Zur Übersicht   Frage 26: Bezahlte Nebenjobs

Fragestellung

Im Fragebogen für die Sekundarstufe 1:

(26) Verdienst  du  vor  bzw. nach der Schule Geld  mit  einer  Neben-
beschäftigung (Zeitungen austragen, Nachhilfeunterricht o.ä.)?

o  regelmäßig        o  manchmal
o  häufig            o  nie

Im Fragebogen für die Sekundarstufe 2 (hier sind lediglich die Beispiele für Nebenjobs dem Alter der Befragten angepasst):

(26) Verdienst  du  vor  bzw. nach der Schule Geld  mit  einer  Neben-
beschäftigung (handwerkl. Arbeiten, Büro, Nachhilfeunterricht o.ä.)?

o  regelmäßig        o  manchmal
o  häufig            o  nie

Kommentar

Die Frage nach den "bezahlten Nebenjobs" erkundet, in welchem Umfang die Kinder und Jugendlichen parallel zu ihrem "Hauptberuf", der Schule, anderen Tätigkeiten mit Berufscharakter nachgehen. Sie bezieht sich sowohl auf Gelegenheitsjobs (wie das Rasenmähen beim Nachbarn gegen Bezahlung oder andere eher "spontane" Dienstleistungen) als auch auf die regelmäßige Quasi-Berufstätigkeit mit Arbeitsvertrag und ggf. sogar zu leistenden Sozialabgaben (Pre-Tests zufolge sind dies Beschäftigungen wie z. B. Zeitungaustragen, Nachhilfeunterricht, Bürotätigkeiten, Kellnern am Wochenende, Gebrauchtwagenverkauf [!] oder gewerbsmäßiges Computertuning).

Dass eine solche Frage etwas heikel ist, versteht sich von selbst: Möglicherweise sind nicht alle Arbeiten, denen die Schülerinnen und Schüler nachgehen, hinsichtlich ihres Umfangs oder der Arbeitszeiten mit dem Jugendschutzgesetz vereinbar; zudem ist vielleicht die eine oder andere Beschäftigung, obwohl sie es sein sollte, dem Finanzamt nicht bekannt. Aus diesem Grund geht Frage 26 nicht ins Detail; sie ist, um bei den Befragten keine - auf den ganzen Bogen bezogene - Verweigerungshaltung zu evozieren, bewusst pauschal formuliert.

So sind es dann auch nur 5 (von 1054) Personen, die hier keine Angaben machen. Die übrigen Befragten geben in ihrer Mehrheit (52 Prozent) an, keinerlei bezahlter Tätigkeit nachzugehen; aber jeder Fünfte (19 Prozent) jobbt immerhin "regelmäßig".

Natürlich sind diese Angaben in ihrer Globalität nur wenig aussagekräftig. Wichtig ist es, hier - schon wegen der Wirkung des oben genannten Jugendschutzgesetzes - nach Altersgruppen bzw. Schulstufen zu unterscheiden.

Dass die "Berufstätigkeit" mit fortschreitendem Alter zunimmt, überrascht nicht: Von den Befragten unter 16 Jahren gehen nur 15 Prozent "regelmäßig", 58 Prozent "nie" arbeiten; bei den 16jährigen und Älteren liegt der Anteil der "regelmäßig" Beschäftigten dagegen bei 28 Prozent; von den 16- bzw. 17jährigen haben nur 41 Prozent "nie" einen bezahlten Job, bei den jungen Erwachsenen ab 18 sind es sogar nur 28 Prozent.

Orientiert man sich an den Schulstufen, lassen sich ähnliche Ergebnisse festhalten: In der Sekundarstufe 1 arbeiten rund 22 Prozent der Befragten "regelmäßig" bzw. "häufig" gegen Bezahlung, in der Sekundarstufe 2 sind es 36 Prozent. Demgegenüber schrumpft der Anteil der "nie" Beschäftigten von 55 Prozent in der Sekundarstufe 1 auf 34 Prozent in der gymnasialen Oberstufe.

In der Sekundarstufe 2 fällt auf, dass hier vor allem die Mädchen "regelmäßig" jobben (30 Prozent gegenüber 20 Prozent der Jungen), während nur 28 Prozent der weiblichen, aber 46 Prozent der männlichen Befragten angeben, "nie" gegen Bezahlung zu arbeiten. In der Sekundarstufe 1 hält sich der Anteil der außerhalb der Unterrichtszeit jobbenden Schülerinnen und Schüler hingegen ungefähr die Waage.

Interessant ist es, die Antworten der katholischen und der evangelischen Befragten einander gegenüberzustellen. Die St.-Ursula-Schulen haben in dieser Hinsicht nämlich eine Besonderheit aufzuweisen: Ihr Einzugsgebiet ist ausgesprochen heterogen. In Attendorn selbst sowie (weiter östlich) im Raum Finnentrop (beide im Kreis Olpe) liegt der Katholikenanteil an der Gesamtbevölkerung bei etwa 80 bis 90 Prozent (vgl. die Ergebnisse zu Frage 5), im westlichen und nördlichen Einzugsgebiet (Meinerzhagen/Valbert und Plettenberg/Herscheid im Märkischen Kreis) finden sich dagegen - in scharfer Abgrenzung zu den katholischen Gemeinden im Kreis Olpe - überwiegend Protestanten sowie auffällig viele Angehörige freikirchlicher Gruppen, "freier christlicher Gemeinden", Mitglieder von "Bibelgemeinschaften" usw. - Dieses Faktum schlägt sich im Alltag durchaus nieder. So gehört z. B. der Märkische Kreis zu den Regionen der Bundesrepublik Deutschland, in denen - statistisch gesehen - die meisten Millionäre leben. Ein Grund hierfür (der sich an der Firmengeschichte zahlreicher Betriebe im märkischen Raum nachweisen lässt) ist sicherlich die protestantische Arbeitsethik (M. Weber), die die "Gottwohlgefälligkeit" eines Menschen an dessen "rationale Berufsarbeit", an seine "privatwirtschaftliche Profitlichkeit" koppelt und die deshalb (weit mehr als der Katholizismus) zur Erfüllung des göttlichen Heilsplans die verantwortliche, profitwirtschaftliche Berufstätigkeit zur conditio sine qua non erhebt (vgl. M. Weber: Die protestantische Ethik I. 3. Aufl. Hamburg 1973. S.165f). - Vor diesem Hintergrund liegt die Annahme nahe, dass sich auch im schulischen Bereich im "Jobverhalten" der katholischen und protestantischen Befragten deutliche Unterschiede, genauer: besonders ausgeprägte Antworthäufigkeiten der Protestanten, zeigen.

Diese Vermutung bestätigt sich jedoch nicht. Im Gegenteil: Unter den Schüler/-inn/-en der Sekundarstufe 1 sind jeweils gleich viele Katholiken wie Protestanten "regelmäßig" bzw. "häufig" (22 bzw. 21 Prozent), "manchmal" (23 bzw. 24 Prozent) bzw. "nie" beschäftigt (55 bzw. 54 Prozent). Auch unter den Oberstufenschüler/-inne/-n liegt der Anteil der Vielbeschäftigten bei Katholiken und Protestanten etwa gleichauf (38 Prozent gegenüber 34 Prozent). Entsprechendes gilt - umgekehrt - für befragte Katholiken und Protestanten ohne Job (33 Prozent gegenüber 34 Prozent). Weder von einer herausragenden protestantischen noch womöglich von einer besonderen "katholischen Arbeitsethik" kann hier also die Rede sein.

Dass unter den Vielbeschäftigten die Katholiken eher eine "regelmäßige", die Protestanten aber "nur" eine "häufige" Beschäftigung notieren, sollte man nicht überbewerten: Bei den Protestanten ist der Anteil der Fahrschüler/-innen erheblich größer als bei den (z. T. ortsansässigen) Katholiken; von daher haben letztere nach Unterrichtsschluss im Durchschnitt mehr Zeit, einem Job nachzugehen.

Tabellen

Bezahlte Nebenjobs (absolut/prozentual)

(DS: 1054)Alle BefragtenAlle AntwortenJungenMädchen
regelmäßig19818,9 %16,9 %20,4 %
häufig525,0 %6,1 %4,2 %
manchmal25224,0 %23,6 %24,4 %
nie54752,1 %53,5 %51,1 %
k. A.5
Stichprobe:10541049445599

 

Bezahlte Nebenjobs (prozentual)

(DS: 1054)Realschule Gymnasium Sek.1Gymnasium Sek.2
regelmäßig18,5 %16,5 %26,8 %
häufig5,7 %2,5 %9,4 %
manchmal21,1 %25,6 %29,5 %
nie54,8 %55,5 %34,2 %
Stichprobe493407149

 

Bezahlte Nebenjobs (prozentual)

(DS: 1054)Katholiken
Sek.2
Protestanten
Sek.2
regelmäßig30,1 %18,8 %
häufig8,0 %15,6 %
manchmal29,2 %31,3 %
nie32,7 %34,4 %
Stichprobe:11332

 

Grafik


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 1997, 2003, 2004

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