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Medienberichte

Rheinischer Merkur (16.12.2004)

Gute Chancen für Maria und Josef

Ein Lehrer entdeckte mit seinen Schülern, welche "Legende" beim Betteln am meisten Geld bringt

Wer forscht wie zu welcher prinzipiellen Frage?

Die Frage lautet diesmal: Wie bettelt wer mit welchem Erfolg? Das wollte Oberstudienrat Frank U. Kugelmeier bei einem sozialwissenschaftlichen Schulprojekt genau wissen. 30 Schülerinnen und Schüler der Klassen 12 und 13 des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums, an dem er tätig ist, halfen ihm. Nachdem sie die Körpersprache von Bettlern gelernt hatten, ermittelten sie in sechs Gruppen, was ihnen, die sie rund zwei Stunden als Bettler in der Kölner Fußgängerzone am Dom auftraten, je nach ihrem Typ gegeben wird - jetzt, zur Vorweihnachtszeit.

Wer hat welche Interessen an diesem Thema?

Das ist üblicherweise ein Thema für Psychologen, Sozialpädagogen und Armutsforscher: Wie verhalten sich Passanten gegenüber Bettlern? Welche Appelle dringen durch? In großem Stil sind die Ergebnisse dazu auch für Strategien von Benefiz-Galas und Fundraising-Aktionen wichtig - auf deren Botschaften und Bilder kommt es an.

Was ist herausgekommen?

Die sechs Gruppen (jeweils eine "Bettlerin", ein "Bettler", dazu zwei Beobachterinnen und zwei Leibwächter), alle mit Kamera, Diktafon und Beobachtungsbogen ausgestattet, erzielten höchst unterschiedliche Erfolge. Das hing offenbar von ihren Pappschild-Legenden ab. Das meiste Geld bekam ein Paar in Weihnachtsmarkt-Nähe mit neuzeitlichem Maria-und-Josef-Status ("Junges Paar, bald mit Kind, bittet um Hilfe"): 43 Euro. Klar darunter lagen diffuse Botschaften wie "Gefallener Engel bittet um eine Spende" und "Ich will überleben". Die These "Jesus lebt! Ich bete für euch" holte sich nur 3,50 Euro. Mit gerade einmal 92 Cent wurde der Ruf "Habe Handyschulden. Bitte helft!" quittiert.

Welche Probleme gibt es dabei?

Es ist gut möglich, dass das "Alter" der Jugendlichen und deren Aussehen das Verhalten der (Nicht-)Spender beeinflusst hat, da es nicht dem gewohnten Bettler-Image entsprach - aber in welcher Richtung?

Wem nützt und wem schadet das Ergebnis?

Starker Nutzen nach dem Motto "Nicht für die Schule lernen wir". Kein Schaden erkennbar.

Wie geht es weiter?

In Attendorn mit Detailauswertungen und einer Facharbeit, in der Domstadt mit einer Spende an die "Kölner Tafel", die Bedürftige unterstützt - bezahlt aus dem Erlös der imitierten Bettel-Schulstunden.

Rheinischer Merkur, Nr.51 (16.12.2004), S.35.


©  Eckart Klaus Roloff, Rheinischer Merkur (Bonn) und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010

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