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Zur Übersicht   Die Durchführung der Untersuchung

1. Annäherung an den Untersuchungsgegenstand

Die Durchführung des Projekts "Schulzeit - Freizeit" vollzog sich in sechzehn Schritten:

Am Beginn des Projekts stand naturgemäß eine ausführliche Reflexion des Freizeitbegriffs. Die Teilnehmer/-innen des Leistungskurses "Sozialwissenschaften" orientierten sich hierbei zum einen an Sekundärtexten (Giesecke, Rosenmayr, Wallner/Pohler-Funke, Adorno, Toffler); zum anderen gingen sie phänomenologisch-pragmatisch vor, indem sie sich (in offenen Pre-Tests) auf ihr eigenes Freizeitverhalten und das ihrer Altersgenossinnen und -genossen hin befragten und hierbei erste - eigene - Hypothesen zur Unterscheidung bzw. Erklärung verschiedener Verhaltensweisen bildeten.

2. Methodenplanung

In einem zweiten Schritt wandte sich die Kursgruppe der Methodendiskussion zu. Experiment und Beobachtung wurden für den konkreten Fall als Verfahren zur Erhebung von Schul- und Freizeitdaten schnell verworfen; im Mittelpunkt der Erörterung fanden sich stattdessen die Möglichkeiten und Grenzen offener bzw. standardisierter Befragungen. Am Ende der Diskussion stand die Einigung auf eine (standardisierte) Fragebogenaktion (vgl. hierzu auch die Hinweise zur Konzeption der Untersuchung).

3. Fragenbogenkonzeption

In der dritten Projektphase wurde der Fragebogen konzipiert. Im Mittelpunkt dieses Arbeitsabschnitts standen neben inhaltlichen Fragen auch solche der quantitativen Dimensionierung der Befragung, des Fragebogendesigns sowie der Zielgruppengemäßheit der Umfrage. Darüber hinaus wurde erörtert, welche personenbezogenen Fragen in die Untersuchung aufzunehmen seien, um die zuvor gebildeten Hypothesen (vgl. Arbeitsschritt 1) überprüfen zu können.

4. Rücksprache mit den Schulleitungen

Parallel zu den bereits sehr konkreten Vorbereitungen nahm der Kursleiter Rücksprache mit den Schulleitern des St.-Ursula-Gymnasiums und der St.-Ursula-Realschule, um zu sondieren, in welchem Umfang eine Befragung zum Thema "Schulzeit - Freizeit" würde durchgeführt werden können. Angesichts der Thematik der Untersuchung zeigten sich beide Schulleiter sehr kooperativ und befürworteten den unterbreiteten Maximalvorschlag, eine Befragung sämtlicher Schülerinnen und Schüler beider Schulen vorzunehmen.

5. Anfrage beim Schulträger

Die Befragung musste anschließend, da sie über den Rahmen des eigenen Klassen- bzw. Kursverbandes hinausgreifen sollte, von der zuständigen Schulaufsichtsbehörde, im vorliegenden Fall dem Erzbischöflichen Generalvikariat des Erzbistums Paderborn als dem Träger der beiden Schulen, genehmigt werden. Eine solche Genehmigung wurde unter der Maßgabe, die Anonymität der Befragten zu wahren, auf Anfrage hin erteilt.

6. Information der betroffenen Lehrkräfte

Erhebliche zeitliche Anforderungen stellte das "Schulzeit-Freizeit"-Projekt nicht nur an die "Sozialwissenschaften"-Kursgruppe selbst, sondern auch an die Lehrerinnen und Lehrer, in deren Unterrichtsstunden die Befragung durchgeführt werden sollte. Immerhin waren für die Fragebogenaktion etwa 20 bis 30 Minuten Bearbeitungszeit angesetzt; inklusive Vor- und Nachbereitung konnte daraus leicht eine knappe Schulstunde werden - Zeit, die möglicherweise für wichtigere, fachliche Dinge fehlte. Aus diesem Grund wurden die betroffenen Kolleginnen und Kollegen ausführlich über Art und Ablauf des Projekts informiert, sowohl - vorab - in Dienstbesprechungen als auch - kurz vor Beginn der "heißen Phase" - in Aushängen sowie in individueller Ansprache und persönlichen Anschreiben.

7. Information der zu befragenden Schüler/-innen

Auch die Zielgruppe der Untersuchung, die Schülerinnen und Schüler von Realschule und Gymnasium, wurden, um unabwägbare Überraschungseffekte zu vermeiden, im Voraus über das Projekt informiert. Die Kurzinfos, die hierzu in sämtlichen Klassenräumen ausgehängt wurden, enthielten die ausdrückliche Bitte, den Fragebogen, damit eine sinnvolle Auswertung der Daten gewährleistet werden könne, "so ernsthaft und vollständig wie möglich auszufüllen".

8. Einweisung der Interviewer

Wesentlicher Bestandteil des Untersuchungskonzepts war, die Befragungsunterlagen nicht einfach den jeweiligen Fachlehrkräften hereinzureichen und dann die Schülerinnen und Schüler mit den Fragebögen allein zu lassen, sondern die Kinder und Jugendlichen beim Ausfüllen der Bögen zu begleiten (ohne sie freilich zu manipulieren).

Aus diesem Grund wurde vorgesehen, jeder zu befragenden Schülergruppe (Klasse, Kurs) während der Befragung ein Mitglied des Leistungskurses "Sozialwissenschaften" als Ansprechpartner/-in zuzuordnen. Aufgabe dieses Betreuers/dieser Betreuerin sollte es sein,

Auf die genannten Aufgaben konnten sich die Betreuer/-innen anhand einer detaillierten Checkliste vorbereiten.

9. Durchführung der Befragung

Stichtag für die Durchführung der Untersuchung war Dienstag, der 16. Juni 1992. Als Ausweichdatum für die Sekundarstufe 1 (z. B. für am Stichtag "außer Haus" befindliche oder "unabkömmliche" Klassen) wurde der 23. Juni 1992 anberaumt; dieser Termin mußte jedoch nicht wahrgenommen werden.

Die Untersuchung fand für die Sekundarstufe 1 mit einer Ausnahme morgens in den ersten beiden Schulstunden statt. Wann (d. h. ob in der ersten oder der zweiten Stunde) welche Klasse befragt wurde, war einem vorher ausgehängten Zeitplan zu entnehmen, so dass sich alle Betroffenen rechtzeitig darauf einstellen konnten.

Die Ausnahme bildete eine Realschulklasse, die zur fraglichen Zeit Sportunterricht hatte. Da es nicht sinnvoll bzw. opportun erschien, den Fragebogen in der Turnhalle ausfüllen zu lassen (und zudem dafür das bei der Schülerschaft allgemein beliebte Fach Sport zu "opfern"), wurde die Befragung dort auf die vierte Stunde verschoben.

In der Sekundarstufe 2 wurde die Umfrage in den Religionskursen durchgeführt, die am St.-Ursula-Gymnasium jahrgangsstufenweise zeitgleich nebeneinander stattfinden. Da die Teilnahme am Religionsunterricht an den St.-Ursula-Schulen (beide befinden sich in katholischer Trägerschaft) Pflicht ist, konnten so tatsächlich alle Oberstufenschüler/-innen zum gleichen Zeitpunkt erreicht werden.

In der Jahrgangsstufe 11 fand die Befragung am Stichtag selbst (16.6.92) statt. In der Jahrgangsstufe 12 konnte die Untersuchung hingegen wegen der anders terminierten Religionskurse erst am 22.6.1992 durchgeführt werden; die betroffenen Schülerinnen und Schüler wurden gleichwohl gebeten, für das Ausfüllen der Bögen (vor allem in Hinblick auf die Altersangabe) als Stichtag den 16.6.92 anzunehmen.

Die Jahrgangsstufe 13 konnte zum Stichtag leider nicht (mehr) befragt werden, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits die Abiturprüfungen abgelegt hatte.

10. Nachbefragungen

Erst am Stichtag selbst stellte sich heraus, dass in einem 11er-Kurs "Evangelische Religion" - bedingt durch eine Exkursion - nur ein Bruchteil der Kursgruppe anwesend war. Die Befragung der Fehlenden wurde informell zu einem späteren Zeitpunkt (aber mit dem vorgegebenen Stichtag 16.6.92) nachgeholt.

Zugleich zeigte sich, dass die Jahrgangsstufe 12 in der Gesamtuntersuchung deutlich unterrepräsentiert war, da ein Teil dieser Stufe, nämlich die 17 Mitglieder des Leistungskurses "Sozialwissenschaften", ja Interviewer-Funktionen wahrnahm. Vor diesem Hintergrund entschlossen sich die Leistungsteilnehmer/-innen, als Befragte an ihrer eigenen Befragung teilzunehmen. Diese Entscheidung ist sicherlich kritisierbar, da bei einem solchen Vorgehen manipulierte bzw. (bewusst oder unbewusst) manipulierende Antworten nicht vollständig auszuschließen sind; gleichwohl war die Kursgruppe der Meinung, dieses geringere Übel gegenüber einem größeren in Kauf nehmen zu müssen: Im "Sozialwissenschaften"-Kurs waren überdurchschnittlich viele Angehörige der Herkunftsregion Plettenberg/Herscheid vertreten, die - unbefragt - unterrepräsentiert bzw. ausgeblendet geblieben wären.

Insgesamt erreichte die Umfrage über 94 Prozent, nämlich 1051 der 1114 offiziell an beiden Schulen gemeldeten Kinder und Jugendlichen; ferner nahmen an der Umfrage drei Oberstufenschülerinnen des Nachbargymnasiums - allesamt Mitglieder eines Kooperationskurses "Evangelische Religion" am St.-Ursula-Gymnasium - teil:

Personen
  gemeldet befragt fehlend
St.-Ursula-Realschule 526 497 29
St.-Ursula-Gymnasium Sek.1 419 408 11
St.-Ursula-Gymnasium Sek.2 169 146 23
andere Schule   3  
Summe: 1114 1054 63

Krankheitsbedingt fehlende Schülerinnen und Schüler wurden nicht eigens nachbefragt.

Die Rücklaufquote der ausgeteilten Fragebögen lag bei 100 Prozent, d. h. alle Bögen wurden ausgefüllt. Auch blieb der Anteil der verweigerten Antworten auf den Bögen vernachlässigbar gering. Nach Auskunft der Betreuer/-innen wurden die Fragen durchweg ernsthaft beantwortet; zu Störungen bzw. zu gruppenweisem "Mauern" gegen die Fragebogenaktion kam es in keinem Fall.

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit der Bögen lag in der Oberstufe bei etwa 10 bis 15 Minuten, in der Unterstufe bei 30 bis (speziell in den Klassen 5 der Realschule) 45 Minuten.

11. Einweisung der Computereingabe-Gruppen

Die Auswertung der Fragebögen sollte computerunterstützt an den zum damaligen Zeitpunkt fünfzehn Schülerrechnern der St.-Ursula-Schulen stattfinden. Angesichts der großen Datenmenge (über 40 000 Einzelantworten) und der nur geringen Zeit bis zu den Sommerferien kam die auswertende Kursgruppe überein, einen Teil der Dateneingabe zu delegieren, und zwar an eine 6. (!) Klasse, die den Kursleiter zum Klassenlehrer hatte.

Diese Delegation war insofern unproblematisch, als zur Datenübergabe die im Auftrag des Landesinstituts für Schule und Weiterbildung entwickelte Software "FBG - Fragebogen" (Autor: Bruno Pollok) zum Einsatz kam, ein Programm, das auch (und gerade) für die Verwendung in der Sekundarstufe 1 geeignet ist (vgl. hierzu auch die technischen Hinweise der vorliegenden Dokumentation).

Gleichwohl mussten die Computereingabe-Gruppen natürlich in die Benutzung der Rechner und der Software eingewiesen werden. Arbeitsgrundlage hierfür war eine umfangreiche Checkliste.

12. Eingabe der Befragungsergebnisse in die Computer

Die Eingabe der Fragebogen-Daten gestaltete sich (wider Erwarten) völlig unproblematisch. Dies lag sicherlich zu einem beträchtlichen Teil daran, dass das verwendete Statistik-Programm "FBG" gegenüber vergleichbaren Produkten drei Vorteile aufwies:

Bei der Eingabe arbeiteten stets (mindestens) zwei Schüler/-innen in Arbeitsteilung zusammen: der/die eine sichtend und diktierend, der/die andere tippend. Hierfür benötigten die 17 Leistungskurs-Schüler/-innen 8 Unterrichtsstunden, die 25 Schüler/-innen der Klasse 6 weitere 8 Stunden.

Erkennbare Falschantworten (z. B. "90 Stunden" [statt "90 Minuten" bzw. "1,5 Stunden"] täglicher Fernsehkonsum als Antwort auf Frage 36) wurden, wo möglich, noch vor der Eingabe in den Computer korrigiert, ansonsten im Zweifelsfall als fehlende Angabe gewertet. Bei Fragen, bei denen nur maximal drei Antworten zugelassen, jedoch mehr Antwortmöglichkeiten angekreuzt waren, wurden die angegebenen Antworten durch Auswürfeln (!) - also zufallsbedingt - auf drei reduziert.

13. Systematische Zusammenstellung der Ergebnisse

Nach Abschluss der Datenübertragung in die Computer verwendete der Kursleiter mehrere Stunden darauf, die (von jeder Schülergruppe einzeln abgelegten) Datensätze zu sichten, zu sortieren und zusammenzufassen. Eine systematische Zusammenstellung der Ergebnisse gelang allerdings erst nach den Sommerferien. Sie wurde später verschriftlicht und liegt mittlerweile in zwei Teilbänden vor:

Die genannten Bände können nach Absprache in der Lehrerbibliothek der St.-Ursula-Schulen eingesehen werden. Eine Ausleihe ist leider nicht möglich.

14. Erste Auswertung der Ergebnisse

Die Interpretation der Daten erfolgte innerhalb des Leistungskurses "Sozialwissenschaften" nach den Sommerferien zum einen "online" am Computer selbst (das "FBG"-Programm erlaubt die Filterung sowie tabellarische bzw. grafische Darstellung von Resultaten), zum anderen anhand der gedruckten systematischen Zusammenstellung der Untersuchungsergebnisse. Aus den Kommentaren und Schlussfolgerungen, die die Schülerinnen und Schüler im Unterrichtsgespräch abgaben, erwuchs später ein dritter Band zur "Schulzeit-Freizeit"-Untersuchung:

15. Öffentlichkeitsarbeit

Erst Ende 1992, als die Daten sozusagen genügend "abgehangen" und ausdiskutiert waren, wurden die Untersuchungsergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Außer an den Schulträger, der je einen Tabellen- und einen Grafikband der Umfrage erhielt, wurden die wichtigsten Resultate in Form eines 20seitigen Kurzinfos u. a. an die regionalen Massenmedien, an diverse Universitäten sowie (auf Anfrage hin) an das Kreisjugendamt Olpe, an die Regionalvertretung der Katholischen Landjugend sowie an das Attendorner Jugendzentrum verschickt.

Über die Untersuchung berichteten die Regionalzeitungen "Westfälische Rundschau", "Westfalenpost", "Stadt-Anzeiger" und "Sauerlandkurier". Ferner war Anfang Dezember 1992 im Westdeutschen Rundfunk (Studio Siegen) ein Interview zu den Umfrageresultaten zu hören.

16. Reflexion

In einer abschließenden Reflexionsphase leisteten die Schülerinnen und Schüler des "Sozialwissenschaften"-Leistungskurses nicht nur freizeit-themenbezogene Gedankenarbeit, sondern übten auch methodische Manöverkritik an ihrer Untersuchung. Dabei kristallisierten sich - bei aller Zufriedenheit mit dem eigenen Vorgehen, die auch offenbar wurde - drei Hauptkritikpunkte heraus:

  1. Einige numerische Fragen der Untersuchung bedürfen - für den Fall einer Wiederholung der Befragung - der Überarbeitung. So evozieren z. B. die Fragen 34, 36 und 37 nach der Computernutzung und dem Fernsehkonsum bei oberflächlichem Lesen (und am Ende eines Fragebogens neigt man zu oberflächlichem Lesen) Falschantworten, falls die angegebene Maßeinheit (Stunden, nicht Minuten) nicht hinreichend beachtet wird.
     
  2. Frage 15 nach der wöchentlichen Schulstundenzahl ist hinsichtlich der Antworten wenig ergiebig und führt stattdessen eher zu Missverständnissen. Sinnvoller (und exakter) ist es wahrscheinlich, das Stundenvolumen - "objektiv" - jahrgangsstufenweise über die Schulstatistik zu ermitteln.
     
  3. Alles in allem hat der Fragebogen einen Umfang, der für die Zielgruppe (Jahrgangsstufe 5 bis 12) gerade noch tolerierbar ist. Besonders die 5er-Klassen der Realschule gerieten beim Ausfüllen nämlich deutlich an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Sie benötigten für das Lesen, das Verstehen (!) und die anschließende Beantwortung der Fragen durchweg eine ganze Schulstunde (45 Minuten). Hieraus ist zu schließen, dass der Fragebogen z. B. für eine Zielgruppe unterhalb der Jahrgangsstufe 5 nur bedingt geeignet, weil insgesamt zu umfassend ist.

Dass die Studie nun, nachdem die nötigen Basisdaten vorliegen, nach tiefergehenden Detailuntersuchungen (etwa zum Fernsehkonsum oder zur Hausaufgabentätigkeit) und auch nach überregionalen Vergleichsuntersuchungen verlangt, steht außer Frage.

Sollten Sie an derartigen Untersuchungen interessiert sein (oder sie sogar schon durchgeführt haben), so bitten wir Sie, uns, die Fachschaft "Sozialwissenschaften" des St.-Ursula-Gymnasiums Attendorn, diesbezüglich zu kontaktieren.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 1997, 2003, 2004

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