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2.6 Spendenaufrufe

Eine Sonderform des Bettelns ist, wie an früherer Stelle schon erwähnt wurde, der systematische, meist auch über die Massenmedien verbreitete Aufruf zu Spenden. Häufig geht dieser Aufruf von bekannten Hilfsorganisationen aus oder steht unter der Patenschaft Prominenter.

Typisch für solche Spendenaufrufe ist - auch das wurde bereits erwähnt - das "persönliche" Anschreiben bestimmter, als "spendierfreudig" eingestufter Zielgruppen. Den Adressaten wird dabei der Akt des Spendens in jeder Hinsicht einfach gemacht:

Größere Spendenaufrufe werden häufig mit beträchtlichem Aufwand von Marketingagenturen ins rechte Licht gesetzt. Daneben nehmen sich natürlich die Spendenanliegen der individuellen Bettler in den Fußgängerzonen ausgesprochen bescheiden aus. Immerhin ist aber offenbar auch hier die Zeit reif für Neuerungen: Vor kurzem offerierten zwei Angehörige der Werbeagentur Jung von Matt Berliner Bettlern unentgeltlich fachliche Beratung bei der Gestaltung ihrer Pappschild-Legenden. Zunächst waren die Almosenempfänger skeptisch: Sie fürchteten bei einer Änderung ihrer Schilder um ihr Image, ihre Corporate Identity. Tatsächlich konnten dann jedoch die Bettler, die sich auf die Vorschläge der Werbetexter einließen, fünfzehn bis zwanzig Prozent höhere Einnahmen verzeichnen. [24]


[24] "'Habe auf EMTV-Aktien gesetzt, spenden Sie mich hier weg!' Selbstmarketing in den Zeiten von Hartz IV. Werber Oliver Voss über den Versuch, Bettler zu beraten", in: Welt am Sonntag vom 2.1.2005.
URL: http://www.wams.de/data/2005/01/02/382376.html?prx=1


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2006-2010

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