Fachschaft Sozialwissenschaften

[ Archiv: 2008 ]


Meldung vom 15.12.2008 [ Nach unten ]

Vom Überraschungs-Ei zu "Madame Non": der Europaabgeordnete Peter Liese im Gespräch

Peter Liese im Gespräch Welche Chancen geben Sie dem EU-Reformvertrag? Wie lässt sich in der europäischen Politik mehr Bürgernähe herstellen? Wie stehen Sie zu einem EU-Beitritt der Türkei? Mit diesen und vielen weiteren Fragen sah sich Mitte Dezember der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese (CDU) in Attendorn konfrontiert. In der Aula des St.-Ursula-Gymnasiums stand er rund hundert angehenden Abiturienten Rede und Antwort.

Den Vorwurf der fehlenden Bürgernähe konterte er gleich zu Beginn mit dem Hinweis, die europäische Politik sei viel besser als ihr Ruf. Als Beleg führte er einige mitgebrachte Überraschungs-Eier an. Kürzlich sei durch die Presse gegangen, diese Eier sollten europaweit verboten werden, weil ihr Plastik-Inhalt angeblich von kleinen Kindern verschluckt werden könne. Das habe der EU-Bürokratie viel Hohn und Spott eingetragen. Tatsächlich sei der Verbotsvorschlag, der von einigen wenigen britischen und griechischen Abgeordneten eingebracht worden sei, von der EU-Kommission jedoch umgehend und durchaus bürgernah abgelehnt worden.

Peter Liese MdEP Einem möglichen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union konnte Liese im Gespräch mit den Schülern wenig abgewinnen. Die Aufnahme von zehn mittel- und osteuropäischen Staaten im Jahr 2004 habe er ausdrücklich begrüßt, doch bereits den Beitritt Rumäniens und Bulgariens (2007) sehe er skeptisch. Denn inzwischen stoße die EU an die Grenzen ihrer politischen und wirtschaftlichen Belastbarkeit. Deshalb sollte, so Liese, der Türkei allenfalls eine Kooperation, nicht jedoch eine Vollmitgliedschaft angeboten werden. Viel dringlicher gelte es, endlich den Reformvertrag von Lissabon zu ratifizieren, damit sich die EU in der nötigen Geschlossenheit gegen die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise stellen könne.

Ob es an der Geschlossenheit nicht auch fehle, weil Deutschland in einigen Punkten gegen die anderen Europäer arbeite, wollten die Schüler wissen. Nicht umsonst werde Angela Merkel inzwischen von mehreren EU-Kollegen als "Madame Non" (Frau Nein) bezeichnet. Hier nahm Liese die Kanzlerin ausdrücklich in Schutz. Deutschland sei, etwa bei manchen Vorschlägen zur Bewältigung der Finanzkrise, nicht das einzige skeptische Land - doch falle es aufgrund seiner Größe in der EU besonders auf.

Was er in diesem Zusammenhang von einer EU-weiten Mehrwertsteuersenkung zur Belebung der Konjunktur halte, fragten die Schüler weiter. Liese antwortete nachdenklich: Es sei schon "ein bisschen verrückt", wenn eine Bevölkerung, die bislang ohnehin vielfach auf Pump gelebt habe, jetzt durch Steuererleichterungen oder sogenannte Konsumgutscheine zu noch mehr Geldausgeben animiert werden solle. Nachdrücklich warnte der Europaabgeordnete vor einer weiteren Verschuldung des Staates. "Wir können jetzt nicht noch mehr über unsere Verhältnisse leben. Denn ihr, die junge Generation, müsst sonst später dafür bezahlen."


Meldung vom 11.12.2008 [ Nach unten ]

Reinhard Jung MdL zur Finanzkrise, zur Hessenwahl und zum Verhältnis der SPD zur Linken

Einen wahren Interviewmarathon durchlebte Anfang Dezember der heimische Landtagsabgeordnete Reinhard Jung (SPD). Während eines Besuchs im St.-Ursula-Gymnasium stand er gleich drei Schülergruppen der Jahrgangsstufen 8 bis 13 nacheinander Rede und Antwort.

Trotz aller Altersunterschiede der Jugendlichen kreisten die Fragen vorwiegend um zwei Themen: die aktuelle Finanzkrise und die Lage der SPD angesichts der hessischen Wahlen.

Reinhard Jung im Sowi-LeistungskursZu den Vorgängen in Hessen positionierte sich Jung eindeutig: Den sogenannten "Abweichlern", die SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti nicht zur Ministerpräsidentin hätten wählen wollen, könne er keinen Vorwurf machen. Jeder Abgeordnete sei lediglich seinem Gewissen verpflichtet. Immerhin hätten die vier ihre Entscheidung ja vor der eigentlichen Wahl öffentlich gemacht. Im Übrigen könne er Frau Ypsilanti den Vorwurf nicht ersparen, die gegenläufigen Strömungen in ihrer Landespartei nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Die Versuche einiger Genossen, die "Abweichler" nun aus der SPD auszuschließen, finde er "unmöglich".

Hinsichtlich der nordrhein-westfälischen Landtagswahlen im Jahr 2010 bewegte sich Jung ganz auf der Linie seiner Parteichefin Hannelore Kraft. Nach einem günstigen Wahlentscheid werde man mit allen Parteien über eine Regierungsbildung verhandeln, zunächst mit den Grünen, der CDU und der FDP, aber notfalls auch mit der Linken. Sofern diese in den Landtag gewählt werde, sei sie demokratisch legitimiert. "Auch wenn einem nicht alle Köpfe darin gefallen."

Sorgen bereitete Jung die momentane Finanzkrise, die sich den Deutschen nur schleichend ins Bewusstsein schiebe. Was er in diesem Zusammenhang von konjunkturfördernden Konsumgutscheinen halte, wollten die Schüler wissen. "Rausgeschmissenes Geld", war Jungs klare Antwort. Auch einer allgemeinen Steuersenkung stand er skeptisch gegenüber. Davon hätten nur die etwas, die viel Geld verdienten. Die Geringverdiener und Arbeitslosen hätten hier das Nachsehen.

Zum Schluss machte Jung auf ein Dilemma aufmerksam, das der Staat trotz allen guten Willens nicht lösen könne. Wenn er, etwa im Falle des Autoherstellers Opel, mit Steuergeldern finanzierte Hilfen zusage, wecke er nur ähnliche Begehrlichkeiten bei anderen Firmen. Wenn er aber nichts unternehme und den Hersteller in die Insolvenz treibe, müsse er anschließend, ebenfalls mit Steuergeldern, die entlassenen Mitarbeiter alimentieren.

Trotz dieser Schwierigkeiten ermutigte Jung die jugendlichen Gesprächspartner, sich politisch zu engagieren. "Ihr könnt mehr erreichen, als ihr glaubt", gab er ihnen mit auf den Weg. "Entscheidet selbst mit, sonst tun es andere für euch!"


Meldung vom 1.12.2008 [ Nach unten ]

Dunstkreise - Recherchen zum Nichtraucherschutz

Rauchverbot im Cafe An deutschen Schulen und in anderen öffentlichen Einrichtungen galt es schon länger, im Sommer 2008 wurde es in Nordrhein-Westfalen auch für Gaststätten beschlossen: ein allgemeines Rauchverbot. Doch kaum war das Gesetz da, gab es auch schon Verwirrung, da es in einem Nachtrag zugunsten der Einraumkneipen gleich wieder gemildert wurde.

Auch in anderen Bundesländern herrscht derzeit Durcheinander: In manchen ist Rauchen uneingeschränkt untersagt, in anderen nur unter Vorbehalt und mit mancherlei Ausnahmen; vielerorts wird ein Verbot begrüßt, woanders heftig bekämpft.

Anlass genug für einige Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums, die Sachlage näher zu untersuchen. Sechs Mädchen und ein Junge der Jahrgangsstufe 10 schlossen sich im August zu einer Projektgruppe zusammen und recherchierten fortan in Sachen gesetzlicher Nichtraucherschutz.

Sie durchforsteten dabei nicht nur die zahlreichen Medien, die sich mit der Problematik befassten; vielmehr wurden sie auch selbst aktiv. Vor laufenden Kameras und Diktiergeräten befragten sie eine ganze Reihe Betroffener zu ihrer Sicht der Dinge: Attendorner Kneipenwirte, Hoteliers und Konditormeister, aber auch Angestellte, Gäste und verantwortliche Politiker.

Als Ergebnis legten sie nun die Dokumentation "Dunstkreise" vor - einen unterhaltsamen Streifzug durch die Attendorner Gastronomie, der die Reaktionen auf das aktuelle Gesetz in ihrer ganzen Palette einfängt.


Meldung vom 8.11.2008 [ Nach unten ]

Österreichischer Medienpreis geht wiederum nach Attendorn

Zum dritten Mal hat das St.-Ursula-Gymnasium beim internationalen "Media Literacy Award" (mla) des österreichischen Schulministeriums einen Erfolg erzielt. In der Kategorie "Multimedia" erhielt diesmal die Schüler-AG "Kardinalfragen" für ihre Internet-Präsentation zum Thema "Religion und Politik" einen Anerkennungspreis. Die Jugendlichen hatten umfangreiche Recherchen zur umstrittenen Kinderkrippenpolitik der deutschen Bundesregierung durchgeführt.

Siegerteam mit Trophäe Für drei AG-Mitglieder, Lea Brohsonn, Anna Carla Kugelmeier (beide 10. Klasse) und Sebastian Rabe (Jahrgangsstufe 12), sowie ihren Betreuungslehrer Frank Kugelmeier bedeutete dies Anfang November eine Fahrt nach Wien. Dort stellten sie auf Einladung des Ministeriums ihr Projekt im Theaterhaus "Dschungel" im Museums-Quartier vor und nahmen am 6. November im Rahmen einer Gala ihre Auszeichnung in Empfang.

Der "Media Literacy Award" wird jährlich für die besten schulpädagogisch ausgerichteten Medienproduktionen Europas ausgelobt. Unterschieden werden hierbei die Kategorien "Video", "Hörfunk", "Multimedia" und "Print". Die Jury setzt sich aus prominenten Vertretern des Schulministeriums, Künstlern und Journalisten zusammen.

Den viertägigen Aufenthalt in Österreich nutzten die Attendorner Schüler dazu, ihre Serie mit Befragungen hochkarätiger Politiker fortzuführen. In einem Wiener Cafehaus verabredeten sie sich mit der jugendpolitischen Sprecherin der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ), der Nationalrätin Laura Rudas. Die mit 27 Jahren jüngste Abgeordnete des österreichischen Parlaments ist designierte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin.

Schnell stellten die Jugendlichen in dem Gespräch politische Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und Deutschland fest. In beiden Ländern verlieren die in große Koalitionen eingebundenen Volksparteien an Zuspruch - hier die Union und die SPD, dort die ÖVP und die SPÖ. Die Wiener Abgeordnete zeigte sich selbstkritisch: Zu lange und zu selbstverständlich hätten sich die großen Parteien auf ihre Stammwähler verlassen, ohne den Kontakt zu ihnen wirklich zu pflegen. Auch sei zumindest in der österreichischen Koalition bislang zu viel gestritten worden.

Auf den Erfolg des rechten Lagers bei der letzten Nationalratswahl angesprochen, erklärte Laura Rudas, dieser habe teils "historische Gründe", teils zeigten sich darin aber auch Ängste sozial schwacher Wähler vor der aktuellen Zuwanderungspolitik. "Die rechten Parteien geben hier Antworten - falsche Antworten zwar; aber sie geben welche."

Am Schluss des halbstündigen Gesprächs stand, wie bei allen Interviews der Schülergruppe, die Feen-Frage: welches politische Ziel die Abgeordnete sofort verwirklichen würde, wenn sie bei der guten Fee einen Wunsch frei hätte. Laura Rudas taktierte zunächst, indem sie sich mit dem einen Wunsch gleich tausend weitere wünschte. Nach Ermahnung durch die Fee entschied sie sich dann aber für eine "sozial gerechte Welt".

Nationalratsgebäude Vor dem Hotel Sacher Nationalrätin Laura Rudas (SPÖ)
Preisverleihung Gala-Publikum
Auftaktveranstaltung mit Regisseur Jakob M. Erwa (3.v.r.)

Stationen des Wien-Aufenthalts


Meldung vom 7.10.2008 [ Nach unten ]

Die "Sprachlosen" zu Gast in Stefan Raabs Late-Night-Show

Alina, Lukas, Annika (v. l.) "Sprachlos" hieß das Experiment, das Anfang September 30 Schülerinnen und Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums durchführten: Fünf Tage lang schwiegen sie, um zu ergründen, inwiefern Sprache den Menschen "gesellschaftsfähig" macht.

Schon während des Experiments war die Medienpräsenz groß. Einen Monat später interessierte sich dann auch TV-Entertainer Stefan Raab für das Projekt.

Am 7. Oktober lud er deshalb einige Versuchsteilnehmer und den Leiter in seine Late-Night-Show ein. In "TV total" berichteten Annika Besting, Alina Gabriel und Lukas Sinzig zusammen mit Frank Kugelmeier über ihre Erfahrungen mit dem kollektiven Schweigen.

Aufgezeichnet wurde die Sendung im Laufe des Nachmittags im Studio der Raab-Firma Brainpool in Köln. Ausgestrahlt wurde die Show dann am Spätabend.

In der Nacht vor der Sendung hatte Annika noch geträumt, sie werde die Showtreppe hinuntergefallen und sich damit zum Gespött der Zuschauer machen. In der Praxis lief es dann allerdings besser, zumal sich die Treppe eher als Treppchen erwies. Hier und auch in anderer Hinsicht nahmen die Attendorner deutliche Unterschiede zwischen medialem Schein und Sein wahr. "Im Fernsehen wirkt alles viel größer, als es in Wirklichkeit ist", waren sich die Schüler einig. Das galt sowohl für die Ausmaße des Studios als auch für den Moderator selbst. "So groß ist der gar nicht", wunderte sich Lukas, der ihm "auf Augenhöhe" begegnete.

"Super" fand Alina die Betreuung im Vorfeld der Show. "Die Leute waren alle sehr nett. Da war kein bisschen Herablassung, weil wir nur Schüler sind." Beeindruckt zeigten sich die Attendorner vor allem von dem motorisierten Moderatorenpult, mit dem Stefan Raab seine Gäste - weltweit einzigartig - durchs Studio fährt. Annika: "Das hatte richtig Tempo drauf."

Versuchsleiter Kugelmeier erinnerte daran, dass es sich bei "TV total" um eine Unterhaltungs- und nicht um eine Wissenschaftssendung handelt: "In diesem Format bleibt das eigentliche Gespräch naturgemäß sehr an der Oberfläche." Gleichwohl sei ein solcher Auftritt für alle Beteiligten eine interessante mediale Erfahrung.

Die folgenden Bilder zeigen einige Impressionen aus der Sendung.

Begrüßung Probesitzen im Studio "Backstage" nach der Sendung
Der "Goldene Raab" Lukas in der "Maske"
Während der Sendung Annika in der "Maske" Stefan Raab
Regieraum Das Studio von oben

"TV total" vom 7.10.2008


Meldung vom 25.9.2008 [ Nach unten ]

Zwischenbilanz zum Thema "Werteerziehung"

Prof. Rainer Dollase und Mitarbeiterin Odette Selders "Eine wertelose Gesellschaft ist wertlos" - unter diesem Motto startete im Februar 2008 das Katholisch-Soziale Institut (KSI) in Bad Honnef unter Beteiligung des NRW-Schulministeriums eine Initiative zur Werteerziehung in der schulischen und der Erwachsenenbildung.

Ende September war nun Gelegenheit zu einer Zwischenbilanz. Unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Dollase und seiner Mitarbeiterin Odette Selders (Universität Bielefeld) trafen sich die Projektleiter der verschiedenen Regionen im KSI zu einem Erfahrungsaustausch.

Das St.-Ursula-Gymnasium war gleich mit drei Beiträgen vertreten. Ausführlich vorgestellt wurden das "Käfig"-Experiment vom Frühjahr 2008 sowie der kurz vor der Tagung beendete Versuch "Sprachlos"; hinzu kam das längerfristig angelegte "Jenseits-Projekt".

Alle beteiligten Projekte, insgesamt etwa zwanzig landesweit, werden von Prof. Dollase evaluiert. Eine Abschlusstagung im März 2009 fasst die Ergebnisse zusammen.


Meldung vom 20.9.2008 [ Nach unten ]

"Traumjob Politiker?" - Neue Recherchen im Landtag

Podiumsgespräch der Jugend-Landtags-Mitglieder Die Fertigstellung des jetzigen Landtagsgebäudes vor 20 Jahren feierte das nordrhein-westfälische Landesparlament am 20. September in Düsseldorf mit einem Tag der Offenen Tür.

Im Foyer bot sich den Gästen ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm, im Plenarsaal erklärte der Besucherdienst die parlamentarischen Gepflogenheiten, in den Fluren der ersten Etage präsentierten sich die Fraktionen.

Zu den geladenen Gästen zählte diesmal auch Anna Carla Kugelmeier, Schülerin des St.-Ursula-Gymnasiums und im Juni Vizepräsidentin des Ersten Jugend-Landtags NRW. Gemeinsam mit drei Kolleginnen und Kollegen aus Jugend-Landtags-Präsidium und Fraktionen berichtete sie in einem Podiumsgespräch von ihren parlamentarischen Erfahrungen.

Darüber hinaus nutzte sie zusammen mit einigen Mitschülern der AG "Traumjob Politiker?" die Gelegenheit, zahlreiche hauptamtliche Landtagsabgeordnete zu ihrem Werdegang, ihrem politischen Selbstverständnis, ihren Wünschen und Zielen, ihrem Verhältnis zu den Medien und zum Spannungsfeld Religion - Politik zu befragen.

Interview mit Dietmar Brockes MdL (FDP) - Foto: B. Schälte/Landtag NRW Im Einzelnen stellten sich der Attendorner Schülergruppe folgende Parlamentarier:

Neben den üblichen Auskünften erhielten die Schüler auch einige ungewöhnliche Informationen. So erzählte ihnen beispielsweise Landtagsvizepräsident Oliver Keymis, dass er seinen Dienst im Landesparlament nicht ohne Krawatte versehen dürfe. Seinem Vertreter während des Jugend-Landtags habe er deshalb schnell noch ein Exemplar aus dem Parlamentsfundus leihen müssen. Darüber hinaus erfuhren die Jugendlichen, dass dem Landtagsvize das Vorfahren mit Dienstwagen und Chauffeur häufig unangenehm sei. Das halte er für zu viel "Gepränge", das die Bürgerinnen und Bürger nur irritiere. "Immerhin ist inzwischen die Regel, dass wir auch bei Rot die Kreuzung überqueren dürfen, abgeschafft."

Ingo Wolf, FDP Oliver Keymis, B'90/Grüne
Gerhard Papke, FDP Monika Ruff-Händelkes, SPD
Horst Ellinghaus, CDU Rüdiger Sagel, Die Linke

Landtagsabgeordnete im Gespräch


Meldung vom 9.9.2008 [ Nach unten ]

Fünf Tage lang "sprachlos" - Ein Selbstversuch

Die Sprachlosen Fünf Jahre ist es her, dass einige Oberstufenschüler des St.-Ursula-Gymnasiums im Rahmen des Projekts "Die Stummen" drei Tage lang rund um die Uhr schwiegen und dabei die eigenen Reaktionen und die ihrer Umgebung beobachteten. Nun ging das Schweige-Experiment in die zweite Runde, diesmal allerdings unter verschärften Bedingungen. Geschwiegen wurde nicht mehr nur drei, sondern fünf Tage; auch trat jetzt eine ganze Schulklasse an.

In dem Szenario, das nun den Titel "Sprachlos" trug, fanden sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a am frühen Nachmittag des 4. September 2008 (Donnerstag) in der Schulaula ein. Dort blieben sie die folgenden fünf Tage bis zum Morgen des 9. September (Dienstag). Die wichtigste Regel während ihres Aufenthalts: Von Donnerstag bis Samstag war Sprechen absolut tabu. Ab Sonntag gab es dann eine leichte Veränderung: Die Probanden durften nun zur Kommunikation immerhin 40 Fantasiewörter verwenden, die ihnen auf einer aushängenden Vokabelliste vorgestellt wurden. - Während des Experiments war den Versuchspersonen die Benutzung von Rundfunk- und Fernsehgeräten, Computern und MP3-Playern untersagt. Auch auf das "Simsen" per Handy mussten sie verzichten.

"Sprachlos" zielte auf die Beantwortung zweier Fragenkomplexe. Erstens: Inwiefern macht Sprache "gesellschaftsfähig"? Wie verhalten sich die Schüler in der Gruppe, wenn sie ausschließlich per Gestik und Mimik kommunizieren können? Und zweitens: Wie steht es um ihren Spracherwerb? Nutzen die Probanden das "Angebot der 40 Wörter" - oder kommen sie auch so zurecht?

Ein besonderer Reiz des Experiments lag darin, dass die schweigenden Jugendlichen ihren Aufenthalt vollkommen selbstständig organisieren mussten. Dies galt für das gemeinsame Kochen und die Freizeitgestaltung gleichermaßen wie für das Anfertigen der Hausaufgaben. Denn auch der reguläre Unterricht fand "stumm" in der Aula statt - eine Herausforderung nicht nur für die Schüler, sondern auch für ihre Lehrer.

Zur Beobachtung der schweigsamen Schulklasse hatten sich etwa 40 Oberstufenschüler gemeldet. Sie hielten sich im Wechsel zu je drei bis sechs Personen durchgängig bei den Probanden auf und überwachten deren "Sprachlosigkeit". Auch die Medien zeigten sich - wie schon bei früheren Experimenten - interessiert. Neben Presse und Hörfunk berichteten gleich drei Fernsehsender: WDR, SAT1 und RTL. Zwei Studiogespräche in Düsseldorf und in Siegen bildeten den medialen Abschluss des Versuchs.


Meldung vom 22.8.2008 [ Nach unten ]

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt über linke Positionen und Rauchverbote

Wie stehen Sie zum Rauchverbot in Eckkneipen? Was halten Sie von Alkopops? Wie gehen Sie mit den Medien um? Was braucht man, um als Politikerin erfolgreich zu sein? Zu diesen und vielen weiteren Fragen gab Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt am 22. August in Attendorn Auskunft.

Ulla Schmidt im Gespräch Im Rahmen ihres vierstündigen Besuchs der Hansestadt, der sie unter anderem ins Liborius-Seniorenzentrum und ins Krankenhaus St. Barbara führte, sprach sie eine halbe Stunde lang auch mit der Schüler-AG "Traumjob Politiker?" des St.-Ursula-Gymnasiums.

Dass sie es mit kundigen Interviewpartnern zu tun hatte, erfuhr die Ministerin sofort. Als sie über ihren politischen Werdegang in der SPD und ihre Bundestagskandidatur 1990 berichtete, hakten die Schüler nach: Sie habe sich doch bereits 1976 für den Bundestag beworben, seinerzeit allerdings für den Kommunistischen Bund Westdeutschland.

Die Ministerin winkte ab. Das sei damals in der Studentenbewegung gewesen, und sie habe auch "nur ganz wenige Stimmen bekommen". Ihre Ideale von einst seien allerdings auch ihre jetzigen: mehr Gerechtigkeit und Frieden.

Wie sie angesichts ihres politischen Werdegangs denn dann zur Linkspartei stehe, wollten die Schüler weiter wissen. Hier zeigte Ulla Schmidt deutlich Flagge: "Ich halte die Linkspartei erstens für überflüssig und zweitens, was die Bundesebene angeht, für überhaupt nicht koalitionsfähig."

Auch zu anderen aktuellen Themen bezog die Ministerin Stellung. So sprach sie sich für ein striktes Rauchverbot in sämtlichen Gaststätten aus. Ausnahmeregelungen für "Eckkneipen" ließ sie nicht gelten. Manchmal müsse man sagen: "So ist es jetzt!" Alles andere führe zu fruchtlosen Diskussionen. In anderen Ländern wie etwa Italien funktioniere das generelle Rauchverbot schließlich auch.

Ebenso forderte die Ministerin ein Verbot von Alkopops. Das Gefährliche sei, dass Jugendliche ebenso wie Erwachsene gar nicht einschätzen könnten, wie viel Alkohol in diesen Getränken sei.

Neben der Tagespolitik ging es in dem Schülergespräch aber auch um übergreifende Themen. Auf die Frage, was eine erfolgreiche Politikerin auszeichne, plädierte Ulla Schmidt für Standfestigkeit und "den Mut, Dinge umzusetzen". Auch müsse man "Menschen gern haben". Im Übrigen könne eine gewisse Gewandtheit im Umgang mit den Medien nicht schaden.

Am Schluss stand, wie üblich für die Interviews der Schüler-AG, die "Feen-Frage": Welches politische Ziel die Ministerin, falls sie bei der berühmten Fee einen (aber nur einen) Wunsch frei hätte, sofort umsetzen würde. Ulla Schmidt entschied sich bewusst für ein Ziel aus ihrem Ressort - eine Bürgerversicherung, "damit sich alle gerecht an der Finanzierung des Gesundheitswesens beteiligen."


Meldung vom 11.8.2008 [ Nach unten ]

Neu am St.-Ursula-Gymnasium: Sozialwissenschaften-Differenzierungskurse in der Mittelstufe

Die Kursteilnehmer In der Oberstufe des St.-Ursula-Gymnasiums ist das Fach "Sozialwissenschaften" ja schon lange etabliert. Jetzt feiert es Premiere in der Mittelstufe: Mit Beginn des Schuljahrs 2008/2009 wird im Rahmen der so genannten Differenzierung II neben Französisch, Latein, Informatik und LWU (Landschaft - Wasser - Umwelt) in den Klassen 8 auch "Sowi" angeboten.

Das Interesse der Achtklässler ist groß. Gleich zwei "Sozialwissenschaften"-Kurse mit insgesamt 53 Schülerinnen und Schülern nehmen sich nun soziale, ökonomische und politische Themen vor.

Auf dem Programm für die kommenden zwei Schuljahre stehen Preiserhebungen im Attendorner Stadtgebiet, Betriebserkundungen, Befragungen und Experimente, Computersimulationen, Gespräche mit Politikern und ein Besuch im Düsseldorfer Landtag. Natürlich kommt aber auch die Theorie nicht zu kurz.

Darüber hinaus wollen sich einige Kursteilnehmer an Wettbewerben beteiligen. Wichtig ist den meisten Schülern jedoch eins: Hauptsache, man kommt raus aus dem "normalen" Schulalltag!

"Sozialwissenschaften" wird in der Differenzierung II drei Stunden pro Woche angeboten. Das Fach ist auf zwei Jahre (8. und 9. Klasse) hin konzipiert. In der 9. Klasse begleitet und ergänzt es den regulären Politik/Wirtschaft-Unterricht. Pro Halbjahr werden, wie in den anderen Differenzierungskursen auch, zwei zweistündige Arbeiten geschrieben.


Meldung vom 24.6.2008 [ Nach unten ]

Schülerin des St.-Ursula-Gymnasiums im 1. Jugend-Landtag NRW

Anna Carla mit Angela Freimuth Anna Carla Kugelmeier, Mitglied des Attendorner Jugendparlaments und Schülerin des St.-Ursula-Gymnasiums, nahm pünktlich zum Sommeranfang am "1. Jugend-Landtag NRW" teil. Zusammen mit 186 anderen Jugendlichen aus ganz Nordrhein-Westfalen debattierte sie vom 22. bis zum 24. Juni im Düsseldorfer Landesparlament. Auf der Themenliste standen die mögliche Aufhebung des grundsätzlichen wirtschaftlichen Werbeverbots in Schulen sowie ein Antrag zur verpflichtenden Einführung von Jugendparlamenten in allen nordrhein-westfälischen Kommunen.

In Fraktions- und Ausschusssitzungen mit Expertenanhörungen klärten die jungen Parlamentarier zunächst die Sachlage. Im anschließenden Plenum wurde dann entschieden: Das Werbeverbot soll bleiben; Jugendbeiräte sollen flächendeckend eingeführt werden - sofern die Jugendlichen vor Ort dies wünschen. Die Abstimmungsergebnisse werden nun den wirklichen Gremien zugeleitet und fließen somit in die Arbeit der tatsächlichen Abgeordneten ein.

Der erstmalig durchgeführte "Jugend-Landtag" ist eine Initiative des Landtagspräsidiums zur Förderung des Dialogs zwischen Jugendlichen und Politikern. "Wir haben festgestellt, dass die Besucher im Landtag meistens weißhaarig sind und die Schüler in den Schulen sehr wenig über diesen Landtag wissen", so Dorothea Dietsch, Organisatorin und Sachbereichsleiterin "Jugend und Parlament". Der Jugend-Landtag biete hier ein Forum für Gleichgesinnte, die die parlamentarische Arbeit gerne einmal hautnah erleben wollten.

Um die Teilnahme bewerben konnten sich im Frühjahr alle politisch Interessierten im Alter von 15 bis 20 Jahren. Jeder Landtagsabgeordnete durfte einen Jugendparlamentarier benennen. Aus dem Kreis Olpe wurden lediglich zwei Abgeordnete nominiert.

Mit ihren fünfzehn Jahren war Anna Carla die drittjüngste Delegierte. Ihre "Patin" war Landtagsvizepräsidentin Angela Freimuth. Diesem Umstand verdankte sie es auch, dass sie am Abschlusstag routinemäßig eine halbe Stunde lang die Sitzung im Plenum leiten durfte.

Wahlurne Die beiden Delegierten des Kreises Olpe vor dem Landtag Plenum aus der Sicht des Landtagspräsidiums
Organisatorin Dorothea Dietsch 1. Jugend-Landtag
Kicker im Foyer der SPD-Fraktion Landtag NRW Landtagspräsidentin Regina van Dinther
Die Schriftführerin der FDP-Fraktion Diskussion in der FDP-Fraktion

Eindrücke vom Jugend-Landtag NRW.


Meldung vom 23.6.2008 [ Nach unten ]

SPD-Chefin Hannelore Kraft zum Thema "Kopfnoten"

Hannelore Kraft "Leistungsbereitschaft", "Zuverlässigkeit und Sorgfalt", "Selbstständigkeit", "Verantwortungsbereitschaft", "Konfliktverhalten" und "Kooperationsfähigkeit" - nach diesen Kriterien wird (neben ihren fachlichen Leistungen) das Arbeits- und Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen bewertet. Seit ihrer Einführung zum 1. August 2007 ist die Ausweisung der so genannten "Kopfnoten" auf den Zeugnissen jedoch umstritten.

Gegenüber den Mitgliedern der "Traumjob Politiker?"-AG des St.-Ursula-Gymnasiums rechtfertigte Schulministerin Sommer diese Zusatznoten im vergangenen Jahr mit dem Hinweis auf die Gesamtpersönlichkeit eines Jugendlichen. Sie habe da vor allem einen (fiktiven) Schüler vor Augen, "der aufgrund seiner kognitiven Ausstattung vielleicht keine Möglichkeit hat, wirklich gute Noten zu bringen. Aber er strengt sich an und er ist ein prima Kumpel. Vielleicht sind das dann die einzigen guten Noten in seinem Zeugnis, aber es sind jedenfalls welche. Schließlich rechnet sich eine Persönlichkeit, wie Sie es alle sind, nicht ausschließlich in Zensuren über Fächer aus."

Am Rande des 1. Jugend-Landtags NRW hatte nun AG-Mitglied Anna Carla Kugelmeier die Gelegenheit, aus erster Quelle auch die Gegenposition zu hören. Hannelore Kraft, nordrhein-westfälische SPD-Chefin und Fraktionsvorsitzende im Landtag, übte im Gespräch mit der Attendorner Schülerin deutliche Kritik: "Wenn man Kinder beurteilen will, dann nicht in diesem Notenschema, sondern das muss im Gespräch zwischen Eltern, Lehrern und Schülern passieren. Das ist der Weg, wie man Verhaltensweisen der Kinder positiv verändern kann. Das geht nicht mit Kopfnoten; damit schafft man nur Duckmäusertum."

Dem Einwand der Schülerin, die Lehrer sähen ihre Schüler ja zum Teil nur drei oder vier Schulstunden in der Woche und könnten sie so kaum adäquat beurteilen, hielt Hannelore Kraft entgegen, dass die Lehrer ja ohnehin schon untereinander kommunizierten und diesen Austausch über die Persönlichkeiten der Schüler eben noch verstärken müssten. Sie ergänzte: "Zweimal im Jahr den Elternsprechtag zu machen reicht da natürlich nicht aus. Da muss es viele Gespräche geben. Und dabei müssen die Eltern eingebunden werden."


Meldung vom 14.6.2008 [ Nach unten ]

"Ich kann nicht dulden, dass da jemand eingesperrt ist!" - Das Käfigprojekt in Köln

Menschenauflauf Vor drei Monaten im Schulforum, vor zwei Monaten auf dem Attendorner Wochenmarkt und jetzt auch in der Kölner Innenstadt - der zweieinhalb Quadratmeter große Käfig, den Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 12 des St.-Ursula-Gymnasiums für ein sozialwissenschaftliches Experiment gebaut hatten.

Im Stundentakt hockten darin am Samstag, dem 14. Juni, jeweils zwei verschüchtert wirkende Jugendliche vor einem Kaufhaus auf der gut besuchten Breite Straße. Wenn sie gefragt wurden, warum sie eingesperrt worden seien, erklärten sie knapp, sie hätten etwas ausgefressen, wollten aber lieber nicht darüber reden; sonst würde die ganze Sache nur noch schlimmer.

Ausgedacht hatten sich den Versuch die Klasse 10a und ihr Politiklehrer Frank Kugelmeier. Der hatte eines Tages angesichts zahlreicher "vergessener" Hausaufgaben geseufzt, die Schüler könnten von Glück sagen: Im Mittelalter wären sie dafür an den Pranger gestellt worden. Die Jugendlichen waren daraufhin von der Idee der öffentlichen Zurschau- und Bloßstellung so fasziniert, dass sie den "Pranger" am eigenen Leib erfahren und zugleich die Reaktionen der Vorübergehenden testen wollten. Dazu bot sich der zwanzigköpfigen Attendorner Schülercrew in Köln reichlich Gelegenheit.

Hatte der Käfig in Attendorn bereits Aufmerksamkeit erregt, war diese in der Domstadt umso größer. Teils im Minutentakt erkundigten sich die Passanten nach dem Schicksal der Gefangenen. Allerdings setzten die meisten ihren Weg danach unbekümmert fort. Einige nutzten die Gelegenheit sogar, ihren kleinen Kindern zu drohen, wenn sie sich nicht benähmen, kämen sie genauso hinter Gitter.

SolidaritätDoch gab es auch deutliche Zeichen von Zivilcourage: In Attendorn hatte es drei Stunden gedauert, bis die ersten Passanten das Käfigschloss aufschneiden wollten, in Köln wurde es von einer Frau bereits nach einer halben Stunde geknackt. "Ich kann nicht dulden, dass da jemand eingesperrt ist. Die Insassen können jetzt selbst entscheiden, ob sie herauskommen wollen oder nicht", erklärte sie anschließend und ging dann weiter. Kurze Zeit später "solidarisierte" sich ein Tourist mit den Gefangenen, indem er etwa zwanzig Minuten lang im Schneidersitz neben dem Käfig Platz nahm.

Am Mittag riefen zwei Passantinnen, die sich das Szenario eine Weile angeschaut hatten, schließlich die Polizei. Zum Entsetzen aller Umstehenden rückten die Beamten jedoch, nachdem sie die vorher beim Kölner Ordnungsamt eingeholte Genehmigung des "Käfigprangers" überprüft hatten, unverrichteter Dinge wieder ab. Ein Straßenkünstler instrumentalisierte den Käfig daraufhin für seine politische Botschaft, indem er ihm ein Schild mit der Aufschrift "USA - Guantanamo" anheftete.

Am Nachmittag ging es rund um den vermeintlichen Pranger dann noch einmal heiß her. Ein Radfahrer versuchte das Gitter aufzubrechen, um zwei gerade einsitzende Mädchen zu befreien. Auch durch das intervenierende Attendorner Beobachterteam ließ er sich davon kaum abhalten. Dass hier ein Mann einschritt, war allerdings die Ausnahme. Die meisten Vorübergehenden, die sich aktiv für die Gefangenen einsetzten, waren Frauen.

Mit dem Ausflug nach Köln ist das Käfig-Experiment nun definitiv beendet. Das Gittergerüst haben die Schüler bereits zerlegt, die Auswertungen werden sich allerdings noch bis in den Herbst hinziehen.


Meldung vom 13.6.2008 [ Nach unten ]

"Der Landtag kommt in die Schule" - Angela Freimuth zu Besuch in Attendorn

Prominenten Besuch erhielt das St.-Ursula-Gymnasium Mitte Juni. Im Rahmen der Aktion "Der Landtag kommt in die Schule" stellte sich die stellvertretende Landtagspräsidentin Angela Freimuth (FDP) den Fragen des Sozialwissenschaften-Leistungskurses sowie der Schüler-AG "Traumjob Politiker?".

Angela Freimuth MdL Ganz oben auf dem Themenkatalog der Jugendlichen stand naturgemäß die Bildungspolitik. Die Palette der Fragen reichte von der auf acht Jahre verkürzten gymnasialen Schulzeit über die umstrittenen Kopfnoten und die Studiengebühren bis hin zu dem Vorschlag einiger Wissenschaftler, das "Sitzenbleiben" ganz abzuschaffen.

Die Politikerin gab bereitwillig Auskunft, bekannte allerdings, die Schulpolitik sei "ein vermintes Gelände". Ganz gleich, wie man sich äußere, könne man sich hier eigentlich nur falsch positionieren. "Da fühle ich mich bei haushalts- oder finanzpolitischen Themen wesentlich besser aufgehoben."

Auf die Frage, wie sie den pannenreichen Ablauf des diesjährigen Zentralabiturs bewerte, kannte Angela Freimuth nur eine Antwort: "Verbesserungsfähig." Zugleich verwies sie auf ihr präsidiales Amt, das ihr an dieser Stelle politische Zurückhaltung auferlege. So erfuhren die Anwesenden dann auch gleich, wie schwierig oft der Balanceakt zwischen neutraler Ausübung der Landtagspräsidentschaft einerseits und Parteipolitik andererseits ist.

Welche besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen sie in der Zukunft sehe, wollten die Schüler von Angela Freimuth weiter wissen. Hier thematisierte die Politikerin die großen Veränderungen hinsichtlich der Altersstruktur und vor allem der kulturellen Zusammensetzung Deutschlands. Vielfach würden Bürger mit Migrationshintergrund immer noch ausgegrenzt. "Wir haben da noch kein richtiges Wir-Gefühl entwickelt." Gerade diese Ausgrenzung könne sich das Land jedoch weder mit Blick auf die sozialen Sicherungssysteme noch hinsichtlich der Ausprägung von Exzellenzen, von Eliten leisten.

Natürlich formulierten die Schüler der "Traumjob Politiker?"-AG auch wieder ihre "Feen-Frage", die sie schon einer ganzen Reihe anderer Politiker - von Jürgen Rüttgers über Franz Müntefering bis Oskar Lafontaine - gestellt hatten: Welches politische Ziel Angela Freimuth sofort verwirklichen würde, wenn sie bei der berühmten Fee einen (aber nur einen) Wunsch frei hätte. Die Politikerin entschied sich für ein "friedvolles Miteinander der Menschen. Daraus lässt sich alles Weitere ableiten. Für alles andere findet man dann schon Lösungen."


Meldung vom 22.4.2008 [ Nach unten ]

Abschüsse von Zivilflugzeugen zur Terrorabwehr? Bundestagsabgeordnete geben Auskunft

Hans-Peter Uhl MdB Dürfen von Terroristen entführte Zivilflugzeuge abgeschossen werden, bevor sie größeres Unheil wie am 11. September 2001 anrichten können? Sollte, wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) es vorschlug, das Grundgesetz geändert werden, um einen solchen Abschuss als Akt eines "Quasi-Verteidigungsfalls" legitimieren zu können?

Diese Fragen beschäftigten Laura Hasenau, Schülerin der Jahrgangsstufe 12, im Rahmen einer Facharbeit über das vom Bundesverfassungsgericht beanstandete Luftsicherheitsgesetz. Kurzerhand schrieb sie mehrere Bundes- und Landtagsabgeordnete an und bat um eine Stellungnahme. Am ausführlichsten antwortete der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU):

"Ein wesentlicher Zweck des Staates ist, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. Vor diesem Hintergrund ist die öffentliche Diskussion sehr einseitig. Wir haben nur das Bild im Auge, dass ein mit Passagieren besetztes Flugzeug auf staatlichen Befehl hin abgeschossen wird. Aber es gibt nicht nur dieses Bild. Untrennbar mit dem Inferno des Terrors ist ein zweites Bild verbunden, das Bild von den Opfern am Boden, über denen das Flugzeug zum Absturz gebracht werden soll, das Bild von einem vollbesetzten Fußballstadion oder vielleicht das Bild von vor drei Jahren, als der Papst auf dem Marienfeld in Köln vor 1 Million junger Menschen eine Heilige Messe zelebriert hat. Man stelle sich vor, Terroristen hätten ein Flugzeug gekapert, um es auf das Marienfeld zu steuern. Wie hätte die staatliche Gewalt in dieser Situation handeln sollen?"

Willi Brase MdB Uhls Antwort: "In einem solchen Moment steckt der Staat in einem Dilemma. Er muss auf tragische Weise entscheiden. Er kann sich nicht einfach zurücklehnen und die Dinge ihrem Lauf überlassen. Der Staat muss auch Zigtausende unschuldiger Menschen vor Angriffen durch Terroristen schützen."

Aus diesem Grund, so der CSU-Abgeordnete, müsse eine Diskussion um den Abschuss ziviler Flugzeuge erlaubt sein: "Die Parlamentsmehrheit stellt sich ihrer Verantwortung bislang nicht und hat die Luftsicherheitsproblematik stattdessen mit einem Tabu belegt. Wer an das Tabu rührt, wird als unmoralisch und inhuman gescholten. Nach wie vor mutet die Politik also den Letzten in der Befehlskette, den Kampfpiloten, zu, im Falle des Falles den Mut aufzubringen, den sie selbst nicht hat."

Ganz anders äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Willi Brase (SPD): "Zu beiden Fragen ein eindeutiges 'Nein', darüber hinaus wird sich die gesamte SPD-Fraktion im deutschen Bundestag nicht auf eine Gesetzesänderung für einen 'Quasi-Verteidigungsfall' gegen terroristische Angriffe aus der Luft einlassen. Es ist daher unverständlich, dass Schäuble damit überhaupt an die Öffentlichkeit geht."

  Die vollständigen Stellungnahmen der beiden Abgeordneten finden Sie [ hier ] (PDF-Format).


Meldung vom 12.4.2008 [ Nach unten ]

Gymnasiasten am Pranger - "Der Käfig" auf dem Attendorner Wochenmarkt

Lucas erhält Zuspruch Lisa und Corinna Im März stand er im Rahmen eines sozialpsychologischen Experiments im Forum der St.-Ursula-Schulen, im April dann auch in der Attendorner Innenstadt - der Käfig. Und so bot sich am Samstag, dem 12.4., den Besuchern des Wochenmarkts ein merkwürdiges Bild. Mitten in der Fußgängerzone kauerten, eingesperrt in das zweieinhalb Quadratmeter umfassende Gittergehege, im Stundentakt jeweils ein oder zwei verschüchtert wirkende Jugendliche. Auf Nachfrage erklärten sie wortkarg, sie hätten etwas "ausgefressen", wollten aber lieber nicht darüber sprechen.

Auch in diesem Experiment wollten die Initiatoren, die Klasse 10a und der Leistungskurs "Sozialwissenschaften" der Jahrgangsstufe 12, wissen, wie man sich "am Pranger" fühlt und wie die Passanten auf die Inhaftierten reagieren würden.

Das Ergebnis: Zwar gab es einige Zeitgenossen, die die mutmaßlichen "Maßnahmen des Jugendamts zur Bekämpfung der Jugendkriminalität" ausdrücklich begrüßten. Auffällig viele Marktbesucher nahmen jedoch Anteil am Schicksal der Gefangenen. Mehrere reichten ihnen sogar Bonbons in den Käfig, andere ereiferten sich zudem über "diese mittelalterliche Methode" öffentlicher Justiz. Letztlich gingen allerdings alle weiter, ohne etwas Konkretes zu unternehmen.

Etwa drei Stunden dauerte es, bis endlich eine resolute Passantin einschritt. Sie fragte erst in einigen Geschäften vergeblich nach einem Bolzenschneider, lieh sich schließlich vom nahen Blumenstand eine Zange, versicherte sich der Hilfe eines anderen Passanten und versuchte dann, das Fahrradschloss aufzuschneiden und die Eingesperrten zu befreien. Selbst als die Mitschüler der "Delinquenten" und der Versuchsleiter intervenierten, ließ sie sich kaum von ihrem Vorhaben abbringen und rief die Polizei an. Die war freilich, ebenso wie das Ordnungsamt und der Marktleiter, über das Projekt informiert.

Das Experiment der Attendorner Gymnasiasten steht in einem größeren Rahmen. Es ist Teil des vom NRW-Schulministerium geförderten und vom Katholisch-Sozialen Institut Bad Honnef koordinierten Gesamtprojekts "Eine wertelose Gesellschaft ist wertlos", einer Aktion zur ethischen Erziehung Jugendlicher und junger Erwachsener.


Meldung vom 14.3.2008 [ Nach unten ]

"Der Käfig" - ein sozialpsychologisches Experiment

Laura im Käfig Eine Überraschung erlebten die Schülerinnen und Schüler der St.-Ursula-Schulen in der letzten Unterrichtswoche vor den Osterferien. Mitten im Forum der Schulen, das als Pausenhalle genutzt wird, stand die ganze Woche über ein mannshoher Käfig von gut einem mal zwei Metern Grundfläche.

Jeweils zu Beginn der großen Pausen führten einige schwarz gekleidete Wachleute einen oder mehrere Schüler der 10. Klasse zum Käfig und schlossen die "Delinquenten" dort ein. Anschließend blieben die Gefangenen sich selbst überlassen; erst am Ende der Pause wurden sie wieder abgeholt und zum folgenden Unterricht geleitet. Eine Erklärung für das Wegsperren der Jugendlichen gab es nicht. Allenfalls verwies das Wachpersonal vage auf den Schulleiter.

Das Szenario, das stark an einen mittelalterlichen Pranger erinnerte, war Teil eines sozialpsychologischen Experiments, das sich die Klasse 10a des Gymnasiums zusammen mit ihrem Politiklehrer ausgedacht hatte. Abgesehen von der Frage, wie man sich als öffentlich zur Schau gestellter Delinquent fühlt, interessierte die Zehntklässler vor allem, wie ihre Mitschüler auf die äußeren Anzeichen von Außenseitertum reagieren würden: mitleidig, gleichgültig oder gar spöttisch und provozierend?

Die Gefangenen mit ihren Wärtern Die Ergebnisse des Versuchs waren beunruhigend. Hielt sich eine größere Gruppe von Gefangenen in dem Käfig auf, gab es allenfalls höhnische Kommentare. Standen oder, besser noch, hockten dort nur ein oder zwei Schüler, war jedoch, zumindest bei einem Teil der Hallenbesucher, kein Halten mehr: Die vermeintlichen Delinquenten wurden massiv mit Essensresten und, in Ermangelung von Steinchen, mit kleinen Geldmünzen beworfen. Außerdem mussten sie sich als "Affen", "Opfer" und "Versager" beschimpfen lassen und erhielten, sofern sie sich gegen die Käfigwand lehnten, Fußtritte. Mehrere Mitschüler erklommen den Käfig und saßen in Siegerpose über den Eingesperrten; andere rüttelten an den Gitterstäben und versuchten, allerdings vergeblich, den Käfig umzustürzen. Als zeitweilig nur ein einziger Gefangener hinter Gittern hockte, übergossen ihn mehrere Umstehende mit Wasser, so dass er später die Kleidung wechseln musste. Zwei anderen Gefangenen versuchte man mit Feuerzeugen die Haare zu flämmen.

Das Experiment zeige, so der Versuchsleiter in einem ersten Resümee, wie schmal der Grat zwischen Zivilisation und Barbarei sei. "Wenn sich in unmittelbarer Umgebung keine Autorität zeigt, die Einhalt gebietet, sind offensichtlich viele Menschen, in unserem Fall übrigens vorrangig Jungen, bereit, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen - auch und gerade gegenüber wehrlosen Personen, die ihnen überhaupt nichts getan haben." Was ihn insbesondere erschreckt habe, sei der Umstand, dass die Jugendlichen, selbst als sie erkennbar gefilmt wurden, nicht von ihrem Treiben abgelassen hätten.

Auch die "Opfer" dieses Treibens zeigten sich beeindruckt. Florian, der den Dienstag weitgehend alleine in dem Käfig verbrachte, erklärte anschließend, besonders unheimlich seien die Sekunden nach dem Pausengong gewesen, wenn die "ganze Meute" in die Halle und auf ihn zugestürmt sei. Marco, der ebenfalls zwei Pausen allein im Käfig durchhielt, ärgerte sich vor allem über diejenigen, die versuchten, ihn hinter seinem Rücken zu attackieren. Die Situation sei schon grenzwertig gewesen. Als Einzelner würde er jedenfalls "nicht so gerne" eine weitere Pause am Pranger verbringen.

Lediglich Laura blieb relativ gelassen. Sie wurde während ihrer Zeit im Käfig kaum angegriffen. "Vielleicht", so vermutete sie, "ist man da als Mädchen im Vorteil."


Meldung vom 18.2.2008 [ Nach unten ]

AG "Kardinalfragen" gewinnt Hauptpreis beim Schülerwettbewerb zur politischen Bildung

Die AG mit UrkundeEinen Hauptpreis beim bundesweit ausgeschriebenen "Schülerwettbewerb zur politischen Bildung" kann die AG "Kardinalfragen" des St.-Ursula-Gymnasiums für sich verbuchen. In der Kategorie "Politik brandaktuell" erzielte die sechsköpfige Schülergruppe den zweiten Platz und erhält damit ein Preisgeld von 1.000 Euro.

Lea Brohsonn, Jacqueline Eilrich, Kim Heuel, Anna Carla Kugelmeier (Kl. 9) sowie David Jansen und Sebastian Rabe (Jgst. 11) führten im vergangenen Jahr umfangreiche Recherchen zur Kinderkrippenpolitik der Bundesregierung durch und verglichen dabei besonders die Positionen von Familienministerin Ursula von der Leyen und des Augsburger Bischofs Walter Mixa. Hierzu befragten die Schüler zahlreiche Vertreter aus Politik und Kirche, unter anderem Bundestagspräsident Norbert Lammert, seinen Vize Wolfgang Thierse, Grünen-Chefin Claudia Roth, aber auch Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker und den bisherigen Vorsitzenden der Katholischen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann. Die Ergebnisse dokumentierten sie dann in einer multimedialen Internet-Präsentation.

Die Jury, bestehend aus Fachlehrern und Vertretern der Kultusministerien, zeigte sich von der inhaltlichen Qualität und kreativen Gestaltung des Beitrags beeindruckt. Ulf Marwege, der Leiter des Wettbewerbs, hob hervor, dass das Engagement der beteiligten Schüler weit über das im Unterricht Übliche hinausgehe: "All das ist angesichts der zunehmenden Belastung nicht selbstverständlich."

Der Schülerwettbewerb, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, wird jährlich von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgeschrieben. Er möchte Kinder und Jugendliche der 5. bis 11. Jahrgangsstufe für wichtige politische Themen sensibilisieren. An der aktuellen Ausschreibung beteiligten sich über 65.000 Schüler mit insgesamt 3.017 Projekten.


Meldung vom 16.2.2008 [ Nach unten ]

Werteerziehung im Unterricht - Attendorner Projekte mit wissenschaftlicher Begleitung

"Eine wertelose Gesellschaft ist wertlos" - so lautete das Thema einer Fachtagung, die am 15. und 16. Februar im Katholisch-Sozialen Institut in Bad Honnef stattfand. Gastredner der vom Ministerium für Schule und Weiterbildung sowie von der Landesarbeitsgemeinschaft für katholische Erwachsenen- und Familienbildung NRW unterstützten Veranstaltung waren unter anderem Schulministerin Barbara Sommer und Kölns Weihbischof Heiner Koch. Außerdem stellten etwa zwei Dutzend Institutionen aus Schule und Weiterbildung Projekte vor, die auf je eigene Weise Werte vermitteln.

Zur Einstimmung der Tagungsteilnehmer präsentierte der iranische Konzeptkünstler Babak Saed eine Bodenarbeit. Sie bestand aus Abertausenden über den gesamten Tagungsraum verteilter Papierschnipsel, bedruckt mit den Bezeichnungen überkommener Tugenden, "die wir inzwischen mit Füßen treten".

Für das St.-Ursula-Gymnasium nahm Sozialwissenschaften-Lehrer Frank Kugelmeier an der Tagung teil. Er informierte über die an der Schule bisher initiierten sozialpsychologischen Versuche, darunter "Mars Mission", "Bettelarm" und "Schwarzweiß". Weitere Experimente, die für das laufende Kalenderjahr geplant sind, werden nun in Absprache mit den Veranstaltern der Tagung wissenschaftlich begleitet. Für die Evaluation künftiger Projekte steht der Schule Prof. Dr. Rainer Dollase (Universität Bielefeld) zur Verfügung.

Katholisch-Soziales Institut, Bad Honnef Projektbegleiter Prof. Dollase Schnipsel mit überkommenen "Werten"
Gesprächsrunde mit Ministerin Sommer, Moderator Prof. Bucher und Weihbischof Koch (v.l.) Präsentation der Projekte

Bilder von der Fachtagung


Meldung vom 25.1.2008 [ Nach unten ]

Im Interview: Johannes-Rudi Korz, Pressesprecher der Deutschen Bundesbank

Herr Korz, der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman hat zeit seines Lebens gepredigt, dass man im Prinzip nur eine staatliche Institution braucht, die ins Wirtschaftsgeschehen eingreift, nämlich die Notenbank. Am Ende seines Lebens ist er noch radikaler geworden und hat gesagt, selbst die Notenbanken sollten wir abschaffen. Was sagen Sie dazu?

Johannes-Rudi Korz Ich denke schon, dass wir die Notenbanken brauchen. Es muss eine Institution geben, die dafür sorgt, dass die Geldmenge, die umläuft, unter Kontrolle gehalten wird. Bei einer Währung, die im Prinzip keinen festen Anker wie Metall, Gold und so weiter hat, sondern eine Papierwährung ist, muss es unbedingt eine staatliche Institution geben, die dafür sorgt, dass das Geld im Rahmen gehalten wird - einem Rahmen, der zum umlaufenden Güterstrom und Warenkorb passt.

Kann eine Notenbank das überhaupt noch? Wir sehen ja zum Beispiel bei den aktuellen Turbulenzen auf dem Aktienmarkt, dass auch die Eingriffe der amerikanischen Notenbank das Ganze nicht unbedingt automatisch wieder ins Lot bringen.

Na gut, das ist ein Marktprozess; das muss man natürlich sehen. Trotzdem gilt: Die Notenbanken müssen in einer solchen Situation zum Beispiel mehr Geld zur Verfügung stellen. Wenn die privaten Banken - das haben wir ja jetzt im Augenblick erlebt - nicht bereit sind, sich untereinander Geld zu leihen, dann gibt es eine Liquiditätslücke, und die müssen die Notenbanken schließen. Den Fall hatten wir ja jetzt hier in Europa; da hat die Notenbank - die EZB und das Eurosystem - den Banken mehrere Milliarden zur Verfügung gestellt, weil dieses Geld am Markt fehlte. Aber es ist nicht dauerhaft zur Verfügung gestellt worden, sondern die Notenbanken greifen sporadisch ein und sorgen dafür, dass immer genügend Geld vorhanden ist, damit der Wirtschaftskreislauf nicht ins Stocken gerät.

Themenwechsel. Wir haben hier in Hessen ja jetzt gerade Wahlen. Ein Thema ist selbstverständlich wieder die Bildungspolitik. Was würden Sie in diesem Zusammenhang sagen: Ist der Bereich Wirtschaft in den Schulen bisher genügend berücksichtigt? Oder würden Sie sagen, da wäre noch mehr zu tun - möglicherweise sogar mit einem eigenen Schulfach "Wirtschaft"?

Die Bundesbank ist seit vielen Jahren in diesem Bereich, dem Bereich der schulischen Bildung, tätig. Und wir stellen immer wieder fest, dass das Fach insgesamt immer noch zu wenig beachtet wird. Gerade die Wirtschaft ist ein wichtiges Thema für Jugendliche. Sie kommen, wenn sie aus der Schule ausscheiden, ins Berufsleben und müssen dann über wirtschaftliche Fragen Bescheid wissen, müssen wissen: Wie lege ich mein Geld an? Wie funktioniert der Wirtschaftskreislauf? Das ist ein sehr wichtiges Thema, das ist ein praxisorientiertes Thema, mit dem jeder zu tun hat. Insofern müsste es in den Schulen eigentlich mehr Beachtung finden.

Wie sind Sie selbst mit Ihrer Schulzeit zufrieden? Sind Sie da genügend auf Ihren Beruf vorbereitet worden? Oder sagen Sie vielleicht sogar: Das war gar nicht nötig; es reichte, dass ich es hinterher gelernt habe!

Ich gehöre ja einer schon etwas älteren Generation an; ich war vor mehr als vierzig Jahren in der Schule. Insgesamt ist diesem Thema damals zu wenig Beachtung geschenkt worden; das muss ich sagen. Das hat mir auch gefehlt; das musste ich nachholen. Gerade deshalb finde ich es sehr, sehr wichtig, dass Jugendliche heute schon in der Schule mit Wirtschaft konfrontiert werden. Sie werden ihr ganzes Leben damit zu tun haben, und deshalb sollten sie das rechtzeitig lernen.

(Das Gespräch führte Frank U. Kugelmeier am 25.1.2008 in Frankfurt/Main.)


Meldung vom 25.1.2008 [ Nach oben ]

Jugend und Wirtschaft - Zwischenbilanz in Frankfurt

Zu einer Zwischenbilanz des Projekts "Jugend und Wirtschaft" trafen sich am 24. und 25. Januar die betreuenden Lehrer, darunter auch Frank U. Kugelmeier vom St.-Ursula-Gymnasium, in der "Finanzhochburg" Frankfurt am Main. Nach einem Erfahrungsaustausch, der am ersten Tag im Collegium Glashütten-Oberems, einer Tagungsstätte der Commerzbank, stattfand, ging es am zweiten Tag zunächst zum Geldmuseum der Deutschen Bundesbank. Dort informierte der Pressesprecher der Bundesbank, Johannes-Rudi Korz, über das Notenbanksystem und hauseigene Publikationen zur ökonomischen Bildung. Anschließend fuhren die knapp 50 Tagungsteilnehmer ins Bankenviertel zum Commerzbank-Tower. Hier gab ihnen Commerzbank-Manager Carl-Christoph Hedrich, zuständig für Public Affairs & Issue Management, in einem kurzweiligen Gespräch Einblicke in die Welt der Bänker und Broker.

Das jährlich vom Bankenverband und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgeschriebene Projekt "Jugend und Wirtschaft" hat zum Ziel, Jugendliche an den Wirtschaftsteil überregionaler Tageszeitungen heranzuführen und dort sogar Artikel publizieren zu lassen. Im laufenden Schuljahr nimmt - als eine von bundesweit 60 Lerngruppen - der Sozialwissenschaften-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12 des St.-Ursula-Gymnasiums daran teil.

Commerzbank-Manager Carl-Christoph Hedrich Commerzbank-Tower Geldzählmaschine (im Geldmuseum)
Geldmuseum der Deutschen Bundesbank Vor der Europäischen Zentralbank

Impressionen aus Frankfurt


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010