Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Interviews mit Kölner Bettlern: Dora (24)

"Ich schnorre nur so viel, wie ich brauche"

Auf der Domplatte treffen Kerstin, Anna-Lena und Nikol eine noch recht junge Bettlerin mit roter Punkfrisur: Dora [Name geändert]. In ihrer Begleitung: drei Hunde.

Wir machen eine Umfrage zu dem Bettelverhalten in Großstädten und auch zu dem Verhalten von Passanten. [Wir haben dazu] ein paar Fragen - und zwar als Erste: Wie lange sind Sie schon in Köln?

Zweieinhalb Jahre.

Leben Sie so lange auf der Straße, oder...?

Auf der Straße lebe ich so drei, dreieinhalb Jahre.

Wo waren Sie denn vorher?

Berlin, Karlsruhe, Düsseldorf, so alles Mögliche [an Orten].

Also [ging es] so immer hin und her?

Ja.

Wie ist es gekommen, dass Sie auf die Straße mussten?

Weil ich mit Kampfhund keine Wohnung mehr gekriegt habe. Und bevor ich die Hunde abgebe, gehe ich lieber auf die Straße.

Aber das hier ist doch jetzt kein Kampfhund...

Aber der!

Ach, da ist ja noch einer! Den hab ich ja noch gar nicht gesehen!

Ein Pitbull...

Also, aufgrund der Kampfhunde haben Sie keine Wohnung mehr bekommen...

Ja, [zuerst hab ich noch drei Jahre bei meiner Mutter gewohnt] bis zu ihrem Tod, und von dort aus mussten wir halt die Wohnung verkaufen und [seitdem lebe ich] so.

Wie alt sind Sie?

24.

Leben Sie denn ausschließlich vom Betteln, oder bekommen Sie auch noch Sozialhilfe?

Nee, das Betteleinkommen ist mein einziges.

Warum bekommen Sie denn nichts vom Staat?

Weil es Wohnungen hier nicht so [gibt]. Und ich hab mich auch nicht großartig drum gekümmert. Da will ich auch nicht abhängig davon werden.

Reicht denn das Geld überhaupt so zum Überleben? Weil: die Hunde kosten ja auch, denke ich mal, Futter...

Ja, es [reicht so]. Dafür kauf ich mir keine Markenklamotten oder fahr [nicht] in Urlaub oder so; das [Geld dafür] fällt ja dadurch auch weg.

Was würden Sie denn jetzt sagen: [Angenommen,] Sie haben einen guten Tag - wie viel würde dann ungefähr [an Spenden] zusammenkommen so am Ende des Tages?

Das kommt drauf an, ob es Monatsanfang oder -ende ist.

Geben die [Leute] mehr am Monatsanfang oder mehr am Monatsende?

Am Monatsanfang. Das merkt man schon. Dadurch, dass die eh alle verunsichert sind wegen Hartz IV und so - das hat sich auch bemerkbar gemacht.

Und wenn es jetzt ein guter Tag war: Wie viel [gibt's] dann durchschnittlich?

Kann ich nicht [genau] sagen. Ich schnorre nur so viel, wie ich brauche für Hundefutter, Tabak, Essen, was so anfällt - dann sind das so am Tag fünfzehn, zwanzig Euro.

Kommt es denn mal vor, dass Passanten irgendwie unfreundlich sind, irgendwelche abfälligen Bemerkungen [machen] oder sogar handgreiflich werden?

  Bettelplatz
Ein Bettelplatz.
Ja, gerade am Wochenende, wenn die Hobbytrinker unterwegs sind.

Auch Jugendliche?

Ja.

Wer spendet eigentlich mehr: eher die älteren Passanten oder die jüngeren?

Eher die jüngeren.

Haben Sie denn auch Kontakt zu anderen Bettlern?

Ja.

Mit denen verstehen Sie sich ganz gut?

Ja.

Und wo schlafen Sie?

Jetzt zeitweilig in der Tiefgarage.

Also [nicht bei] Hilfsinstitutionen...?

Mit Pitbull...?

Ach so, mit Hund kommt man da nicht rein?

Nee.


Audio   O-Ton: Interview mit Bettlerin Dora   (3 Min. 57 Sek., 464 kB, MP3)



©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter