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Medienreaktionen

Westfalenpost vom 4.5.2007

Das etwas andere Experiment

Schüler aus Attendorn testen in der Kölner Innenstadt die Hilfsbereitschaft von Passanten

Mit Bettelprojekten hatten Oberstufenschüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums in der Kölner City bereits auf sich aufmerksam gemacht. Nun testeten sie wiederum die Hilfsbereitschaft der Passanten - diesmal jedoch in einem ganz anderen Experiment.

Das Szenario war einfach: Im Halbstundentakt ging jeweils ein Schüler durch die stark frequentierte Fußgängerzone. Auf seinem Rücken klebte ein handgeschriebener Zettel, den ihm augenscheinlich ein Spaßvogel ohne sein Wissen angeheftet hatte. Darauf stand ein peinlicher oder auch sexuell anzüglicher Text. Wie würden die Passanten auf das vermeintliche "Opfer" reagieren? Würden sie es auf seine Situation aufmerksam machen - oder es einfach laufen lassen? Hierüber führten die Mitschüler des Opfers in einiger Entfernung diskret Buch - Stoff für zwei sozialwissenschaftliche Facharbeiten.

Die Idee zu dem "Experiment der peinlichen Zettel" hatte Fachlehrer Frank Kugelmeier; die Zettelaufschriften steuerten die Versuchsteilnehmer allerdings selber bei. Das beruhigende Ergebnis des Projekts: Tatsächlich wurde jedes "Opfer" angesprochen, durchschnittlich alle fünf Minuten einmal. Allerdings gab es Unterschiede: Während sich Marcel, der als "Vollidiot" durch die Straßen lief, Lena ("Ich stinke") und Valeria ("Ich verkaufe meinen Körper") mit nur wenigen Hinweisen begnügen mussten, kam Helena ("Ich bin eine Schlampe und krieg nix mit") in einer halben Stunde immerhin auf neun Treffer. Auf ihren Zettel "Kick me" reagierten die Passanten sogar im Minutentakt.

Besonders hervor taten sich hier einige grüne Lokalpolitiker, die ihren Parteiinfostand am Neumarkt aufgebaut hatten: Kaum sahen sie die Schülerin, da stürzten auch schon drei von ihnen herbei, rissen ihr das Schild ab und zerknüllten es sofort.

Auch ein Obdachloser lief spontan hinter einem der Opfer her und hielt es an. Auf Nachfrage der Beobachter, warum er das getan habe, winkte er ab: "Dazu ist nichts zu sagen. Ich wollte nur nett sein."

Typischer war jedoch, dass die Passanten eine ganze Weile brauchten, um sich zur Hilfe zu entschließen. Viele kämpften sichtlich mit ihrer Entscheidung. Sie vergewisserten sich erst einmal, ob sie vielleicht selbst einen Zettel auf dem Rücken trügen. Dann berieten sie sich häufig mit ihrem Partner, ehe sie nach frühestens 20 Sekunden, manchmal aber auch erst nach Minuten handelten.

Allerdings gab es auch gegenteilige Reaktionen - Passanten, die sich über die Zettel erkennbar belustigten, mitunter sogar noch ihr Fotohandy zückten, um ein Erinnerungsbild zu machen, ansonsten aber nicht einschritten. Auf ihr Verhalten angesprochen, meinten sie, die Situation aufzuklären sei ihnen zu peinlich gewesen. Ein junger Mann erwiderte gar, er habe das Ganze für eine "Wette" gehalten.

Demgegenüber erklärten die Helfer unisono, sie hätten sich sehr gut in die Lage des Opfers hineinversetzen können. "Wäre ich in einer solchen Situation", meinte eine Passantin, "dann wäre ich heilfroh, wenn auch mir jemand Bescheid sagen würde."

Dass der Gang durch die Fußgängerzone tatsächlich einen hohen Peinlichkeitsfaktor aufwies, darüber waren sich alle Projektteilnehmer abschließend einig. Zum Glück kam ihnen das strahlende Wetter zu Hilfe. "So konnten wir uns während des Versuchs ein wenig hinter unseren Sonnenbrillen verstecken", erklärte Josephine, die das Experiment nun schriftlich auswerten wird.

Westfalenpost, Nr.103 (4.5.2007), S.PZE1_.


Westfälische Rundschau vom 7.5.2007

Oberstufenschüler spielten Bettler [sic!]

Idee zu dem "Experiment der peinlichen Zettel" in Köln hatte Fachlehrer Frank Kugelmeier

Der Titel des Artikels führt in die Irre, ansonsten folgt die Meldung (wie auch die der Westfalenpost, s. o.) in leicht gekürzter Fassung den Presseinformationen des St.-Ursula-Gymnasiums.
Westfälische Rundschau, Nr.105 (7.5.2007), S.ROEA_1.


Siegener Zeitung vom 19.5.2007

Solidarität in der City

Schüler erprobten das "Experiment der peinlichen Zettel"

Die Meldung entspricht weitgehend der Pressemitteilung der Schule.
Siegener Zeitung, Nr.115 (19.5.2007), S.9.


©  Hubertus Heuel (Westfalenpost), Hagen und Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2007-2012

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