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Internationale Beziehungen

Thema

Probleme der Friedenssicherung im Zeitalter der Globalisierung

Der Marsch - Ein Szenario

Prüfungsvorschlag, eingereicht für das schriftliche Abitur 2002 im 2. Fach (Leistungskurs)

©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2002


Aufgaben:

  1. Analysieren Sie die Konfliktsituation des (fiktiven) Szenarios "Der Marsch"!
  2. Erläutern Sie, ob bzw. inwiefern sich die bekannten NATO-Strategien oder aber alternative Verteidigungskonzepte gegen die "Marschierenden" anwenden lassen!
  3. Verfassen Sie für den amtierenden spanischen Außenminister eine Rundfunkrede, in der er vor der spanischen Bevölkerung zu dem "Marsch" Stellung nimmt! Die Rede muss begründet Position beziehen; sie sollte die unterschiedlichen Interessen der an dem Szenario Beteiligten ("Marschierende", Herkunftsland, Durchreiseländer, Zielländer, mittelbar betroffene Drittstaaten, UNO, NATO usw.) berücksichtigen.

Quelle:

Der Marsch - Ein Szenario.
© für die Textfassung: Inken Schäfke 1997.
© für die Karte: Frank U. Kugelmeier 2002.

Textvorlage in Anlehnung an:
Der Marsch (The March). Spielfilm. Regie: David Wheatley. Großbritannien 1990.
NRW-Bildstellen-Best.-Nr. 42 48874.
Kurzinformation über den Film via Medienkatalog der Landeszentrale für politische Bildung unter:
http://www.lzpb.nrw.de/mkat/48874.htm

Erläuterungen:

Kufra: Oasengruppe im Südosten Libyens
In-Salah: Stadt in Zentralalgerien
Tanger: marokkanische Küstenstadt an der Straße von Gibraltar
Cordoba: Stadt in Südspanien

Materialien

Der Marsch - Ein Szenario

17. Juni
Wegen der seit 7 Jahren anhaltenden Dürre haben ca. 1 Million Menschen im Sudan ihre Dörfer verlassen und suchen Zuflucht in den UN-Flüchtlingscamps. Steigende Getreidepreise und der Massenzustrom der letzten Monate, so ein Sprecher der UNHCR (des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen), hätten dazu geführt, dass eine Familie mit der wöchentlichen Getreideration mittlerweile einen Monat auskommen müsse. Die UN bitten offiziell die Europäische Union um Soforthilfe. Brüssel verspricht, über mögliche Hilfsmaßnahmen in der nächsten Sitzung der Kommission drei Wochen später zu beraten. Gleichzeitig dämpft man zu hohe Erwartungen unter Hinweis auf die von der EU geleistete Hilfe an Osteuropa.

12. Juli
Nachdem die EU sich zu Hilfeleistungen nicht in der Lage sieht, ruft die UNHCR in einem dramatischen Appell alle internationalen Hilfsorganisationen zu Spenden für die rund 2 Millionen Hungernden in den Camps auf: "Vor zwei Tagen hat eine Gruppe von knapp 100 Menschen, darunter Frauen, Kinder und Alte, das Lager Richtung Norden verlassen", schildert ein Helfer die Verzweiflung der Menschen dort. "Die haben keine Chance - und trotzdem gehen sie." In den Camps stehe die Glaubwürdigkeit der Industriestaaten auf dem Spiel.

30. Juli
Wider Erwarten hat der kleine Trupp von Hungerflüchtlingen aus den UN-Camps Kufra erreicht. Ihr Führer, Issa el Mahdi, gibt aber ein noch viel größeres Ziel an. Nach Europa! "Wir haben keine Macht außer der, zu entscheiden, wo wir sterben wollen. Alles, was wir verlangen, ist: Seht uns sterben!" Seitdem die libysche Regierung el Mahdi ihre volle Unterstützung zugesagt hat, schließen sich ihm täglich mehr Menschen an.

6. August
Die Presse wird auf den "Marsch" aufmerksam. El Mahdi, der charismatische Führer, kann erstmals in den Industrieländern gehört werden: "Als ich klein war, sagte man uns: Wenn ihr studiert, werdet ihr eines Tages auch reich. Ich studierte hart. Ich arbeitete hart. Doch mein Land wurde ärmer und ärmer. Eines Tages hatten wir nichts. Warum habt ihr so viel und wir so wenig? Seid ihr bessere Menschen? - Es heißt, ihr in Europa habt viele Katzen. Es heißt, eine Katze kostet 200 Dollar im Jahr. Lasst uns nach Europa kommen als eure Haustiere. Wir können Milch trinken. Wir können beim Feuer liegen, wir können eure Hand lecken. Wir können schnurren - und wir sind viel billiger zu füttern..."
    Dieses und andere Interviews lösen in Europa eine allgemeine Nachdenklichkeit aus. "Die Grünen" mahnen: "80 Prozent der Energie werden von 20 Prozent der Weltbevölkerung verbraucht. El Mahdi zeigt uns, dass wir uns entscheiden müssen, entweder wir teilen mit ihnen oder wir werden dafür kämpfen müssen." Viele Menschen sind für das Teilen.

16. September
Der "Marsch" erreicht In-Salah. Er ist auf ca. 200 000 Menschen angewachsen. Weiterer Zustrom ist zu erwarten; die Menschen erhoffen sich in Europa Jobs und ein menschenwürdiges Leben.

2. November
Seitdem klar ist, dass der "Marsch" Europa tatsächlich erreichen will und kann (in Tanger haben lokale Organisationen Boote bereitgestellt, die 40 000 Menschen auf einmal über die Straße von Gibraltar in das nur 15 km entfernte Europa bringen können), ist Europa gespalten.
    Der Bericht einer EU-Beobachterin über den "Marsch": "Das ist ein symbolischer Akt, keine militärische Invasion. Ich war in dem Marsch und ich sage Ihnen, der hat Kraft. Aber diese Kraft ist eine moralische..."
    Doch es gibt auch andere Stimmen:
    Die EU-Kommission: "Dieser Marsch ist wie eine Drohung. Das ist ein berechneter Versuch, die Einwanderungsgesetze zu durchbrechen. Wenn wir das zulassen, ist das eine Aufforderung für andere, das Gleiche zu tun."
    Aus einer Talkshow: "Was wollen die alle bei uns? Die sollen in ihren Ländern bleiben!"
    Der spanische Innenminister appelliert an die Solidarität aller europäischen Staaten: "Das ist nicht nur ein spanisches Problem! Sie beanspruchen, genauso in andere Länder Europas zu kommen." Spanien kündigt an, den Nordatlantikrat der NATO wegen gemeinsamer Maßnahmen zur Sicherung von Recht und Stabilität anzurufen, und setzt seine Truppen in Cordoba in Alarmbereitschaft.
    Voraussichtlich um den 20. November herum wird der "Marsch" Tanger erreichen.


Textvorlage in Anlehnung an:
Der Marsch (The March). Spielfilm. Regie: David Wheatley. Großbritannien 1990.
NRW-Bildstellen-Best.-Nr. 42 48874.
Kurzinformation über den Film via Medienkatalog der Landeszentrale für politische Bildung unter:
http://www.lzpb.nrw.de/mkat/48874.htm

© für die Textfassung: Inken Schäfke 1997.
© für die Karte: Frank U. Kugelmeier 2002.

Erwartungen

Unterrichtliche Voraussetzungen:

Die Aufgabenstellung kombiniert - erstmalig - zwei Schwerpunktthemen der Qualifikationsphase: "Friedenssicherung" (13/1) und "Globalisierung" (12/1, 12/2, 13/2). - Konfliktanalysen und (sowohl "traditionelle" als auch alternative) Konfliktlösungsstrategien standen im Zentrum der 6. Unterrichtsreihe (13/1). Zur Sprache kamen hier die Probleme nach der Überwindung des Ost-West-Konflikts sowie - nach dem 11. September 2001 - das "Bündnis gegen den Terror"; ein explizites Nord-Süd-Szenario, wie es die vorliegende Aufgabe bietet, wurde im Unterricht hingegen nicht entwickelt. Das Nord-Süd-Gefälle war allerdings impliziter Bestandteil der Globalisierungs-Diskussion, die in der vorliegenden Aufgabe (etwa unter den Aspekten Ressourcenverbrauch, "Grenzen des Wachstums") ebenfalls aufgegriffen wird. Einschlägige Kenntnisse hierzu eigneten sich die Schülerinnen und Schüler in der 4. (12/1), der 5. (12/2) und besonders der 7. Reihe (13/2) an.

Methodisch verlangt die Aufgabe Fähigkeiten und Fertigkeiten im produktiv-gestaltenden Umgang mit Texten (Methodenfeld [MF] 1), die vorrangig in der 6. (13/1), teils auch in der 7. Reihe (13/2) trainiert wurden (Rollenspiele, Planspiele, Verfassen von Statements aus der Sicht eines US-Sicherheitsberaters, des deutschen Außenministers usw.). Gestaltungs-Aufgaben waren selbstverständlich auch Bestandteil von Klausuren. - Darüber hinaus bezieht sich die Aufgabenstellung auf Kenntnisse im Umgang mit fachwissenschaftlichen Theorien (hier besonders unter dem Gesichtspunkt des Vergleichs konkurrierender Theorien, MF 5). Diese Kenntnisse wurden, bezogen auf sicherheitspolitische Fragestellungen, vorrangig in der 6. Reihe (13/1) erworben bzw. vertieft. - Im Übrigen fordert die Aufgabenstellung auch methodisches Bewusstsein aus MF 6 ein (Stichworte: erkenntnisleitende Interessen und mögliche politische Konsequenzen, moralische Verantwortung, gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Gültigkeit bzw. Hinfälligkeit von Theorien). Mit dieser Thematik beschäftigten sich die Schülerinnen teils in der 5. (12/2), vor allem aber in der 7. Reihe (13/2).

Erwartungen:

Teilaufgabe 1 (Analyse)

Dem ersten Anschein nach lässt sich das vorgestellte Szenario auf die Dichotomie "Arm vs. Reich" bzw. auf einen Nord-Süd-Konflikt reduzieren. Tatsächlich ist die Sachlage jedoch, und dies sollten die Schülerinnen und Schüler herausarbeiten, um einiges komplizierter. Das Szenario erfasst auch folgende Auseinandersetzungen:

Anhand der vorliegenden Materialien nicht ganz zu klären sind (1) die Positionen der Regierungen der Durchreiseländer (mit Ausnahme Libyens) sowie (2) der Einfluss privater - internationaler? - Hilfsorganisationen.

Eine außerordentliche Schülerleistung wäre an dieser Stelle eine Verknüpfung der "Marsch"-Problematik mit Äußerungen Xavier Solanas bzw. mit Aussagen im "Neuen Strategischen Konzept" der NATO (1999) über zukünftig drohende Konflikte um die Verteilung der Weltressourcen.

Insgesamt fordert die 1. Teilaufgabe Leistungen im Anforderungsbereich [AFB] 1 (Exzerpierung eines Texts, Einbeziehung der Landkarte, Wiedergabe von Sachverhalten) sowie im AFB 2 (selbstständige Anordnung, Verarbeitung, Darstellung) ein.

Teilaufgabe 2 (Darstellung)

Am "Marsch"-Szenario gemessen werden sollten hier sowohl traditionelle militärische (massive Vergeltung, flexible Antwort, Rüstungskontrollen, zwischenstaatliche Verträge) als auch alternative Friedenssicherungskonzepte (Pazifismus, soziale Verteidigung, einseitige Vorleistungen, atomare Abrüstung, Neutralität). Nahe liegend ist das Fazit, dass alle genannten Konzepte angesichts der Eigentümlichkeit des "Marsches" mehr oder minder versagen. Zur Illustration dieses Befundes sollten die Schülerinnen und Schüler folgende Aspekte reflektieren:

Aufhebung des Gleichheitsgrundsatzes

Vor allem konventionelle Strategien setzen häufig - bei aller Geringschätzung des jeweiligen feindlichen Gegenübers - die Existenz eines an Bewaffnung ebenbürtigen und mental gleich gesinnten Gegners voraus (Favorisierung von Patt-Situationen, Herstellung eines "Gleichgewichts des Schreckens"). Von dieser Ebenbürtigkeit sind die "Marschierenden" weit entfernt; im Gegenteil: Sie erscheinen im Grunde genommen nicht satisfaktionsfähig.

Aufhebung des Grundsatzes der bewaffneten Austragung

Unausgesprochene Grundannahme aller bekannten Verteidigungskonzepte ist die Bewaffnung des Aggressors. Angreifer, die lediglich "marschieren", sind neu. Nicht zufällig flüchten sich die "Angegriffenen" dann auch aus der militärischen in eine juristische Argumentation.

Aufhebung des Grundsatzes der moralischen Überlegenheit

Konnten insbesondere die alternativen Friedenssicherungskonzepte (allen voran die soziale Verteidigung und der Pazifismus) bislang für sich das Plus verbuchen, über die "besseren" moralischen Argumente zu verfügen, so erscheint diese Selbstgewissheit angesichts der Argumentation der "Marschierenden" höchst zweifelhaft.

Aufhebung des Überlebens-Postulats

Herkömmliche Konzepte setzen stillschweigend den Überlebenswillen des Gegners voraus. Sie erscheinen wirkungslos gegenüber Kräften, die lediglich "sich selbst" einbringen und zur Durchsetzung ihrer Interessen auch den eigenen Tod einkalkulieren. (Hier stellt sich eine eigentümliche Parallele zur aktuellen Terrorismus-Problematik her.)

Die Forderungen der 2. Teilaufgabe liegen teils im AFB 1 (Wiedergabe von Sachverhalten), teils im AFB 2 (selbstständiges Auswählen, Anordnen, Verarbeiten, Übertragen von Gelerntem), aber auch im AFB 3 (Reflexion von Normen, Konventionen, Konzepten).

Teilaufgabe 3 (Gestaltung)

Die Aufgabenstellung gibt in drei Formulierungen den Rahmen der Gestaltung vor:

(1) Der spanische Außenminister dürfte den Schülerinnen und Schülern in persona unbekannt sein; seine Rolle ist (aus Schülersicht) affektiv nicht besetzt und zudem im vorliegenden Fall (relativ) unspezifisch; sie wird lediglich durch die Äußerungen des Kollegen vom Innenministerium grob umrissen (Z.59ff). Damit leistet diese Rolle zum einen der unverfälschten, "objektiven Empathie" der Schülerinnen und Schüler Vorschub und lässt sich zum anderen ohne Spezialkenntnisse übernehmen.

(2) Die Rundfunkrede zielt auf ein diffuses, "unwissendes" (d. h. sicherheitspolitisch nicht vorgebildetes), allerdings unmittelbar betroffenes und damit vermutlich nationale Partikularinteressen verfolgendes Publikum. Die "Unwissenheit" der Zuhörer bietet hin-reichend Spielraum für die Entfaltung unterschiedlichster Argumente; umgekehrt zwingen die erwähnten Partikularinteressen aber auch zu einer unmissverständlichen Stellungnahme.

(3) Die Maßgabe, begründet Stellung zu beziehen und die unterschiedlichen Interessen der am Geschehen Beteiligten zu berücksichtigen, beugt einer allzu populistischen, bekenntnishaften und unreflektierten Haltung vor. Zudem lassen die Begründung der Position und die Gewichtung der Interessen - wichtig für die Benotung - implizit Rückschlüsse auf die Gesichtspunkte, die die Lösungsgestaltung geleitet haben, zu (vgl. Richtlinien, S.32).

Im Prinzip sind vier Richtungen dieser Lösungsgestaltung denkbar:

Welchen dieser Lösungswege sie bevorzugen, ist ins Ermessen der Schülerinnen und Schüler gestellt. Beurteilungsrelevant ist ausschließlich, ob bzw. wie sie "ihre" Position rollenspezifisch begründen und mit den Erwartungen anderer Gruppierungen in Einklang bringen oder diesen gegenüber verteidigen, kurz gesagt: wie sie "ihre" Haltung im Interessengeflecht der Beteiligten wahrnehmen. Dabei sollten sie auch das moralische Dilemma - Hilfe für die Afrikaner vs. Schutz der Europäer - hinreichend thematisieren.

Das genannte Interessengeflecht kann in der vorgegebenen Redesituation sicherlich nicht im Detail dargestellt werden. Gleichwohl seien hier zur Veranschaulichung einige mögliche (!) Aspekte skizziert:

Marsch-Teilnehmer/-innen
Fundamentales Interesse: Überleben, erklärtermaßen in Europa, evtl. auch - mit Hilfe - in der Heimat, Provokation der saturierten westlichen Industriestaaten.

Herkunftsland
Ambivalente Grundhaltung: einerseits Hilflosigkeit und Genugtuung über den "Export" des Hungerproblems, andererseits Beunruhigung über den Verlust der Menschen.

Durchreiseländer
Teils diffuse, teils wohlwollende Grundhaltung: Hilflosigkeit, Bemühen um "Weiterreichen" des Problems, aber auch Interessenkoinzidenz mit den "Marschierenden", Solidarisierung, u. U. aus islamistischen Motiven.

Unmittelbare Zielländer (z. B. Spanien, Portugal)
Abwehrhaltung: Verteidigung des Status Quo, Tendenz zu rigiden Maßnahmen zum Schutz der eigenen Bevölkerung, diplomatische Aktivitäten zur Formierung eines "Anti-Marsch-Bündnisses", evtl. militärische Konfrontation.

Mittelbare Zielländer (z. B. Frankreich, Deutschland, Schweden)
Bedingte Abwehrhaltung: Verteidigung des Status Quo, aber auch Signale zur Kooperation, Bevorzugung diplomatischer und humanitärer Lösungen.

NATO
Bündnisbezogene Grundhaltung: Primat sicherheitspolitischer Überlegungen, Formierung einer "Festung Europa".

Europäische Union
Ambivalente Haltung: Signalisierung von Kooperationsbereitschaft, aber Betonung des Vorrangs der europäischen Einigung vor der Lösung außereuropäischer Probleme.

Vereinte Nationen
Wahrnehmung globaler Interessen: Primat der Entwicklungspolitik, Bevorzugung diplomatischer und humanitärer Lösungen.

Private Hilfsorganisationen
Humanitäre, evtl. auch ideologische Interessen: Hilfe bzw. Nothilfe, u. U. Willen zur Durchsetzung spezifischer entwicklungspolitischer Vorstellungen, evtl. Militanzbereitschaft.

Abschließend sei bemerkt, dass die 3. Teilaufgabe natürlich auch "unorthodoxe" Lösungsansätze gelten lassen muss, so sie differenziert und stringent begründet und in das allgemeine Interessengeflecht eingebettet werden. Allerdings, dies sei auch gesagt, verlangt die Rolle des Außenministers tendenziell realpolitische Lösungen, keine Utopien.

Aus der Rollenperspektive zulässig (und angesichts der derzeitigen Weltlage nicht abwegig) wäre aber z. B. ein Redebeitrag, dem die Strategie zugrunde liegt, den Führer der "Marschierenden" persönlich zu diskreditieren, den "Marsch" in die Nähe terroristischer Akte zu rücken (islamistische Verschwörung) und ein globales "Bündnis gegen Marschierer" einzufordern.

Angesichts des hohen Grades an "Gedankenarbeit", den die Aufgabenstellung verlangt, sind die Gesamtleistungen der 3. Teilaufgabe im AFB 3 anzusiedeln.

Als "ausreichend" kann die Bearbeitung der Gesamtaufgabe dann gewertet werden, wenn die Analyse der 1. Teilaufgabe den zentralen Konflikt (Arm vs. Reich) dezidiert und die "untergeordneten" Konflikte zumindest im Ansatz erfasst, wenn die Darstellung der 2. Teilaufgabe verständlich, strukturiert und erkennbar auf die "Marsch"-Problematik bezogen erfolgt (Methodenfeld [MF] 1) und in der 3. Teilaufgabe eine - an den Interessen der Außenministerrolle orientierte - im Grundsatz schlüssige Position formuliert wird. - "Ausreichend" ist die Leistung aber auch dann, wenn sich in der Bearbeitung der ersten beiden Teilaufgaben Lücken finden, die Beiträge andererseits jedoch eine hinreichende Basis für die Argumentation im 3. Teil bieten. In jedem Fall müssen die Schülerinnen und Schüler zeigen, dass sie grundlegende Fachtermini anwenden können (MF 2).

"Gut" oder sogar "sehr gut" ist die Gesamtleistung dann, wenn in der 1. Teilaufgabe die Konfliktsituation in der weiter oben skizzierten Form detailliert herausgearbeitet wird und wenn in der 2. Teilaufgabe die sicherheitspolitischen Konzepte zusammenhängend, klar geordnet und übersichtlich vorgestellt und vor dem Hintergrund ihrer Wirksamkeit im aktuellen Szenario reflektiert werden (MF 5). Die 3. Teilaufgabe erfordert im Übrigen eine detaillierte und differenzierte, deutlich an die Position des Außenministers gebundene Auseinandersetzung mit dem Szenario etwa in der weiter oben angedeuteten Form (MF 5). Tendenziell "sehr gut" ist die Leistung, wenn diese Auseinandersetzung (auch) dezidiert die Problematisierung der moralischen Verantwortung von Politik einbezieht (MF 6).


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