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Medienberichte

Westfalenpost (11.12.2004)

Ursula-Schüler sauer auf Günther Jauch

Projekt "Bettelarm" für journalistischen Schnellschuss abgekupfert

Attendorn. (wp) Zwei Wochen ist es jetzt her, dass 30 Schülerinnen und Schüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums ihr Unterrichtsprojekt "Bettelarm", ein Bettel-Experiment in der Kölner Innenstadt, erfolgreich abgeschlossen haben. Jetzt sind sie sauer.

In der Sendung "stern TV" vom 8. Dezember präsentierte Günther Jauch vier Berliner Schüler, die das Magazin in der Hauptstadt ebenfalls als Bettler auf die Straße geschickt hatte - mit auffällig ähnlichen "Legenden" wie die Attendorner Schüler eine Woche zuvor. "Es ist schon ganz schön dreist, wie die bei uns abgekupfert haben", so Laura Heisterkamp, die bereits eine Facharbeit über das "Bettelarm"-Projekt geschrieben hat. "Die haben unsere Szenarien, zum Beispiel den gefallenen Engel, der um eine Spende bittet, wörtlich übernommen."

Besonders pikant: Auch bei dem Experiment der Attendorner Schüler war ein RTL-Fernsehteam dabei, das für die Sendungen "Guten Abend RTL", "Punkt 12" und "RTL2 News" filmte. Der ebenfalls auf RTL gesendete stern-TV-Beitrag hätte also gar nicht "nachgedreht" werden müssen.

Relativ gelassen sieht die Situation Sozialwissenschaften-Lehrer Frank Kugelmeier, der schon mehrere "Bettelarm"-Projekte (außer in Köln auch in Attendorn und Gummersbach) leitete. Die Wiederholung von Experimenten könne man schließlich nicht verbieten. Ärgerlich findet er allerdings, dass die stern-TV-Aktion offenbar lediglich als "journalistischer Schnellschuss" geplant war, um Quote zu machen.

Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Situation der Almosenempfänger, wie sie die Attendorner Schüler zurzeit vornehmen, gab es in der Jauch-Sendung nämlich nicht. "Darüber hinaus wurde in dem stern-TV-Beitrag ganz offensichtlich auch aggressiv - durch Ansprechen und Bedrängen der Passanten - gebettelt, was die Gerichte ausdrücklich untersagen."

Immerhin hat Kugelmeier Günther Jauch inzwischen einen Brief geschrieben, in dem er dem Moderator zu dessen "origineller" Berichterstattung gratuliert und ihm zugleich einen Blick auf die Homepage der Fachschaft Sozialwissenschaften des St.-Ursula-Gymnasiums empfiehlt: Dort werde er noch einige andere an der Schule durchgeführte Experimente beschrieben finden, "die sich sicherlich ebenfalls mit Berliner Schülern nachverfilmen lassen".

Westfalenpost, Nr.290 (11.12.2004), S.1 und S.POEK1.


Wirklich sehr originell!

Hallo Herr Jauch,

Gratulation zu Ihrem aufschlussreichen stern-TV-Bericht über bettelnde Berliner Schüler (8.12.2004). Sehr originell, die Jugendlichen als "gefallenen Engel" bzw. als Habenichts ("Ich habe nichts mehr") auf die Straße zu schicken.

Schade nur, dass die Idee nicht aus Berlin-Zehlendorf, sondern aus der südsauerländischen Provinz stammt, nämlich aus unserer Schule. Und schade auch, dass wir - allerdings in der Kölner Fußgängerzone - bereits eine Woche vor Ihrem "Team" das gleiche Experiment durchgeführt haben, nämlich am 27.11. ebenfalls mit einem "gefallenen Engel" und einem "Habe nichts mehr"-Szenario (neben etlichen anderen Szenarien).

Damit wir uns richtig verstehen: Uns liegt nicht daran, dass wir in Ihre Sendung kommen. Das Medienecho auf unsere Aktion war groß genug: TV-Berichte in "Guten Abend RTL", "Punkt 12", den "RTL2 News" und u. a. ein großformatiger Beitrag im Kölner "Express" (aus dem Sie vermutlich die Story gezogen haben).

Nur wäre es schön gewesen, wenn Sie, statt vage von der "Idee eines Oberstudienrats" (welches eigentlich?) zu sprechen, lieber die tatsächlichen Ideengeber genannt hätten - und vor allem deren Anliegen, nicht einen journalistischen Schnellschuss abzuliefern, sondern in einem längerfristigen Projekt den Almosenempfang in deutschen Fußgängerzonen systematisch zu erforschen.

In diesem Sinne empfehlen wir Ihnen unsere Homepage, auf der bis jetzt zumindest die ersten drei unserer bislang zehn Bettel-Szenarien aufgearbeitet sind (http://www.st-ursula-attendorn.de/Klassen/sowi/start.htm).

Dort finden Sie auch die Beschreibung einiger anderer Experimente, die sich sicherlich ebenfalls bei Gelegenheit mit Berliner Schülern originell nachverfilmen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Frank U. Kugelmeier ("Oberstudienrat...") mit 36 Teilnehmern der "Bettelarm"-Projekte vom Juni und November 2004

Westfalenpost, Nr.290 (11.12.2004), S.POEA1.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010

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