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Medienberichte

Mini (19.1.2005)

Jasmin (18): "Jetzt erst weiß ich, was es heißt, arm zu sein"

8 Kölner [sic!] Schüler waren für einen Tag als Bettler auf der Straße

Es herrscht geschäftiges Treiben in der Kölner Innenstadt. Hektisch schieben sich die Passanten durch die Fußgängerzone. Mitten in dieser Menschenmenge sitzt ein junges Mädchen mit verschränkten Armen auf dem Boden. Vor ihr ein Schild: "Habe Handyschulden. Helft mir!" Doch das Mädchen lebt nicht wirklich auf der Straße. Sie macht gerade ihr Abitur. Und das hier gehört zum Unterricht: Jasmin ist Bettlerin für einen Tag. "Das ist doch effektiver als ein halbes Jahr leere Theorie über Armut mit Statistiken und Zahlen", so ihr Lehrer, Oberstudienrat Frank Kugelmeier vom St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn. "Wir wollen damit bei unseren Schülern eine gewisse Sensibilität für das Thema bewirken. Viele sehen die Welt danach mit ganz anderen Augen."

Jasmin gehört zu einer Gruppe von acht Schülerinnen, die freiwillig in Kölns Einkaufsstraße betteln gingen. Jasmins Erfahrungen sind zum Großteil eher negativ: "Dir sollte man links und rechts eine runterhauen. Und deinen Eltern gleich mit", brüllte ihr eine Frau hinterher. Sie bekam die ganze Palette an Missachtung zu spüren: "Die einen ignorierten mich völlig, andere hatten nur verächtliche Worte übrig..."

Über viele Stunden saß Jasmin auf dem Boden. Ihre magere Ausbeute: ganze 97 Cent. "Jetzt weiß ich, was es heißt, arm zu sein", sagt sie. Ivonne dagegen hatte sich Flügel aus Pappe um die Schultern gehängt - vor ihr ein Schild: "Gefallener Engel bittet um eine Spende." Ihr Einfallsreichtum wurde belohnt: 13 Euro kamen bei ihr zusammen.

Laura, die verkündete: "Habe nichts mehr! Weiß nicht wohin!!!", bekam aber auch eindeutig zweideutige Angebote. Insgesamt haben die Schüler 150 Euro erbettelt - und der Kölner Tafel gespendet. Nach dem Versuch sind sich jedoch alle einig: "So eine Erfahrung wollen wir niemals wieder machen..."

Mini, Nr.4 (19.1.2005), S.47.


©  Louis-Ferdinand Jägersberg, Mini (Rastatt) und
Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010

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