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Wirtschaftspolitik


Grundlagen der Wirtschaftspolitik

Teil 1: Träger, Ziele, Indikatoren


Inhalt:

0.      Definition

1.      Träger der Wirtschaftspolitik
1.1    Staatliche Organe
1.2    Private Interessengruppen

2.      Zielprojektionen
2.1    Wirtschaftswachstum
2.2    Vollbeschäftigung
2.3    Geldwertstabilität
2.4    Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
2.5    Soziale Gerechtigkeit
2.6    Nachhaltigkeit

3.      Lageanalyse
3.1    Bruttosozialprodukt/Bruttoinlandsprodukt
3.2    Konjunkturschwankungen


0. Definition

Wirtschaftspolitik ist die Gesamtheit der Maßnahmen, die vom Staat bzw. von politischen Interessengruppen (sog. "Trägern der Wirtschaftspolitik") aufgrund ökonomischer Lageanalysen durchgeführt werden, um eine Volkswirtschaft hinsichtlich bestimmter Zielvorgaben zu beeinflussen.

Man unterscheidet also folgende Aspekte der Wirtschaftspolitik:

                             1. Träger
                                 |
   3. Lageanalyse  --------------+--------------  4. Maßnahmen
                                 |
                        2. Zielprojektionen

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1. Träger der Wirtschaftspolitik

In der Bundesrepublik Deutschland lassen sich u. a. folgende Träger erkennen:

1.1 Staatliche Organe:

international:
  • EU-Kommission
  • Europaparlament
  • Europäische Zentralbank
    (EZB)
  • Weltbank
national:
  • Bundesregierung
  • Bundestag
  • Bundesrat
  • Bundesbank
  • Bundeskartellamt
regional:
  • Länderregierungen
  • Länderparlamente
  • Landeszentralbanken

1.2 Private Interessengruppen:

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2. Zielprojektionen

Die wirtschaftspolitischen Ziele stellt man häufig als "Magisches Viereck" (z. T. auch ergänzt um zusätzliche Ziele als "Magisches Fünfeck", "Sechseck" usw.) dar:

-----------------------------------------------------------------
            a) Wachstum  |---------|  b) Vollbeschäftigung
                         |         |
  c) Geldwertstabilität  |  ZIELE  |  d) außenwirtschaftliches
                         |         |     Gleichgewicht
                         |---------|
                [ e) soziale Gerechtigkeit ]
                [ f) Nachhaltigkeit        ]
-----------------------------------------------------------------

Die Ziele im Einzelnen:

2.1 Wirtschaftswachstum:

Als Wirtschaftswachstum bezeichnete man früher den realen Anstieg des Bruttosozialprodukts (BSP). Seit 1998 orientiert man sich aus Gründen internationaler Vergleichbarkeit am Bruttoinlandsprodukt (BIP). - Man unterscheidet nominelles und reales Wachstum. Für seriöse wirtschaftspolitische Berechnungen sollte man immer das reale, nämlich inflationsbereinigte Wachstum zugrunde legen, da die Werte des nominalen Wachstums häufig eine falsche Signalwirkung haben.

Die folgende Tabelle ist hierfür ein anschauliches Beispiel:

Jahr    BSP in jeweiligen   nominelles    BSP in Preisen  reales
              Preisen        Wachstum        von 1970    Wachstum
_________________________________________________________________

1960       303 Mrd. DM         9 %        429 Mrd. DM      4,0 %
1965       458 Mrd. DM         9 %        545 Mrd. DM      5,5 %
1970       679 Mrd. DM        13 %        679 Mrd. DM      5,9 %
1975     1 030 Mrd. DM         4 %        746 Mrd. DM    - 2,5 %
_________________________________________________________________

Ursachen des Wachstums:

Bedeutung des Wachstums:

Kritik am Ziel "Wachstum":

2.2 Vollbeschäftigung:

Unter "Vollbeschäftigung" versteht man die Übereinstimmung der Zahl der Arbeitswilligen mit der Anzahl der Arbeitsplätze bei gleichzeitiger optimaler Ausnutzung der Betriebskapazitäten.

Bedeutung der Vollbeschäftigung:

2.3 Geldwertstabilität:

Als "Geldwertstabilität" bezeichnet man das Gleichbleiben/die Stabilität der Kaufkraft des Geldes.

Bedeutung der Geldwertstabilität:

2.4 Außenwirtschaftliches Gleichgewicht:

Das "außenwirtschaftliche Gleichgewicht" ist die mengenmäßige Übereinstimmung der Gold- und Devisenabflüsse einer Volkswirtschaft mit den Gold- und Devisenzuflüssen (ausgeglichene Zahlungsbilanz).

Bedeutung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts:

2.5 Soziale Gerechtigkeit:

"Soziale Gerechtigkeit" bezieht sich meist auf folgende Aspekte:

Bedeutung der sozialen Gerechtigkeit:

2.6 Nachhaltigkeit:

Unter "Nachhaltigkeit" ist "nachhaltiges" (d. h. auch auf zukünftige Generationen berechnetes, die natürlichen Lebensgrundlagen erhaltendes) Wirtschaften zu verstehen. Im Einzelnen bedeutet dies u. a.:

Bedeutung der Nachhaltigkeit:

ACHTUNG:

Die ersten vier Ziele sind für die Regierungspolitik der Bundesrepublik Deutschland im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz aus dem Jahr 1967 verbindlich; sie sind relativ genau an bestimmten Indikatoren festzumachen.

Demgegenüber lassen sich "soziale Gerechtigkeit" und "Nachhaltigkeit" nicht über nur einen Indikator (oder nur einige wenige) definieren. Dies dürfte ein Grund dafür sein, dass sich die Politik bisher schwer damit tut, diese Ziele juristisch verbindlich schriftlich niederzulegen.

So findet sich etwa ein "Recht auf Arbeit" (zur Beförderung sozialer Gerechtigkeit) zwar in einigen Landesverfassungen (darunter der von NRW), nicht jedoch im Grundgesetz.

Ein erster Versuch, den Umweltschutz rechtspolitisch zu verankern, ist die Grundgesetznovelle vom 27.10.1994, die den "Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen" im Artikel 20a des Grundgesetzes etabliert.

Zu beachten ist, dass die Ausweitung ökonomischer Zielprojektionen einige Probleme mit sich bringt. Schon jetzt sind die Zielvorgaben nur bedingt kompatibel. So kann das Streben nach sozialer Gerechtigkeit das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Ebenso kann die Stabilisierung des Geldwertes das Wachstum hemmen. Das Streben nach Wachstum steht wiederum mitunter nachhaltigem Wirtschaften entgegen. Vollbeschäftigung und Wachstum sind darüber hinaus häufig nur über Exportüberschüsse zu "erkaufen".

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3. Lageanalyse

Maßnahmen zur Lageanalyse:

3.1 Bruttosozialprodukt/Bruttoinlandsprodukt

Unter "Bruttosozialprodukt" (BSP) versteht man die Summe aller Güter (Sachgüter und Dienstleistungen, Konsum- und Investitionsgüter), die in einer Volkswirtschaft in einem Jahr erstellt werden. Man unterscheidet das BSP von anderen Formen des Sozialprodukts:

                      Bruttosozialprodukt
                    - Abschreibungen
                      -------------------
                      Nettosozialprodukt
                        zu Marktpreisen
                    - indirekte Steuern
                    + Subventionen an
                        Unternehmen
                      -------------------
                      Nettosozialprodukt
                        zu Faktorpreisen
                        (Wertschöpfung,
                        Volkseinkommen)

Seit 1998 wird als Berechnungsgrundlage meist das "Bruttoinlandsprodukt" (BIP) verwendet. Es unterscheidet sich vom Bruttosozialprodukt dadurch, dass es lediglich die im Inland produzierten Güter berücksichtigt.

Berechnung des Bruttosozialprodukts/Bruttoinlandsprodukts:

(1) Reale Methode:
    Messen  des Güterstroms einer Volkswirtschaft (d.h.  Addition
    der Wertschöpfungen aller Produktionsstufen)

    Beispiel:

             Produkt  Anbauen   Mahlen  Backen
    STUFE 1: Roggen:  +++++++                    = Gesamtwert  7
    STUFE 2: Mehl:    ******* & +++++            = Gesamtwert 12
    STUFE 3: Brot:    ******* & ***** & ++++++++ = Gesamtwert 20

    Erklärungen:
    *** = jeweilige Vorleistungen
    +++ = jeweilige Wertschöpfung

(2) Personelle Methode:
    Messen  des  Geldstroms einer Volkswirtschaft (d.h.  Addition
    aller Einkommen)

Für die Berechnung des BSP bzw. BIP ist in der BRD das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zuständig.

3.2 Konjunkturschwankungen

Durch die Berechnung des BSP lassen sich Schwankungen im gesamtwirtschaftlichen Ablauf erkennen. Es gab von 1949 bis etwa 1982 in der BRD z. B. charakteristische "Schwankungsperioden" (sog. Zyklen) von 5 bis 6 Jahren; darüber hinaus sind saisonale Veränderungen zu verzeichnen.

Man bezeichnet alle diese Veränderungen als "Konjunkturschwankungen" ("Konjunktur" ist die wirtschaftliche Gesamtlage von einer bestimmten Entwicklungstendenz).

Konjunkturschwankungen sind also Schwankungen in der Höhe des BSP im mehrjährigen Vergleich.

In diesem Zusammenhang werden folgende typische Konjunkturphasen unterschieden:

^ BSP
|
|                   +  +
|                +        +
|            +   |       |   +                               +
|         +      |       |    +                + + +   + +  + + +
|       +        |       |     +            +  |     +     +
|    +           |       |      +          +   |
|  +             |       |        +     +      |
|+               |       |       | + +  |      |
|                |       |       |      |      |
---------------------------------------------------------------->
    Expansion            Rezession      Expansion            Jahr
                   Boom         Depression        Stagnation
|                                       |
|___________KONJUNKTURZYKLUS____________|

Kennzeichen der Konjunkturphasen:

PHASE /   Expansion/     Boom/         Rezession/   Depression/
ASPEKT    Aufschwung/    Hochstand     Abschwung    Tiefstand/
          Prosperität                               Talsohle
-----------------------------------------------------------------
Produk-   hohe industr.  industrielle  geringere    geringe
tion      Kapazitäts-    Engpässe      Kapazitäts-  Kapazitäts-
          auslastung                   auslastung   auslastung

Investi-  hohe           hohe          rückläufige  Liquidationen
tionen    Investitionen  Investitionen Investionen

Beschäf-  Vollbeschäf-   Arbeits-      hohe         Massen-
tigung    tigung         kräfte-       Arbeits-     entlassungen
                         mangel        losigkeit

Aktien-   hohe           hohe          niedrige     niedrige
kurse     Kurse          Kurse         Kurse        Kurse/Crashs

Lohn-     hohe           hohe          niedrige     niedrige
niveau    Löhne          Löhne         Löhne        Löhne
-----------------------------------------------------------------

Eine Phase der Stagnation kann prinzipiell auf jedem Niveau des BSP eintreten; "typische" Kennzeichen dieser Phase gibt es deshalb nicht (genauer gesagt: die Kennzeichen sind diffus).

Ursachen der Konjunkturschwankungen:


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2003-2010

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