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Medienberichte

Sauerlandkurier (28.11.2004)

36 Schüler gestern "Bettelarm in Köln"

Projekt des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums

Attendorn/Köln. (bsg) "Auf nach Köln" hieß es gestern morgen für 36 Schüler der Oberstufe des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums. Allerdings machten sich die Jugendlichen nicht auf den Weg zum Einkauf, sondern um in der Domstadt ihr Projekt "Bettelarm" in die Tat umzusetzen.

"Wie fühlt man sich als Bettler?", lautete die Aufgabenstellung für acht Teams. Sechs Team bestanden aus je einem männlichen oder weiblichen Bettler, zwei Beobachterinnen und zwei Leibwächtern. Team sieben war um ein "Bettlerpaar" gruppiert. Team acht zog durch die Innenstadt und versuchte, "echte" Bettler nach ihren Lebensverhältnissen zu befragen. Alle Teams waren mit Beobachtungsbögen, Fotoapparaten und Diktaphonen ausgestattet. Auch RTL interessierte sich für das Projekt und war mit einem Aufnahmeteam vor Ort.

Die "Bettler" aus den Jahrgangsstufen 12 und 13 wurden jeweils für etwa zwei Stunden in den Fußgängerzonen-Bereichen Schildergasse, Hohe Straße, Domplatte, Breite Straße und Alter Markt platziert. Sie hatten dabei unterschiedliche Texte auf ihren Pappschildern: "Habe Handy-Schulden. Bitte, helft!", "Jesus lebt!" oder "Ich bete für Dich!", aber auch "Gefallener Engel bittet um eine Spende" sowie "Junges Paar (bald mit Kind) bittet um Hilfe".

Bettler Jan, mit der Legende "Geben Sie mir eine Chance für ein neues Leben!" hatte gleich schon nach zwei Minuten die erste Spende, während sich die "Kollegin" schon mehr anstrengen musste.

Ähnliche Experimente hatten die Schüler im Sommer bereits in Attendorn und Gummersbach unternommen Ihre damalige Erfahrung: Überraschenderweise zeigten sich die Vorübergehenden sehr spendierfreudig, besonders jene, die offenkundig selbst nicht viel hatten. Offene Kritik an den Almosenempfängern gab es kaum - im Gegenteil: Etliche Passanten gerieten seinerzeit beim Anblick der jugendlichen Bettler ins Grübeln, "wie weit es nun schon mit Deutschland gekommen" sei. Die eingenommenen Spenden behielten und behalten die Schülerinnen und Schüler selbstverständlich nicht für sich. Das Geld vom Sommer kam der "Attendorner Tafel" zugute, das von gestern wird an die "Kölner Tafel" weitergegeben.

Erstes Fazit gestern am späten Nachmittag kurz vor Ende der Aktion: Viele Passanten lassen es sich nicht anmerken, dass sie die Schilder vor den Bettlern lesen, aber gelesen wird trotzdem. Dies bemerkten die Teilnehmer vor allem an der Reaktion der Menschen bei der Gruppe, die sammelte, um die Handyschulden zu begleichen. Besonders Frauen regten sich auf, dass deshalb gebettelt werde.

Gut gelaufen ist es bei dem "Jungen Paar": Dessen Schicksal sprach die Menschen an und animierte sie auch zu spenden. Oft ließen sich auch wirklich Bettler in der Nähe der einzelnen Teams nieder. Bei der Umfrage bei echten Bettlern reichte die Reaktion von totaler Ablehnung bis hin zur Offenheit. "Manche haben uns glatt ihre gesamte Lebensgeschichte erzählt", so Lehrer Frank Kugelmeier.

Sauerlandkurier vom 28.11.2004, S.3.


©  Barbara Sander-Graetz, Sauerlandkurier (Lennestadt-Grevenbrück) und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010

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