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Medienberichte

RTL / stern TV (8.12.2004)

Am 8. Dezember 2004 brachte Günther Jauch in der Sendung "stern TV" auf RTL einen Beitrag, der bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des "Bettelarm"-Projekts auf einiges Befremden stieß. Angekündigt war der Film im Internet-Portal von "stern TV" folgendermaßen:

Von der Schulbank auf die Straße:

Bettler für einen Tag

  Die Berliner "Bettler"
Die Berliner "Bettler".
Handys, Marken-Klamotten, Computer-Spiele: das bestimmt normalerweise die Freizeitwelt unserer Schulkinder. Viele Eltern klagen, dass ihre Kids überhaupt nicht wissen, wie gut es ihnen eigentlich geht.

Was passiert, wenn Gymnasiasten einmal die Rolle tauschen müssen? Ein Oberstudienrat hat jetzt diesen Versuch gemacht und seine Schützlinge für einen Tag zum Betteln auf die Straße geschickt. "Das ist effektiver als ein halbes Jahr Unterricht über das Thema Armut", sagt der Pädagoge. Ein Team von stern TV hat den Test wiederholt: Von der Schulbank auf die Straße - wie kommt die Armut bei den Kids an? Die Ergebnisse - live bei stern TV.

(http://www.stern.de/tv/sterntv/index.html?id=533231&nv=stv_pd)

Aus dem Wortlaut des "stern TV"-Trailers war, allerdings nur für Eingeweihte, klar zu erkennen, dass die Sendung auf das "Bettelarm"-Experiment des St.-Ursula-Gymnasiums Bezug nahm, genauer: auf die Berichterstattung über das Projekt im Kölner "Express" vom 30.11.2004, die zum Teil wörtlich übernommen wurde. Seltsamerweise hielt sich die "stern TV"-Redaktion, was die Attendorner Ideengeber für den Versuch anging, jedoch sehr bedeckt. Auch Günther Jauch äußerte sich in seiner Anmoderation des Filmbeitrags nur vage:

Wie halten Sie es mit Menschen, die zum Beispiel in der Fußgängerzone vor einem Kaufhaus sitzen und betteln? Geben Sie denen nie etwas - oder manchmal - oder nach Möglichkeit immer? Und was glauben Sie: Sind erbettelte Cent und Euro ... ist das schwer oder ist das eigentlich sehr leicht verdientes Geld? stern TV hat die Idee eines Oberstudienrates aufgegriffen, der seine Schüler zum Betteln auf die Straße geschickt hat, damit sie die Armut einmal von dieser Seite aus kennen lernen. Wir haben nun zwei Jungen und zwei Mädchen einer Berliner Schule auf die Straße gestellt und beim Betteln beobachtet. Marika Mettke und Stefan Gundlieb über die "Bettler für einen Tag".

Der folgende Filmbeitrag zeigte dann die vier Schüler aus Berlin-Zehlendorf, wie sie zunächst im Klassenraum an ihren Pappschildern bastelten und in einer Art "Brainstorming" Legenden formulierten. Einer der Schüler wörtlich: "Ich find die Idee ja nicht schlecht: 'Habe nichts mehr.'"

Danach wurden die Schüler in Aktion gefilmt, offenbar am Samstag, dem 4.12.2004. - Der erste Schüler, Michael, hockte mitten auf der Straße vor dem KaDeWe, bat auf seinem Schild um eine "Weihnachtsspende" und sprach die Passanten auf Geld für Handschuhe oder eine wärmere Hose an. Sein Verdienst in fünf Stunden: 13 Euro.

Der zweite Schüler, Nicolai, trat als "Punk" auf, ging auf die Passanten zu (oder auch neben und hinter ihnen her) und bat sie höflich um eine Spende. Offenbar saß er einen Teil seiner "Bettelzeit" aber auch am Boden und hatte ein Schild "Brauche Geld" vor sich. Er nahm insgesamt 26 Euro ein.

Lisa, eine der beiden bettelnden Schülerinnen, habe sich, so der Filmautor, für ihr Experiment "etwas Besonderes ausgedacht". Sie hatte sich (im Handel erhältliche) "Engelsflügel" umgehängt, saß ebenfalls mitten auf der Straße und spielte von Zeit zu Zeit auf einer Blockflöte Weihnachtslieder. Ihre Legende: "Habe nichts mehr. Ich weiß nicht mehr weiter". Die Einnahmen des - so im Filmbeitrag wörtlich - "gefallenen Engels": 39 Euro.

Die zweite Schülerin, Sonja, trat auf dem Kurfürstendamm als illegal zugereistes Flüchtlingsmädchen ohne Bleibe auf. Auch sie ging auf die Passanten zu und sprach diese an. Ihr Einkommen: 85 Euro in fünf Stunden.

Nach dem Filmbeitrag gaben drei der vier Bettelagenten im Studio Auskunft über ihre Erfahrungen.

RTL / stern TV vom 8.12.2004.

Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Attendorner "Bettelarm"-Experimenten über diese Berichterstattung nicht gerade glücklich waren, sollte aus verschiedenen Gründen verständlich sein.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010

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