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Stadt-Anzeiger

Umfrage zeigt: Schüler wünschen sich ein Kino

Leistungskurs befragte 1.054 Schüler zum Freizeitverhalten

Ein Kino in der Nähe zu haben steht ganz oben auf der Wunschliste, wenn man Jugendliche aus der Attendorner Region nach ihren Wünschen von Freizeiteinrichtungen fragt. Das und noch viel mehr geht aus einer Umfrage hervor, die der Leistungskurs "Sozialwissenschaften" des St.-Ursula-Gymnasiums unter der Leitung von Studienrat Frank Kugelmeier im Juli unter 1054 Schülern der beiden St.-Ursula-Schulen durchführte.

45.000 Daten ausgewertet

Es war ein ebenso ungewöhnliches wie nützliches Projekt, das der Leistungskurs initiierte, denn einerseits erlernten die Schüler am praktischen Beispiel die Grundlagen der empirischen Sozialforschung. Andererseits spiegelt die Umfrage Gewohnheiten und Bedürfnisse der Schüler wider, die für Jugendorganisationen sowie für Kommunalpolitiker sicher nicht uninteressant sind.

Eine mit 280 Tabellen und Schaubildern angereicherte Broschüre der Umfrage liegt jetzt vor und kann über das St.-Ursula-Gymnasium angefordert werden.

Insgesamt sammelten die Oberstufen-Schüler 45.000 Daten, die in mühsamer Kleinarbeit ausgewertet wurden. Alle Daten wurden in die 15 Schulcomputer eingespeist. Für die Auswertung stand eine spezielle Software zur Verfügung. Schüler der Klasse 7b halfen bei den Tipparbeiten, weil die Arbeit für den Leistungskurs zu umfangreich wurde.

Befragt wurden über 1.000 Schüler von der Klasse 5 bis zur Klasse 12 zu schulischen Themen und ihrem Freizeitverhalten.

Die Umfrage ist zwar nicht uneingeschränkt zu verallgemeinern, kann aber durchaus als repräsentativ gewertet werden.

Mädchen fleißiger?

So beispielsweise beim Thema Hausaufgaben. Kaum länger als zwei Stunden sitzen Schüler der Klassen 5 bis 10 an den Schularbeiten. Durchschnittlich sitzen Realschüler und Gymnasiasten eineinhalb bis zweieinhalb Stunden an ihren Hausaufgaben.

Dabei scheinen die Mädchen fleißiger als ihre männlichen Kollegen zu sein, denn bei den Jungen nehmen sich 43% aller Befragten weniger als eine Stunde Zeit für die Schulaufgaben, während der Anteil der weiblichen "Kurzarbeiterinnen" bei 34% liegt.

Ähnliche Unterschiede zeigen sich auch bei der Mithilfe im Haushalt. 38% der Mädchen geben an, täglich im Haushalt zu helfen, während es bei den Jungen neun Prozent weniger waren. Mädchen werden beim Geschirrspülen, Einkaufen oder Beaufsichtigen der Geschwister viel öfter herangezogen als Jungen - da spiegelt sich die traditionelle Rollenverteilung wider.

Trotz Schularbeiten und Hilfe im Haushalt bleibt den Kindern und Jugendlichen noch genug Freizeit. 40% der Befragten verfügen über vier und mehr Stunden freie Zeit am Tag. In der gymnasialen Oberstufe nimmt der Freizeitumfang jedoch rapide ab.

82% in Vereinen organisiert

Wie die Jugendlichen ihre Freizeit nutzen, interessierte die Initiatoren der Studie natürlich besonders. Dabei stellte man fest, daß 82% aller Befragten in Vereinen organisiert sind. Sportvereine nehmen hier natürlich eine Spitzenstellung ein. Während die Jungen Fußball und Handball bevorzugen, steht bei den Mädchen Jazz-Tanz hoch im Kurs.

15% der Jungen sind in Schützenvereinen organisiert, während es die Mädchen eher in Karnevalsclubs zeiht. Lediglich 2% der Kids sind in politischen Vereinigungen organisiert.

Die unorganisierte Freizeit verbringen die meisten Jugendlichen mit Musikhören und Sport. Unterhalten mit Freunden ist für die Jugendlichen ebenfalls besonders wichtig.

Daneben beschäftigen sich die Befragten gerne mit dem Computer oder sehen fern.

Vor dem Fernseher verbringen die Jugendlichen durchschnittlich zwei Stunden pro Tag. An langen Wochenenden wird bis zu 20 Stunden ferngesehen. Als liebste Sendungen werden mit 60% lustige Spielfilme genannt. Dicht gefolgt von Krimis (54%) und Zeichentrickfilmen (48%). Kritische Jugendsendungen werden nur von 20% gerne gesehen. Für Nachrichten interessieren sich nur 17%, und politische Magazine werden von nur 7% der Befragten gerne verfolgt.

Die durchschnittliche Verweildauer vor dem Fernseher würde vielleicht abnehmen, wenn es andere Freizeiteinrichtungen für die Jugendlichen gäbe. So wurden die Schüler auch nach ihren Wünschen bezüglich zusätzlicher Freizeiteinrichtungen befragt.

58% der Kids vermissen ein Kino in Attendorn. 30% wünschen sich mehr Rockkonzerte, und ebensoviele verlangen nach einer Discothek. 8% der Befragten sind mit dem bisherigen Angebot zufrieden.

Zufrieden waren denn auch die Schüler des Leistungskurses "Sozialwissenschaften" mit der Umfrage, wenn auch viel Arbeit in dem Projekt steckte.

Sie verstehen ihre Studie als Anregung. Vielleicht sind auch Kommunalpolitiker, Sportverbände oder Kirchengemeinden an der Studie interessiert. Jedenfalls könnten Teilergebnisse der Umfrage bei der Gestaltung von Jugendarbeit für manche Organisationen von Wichtigkeit sein.

(sl)

Stadt-Anzeiger (Attendorn und Finnentrop), Nr.51 (17.12.1992), S.5


©  Stadt-Anzeiger, Olpe 1992 und Frank U. Kugelmeier, Attendorn 1997, 2003, 2004

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