

Erstaunt hörten die Schüler, dass trotz großer Anstrengungen seitens der Behörden immer noch ein Drittel der Ägypter nicht lesen und schreiben kann. Die meisten von ihnen (etwa 65 Prozent) sind Frauen. Hier setzt die Initiative der Caritas an. Ziel des auch von Misereor unterstützten Bildungsprojekts ist es, benachteiligten Frauen in den ländlichen Regionen, aber auch in den Armenvierteln der Großstädte Alphabetisierungskurse anzubieten.

Seham Soliman (l.) und Dolmetscherin Marianne Wagdy (r.) in der Klasse 7c Das Konzept dieser Kurse ermutigt zur Teilhabe und Eigeninitiative. Die eingesetzten Lesebuch-Texte tragen das Motto "Ta'allam - taharrar" ("Lerne und werde frei"); sie vermitteln vor allem praktische Lebenshilfe. Im Unterricht lernen die Schülerinnen zum Beispiel, einen Antrag auszufüllen oder einen Widerspruch einzulegen, also ihre Rechte wahrzunehmen oder zu verteidigen. - Aus der Erkenntnis heraus, dass Unwissenheit krank und Krankheit arm macht, bildet "Gesundheit" den zweiten großen Themenkomplex des Programms.

Dass die Initiative zur Frauenbildung bei den ägyptischen Männern nicht immer auf Wohlwollen stößt, gaben die beiden Referenten unumwunden zu. Allerdings sei auch Gegenteiliges zu beobachten. Viele Männer, die selbst Analphabeten seien, sich aber nicht trauten, dies an ihrem Arbeitsplatz zuzugeben, schickten ihre Frauen in die Kurse, um dann abends heimlich mit ihnen zusammen und von ihnen zu lernen.

Durch die von Diashows unterstützten Vorträge, die von zwei Begleiterinnen gedolmetscht wurden, erhielten die Schüler der Klassen 7, 8 und 10 vielfältige Einblicke in eine ihnen bis dahin völlig fremde Welt. Vor allem die Siebtklässler hatten deshalb Unmengen an Nachfragen. Besonders beeindruckte sie, dass ägyptische Mädchen häufig schon mit zehn Jahren verheiratet werden, weil die Eltern sie "versorgt" wissen wollen. Doch durch eine so frühe Bindung, warnte Seham Soliman, sei der Weg in die Unmündigkeit praktisch vorgezeichnet. "Nur wer sich bildet, wird frei und kann sein Leben eigenständig gestalten", erklärte die engagierte Caritas-Betreuerin abschließend.


Meldung vom 22.1.2007 [ Nach oben ]

Europatag am St.-Ursula-Gymnasium

Europa...Hartmut Schauerte im Interview Anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft regten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder an, den 22. Januar 2007 an allen deutschen Schulen als "Europatag" zu gestalten. Bundesweit etwa 700 Schulen kamen diesem Vorschlag nach und begrüßten zum genannten Termin Abgeordnete des Deutschen Bundestags und des Europaparlaments, Länderchefs, Minister sowie Beamte der EU-Verwaltung. So besuchten zum Beispiel Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Müntefering Schulen in Berlin, NRW-Schulministerin Sommer eine Schule in Freudenberg; der südwestfälische Europaabgeordnete Peter Liese diskutierte mit Schülern in Letmathe.

Auch das St.-Ursula-Gymnasium konnte einen prominenten Gast begrüßen. Geladen war der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und heimische Bundestagsabgeordnete Hartmut Schauerte (CDU). Er sprach vor und mit etwa 120 Schülerinnen und Schülern der Mittel- und Oberstufe über die europäische Wirtschaft, die EU-Osterweiterung, die Verfassungskrise, die Subventionspolitik und die kürzlich von Roman Herzog beklagten Demokratiedefizite, aber aus aktuellem Anlass auch über die Lage in Bayern nach Edmund Stoibers Rücktrittsankündigung.

Dass es ohne die Europäische Union nicht gehe, daran ließ Schauerte keinen Zweifel. "Wenn es die EU nicht gäbe, müsste sie schleunigst erfunden werden." Allerdings müsse die Union auch ihre Grenzen kennen. Einer EU-Mitgliedschaft der Türkei erteilte der Abgeordnete daher schon aus geografischen Gründen eine klare Absage. "Dann könnten wir auch gleich Turkmenistan oder die USA aufnehmen."

Natürlich gebe es in der EU noch viel zu tun. Besonders der Bürokratieabbau lag Schauerte am Herzen. Allerdings solle man nicht zu große Hoffnungen allein auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft richten. "Das sind Probleme, die sich nicht innerhalb eines halben Jahres lösen lassen."

Vor allem die Globalisierung werde die Europäer zukünftig vor große Herausforderungen stellen. Den Schülerinnen und Schülern empfahl der prominente Gast daher, intensiv Sprachen zu lernen: Nur so könnten sie im globalen Wettbewerb bestehen. "Denn Deutschland", so Schauerte, "ist auf die Dauer zu klein für euch."

Hartmut Schauerte besuchte das St.-Ursula-Gymnasium nicht zum ersten Mal. Im Rahmen des Schulprojekts "Traumjob Politiker?" hatte er sich bereits mehrfach für Interviews zur Verfügung gestellt, so zum Beispiel


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010