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Schuljahr 2000/2001

Daniela Artino:

Gesunde und behinderte Kinder unter einem Dach

Chancen und Schwierigkeiten der Erziehung in heilpädagogischen Kindergärten
unter besonderer Berücksichtigung des Heilpädagogischen Kindergartens
St. Laurentius in Neu-Listernohl

Facharbeit, eingereicht im Fachbereich "Sozialwissenschaften"
am St.-Ursula-Gymnasium Attendorn am 14.5.2001


Inhalt

Vorwort

1.      Einleitung

2.      Der Regelkindergarten
2.1    Definition Kindergarten
2.2    Der Kindergarten im Wandel
2.3    Kindergarten heute - Erziehungsziele und ihre Umsetzung

3.      Der heilpädagogische Kindergarten
3.1    Definition Heilpädagogik
3.2    Aufgaben und Ziele
3.3    Besonderheiten in der Struktur
3.4    Die Einrichtung St. Laurentius
3.4.1 Aufnahmekriterien, Gruppengröße und Personal
3.4.2 Pädagogische, heilpädagogische und therapeutische Inhalte
3.4.3 Elternarbeit

4.      Chancen und Schwierigkeiten im heilpädagogischen Kindergarten

5.      Zusammenfassung

6.      Literaturverzeichnis


Vorwort

Eine Facharbeit soll Schüler zu einer selbständigen Arbeitsweise anregen. Es geht darum, dass sie sich ohne Anleitung einer Lehrperson über einen längeren Zeitraum mit einem Thema beschäftigen und so die Schwierigkeiten einer solchen Arbeit kennen lernen.

Die Schwierigkeit bei meiner Facharbeit bestand hauptsächlich darin, dass ich mir mein Wissen nicht nur durch Fachliteratur aneignen konnte, sondern das Gespräch mit Fachleuten in den Vordergrund rückte. Allerdings war diese Schwierigkeit gut zu bewältigen, da die jeweiligen Institutionen sehr hilfsbereit waren und direkt und gut verständlich auf meine Fragen eingingen.

Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bei dem Heilpädagogischen Kindergarten St. Laurentius in Neu-Listernohl bedanken, der mir sein pädagogisches Konzept zur Verfügung stellte und auch zu intensiven Gesprächen bereit war.

Außerdem bedanke ich mich noch bei dem Kindergarten "Flohkiste", der mir durch sein Konzept die Möglichkeit gab, die Institution eines Regelkindergartens kennen zu lernen.

1. Einleitung

"Das Bild einer Gesellschaft, die menschliche Werte über Begriffe wie Intelligenz, Schönheit, Ästhetik, Schnelligkeit und ähnliches definiert, wird durch Andersartigkeit gestört, also in ihrer Entwicklung und Ungestörtheit behindert. Es müsste demnach oft heißen, 'der Mensch ist eine Behinderung' (für die anderen), nicht 'er hat eine Behinderung'." (Reha-Verlag, 1989, S.14)

Dieses Zitat von Angelika Rothmayr zeigt die Notwendigkeit der Integration von behinderten Menschen, da die Behinderung eines Menschen oft nur eine Behinderung für die Gesellschaft darstellt, nicht aber für die betroffene Person.

Um die Integration behinderter Menschen zu verwirklichen werden immer mehr heilpädagogische Einrichtungen erbaut.

Ich werde mich in meiner Facharbeit mit der Einrichtung des heilpädagogischen Kindergartens beschäftigen. Diese Einrichtung ist besonders wichtig, da hier den Kindern schon im frühen Alter das Zusammenleben von nichtbehinderten und behinderten Kindern ermöglicht wird, so dass Vorurteile oder Abneigungen gegenüber behinderten Menschen verhindert werden.

Ich werde zunächst die Aufgaben und Strukturen des Regelkindergartens vorstellen, um dann anschließend die wesentlichen Unterschiede zum heilpädagogischen Kindergarten herauszustellen.

Dies erfolgt in der Form, dass ich exemplarisch den Heilpädagogischen Kindergarten St. Laurentius in Neu-Listernohl vorstelle und abschließend die Chancen und Schwierigkeiten, die in heilpädagogischen Einrichtungen gegenüber dem Regelkindergarten auftreten, herausarbeite.

2. Der Regelkindergarten

2.1 Definition Kindergarten

Der Kindergarten ist "eine sozialpädagogische Einrichtung für Kinder von drei Jahren bis zum Schuleintritt."

Sein wesentliches Ziel besteht in der "frühkindlichen Förderung des Lernvermögens (Vorschule)", dem kreativen Spiel sowie dem Erlernen sozialen Verhaltens in der Gruppe.

"Der Kindergarten bildet heute die Übergangsphase von der häuslichen Erziehung zur schulischen. Die moderne Kindergartenpädagogik geht davon aus, dass Kinder vor allem durch Spielen lernen." (vgl. "Kindergarten", Microsoft ® Encarta ® 98 Enzyklopädie)

2.2 Der Kindergarten im Wandel

Die Aufgaben eines Kindergartens und auch sein Ansehen in der Bevölkerung haben sich in den letzten 40 Jahren stark verändert [...]. 1960 verstand man den Kindergarten noch als eine Institution, die für das Aufbewahren und Betreuen der Kinder zuständig war, während erzieherische Aspekte außen vor gelassen wurden. Die institutionelle Betreuung im Kindergarten war zu dieser Zeit ein Notbehelf und wurde nicht gerne gesehen.

In den 70er Jahren wandelte sich das Bild des Kindergartens. So sollte die Intelligenz der Kinder durch kognitiv orientierte Lernprogramme gefördert werden. Den Kindern wurde also Wissen übermittelt, um die kreative Anwendung des Wissens und das daraus resultierende selbständige Lösen eines Problems zu fördern. Der Kindergarten galt nun "als Unterstützung zur Bewältigung der gewachsenen Bildungsanforderung" (aus Bründel/Hurrelmann 1996, S.130), war aber noch immer nicht vollständig in die Gesellschaft integriert.

Erst in den 80er Jahren wandelte sich das Bild des Kindergartens vollständig, da Gesundheits- und Sicherheitsaspekte sowie die soziale und emotionale Unterstützung des Kindes in den Vordergrund traten. Der Kindergarten wurde "als Unterstützung zur Bewältigung der Anforderungen der Kindheit" (aus Bründel/Hurrelmann 1996, S. 130) und als "Entlastung der Familie" (aus Bründel/Hurrelmann 1996, S.130) gesehen.

In den 90er Jahren hatte der Kindergarten schließlich eine feste Position in der Gesellschaft gefunden und galt als Lebensraum und erster Sozialisationsrahmen außerhalb der Familie.

Seine Aufgaben bestanden nun zum ersten Mal in der integrativen Erziehung, so dass den Kindern vielfältige Angebote bereit gestellt wurden und sie die Möglichkeit erhielten sich mit ihrer Umwelt auseinander zu setzen.

2.3 Der Kindergarten heute - Erziehungsziele und ihre Umsetzung

Das Lebensumfeld der Kinder hat sich geändert. Das soziale Zusammenleben ist anspruchsvoller geworden, denn die Kinder leben in sehr unterschiedlichen Familien- oder Lebensgemeinschaften (z. B. in vollständigen Familien, Scheidungsfamilien, bei Alleinerziehenden, in nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften) mit unterschiedlichem finanziellem und kulturellem Hintergrund. Die heutige Zeit ist geprägt vom Egoismus, denn die Menschen wollen vordergründig ihre Ziele durchsetzen und vergessen so oft das Bewusstsein für persönliche Verantwortung - auch in der Familie.

Ein weiteres Problem ist, dass Fernsehgeräte, Videorecorder und Computer die Kinder zur Einzelbeschäftigung und auch zur verminderten Bewegung animieren.

Der Kindergarten von heute muss also genau auf diese Probleme eingehen. Die Grundlage des ganzen Kindergartenkonzepts ist, dass die Persönlichkeitsentwicklung nur in Beziehung mit anderen möglich ist. Deshalb hat der Kindergarten die beste Möglichkeit, die Kinder in ihrem Alltag zu fördern.

Damit die Kinder in der Gesellschaft agieren können, wird besonders großer Wert auf die Förderung im Bereich der Sozialerziehung gelegt. Hier wird das Werte- und Moralbewusstsein der Kinder gestärkt, indem sie zum Beispiel demokratische Spielregeln einüben oder im Spiel mit dem anderen gezeigt wird, was richtig und was falsch ist. Der Umgang mit anderen ist der wichtigste Teil der Sozialerziehung. So soll das Gemeinschaftsgefühl der Kinder im Kindergarten gestärkt werden. Dies geschieht z. B. durch Familienaktionen wie Schwimmen oder ein gemeinsames Frühstück. Bedeutend für das Zusammenleben ist auch, die Schwächen anderer zu akzeptieren und Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme gegenüber anderen zu entwickeln. Dies soll z. B. durch gegenseitiges Helfen beim Anziehen oder durch die Erkenntnis, dass die eigenen Bedürfnisse nicht immer sofort erfüllt werden können ("warten, bis man dran ist"), erreicht werden. Außerdem sollen die Kinder eigenständig Lösungen für ihre Probleme finden (z. B. bei Konflikten in Kleingruppen) und Durchhaltevermögen bzw. Konzentration zeigen.

Im Kindergarten wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass den Kindern Raum gegeben wird, um ihren Bewegungsdrang ausleben zu können. Deshalb werden Erkundungen der Natur oder auch regelmäßige Turnstunden für die Kindergartenarbeit von immer größerer Bedeutung.

Besonders wichtig ist es für die Erzieher/-innen aber, dass die Kinder Selbständigkeit und Selbstbewusstsein entwickeln. So werden die Kinder immer wieder zu spontanen Meinungsäußerungen und zur selbständigen Bewältigung von alltäglichen Dingen wie z. B. dem Toilettengang angeregt. Die Kinder sollen ihre Meinung und ihre Gefühle ausdrücken und lernen ihre eigene Persönlichkeit mit allen Stärken und Schwächen zu akzeptieren.

Da der Kindergarten die erste Sozialisationsinstanz außerhalb der Familie darstellt, wird auch sehr viel Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern der Kinder gelegt. Der Kindergarten sieht sich als familienergänzende und unterstützende Institution und deshalb soll den Kindern durch Feste und wechselnde Aktionen wie z. B. Picknicks gezeigt werden, dass Eltern und Erzieherinnen keine voneinander getrennten Lebensbereiche für sie sind.

Zusammengefasst ist es die Aufgabe des Kindergartens, die Kinder zu selbständigen Persönlichkeiten zu erziehen, die auf andere Menschen eingehen und mit ihnen leben können. Der Kindergarten ist also insofern wichtig, als er die Kinder auf die Zukunft vorbereitet, denn diese verlangt von ihnen ein hohes Maß an geistiger und sozialer Mobilität.

3. Der heilpädagogische Kindergarten

3.1 Definition Heilpädagogik

Die Heilpädagogik ist ein "Spezialbereich der Pädagogik, der sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit der Erziehung und Ausbildung behinderter und emotional bzw. geistig gestörter Kinder befasst. Der im 19. Jahrhundert eingeführte Begriff wird heute im Allgemeinen kritisch gesehen, weil hier fälschlich der Eindruck erweckt werde, Intention sei die "Heilung". Tatsächlich richtet sich die Heilpädagogik aber auf die Integration in die Gesellschaft und die bestmögliche Ausbildung der vorhandenen Fähigkeiten, weshalb heute im Allgemeinen dem Begriff der Sonderpädagogik der Vorzug gegeben wird." ("Heilpädagogik", Microsoft ® Encarta ® 98 Enzyklopädie)

3.2 Aufgaben und Ziele des heilpädagogischen Kindergartens

In einem heilpädagogischen Kindergarten werden "gesunde" Kinder sowie Kinder mit Behinderungen jeglicher Art aufgenommen. Es gibt mehrere Arten des heilpädagogischen Kindergartens. So gibt es in einem Kindergarten entweder Gruppen, in denen nur gesunde Kinder sind, und Gruppen, in denen sich die behinderten oder von einer Behinderung bedrohten Kinder befinden, oder gemischte Gruppen, die man dann als integrative Gruppen bezeichnet.

Im Wesentlichen entsprechen die Inhalte der Arbeit im heilpädagogischen Kindergarten denen des Regelkindergartens. Es geht darum, die Kinder auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten, damit sie alltägliche Situationen bewältigen können.

Allerdings ist die hauptsächliche Aufgabe des heilpädagogischen Kindergartens auch der größte Unterschied zum Regelkindergarten, denn der heilpädagogische Kindergarten ist auf die Integration behinderter Kinder in die Gesellschaft ausgerichtet. Integration ist nach Encarta die "bewußtseinsmäßige oder erzieherische Eingliederung von Bevölkerungsgruppen und Individuen in ein soziales Gebilde (Gemeinschaft, Gesellschaft, soziale Gruppe, Staat)."

Die Integration hat mehrere Ziele. Zum einen soll sie "behinderte und nichtbehinderte Menschen aus ihrer Isolation von Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten befreien" (vgl. Reha-Verlag, 1989, S.41), zum anderen soll sie eine Normalisierung der Lebenssituation der Behinderten herbeiführen, womit gemeint ist, dass für behinderte Menschen "Lebensverhältnisse geschaffen werden, die eine Gleichstellung mit den Möglichkeiten Nichtbehinderter bedeuten" (Reha-Verlag, 1989, S.41).

Allgemein soll die Integration einfach zeigen, dass behinderte Menschen nicht in unsere Gesellschaft integriert werden müssen, sondern bereits ein Teil unserer Gesellschaft sind.

Eine wesentliche Aufgabe ist deshalb im heilpädagogischen Kindergarten, die Kinder anzuleiten ihre Scheu zu überwinden und auf andere Kinder zuzugehen, denn die bloße Anwesenheit behinderter und nichtbehinderter Kinder bewirkt noch lange keine Integration.

Eine Integration in frühem Alter ist sehr wichtig, da so gegen die Entwicklung von Vorurteilen angekämpft werden kann und die behinderten Kinder lernen schon im frühen Alter ihre "Andersartigkeit" zu akzeptieren und mit verletzenden Sprüchen und Vorurteilen umzugehen. Allgemein lernen die Kinder unbefangen aufeinander zuzugehen und sehen verschiedene Arten ihr Leben mit Schwächen und Stärken zu bewältigen.

Ein besonders wichtiger Faktor sind im heilpädagogischen Kindergarten die therapeutischen Maßnahmen, wozu z. B. die Krankengymnastik, die Motopädie, also die Entwicklung und Förderung der Gesamtpersönlichkeit, und die Logopädie (Sprachtherapie) gehören. In vielen heilpädagogischen Kindergärten gibt es für diese Therapieansätze extra eingerichtete Räume, um vor allem die behinderten Kindern bestmöglich zu fördern.

3.3 Besonderheiten in der Struktur

In einem heilpädagogischen Kindergarten weichen die Anforderungen an eine Erzieherin von denen des Regelkindergartens ab, da viele Kinder besonders jene mit Mehrfachbehinderung, spezielle Hilfe benötigen. Deshalb unterscheidet sich die Struktur in einer solchen Einrichtung auch von der des Regelkindergartens. Die Gruppen sind viel kleiner gehalten, damit Erzieherinnen die Chance haben, auf jedes Kind einzugehen. So sind in einer Regelkindergartengruppe oft bis zu 25 Kinder, während sich eine integrative Gruppe im Durchschnitt aus 12 bis 15 Kindern zusammensetzt.

Auch die Anzahl der Erzieherinnen ist in einem heilpädagogischen Kindergarten viel höher. Hier kommt etwa auf 4 bis 6 Kinder eine Erzieherin, während in einer Regeleinrichtung eine Erzieherin für ca. 12 bis 16 Kinder zuständig ist.

Auch die Qualifikation des Teams ist in einem heilpädagogischen Kindergarten differenzierter als im Regelkindergarten, da es sowohl spezialisierte Kräfte gibt, wie auch "nur" für eine Erziehung im Regelkindergarten ausgebildete Personen. Spezialisierte Kräfte sind z. B. Logopäden, Krankengymnasten, Sozialpädagogen und Motopäden. Außerdem unterstützen oft Zivildienstleistende und Jahrespraktikanten die Arbeit in den Gruppen. Voraussetzung für das Team in einem heilpädagogischen Kindergarten ist, dass jeder über ein "Mindestmaß an Kenntnissen über die Lebensbedingungen beeinträchtigter Menschen" sowie über " grundlegende Kenntnisse über Beeinträchtigungsarten und zielführende therapeutische Möglichkeiten" (Kreiger/Kaltenbrunner 1995, S.403) verfügen sollte. Außerdem sollten die Mitarbeiter zur Kooperation mit verschiedenen Diensten und Institutionen und zur intensiven Arbeit mit Eltern bereit sein.

Eine letzte Besonderheit in der Struktur des heilpädagogischen Kindergartens ist, dass die Räume so groß wie möglich sein sollten, um den Kindern Bewegungsfreiheiten zu ermöglichen. Außerdem sollten gerade in den Kindergärten, die über Mittag betreuen, wie es in heilpädagogischen Kindergärten üblich ist, spezielle Räume angelegt werden, die den Kindern mehr Zeit zum Ausruhen oder auch gegebenenfalls Raum für Mittagsschlaf geben.

3.4 Die Einrichtung St. Laurentius in Neu-Listernohl

3.4.1 Aufnahmekriterien, Gruppengröße und Personal

Die Einrichtung St. Laurentius ist ein Kindergarten, der bereits 1966 als "Tagesbildungsstätte für geistig behinderte Menschen" gegründet wurde und sich dann zu einem heilpädagogischen Kindergarten entwickelte.

Im Kindergarten St. Laurentius werden

im Alter von 3 bis 6 Jahren aufgenommen.

Das Einzugsgebiet der Einrichtung umfasst die Städte Attendorn, Drolshagen und Randgebiete der Städte Plettenberg und Olpe, wobei auf eine möglichst wohnortnahe Unterbringung Wert gelegt wird.

Die Integration in diesem Kindergarten findet insofern statt, als im gleichen Gebäude der Regelkindergarten St. Augustinus untergebracht ist und die Kinder in der offenen Arbeit die Möglichkeit haben, Kontakt zu den Kindern des jeweils anderen Kindergartens aufzunehmen. Außerdem werden verschiedene Räume wie z. B. die Turnhalle oder der Spielplatz von beiden Gruppen genutzt, so dass auch hier ein Zusammentreffen möglich ist.

In der Einrichtung St. Laurentius sind zur Zeit (Stand Februar 2001) 28 Kinder in drei Gruppen untergebracht. Das bedeutet, dass eine Gruppe sich aus ca. 9 bis 10 Kindern zusammensetzt. Die Gruppen werden nicht nach der Art der Behinderung festgelegt, sondern in einer Gruppe kann sowohl ein Kind mit Mehrfachbehinderungen wie auch ein Kind mit Entwicklungsverzögerungen sein. Einzige Voraussetzung für die Aufteilung in den Gruppen ist, dass das jeweilige Kind einen Spielpartner in seiner Gruppe findet und die sogenannte Vorbildfunktion eintritt. Das bedeutet, dass die Kinder bestimmte Dinge wie z. B. Bewegungsabläufe durch das reine Abgucken bei anderen Kindern erlernen können.

Das Personal setzt sich aus einem Leiter, der für alle vier heilpädagogischen Einrichtungen im Kreis Olpe zuständig ist, einer pädagogischen Leitung, drei Gruppenleitungen und drei Zweitkräften zusammen. Außerdem wird der Kindergarten von therapeutischen Kräften (Krankengymnastin, Motopädin, Ergotherapeuthin, Logopädin) unterstützt. Diese sind allerdings in verschiedenen Einrichtungen tätig und werden nach Anzahl und Behinderungsart der Kinder eingestellt. Noch dazu gibt es mehrere Verwaltungskräfte sowie Reinigungsangestellte und zwei Heilerziehungspfleger im Anerkennungsjahr, einen Zivildienstleistenden und zwei Jahrespraktikanten im Gruppendienst.

Insgesamt ergibt sich daraus, dass eine pädagogische Fachkraft für ca. vier Kinder zuständig ist, so dass innerhalb der Gruppen ein intensives Kennenlernen und Erleben der anderen Personen möglich ist.

3.4.2 Pädagogische, heilpädagogische und therapeutische Inhalte

Nach dem Konzept des Heilpädagogischen Kindergartens St. Laurentius sind die Grundlagen allen Handelns folgende:

Der Kindergarten betreut die Kinder Mo. bis Do. von 8.00-14.15 Uhr und freitags von 8.00-13.15 Uhr. Dieser lange Zeitraum erfordert eine gute Tagesplanung. Die Kinder werden morgens von Taxen zum Kindergarten gebracht und dort vom jeweiligen Gruppenpersonal empfangen. Wenn alle eingetroffen sind, findet ein gemeinsames Frühstück mit anschließender individueller Körperpflege statt. Danach haben die Kinder Zeit zum freien Spiel, wobei sie ihr Spielmaterial, den Spielpartner und den Spielort frei bestimmen dürfen. Auch der Besuch in anderen Gruppen ist in dieser Zeit möglich. Nach dieser Freispielphase folgen Phasen der angeleiteten Aktivität, worunter man z. B. Bilderbuchbetrachtungen, lebenspraktische Erziehung, religiöse Erziehung oder Sing-Spiel-Kreise versteht. Die Förderung der Kinder kann hier in Gruppen, Kleingruppen oder in der Einzelbeschäftigung stattfinden und ist immer von dem Entwicklungsstand des einzelnen Kindes abhängig. Um die Mittagszeit nehmen die Kinder dann gemeinsam ihr Mittagessen ein, worauf dann wieder die individuelle Körperhygiene erfolgt. Anschließend haben die Kinder die Möglichkeit zum Ausruhen und Schlafen, zum freien Spiel oder zur Teilnahme an Aktivitätsangeboten (z. B. Singkreis). Um ca. 14.15 Uhr (bzw. 13.15 Uhr) treffen dann die ersten Taxen ein, um die Kinder wieder nach Hause zu bringen.

Während der gesamten Betreuungszeit laufen parallel zum Gruppengeschehen die Einzeltherapien. Hierfür besitzt der Kindergarten St. Laurentius vier speziell eingerichtete Räume und die erforderlichen Fachkräfte.

Das erste Therapieangebot ist die Krankengymnastik. Bei der normalen Entwicklung eines Kindes werden durch Ausprobieren, Neugierverhalten und Wiederholen verschiedene Handlungsstrategien erlernt. Wenn diese Entwicklung beeinträchtigt wurde, benötigt das Kind Hilfe, um bestimmte Bewegungsabläufe zu koordinieren. In der Krankengymnastik wird dem Kind über äußere Reizgebung bzw. über Bewegungserfahrungen motorisches Handeln beigebracht und Hilfe zur "Selbstorganisation" gegeben. Hierbei werden Wege gesucht, die Eigeninitiative des Kindes durch möglichst alltagsnahe Aktivitäten zu verstärken.

Das zweite Therapieangebot ist die Motopädie. Sie soll zur individuellen Entwicklung und Förderung der "Gesamtpersönlichkeit" beitragen. Das Ziel ist es, dem Kind beizubringen sich in den verschiedensten Lebenssituationen mit sich selbst und seiner Umwelt auseinander setzen zu können.

Die dritte Art der Therapie ist die Ergotherapie. Sie wird bei Kindern angewandt, die eine Verzögerung in der grob- und feinmotorischen Entwicklung zeigen, bei denen die Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn gestört ist, die Ausfälle und Störungen in der Bewegungsfähigkeit zeigen oder bei denen mehrere Sinnesorgane geschädigt sind (vgl. Internetlexikon 111er).

Die letzte Art der Therapie, die im Kindergarten St. Laurentius praktiziert wird, ist die Logopädie. Hier werden z. B. Kinder mit Sprachstörungen, Fehlbildungen im Gesichtsbereich, Störungen des Redeflusses (Stottern) oder Hörstörungen behandelt. Es wird besonders viel Wert auf eine Förderung in spielerischer Form gelegt, die sich an der Alltagssituation des Kindes orientiert.

Neben den Therapien werden den Kindern noch besondere Angebote zur Basalen Stimulation gemacht. Nach dem Konzept des Kindergartens St. Laurentius ermöglicht die Basale Stimulation "emotional, körperlich und sozial-kommunikativ gestörten Kindern, die aufgrund ihrer eingeschränkten Wahrnehmung nicht in der Lage sind, mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt zu treten, durch kontinuierliche und gezielte Sinnesreizung eigene grundlegende Körpererfahrungen zu machen." Hier gibt es sechs verschiedene Bereiche:

  1. Vestibulärer Bereich (v. a. Gleichgewichtssinn): Bewegungsspiele wie z. B. Schaukeln
  2. Taktiler Bereich (v. a. Oberflächensensibilität): Körpermassagen mit den unterschiedlichsten Materialien
  3. Propriozeptiver Bereich (v. a. Tiefensensibilität): Übungen zur Körpererfahrung der Muskeln und Gelenke
  4. Geruchlich-geschmacklicher Bereich: Übungen mit Lebensmitteln und Materialien
  5. Visueller Bereich: Sehtraining mit Reflektoren, Lichtorgeln usw.
  6. Auditiver Bereich: Übungen mit Instrumenten, Alltagsgeräuschen
Das Angebot der Basalen Stimulation wird von allen Kindern des Kindergartens wahrgenommen. Hierzu wurden ebenfalls spezielle Räume eingerichtet, um die Übungen zu erleichtern. Die Kinder dürfen diese Räume je nach ihrem Entwicklungsstand alleine oder in Kleingruppen besuchen.

Der erste Raum ist der Snoezelraum. Der Begriff setzt sich aus den beiden aus den Niederlanden kommenden Begriffen "snüffeln" (schnüffeln, schnuppern) und "döselen" (dösen, träumen) zusammen. Der Raum ist ganz in Weiß gehalten und mit Schaumstoffmatten ausgelegt. In der Mitte steht ein Wasserbett mit Resonanzboden. Darüber hinaus verfügt der Snoezelraum über eine Discokugel, einen Projektor mit farbigen Platten und eine Musikanlage. Das Snoezeln unterstützt die Bereiche der Sinneswahrnehmung und Entspannung und spricht besonders die emotionale Ebene an.

Ein weiteres Angebot der Einrichtung ist das Bällchenbad. Hier können Erfahrungen im Bereich von Tiefen- und Oberflächensensibilität gemacht werden, wobei allerdings das Spielen und Toben im Vordergrund stehen sollte.

Außerdem nutzt der Kindergarten noch an zwei Vormittagen in der Woche das Attendorner Hallenbad, so dass die Kinder ein Gefühl für Wasser und die freie Bewegung darin bekommen.

Als letzter Punkt der besonderen Angebote des Heilpädagogischen Kindergartens gilt die Mund-Ess-Therapie. Sie beinhaltet z. B. Gesichtsmassagen und unterstützende Griffe, um den Kindern mit einer gestörten Mundmotorik das Essen zu erleichtern.

Eine wichtige heilpädagogische Maßnahme ist die "Offene Arbeit", denn hier entsteht der hauptsächliche Kontakt zwischen den behinderten und den nichtbehinderten Kindern. Das oberste Ziel dieser offenen Arbeit ist also die Integration. Allerdings wird auch die Selbständigkeit des Kindes gefördert, da es die Möglichkeit hat mit den Kindern aus anderen Gruppen oder auch mit denen des Regelkindergartens zu spielen. Die Kinder lernen also selbständig Kontakte zu knüpfen.

Die offene Arbeit in der Einrichtung St. Laurentius findet z. B. in einem dreimal die Woche stattfindenden "Offenen Frühstück" statt, bei dem die Kinder selbst den Zeitpunkt ihres Frühstücks festlegen. Außerdem ist das Mischen der Gruppen besonders stark in der Freispielphase zu erkennen.

Im Kindergarten Neu-Listernohl ist die offene Arbeit allerdings nicht so einfach wie in anderen heilpädagogischen Kindergärten, da das Raumangebot sehr eingeschränkt ist und der Regelkindergarten vom heilpädagogischen Kindergarten getrennt ist. Das Personal versucht aber "die Öffnung der Gruppen zu praktizieren, damit die Kinder lernen, eigenverantwortlich zu handeln, und ein erweitertes Erfahrungsfeld zur Verfügung steht" (Konzept des Kindergartens St. Laurentius, S.17). Diese Öffnung der Gruppen ist ebenfalls sehr wichtig für das gemeinsame Spielen und Lernen der nichtbehinderten und behinderten Kinder.

Außerdem gibt es noch für die Kinder, denen ein Wechsel in einen Regelkindergarten oder in eine Schule bevorsteht, das Angebot, nach Absprache einige Stunden in den Regelgruppen zu verbringen, damit sie sich an die größeren Gruppen und den anders strukturierten Tagesablauf gewöhnen.

Um die Kontakte zwischen den Regelgruppen und den heilpädagogischen Gruppen auszubauen, hat jede Gruppe des heilpädagogischen Kindergartens eine Partnergruppe im Regelkindergarten, mit der regelmäßig Aktivitäten unternommen werden.

3.4.3 Elternarbeit

Auf die enge Arbeit mit den Eltern wird wie auch in Regelkindergärten in der Einrichtung St. Laurentius großer Wert gelegt. Die Beziehung zu den Eltern ist hier noch intensiver, da mit ihnen die Therapien für die Kinder ausführlich besprochen werden. Der Informationsaustausch findet hauptsächlich über Mitteilungshefte, die jedes Kind mit sich führt, statt. Hier können sowohl Eltern als auch die pädagogischen Kräfte Auffälligkeiten oder Wünsche notieren. Dringende Informationen werden auch oft telefonisch weitergegeben.

In der Einrichtung gibt es außerdem Beratungsgespräche, zu denen die Eltern erscheinen, um mit den Therapeuten und pädagogischen Kräften über die Zielsetzung bei der Förderung des Kindes und über therapeutische Maßnahmen zu diskutieren. Die Eltern können auch jederzeit bei den Behandlungen in der Krankengymnastik, Motopädie, Logopädie oder Ergotherapie anwesend sein.

Außerdem lädt der Kindergarten immer wieder zu Gottesdiensten, Festen und Feiern, Spielnachmittagen, Informationsveranstaltungen und ähnlichen Veranstaltungen ein.

Die Eltern haben außerdem am Abend der Elternversammlung durch die Wahl eines Elternrates die Chance wichtige Entscheidungen zu beeinflussen. Der Elternrat bildet nämlich zusammen mit der Leitung des Kindergartens, den Gruppenleiterinnen und den Trägervertretern den Rat der Tageseinrichtung. Hier können sie aktiv über den Tagesablauf und die Förderung ihrer Kinder mitentscheiden.

4. Chancen und Schwierigkeiten im heilpädagogischen Kindergarten

Die Chancen und Schwierigkeiten einer heilpädagogischen Einrichtung sind mir zum einen anhand der Fachliteratur bewusst geworden, zum anderen wurden sie aus den Gesprächen mit Frau Schulte, der Leiterin des Heilpädagogischen Kindergartens St. Laurentius in Neu-Listernohl, deutlich. Ich werde mich also hauptsächlich auf die Einrichtung St. Laurentius beziehen und kann deshalb oft nur vermutete Aussagen über integrative Gruppen machen, da eine solche Gruppe in Neu-Listernohl nicht vorhanden ist.

Die offensichtlich größte Chance eines heilpädagogischen Kindergartens ist natürlich die Integration. In integrativen Gruppen ist diese durch das noch engere Zusammenleben von behinderten und nichtbehinderten Kindern stärker gewährleistet als in getrennten Gruppen. Doch Frau Schulte konnte mir bestätigen, dass die Kinder innerhalb der Gruppe, egal welche Art von Behinderung sie haben, sehr liebenswürdig miteinander umgehen. So würden sich einige Kinder zum Beispiel verstärkt um andere Kinder kümmern, die in ihrer Bewegung stark eingeschränkt sind, und ihnen ihre volle Zuneigung zeigen. Vorurteile gebe es innerhalb der Gruppe nicht, sondern diese würden hauptsächlich von außen an die Kinder herangetragen. Das Spiel mit den Kindern des Regelkindergartens sieht Frau Schulte jedoch als eine Schwierigkeit der Einrichtung, da die nichtbehinderten Kinder oft Berührungsängste zeigen und so den heilpädagogischen Kindergarten nicht eingenständig, sondern nur in Gruppen besuchen. Hier liegt also eine große Schwierigkeit im heilpädagogischen Kindergarten. Die Kinder sind nicht so offen, wie man oft vermutet, sondern brauchen Anleitung zum Kontakt mit behinderten Kindern. Diese Schwierigkeit ist in einer integrativen Gruppe wahrscheinlich nicht so stark ausgeprägt, da die Kinder hier den ganzen Tag miteinander verbringen und so schneller soziale Kontakte geschaffen werden können.

Eine weitere Chance neben der Integration liegt darin, dass es im heilpädagogischen Kindergarten neben dem normalen Spiel die bestmögliche Therapie für jedes Kind gibt und dass die Kinder nicht nach der Art ihrer Behinderung getrennt sind, sondern die Gruppen frei gemischt werden. Die Therapiemöglichkeiten in der Einrichtung St. Laurentius sind sehr stark ausgeprägt, so dass den Kindern Therapien am Nachmittag erspart bleiben. Außerdem sind die Therapien über den ganzen Morgen verteilt, so dass das Kind die Möglichkeit zum Ausruhen und Spielen hat und nicht überfordert wird. Das Mischen der Gruppen und auch der Kontakt zum Regelkindergarten bringen eine weitere Chance mit sich. Die Kinder können sich gegenseitig als Vorbilder benutzen. Diese Vorbildfunktion ist sehr wichtig für die Arbeit in heilpädagogischen Einrichtungen, da die Kinder so sehr viel, wie z. B. bestimmte Bewegungsabläufe, voneinander lernen.

Eine weitere große Chance im heilpädagogischen Kindergarten sehe ich darin, dass die Kinder bestmöglich gefördert werden und dann die Möglichkeit haben, in eine Regelgruppe zu wechseln. Im Heilpädagogischen Kindergarten St. Laurentius haben die Kinder dann die Möglichkeit sich auf diese neuen Erfahrungen einzustellen, indem sie den angrenzenden Regelkindergarten besuchen. Außerdem versucht der Kindergarten auch die Kinder auf den Wechsel in eine Schule vorzubereiten. Dies bringt nach Meinung von Frau Schulte allerdings auch wieder Schwierigkeiten mit sich, da eine normale Vorschulerziehung nicht möglich ist. Gewöhnliche Lerninhalte werden weniger vermittelt, vielmehr geht es darum, die Kinder an größere Gruppen zu gewöhnen und ihnen beizubringen, sich dort durchzusetzen. Außerdem besucht die Kindergartengruppe oft die zukünftige Schule der einzelnen Kinder, da diese wegen des großen Einzugsbereichs ihre neuen Mitschüler nur selten kennen.

Der große Einzugsbereich vieler heilpädagogischer Kindergärten bringt noch eine weitere Schwierigkeit mit sich. Er erschwert die Elternarbeit ungemein, da die Eltern keinen richtigen Bezug zueinander finden und sich so kaum kennen lernen. Dieses Problem konnte mir Frau Schulte ebenfalls bestätigen, da der Kindergarten in Neu-Listernohl, obwohl es bereits drei weitere heilpädagogische Kindergärten im Kreis Olpe gibt, einen sehr großen Einzugsbereich hat.

Auch besondere Schwierigkeiten der Eltern stellten sich in meinem Gespräch mit Frau Schulte dar. Zum einen bemerkte sie, dass die Eltern der von Behinderungen bedrohten Kinder häufig Probleme damit hätten, die Behinderung ihres Kindes zu akzeptieren. Für sie stelle es ein Problem dar, dass man den Kindern ihre "Behinderung" nicht ansehe und außenstehenden Personen oft Fragen darüber stellten, warum das Kind keinen "normalen Kindergarten" besuche. Frau Schulte sieht die Lösung dieses Problems nur in intensiven Gesprächen, damit die Eltern die Andersartigkeit ihres Kindes akzeptieren und möglichst so natürlich wie ihr Kind damit umgehen.

Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass der Loslösungsprozess des Kindes von seiner Familie oft schwerer als im Regelkindergarten ist, da die Kinder, die einen Regelkindergarten besuchen, oft schon vor dem Besuch des Kindergartens soziale Kontakte zu anderen Menschen geknüpft haben, während sich diese sozialen Kontakte besonders bei mehrfach behinderten Kindern auf die Familie beschränken. Dadurch dass die Eltern des Kindes in heilpädagogischen Kindergärten auch öfter anwesend sein können, sind diese anfänglichen Schwierigkeiten aber zu bewältigen.

Ich persönlich sah, noch bevor ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigte, die Schwierigkeit, dass die gesunden Kinder in integrativen Gruppen bzw. die von einer Behinderung bedrohten Kinder von den Erzieherinnen vernachlässigt werden, da die stärker behinderten Kinder mehr Aufmerksamkeit brauchen. Diese Annahme wurde jedoch anhand der Fachliteratur und auch im Gespräch mit Frau Schulte widerlegt. Auf Grund der kleinen Gruppen und der hohen Anzahl an Personal kann in heilpädagogischen Kindergärten auf jedes Kind eingegangen werden. Außerdem kommen noch die Einzeltherapien hinzu, in denen jedes Kind die Chance hat, im Vordergrund zu stehen.

Eine weitere Schwierigkeit, die ich in der Arbeit im heilpädagogischen Kindergarten sah, war, dass die Kinder nur schwer mit der Andersartigkeit der anderen Kinder umgehen könnten und so sehr viele Fragen zu diesem Thema hätten. Doch Frau Schulte versicherte mir, dass die Andersartigkeit kein Thema in der Gruppe sei. Eventuell könnte dieses Problem in integrativen Gruppen auftreten, doch ich denke, dass es durch Gespräche mit den Kindern schnell zu beheben ist.

5. Zusammenfassung

Zusammenfassend muss ich sagen, dass mich die Einrichtung des heilpädagogischen Kindergartens trotz einiger Schwierigkeiten überzeugt hat. Ich durfte selbst einen Blick in die Räumlichkeiten des Kindergartens werfen und sehe hier einen besonderen Vorteil für die Kinder in den Therapieangeboten.

Auch wenn das eigentliche Ziel - die Integration - oft schwer zu verwirklichen ist, denke ich, dass die Kinder trotz anfänglicher Schwierigkeiten eine gemeinsame Basis zum Spiel finden.

Bevor ich diese Facharbeit geschrieben habe, war mir nicht bewusst, wie eine solche Einrichtung aufgebaut ist und welche Möglichkeiten es zur Förderung behinderter Kinder gibt.

Positiv finde ich weiterhin, dass im Kreis Olpe bereits vier heilpädagogische Einrichtungen vorhanden sind. (Zwei dieser Einrichtungen wurden allerdings erst in den letzten fünf Jahren erbaut.)

Diese Tatsache zeigt wohl, dass der Anfang zur sozialen Integration gemacht wurde, denn der Bedarf an Kindergartenplätzen in einer heilpädagogischen Einrichtung wächst. Es wird deutlich, dass der heilpädagogische Kindergarten in Zukunft kein "Sonderkindergarten" mehr sein wird, denn die Heilpädagogen sind zuversichtlich, dass die Bereitschaft zur Integration in der Gesellschaft steigt.

6. Literaturverzeichnis

Bücher

Rothmayr, A., Schriftenreihe: Lernziel Integration, Schwerst-mehrfachbehinderte Kinder im integrativen Kindergarten, Bonn, 1989

Becker-Textor, I. und Textor, M.R., Der offene Kindergarten - Vielfalt der Formen, Herder Freiburg-Basel-Wien, 1998

Internet (URL)

http://bidok.kibk.ac.at/texte/wetzel-qualitaet.html

http://www.integrativer-kindergarten.de/konzept_regelkiga.html

http://www.lebenshilfe-hochrhein.de/logop.htm

http://home-main-rheiner.de/pfarramt/integration.htm

http://www.hilfe-hd.de/pusteblume/konzept.html

http://www.111er.de/lexikon.begriffe

Lexikon

Microsoft ® Encarta ® 98 Enzyklopädie. © 1993-1997 Microsoft Corporation

Konzepte

Pädagogisches Konzept
Heilpädagogischer Kindergarten St.Laurentius
Pfarrweg 2a
57439 Attendorn Neu-Listernohl
Telefon: (02722) 9743-0

Konzept
Kindergarten "Flohkiste"
Ihnetalstraße 155
57439 Attendorn-Listerscheid
Telefon: (02722) 7973

Gespräche mit Frau Schulte am 06./08.03.2001

Attendorn, den 14.5.2001


©  Daniela Artino / St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2001


Der Anhang ist in der vorliegenden Dokumentation nicht enthalten.