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Stimmen aus dem Bereich "Religion"

Herr Kardinal, zunächst eine Frage, deren Beantwortung Ihnen vielleicht selbstverständlich erscheint: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Wenn ich das nicht glauben würde, dann wäre ich bestimmt nicht Priester und könnte mein Amt auch nicht ausüben.

Wie stellen Sie sich ein solches jenseitiges Leben konkret vor?

Da bin ich etwas vorsichtig, denn die Welt jenseits des Todes ist nicht einfach mit unserer Welt zu vergleichen. Da helfen am besten die großen Bilder der Bibel weiter, wenn zum Beispiel schon im Alten Testament gesagt wird, dass in diesem Leben die Völker ohne Streit und Krieg zusammen sind, wie an einer großen Tafel, und sich gut vertragen - dass Lamm und Wolf zusammenwohnen können, ohne dass der eine den anderen auffrisst. Ich glaube, diese Bilder bringen da viel und sagen uns vielleicht mehr als reine Begriffe allein.

Wie würden Sie dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen? Mit anderen Worten: der Glaube ans Jenseits diene im Diesseits nur den Mächtigen?

Das muss man zunächst einmal ernst nehmen, damit der Glaube in der Tat nicht missbraucht wird. Der biblische Glaube unterstützt deshalb auch nicht alle Formen von Religion. Es gibt Formen von Religion, die im Alten Testament regelrecht verspottet werden, weil sie im Grunde genommen, zum Beispiel durch Magie, den Menschen eher knechten und nicht eigentlich frei machen. Jede Religion muss den Menschen frei machen - auch frei machen von Ängsten. Insofern gehört die wache Selbstkritik jeder Religion auch zum Verständnis von Kirche.
   Ich habe eine meiner ersten größeren Arbeiten schon vor dreißig Jahren über die Ideologiekritik und die Religionskritik und ihre Bedeutung für die heutige Kirche geschrieben. Deswegen ist mir das auch ganz wichtig, dass man immer wieder eine innere Reinigung durchführt.
   Natürlich kann man behaupten, all die Prophezeiungen der Kirche würden sich überleben und hätten sich nicht bewahrheitet. Aber es gibt heute bei vielen Menschen, die keiner Religion, keiner Kirche angehören, durchaus eine neue Nachdenklichkeit, indem sie sagen: Sind wir im Prozess der Säkularisierung nicht doch etwas zu schnell mit der Religion und ihren Motiven fertig gewesen? So etwa Jürgen Habermas, aber auch der große Rechtsphilosoph Rawls, der ähnliche Fragen hat.
   Es gibt deswegen derzeit sicher nicht eine simple "Wiederkehr der Religion" oder eine "Wiederkehr der Götter", aber Religion hat heute gerade angesichts der großen Aufgaben in unserer Welt auch neue Chancen. Wir müssen sie nur ergreifen und dürfen selber nicht kleingläubig sein.

[9.6.2007]


  Hans-Josef Becker, Erzbischof des Erzbistums Paderborn.   Hans-Josef Becker
Herr Erzbischof, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja.

Wie stellen Sie sich ein solches jenseitiges Leben konkret vor?

Ich denke mir, dass es um die intensivste und die größte und die nach menschlichem Maßstab kaum einholbare, überhaupt nicht einholbare Erfahrung von Liebe und Nähe geht, die Gott uns schenken will. Alles andere kann man nur assoziativ vermuten. Man kann vielleicht sagen: So könnte ich es mir vorstellen. - All das also, was ich an Glücksmomenten, auch in menschlichen Begegnungen, von meiner Kindheit an, erlebt habe, das möchte ich dort schon wiederfinden.

Was gibt Ihnen die Gewissheit, an ein Jenseits glauben zu können?

Mir haben Persönlichkeiten, Menschen, denen ich in meiner Biografie konkret begegnet bin, Anhalt gegeben, mit meinem Verstand, nicht zuletzt auch im Studium der Theologie, darüber nachzudenken. Eines habe ich schon sehr früh gemerkt (ich glaube, da war ich noch nicht ganz zwanzig): Es muss im Leben mehr geben. Und dazu gehört auch die Erfüllung, die Jesus Christus bezeugt hat.
   Ich hoffe, dass ich diese Gewissheit immer als Gabe, als Geschenk weitertragen und sie auch verkünden kann. Der Glaube ist eine Gabe, und die kann nicht geschnitzt und von einem selber zurechtgezimmert werden. Dass ich persönlich glauben kann, ist auch ein Geschenk Gottes.

[21.4.2007]


Herr Schneider, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja.

Wie stellen Sie sich ein solches jenseitiges Leben konkret vor?

Ja, das ist eben schwer, sich das vorzustellen, weil wir nicht wissen, wie es sein wird. Wir haben nur Bilder davon. Aber diese Bilder bringen, glaube ich, etwas Richtiges zum Ausdruck, nämlich dass es uns da sehr gut gehen wird und dass wir da ein für allemal zu Hause sind und dass es da keine Tränen mehr gibt und keinen Krieg und kein Geschrei, sondern dass es dort Frieden gibt und dass wir sozusagen in der Gegenwart Gottes leben werden.

Wie würden Sie dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen? Mit anderen Worten: der Glaube ans Jenseits diene im Diesseits nur den Mächtigen?

Da würde ich sagen, dass es solchen Missbrauch durchaus gegeben hat und vielleicht ab und zu auch mal wieder gibt. Aber er ist nicht die notwendige Konsequenz; denn Glaube heißt ja auch: Wir haben alle Verantwortung wahrzunehmen, auch die Mächtigen. Das bedeutet, es ist eben keine billige Vertröstung, sondern es ist die Herausforderung zur Verantwortung, die Herausforderung, hier verantwortlich zu leben. Das ist damit gemeint. Von daher heißt Jenseitsglaube nicht, dass hier jetzt alles schlecht ist und wir im Reiche Gottes den Ausgleich kriegen, sondern es ist eben Verantwortung, die uns leiten sollte.

[9.6.2007]


  Reinhard Höppner, Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags.   Reinhard Höppner
Herr Höppner, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja, ich glaube, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Das ist auch wichtig für mein Leben.

Wie stellen Sie sich ein solches jenseitiges Leben konkret vor?

Es gibt Dinge im Leben (das merkt man im Laufe der Zeit), die man sich nicht vorstellen kann, bevor sie nicht eingetreten sind, und das gilt auch bezogen auf diese Frage nach dem Leben nach dem Tod.

Wie würden Sie dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen? Mit anderen Worten: der Glaube ans Jenseits diene im Diesseits nur den Mächtigen?

Dazu gibt es eine schöne Geschichte in der Bibel - vom reichen Mann und vom armen Lazarus. Da kommt der arme Lazarus ja in den Himmel und der reiche Mann in die Hölle, und dann schickt nicht etwa der arme Mann Leute zurück in die Welt mit der Botschaft: Im Himmel ist es schön, ertragt mal das Leid auf der Erde! Sondern der reiche Mann versucht Leute auf die Erde zu schicken, die dann sagen: Ihr könnt nicht so weiterleben! Das ist ein deutliches Zeichen: Mit Vertröstung auf den Himmel hat Religion nichts zu tun.

[7.6.2007]


Herr Weihbischof, Sie sind zwar Bischof, aber wir stellen Ihnen die Frage vorsichtshalber trotzdem: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Wenn ich das nicht täte, dann hätte ich nicht zwanzig Jahre lang als Priester Beerdigungen halten können. Da war das die zentrale Botschaft, die auch mich selber in solchen Situationen - und manchmal waren das sehr schwere Situationen - hochgehalten hat.

Wie stellen Sie sich ein solches jenseitiges Leben konkret vor?

Jesus braucht viele Bilder dafür. Das schönste Bild ist das vom Festmahl; das hat etwas mit Gemeinschaft zu tun, mit Erfüllung, mit Freude. Alle anderen Vorstellungen sind, glaube ich, immer nur sehr rudimentär. Ich versuche den Menschen ewiges Leben so klar zu machen: Wenn man sich an einen ganz konkreten, glücklichen Moment in seinem Leben erinnert (der ja oft sofort wieder verpufft ist) und den aufs Unendliche ausdehnt, dann ist das vielleicht so eine Ahnung von ewigem Leben.

Wie würden Sie dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen? Mit anderen Worten: der Glaube ans Jenseits diene im Diesseits nur den Mächtigen?

Das ist die alte Religionskritik des 19. Jahrhunderts, die dann Karl Marx und die Kommunisten aufgegriffen haben. Natürlich kann man das so sehen, wenn man nicht an etwas glaubt, was über das Erfahrbare, das Sinnliche hinausgeht. Aber ich habe so viele Menschen getroffen, die im Grunde Erfahrungen mit dem Jenseits gemacht haben, und zwar im ganz positiven Sinne, dass ich ganz gewiss bin, dass es da irgendetwas gibt.

[27.2.2007]


  Prälat Dr. Josef Sayer, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks "Misereor".   Joseph Sayer
Herr Professor Dr. Sayer, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja, ich glaube daran. Ich denke, dass Jesus [dafür] gelitten hat, gestorben ist und auferstanden ist, dass Gott uns eine Chance gibt, tatsächlich bei Ihm zu sein - in seiner Gemeinschaft mit allen Menschen zusammen.

Und wie stellen Sie sich dieses Leben konkret vor?

Ich stelle mir das so vor, dass "Gemeinschaft bei Gott" ausdrückt, dass die Menschen miteinander nicht mehr Krieg führen, dass da Friede ist, dass wir bei Ihm als dem Gott der Lebens, der Gemeinschaft, der Liebe sein dürfen.

[24.2.2007]


Herr Generalvikar, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja, ganz sicher. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass, wenn mein Leben zu Ende ist und ich sterben muss - und irgendwann wird das ja sein -, alles gänzlich aufhört. Ich habe die Erwartung, dass ich die, die ich kennen gelernt habe, die, die vor mir gestorben sind aus der Familie, wiedersehe - und dass dieses Leben hier letztlich auch keinen Sinn hätte, wenn es ein Leben nach dem Tode nicht gäbe. Für mich als Christ ist schon sehr früh im Gespräch im Elternhaus deutlich geworden, dass ich mein Leben auch vor irgendetwas, vor irgendjemandem verantworten muss.

Wie würden Sie dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen? Mit anderen Worten: der Glaube ans Jenseits diene im Diesseits nur den Mächtigen?

Ich denke nicht, dass der christliche Glaube und das Christentum, so wie es sich hier in der Gesellschaft darstellt, vom Wirken in der Gesellschaft her so bewertet werden kann, als ob man unerträgliche Zustände bewahren wollte. Da spricht jegliche karitative, jegliche diakonale Tätigkeit, jede Hilfe in der Dritten Welt dagegen. Ich glaube nicht, dass heute ernsthaft führende kirchliche Vertreter da wären, die sagten, man dürfe Zustände, die geändert werden müssen, nicht ändern. Christlicher Glaube hat immer Außenwirkung, ist immer missionarisch und auf Verbesserung der Zustände ausgerichtet.
 

[20.8.2007]


  Theo Ahrens,
Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung
im Erzbischöflichen Generalvikariat
des Erzbistums Paderborn.
  Theo Ahrens
Herr Ahrens, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja, sicher. Das älteste Glaubensbekenntnis im Neuen Testament ist das Bekenntnis zur Auferstehung Christi.
   An das "Leben nach dem Tod" glauben eher die alten Griechen oder, in etwas anderer Form, die Buddhisten. Deshalb würde ich für mich die Frage eher in Richtung Auferstehung drängen, weil das dem christlichen Glauben mehr entspricht. Der ganze Mensch ist für Gott wichtig, nicht nur, was sein Leben hier auf der Erde betrifft, sondern was sein Leben überhaupt angeht, auch über den Tod hinaus.
   Das ist für mich deshalb bedeutsam, weil man sonst, wie man einmal im Glaubensbekenntnis der Würzburger Synode in den siebziger Jahren gesagt hat, den Sinn des Lebens halbieren wollte. Wenn nur die gelten, die hier im Leben Erfolg haben, was ist dann mit denen, die diesen Erfolg nicht haben, die benachteiligt sind? Die Frage nach der Gerechtigkeit und die Frage nach der Auferstehung sind in der biblischen Botschaft ganz eng miteinander verbunden. Das eine kann es nicht ohne das andere geben.

Wie würden Sie dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen? Mit anderen Worten: der Glaube ans Jenseits diene im Diesseits nur den Mächtigen?

Ich sagte eben, dass im Auferstehungsglauben die Frage der Gerechtigkeit eine ganz große Rolle spielt. Ich möchte nicht, dass die, die hier auf der Erde Erfolg, die Power, die Geld haben, gegenüber denen, die aus welchen Gründen auch immer nicht mitkönnen, sozusagen automatisch im Vorteil sind und als die bewertet werden, die ein besseres Leben führen. Insofern ist für mich der Glaube an die Auferstehung unter dem Aspekt der Gerechtigkeit ganz wichtig. Und Gerechtigkeit will immer auch Veränderung, dient also sicherlich nicht den Mächtigen.

[20.8.2007]


  Jürgen Fliege, evangelischer Pfarrer und TV-Moderator ("Fliege").   Jürgen Fliege
Herr Fliege, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja. Ich glaube auch an ein Leben vor dem jetzigen. Ich glaube daran, dass ich schon da war, bevor ich am 30.3.1947 von meiner Mutter geboren worden bin. Und ich glaube auch, dass ich, wenn ich gestorben bin, zu meiner Familie zurückkehre, also zu meinen Ahnen, den Großeltern und all denen. Das ist mir ein großer Trost und gibt mir eine große Gelassenheit. Ich lande wie jeder Wassertropfen am Ende im Ozean; aber ich bin nicht "weg".

Wie würden Sie dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen? Mit anderen Worten: der Glaube ans Jenseits diene im Diesseits nur den Mächtigen?

Das ist Quatsch, weil: Wir brauchen eine Lebensperspektive auf diesem Planeten, die nicht nur zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig Jahre währt. Ich muss meine gesamte Familie im Blick haben; das ergibt schon ein paar hundert Jahre - also Großeltern, Urgroßeltern und auch die Kinder und Kindeskinder, die da kommen. In anderen Religionen nennt man das beispielsweise Wiedergeburt: Du kommst zwanzig Mal wieder. Damit hat man eine Lebensperspektive, die sich über tausend Jahre erstreckt; und so müssen wir entscheiden. Wenn man denkt: Du hast nur fünfzig, sechzig Jahre!, dann trifft man automatisch die falschen, nämlich die Hier-und-jetzt-Entscheidungen - ohne Konsequenzen. Deshalb braucht man - und nur dazu hat man Religion - einen Überblick über fünfhundert Jahre.

[7.6.2007]


Frau Leifeld, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich glaube an ein Leben nach dem Tod, ja. Der Tod ist nicht das Ende von allem, auf keinen Fall. Ich glaube sogar, danach ist das ewige Leben.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Ich glaube, das ist das große Geheimnis und das Vertrauen von uns als Christen, dass das etwas Gutes ist. Farblich stelle ich mir das vor: gelb, rot, orange - warm. Da ist Licht. Da ist Leben. Das ist gut. - Was dann kommt, das ist gut.

Und was macht Sie so sicher in Ihrem Glauben?

Es gibt manchmal Erzählungen von Leuten, die eine schlimme Krankheit hatten, aus der Narkose nicht aufgewacht sind, später aber doch wiedergeholt wurden. Das habe ich auch selbst bei meiner Oma erlebt. Sie war quasi schon tot, ist dann aber "wiedergeholt" worden (obwohl das ein bisschen dumm ausgedrückt ist), und die sagte dann auch: Da war ein Tunnel, und am Ende war Licht, und das war ganz, ganz schön.
   Auch aus Büchern [beziehe ich da meinen Glauben]. Wenn ich in der Bibel Textstellen lese, dann nehme ich das mit und denke: Ja, das ist etwas Gutes.

[24.2.2007]


  Catherine Rox-Dornberg, Misereor-Mitarbeiterin, Dolmetscherin.   Catherine Rox-Dornberg
Frau Rox-Dornberg, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich bin fest überzeugt davon, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich glaube einfach, dass Gott die Liebe ist und dass wir nur sehr begrenzt in der Lage sind, [diese Liebe] jetzt selber zu leben. Und ich glaube, dass einfach nach dem Tod die Wünsche - nicht materieller Art natürlich -, die wir haben, in Erfüllung gehen werden und dass es ein Leben in Liebe und Frieden geben wird. Davon bin ich fest überzeugt, ja. Dafür lebe ich. In diesem Glauben lebe ich.

[22.2.2007]


Frau Panicker, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Beim Tod verlieren Sie nur Ihren Körper; Ihre Seele aber behalten Sie. In der hinduistischen Mythologie, so sagen die Gläubigen, hängt das, als was man auf die Erde zurückkommt, davon ab, was man sein möchte. Ein Beispiel: Wenn ich heute eine Tänzerin sein möchte, aber keine geworden bin, werde ich vielleicht, wenn ich darauf hinarbeite, beim nächsten Mal, wenn ich wiedergeboren werde, als Tänzerin zurückkommen.
   Ich glaube im Übrigen, dass das Leben nach dem Tod friedlicher, weniger anstrengend, weniger angespannt als das Leben im Diesseits sein wird. Und Sie werden mit all Ihren Lieben zusammenkommen, die vor Ihnen gegangen sind, bevor Sie selber gehen mussten.

[24.2.2007]


  Pater Don Bosco Onyalla, Kenia.   Don Bosco Onyalla
Father Don Bosco, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja, durchaus.

Und warum?

Meine Antwort aus christlicher Sicht: Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Er war der Erste, der auferstanden ist, und wir alle werden ebenfalls auferstehen. - Die Antwort aus afrikanischer Sicht: Wir glauben an die "lebenden Toten". Diejenigen, die sterben, verschwinden nicht ganz, sondern leben weiter, und wir leben in Gemeinschaft mit ihnen. Insofern gibt es aus dieser Sicht ebenfalls ein Leben nach dem Tod.

Wie stellen Sie sich das Leben im Jenseits vor?

Man kann es sich nur schwer vorstellen. Aber ich glaube, es ist eine spirituelle Art zu leben. Das Leben auf dieser Erde wird nach dem Tod in eine spirituelle Form der Existenz umgewandelt und geht immer weiter und weiter.
   Aber ich glaube auch daran, dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem alle Toten ihren Körper zurückerhalten werden und an dem es auf Dauer eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten geben wird.

[24.2.2007]


Herr Sebeia, gibt es ein Leben nach dem Tod?

Sicher. Ich glaube fest daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich bin jetzt schon dabei, dieses Leben nach dem Tod vorzubereiten. Mit dem heutigen Leben versuche ich das jenseitige Leben vorzubereiten.

Und wie stellen Sie sich das Leben nach dem Tod vor?

Es ist für mich sehr schwierig, mir das vorzustellen, aber ich glaube, dass das ein Ort sein wird, wo wir uns alle lieben, wo wir alle glücklich sein werden und wo wir eine Freude erleben werden, die mit den Freuden hier auf Erden nicht vergleichbar ist.

[22.2.2007]


  Seham Soliman, Mitarbeiterin beim Caritas-Alphabetisierungs-
programm in Ägypten.
  Seham Soliman
Frau Soliman, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich bin ganz sicher, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Nach dem Heiligen Paulus ist es auch viel besser als dieses Leben hier.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Alles Böse, das wir je erleben müssen, wird es dort nicht mehr geben. Es ist ein Leben voller Frieden, voller Liebe. Alle Wünsche, die wir hier haben, werden wir dort erfüllt finden; das werden wir dort alles vorfinden.

Wie verhalten sich dort die Religionen und Konfessionen zueinander?

Ich glaube nicht, dass es da überhaupt irgendwelche Unterteilungen oder Unterschiede geben wird. Denn alle werden mit denselben Augen auf Gott sehen - auf Ihn, weil er ja die Einheit bringt.

[22.2.2007]


Frau Wagdy, wie werden sich Ihrer Ansicht nach in einem Jenseits die Religionen zueinander verhalten?

Ich bin mir eigentlich nicht ganz sicher, ob es überhaupt parallele Wahrheiten gibt oder ob es die einzige Wahrheit gibt; deshalb kann ich mir nicht vorstellen, wie die verschiedenen Religionen im Jenseits zueinander stehen werden. Ich glaube aber auch fest an ein Leben nach dem Tod.

Warum?

Für mich hat das ganze Leben eigentlich nur so einen Sinn, wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, in dem auch alles erklärt wird - [die vielen offenen Fragen, warum und inwiefern] das Leben eines jeden Einzelnen einen bestimmten Sinn und ein bestimmtes Ziel hat.

[22.2.2007]


  Professor Li Jinyuan, China, schuf, obwohl nicht Christ, das Hungertuch der Misereor-Fastenaktion 2007.   Li Jinyuan
Herr Professor Li, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja. Ich glaube, jeder hat einen Geist. Und wenn jemand ein Leben lang Gutes getan hat, dann wird dieser Geist in den Himmel aufgehen. Wenn er aber ein Leben lang etwas Schlechtes getan hat, wird er nach dem Tod in die Hölle gehen.

Wie stellen Sie sich das dann konkret vor? Gibt es also nur Himmel und Hölle?

Ja, nach dem Tod gibt es das Paradies (also das Himmelreich) und die Hölle. Aber der Tod bedeutet für mich auch Ruhe. Leben und Tod - das sind für mich natürliche Prozesse. Es heißt: Wo es Leben gibt, gibt es auch Tod. Deswegen ist für mich das Wichtigste, gut zu leben, das Leben zu genießen - mit Freunden zusammen. Was heißt also "gut leben"? Es heißt: sehr viele Freunde haben. Das heißt: mit Freunden zusammen sehr viel Gutes tun. Dann ist jeden Tag das Herz sehr warm. Und wenn das Herz immer warm ist, habe ich innere Ruhe, auch wenn der Tod kommt. Auch wenn ich sterbe, werde ich dann immer noch sehr viele Freunde haben.
   Ich nenne ein Beispiel: Ich verehre den berühmten Dichter Goethe sehr. Dieser deutsche Dichter hat einmal einen wichtigen Satz gesagt: "Der Baum des Lebens ist für immer grün." Diesen Satz finde ich sehr, sehr wichtig. Sehen Sie: Goethe ist schon gestorben, aber er lebt noch in meinem Herzen. Das heißt, für manche Leute gibt es nach dem Tod auch noch ein Leben. Goethe lebt. Beethoven lebt. Diese Leute leben in unseren Herzen.

[24.2.2007]


Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja, wir studieren sogar die Wissenschaft davon - wie das funktioniert mit der Reinkarnation. Dieses Buch hier, diese Bhagavad-gita, das ist das Kernstück unserer Wissenschaft. Da wird alles genau erklärt, was die Seele ist, wie groß sie ist, wo sie situiert ist - alles, was damit zusammenhängt, welche Voraussetzungen sie hat. Das ist sehr interessant.

Und wie stellen Sie sich das Leben nach dem Tod vor?

Es kommt auf unsere diesseitigen Handlungen an. Die Wünsche, die wir jetzt haben, bestimmen unsere Handlungen. Und mit den Handlungen, die wir jetzt ausführen, ist es genauso wie mit dem Bankkonto, auf das man etwas einzahlt, sein spirituelles Guthaben quasi - so kriegt man das dann auch später wieder. Die Bhagavad-gita ist ein Teil der vedischen Schriften; die sind mehr als fünftausend Jahre alt. Das ist das Buch der Weisheit. Und darin wird das ganz genau erklärt.

[28.4.2007]


  Martin Breiwe,
Leiter der Abteilung Projektpartnerschaften des Misereor-Hilfswerks.
  Martin Breiwe
Herr Breiwe, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich glaube daran, ja - in der christlichen Tradition.
   Letztes Jahr ist meine Mutter gestorben, die sehr gläubig war. Und in dem Zusammenhang noch einmal mitzuerleben, welche Kraft ihr in ihrem Sterbeprozess die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod gegeben hat, war eine sehr intensive Erfahrung.
   Auf der anderen Seite: Was genau nach dem Tod passiert, das kann ich mir nicht in Bildern vorstellen.

[26.10.2007]


Herr Schaaf, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Das Schwierige ist ja, überhaupt an Gott zu glauben. Ich glaube an Gott, aber es gibt natürlich auch Zweifel. Der Glaube ist, das wissen wir alle, immer auch ein Ringen. Bei mir überwiegt allerdings der Glaube.
   Wenn nun Gott für die Menschen da ist - "Jahwe" bedeutet ja: "Ich bin der, der immer für euch da ist und der immer für euch da sein wird" -, wenn uns dieser Gott der Zukunft jetzt zur Seite steht, dann wird er uns auch später nicht fallen lassen. Wir haben eine Zukunft in Gott, und zwar für immer.
   Wie die konkret aussieht, das wissen wir natürlich nicht. Aber ich glaube, das ist auch gar nicht wichtig. Schon Paulus hat in seinen Briefen gesagt, dass es darauf nicht ankommt. Das können wir uns auch nicht ausmalen. Wenn wir das könnten, dann wäre es menschlich. "Göttlich" heißt ja, dass es eine Dimension ist, die wir als Menschen nicht mehr erfassen können. Die ist so wunderbar, dass sie sich allen unseren Sinnen entzieht. Aber es wird schön sein, glaube ich.

Wie würden Sie denn dann dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung, um Missstände im Diesseits nicht abstellen zu müssen?

Jesus hat (wie auch schon die Propheten vor ihm) gesagt: Ich will Gerechtigkeit, und zwar hier und jetzt. Dafür müsst ihr Menschen sorgen, sonst habt ihr keine Beziehung zu mir!
   Wenn wir Ungerechtigkeit zulassen oder sogar selber ungerecht handeln, zerstören wir unsere Beziehung zu Gott. Wir müssen also zusehen, dass es auf der Welt gerecht zugeht. Dann ist der Glaube nicht nur eine Verdrängung, nicht nur eine Rechtfertigung, die Verhältnisse hier so zu lassen, wie sie jetzt sind.

[26.10.2007]


  Georg Pahlke,
stellvertretender Leiter des Jugendhauses Hardehausen.
  Georg Pahlke
Herr Dr. Pahlke, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja.

Können Sie kurz beschreiben, wie Sie sich das vorstellen?

Nein, das kann ich leider nicht. Ich habe darüber ganz oft in meinem Leben nachgedacht und immer wieder versucht, mir das vorzustellen. Doch habe ich dabei die Erfahrung gemacht: Je mehr man versucht, sich vorzustellen, wie das konkret aussieht, umso schwieriger wird es, daran zu glauben, weil damit erst die Fragen kommen. Für mich sind in diesem Zusammenhang die Bilder in der Bibel wichtig. Für mich ist da ein ganz wichtiges Stichwort das der "Beziehungen". Ich glaube, dass es im Jenseits um Beziehungen geht, um Beziehungen zu Menschen, die vor mir gelebt haben, die mit mir gelebt haben, und auch um Beziehungen zu Gott.
   Wo das ist, wie das ist, das kann ich mir nicht vorstellen, und ich habe es auch drangegeben, mir das vorzustellen. Die Frage stelle ich mir eigentlich nicht mehr.

Wie würden Sie denn dem Einwand begegnen, der Jenseitsglaube sei nur eine billige Vertröstung und diene eigentlich nur den Mächtigen im Diesseits dazu, ihr Machtfundament zu zementieren?

Dem würde ich immer dann zustimmen, wenn es wirklich so ist, dass Machtstrukturen Menschen unterdrücken und ihnen diese Unterdrückung durch das Versprechen eines besseren Jenseits "schmackhaft" gemacht wird. Dann ist das ein sehr berechtigter Einwand.
   Auf der anderen Seite ist es für mich jedoch keine schlüssige Argumentation gegen die Existenz eines Lebens nach dem Tode. Denn umgekehrt glaube ich, dass es wichtig ist, dass es in einer Welt, in der wir Gerechtigkeit nicht bis ins Letzte schaffen können, die Hoffnung gibt, dass Menschen, denen in diesem Leben hier Ungerechtigkeit widerfahren ist, es im Jenseits dann anders erleben.
   Ein einfaches Beispiel: Wenn ich an die sechs Millionen ermordeten Juden während des Nationalsozialismus denke, dann sträubt sich in mir alles, anzunehmen, dass deren Leben einfach beendet sein soll. Dann hoffe ich, dass sie irgendwo einen Ausgleich finden. Wie der aussieht, weiß ich natürlich nicht. Wie göttliche Gerechtigkeit aussehen könnte, weiß ich auch nicht.

[18.9.2008]


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2007-2012

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