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Zeitzeuge Friedhelm Siepe

Friedhelm Siepe, Jahrgang 1946, kam 1963 zur Firma Kutsch. Er arbeitete zunächst als Industriekaufmann. Später war er Personalleiter.

Anforderungen

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Bei den Anforderungen hat sich ganz, ganz viel getan.

Von den Einstellungen hat sich zwar, so würde ich jetzt mal sagen, gegenüber dem Anfang nicht so viel geändert, was jetzt die Bewerbungsgespräche und das betrifft. Aber man muss sagen, dass an die Mitarbeiter, was die Qualifikation betrifft, immer höhere Anforderungen gestellt worden sind.

Wir mussten mit der Zeit immer mehr darauf achten, dass zielgenau ausgebildet wurde, auch in der Fertigung, was wir auch immer gemacht haben. Das haben wir natürlich entsprechend dem Bedarf, der angefallen war, immer wieder angepasst.

Da haben wir also auch schon andere Ausbildungsberufe dazugenommen. Das hat sich also im Laufe der Jahre geändert.

Beschäftigungsverhältnisse

Ich sage es mal so: Die Verträge, die Arbeitsverträge, wie es sie heutzutage gibt, gab es früher so nicht.

Am Anfang gab es fast nur deutsche Mitarbeiter, die hier beschäftigt waren. Aber als es dann bergauf ging, wurden auch die Mitarbeiter aus Italien und Spanien geholt. Das waren die Ersten, die kamen. Nachher kamen dann die Ostblockländer und Griechenland und andere dazu. Die benötigten dann eine Arbeitserlaubnis. Das musste man vorher alles mit dem Arbeitsamt abklären, dass die dann entsprechend auch mit Aufenthaltserlaubnis nach Deutschland kamen, die dann jährlich oder so verlängert werden musste. Und wenn die dann auslief oder das Arbeitsamt sagte, nein, es gibt keine, oder der Kreis, das Ausländeramt sagte, es gibt keine Verlängerung mehr, dann mussten die halt wieder gehen - was aber selten passiert ist. Da musste schon irgendwie was anderes vorgefallen sein.

Und was Kündigungen, was die Fluktuation angeht: Gut, hier und da war die da. Wenn man sagen konnte, da verdiene ich ein bisschen mehr als hier, dann ist der eine oder andere schon gegangen. Aber im Großen und Ganzen, muss ich sagen, gibt es viele, viele Jubilare, die in der Fertigung gewesen sind, die also 25 und noch mehr Jahre bei Kirchhoff bzw. Kutsch gearbeitet haben.

Sicherheit am Arbeitsplatz

Da hat sich ganz, ganz viel geändert. Die Arbeitssicherheit wird ganz, ganz groß geschrieben. Ich kann mich noch daran erinnern, dass früher so manche Mitarbeiter, wenn die diese Einlegearbeiten machten und die Maschine ausdrücken mussten, auf einmal Finger dazwischen hatten und dass teilweise dann ein Gliedmaß weg war. Das hab ich also früher öfter gesehen, dass da die Sicherheit an den Maschinen nicht so gegeben war, was sich heutzutage ganz gewaltig geändert hat.

  Im Gespräch
Im Gespräch.
Es wird bei den Werkzeugen darauf geachtet, dass da die Höhe passt, dass man da nicht reinpacken kann, dass man eine Zweihandausdrückung hat. Früher konnte man einfach mit dem Fuß auslösen, dann war die junge Dame vielleicht mal hängen geblieben und hatte auf einmal den Finger dazwischen. Das ist heutzutage nicht mehr so.

Die Unfälle sind also schon weniger geworden, und wir haben mittlerweile jemanden da von der Arbeitssicherheit, der da schon bei der Werkzeugkonstruktion darauf achtet, dass, wenn die Werkzeuge hergestellt werden, alle Gefahrenquellen entsprechend gemieden werden. Und auch die Mitarbeiter an den Maschinen werden entsprechend geschult, dass sie darauf achten müssen, dass da eben nicht einfach nur auf den Knopf gedrückt wird. Da gibt es also gewisse Sensoren, die man dann drücken muss, damit man die Maschine voll ans Laufen bekommt. Da hat sich also einiges geändert.

Gut, hier und da passiert natürlich trotzdem mal ein Unfall, weil der eine oder andere nicht aufgepasst hat. So müssen etwa die Staplerfahrer aufpassen, dass sie nicht irgendwo anecken, wenn sie die Behälter fahren. Die haben auch entsprechende Unterweisungen und dürfen die Behälter nur in eine gewisse Höhe fahren, nicht so hoch, dass da mal ein Behälter runterfallen kann, und drüber gucken können müssen sie auch - und dürfen nicht übermäßig rückwärts fahren, sondern sollen eher vorwärts fahren.

Die eine oder andere Schnittverletzung kommt immer mal vor - natürlich auch, wenn am Band da mal nicht aufgepasst worden ist, dass also irgendeine Schutzausrüstung nicht getragen worden ist.

Wie gesagt: Es wird auch in der Konstruktion, in der Werkzeugkonstruktion, darauf geachtet, dass, wenn an der Maschine beim Einrichten oder sonst irgendwie etwas zu arbeiten ist, da keine Unfälle passieren - dass die Mitarbeiter nicht mit der Hand dadrunter gehen können. Da sind dann Lichtschranken: Wenn die Mitarbeiter da reinpacken, dann steht die Maschine still. Da hat sich natürlich in der Hinsicht, was die Technik betrifft, einiges getan.

Kommunikation während der Arbeit

Die Leute unter sich sprechen schon miteinander. Gut, die müssen natürlich jetzt auch aufpassen: Die Mitarbeiter, die da sind, sind zum größten Teil im Akkord. Die müssen also nach Schichtende sehen, dass sie eine gewisse Stückzahl erreicht haben, denn entsprechend verdienen sie dann auch Geld.

Die sprechen also miteinander, wenn sie zur Toilette gehen oder wenn die Pausen da sind. Und die sprechen schon mit den Meistern oder Einrichtern. Das muss denn auch sein, wenn hier oder da mal ein Fehler oder ein Tadel ist, dass die dann untereinander kommunizieren.

Also, für mich war es auch immer so, auch als Personalleiter, dass ich durch den Betrieb gegangen bin. Ich hab auch unten im Betrieb mit den Mitarbeitern gesprochen, um einfach den Kontakt zu halten. Das habe ich immer positiv gesehen, und die Mitarbeiter haben das auch immer gerne gesehen.

Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat

Ja, die Gewerkschaften - ich sag es mal so - waren früher nicht so stark. Es waren also ganz am Anfang keine oder kaum Mitarbeiter in der Gewerkschaft.

Der Betriebsrat ist auch nachträglich gekommen. Das ist dann natürlich kontinuierlich gestiegen mit der Größe des Betriebs. 1980 hatten wir 180 Mitarbeiter, jetzt haben wir 700, 800 mittlerweile; dementsprechend ist auch der Anteil des Betriebsrats gestiegen. Und ich hab also in den ganzen Jahren immer ganz konstruktiv mit dem Betriebsrat zusammengearbeitet.

Dass es hier und da mal was gab, was wir von der Geschäftsleitung anders gesehen haben, ist klar. Aber im Großen und Ganzen hat das immer wieder gepasst, und wir haben auch zu all den Fragen, zu all dem, was letztendlich im Betrieb die Arbeitsplätze betrifft, den Betriebsrat herbeigezogen, damit es nachher keine Diskrepanzen gab, sondern man da gemeinsam alles nach Möglichkeit sofort richtig geordnet hat, dass es sofort gelaufen ist.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2009

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