Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht   Zur Übersicht

Das Konzept des Versuchs

Das Szenario

Ein Versuchskonzept war binnen kurzer Zeit entwickelt:

Ein rechteckiger Käfig mit einer Kantenlänge von 2 Metern mal 1 Meter 20 und einer abschließbaren Tür wird in die Mitte des Forums des St.-Ursula-Gymnasiums gestellt. Eine Schulwoche lang führen mehrere schwarz gekleidete Wachleute jeweils zu Beginn der ersten und der zweiten großen Pause teils einzelne, teils zwei bis sechs Schüler in die Halle und "verfrachten" sie in den Käfig, der anschließend erkennbar verschlossen wird. Am Ende der Pause werden die Käfiginsassen vom Wachpersonal "befreit" und in den folgenden Unterricht geleitet. Während der Pause bleiben die Insassen sich selbst überlassen; sie können im Käfig stehen oder (falls möglich) sitzen, dürfen das Gehäuse allerdings nicht verlassen. Fragen von Außenstehenden zu ihrer Situation beantworten sie mit Achselzucken oder verlegen-einsilbig; allenfalls dürfen sie durchblicken lassen, dass sie in dem Käfig "etwas abzubüßen" haben. Die Wachleute halten sich während der gesamten Pause im Hintergrund.

Ziele des Experiments

  Am Pranger
Der wegen Verleumdung und Meineids verurteilte John Waller, der 1732 in London angeprangert und zu Tode gesteinigt wurde (Bild aus dem Newgate Calendar).
Die Ziele des Experiments lagen auf mehreren Ebenen.

Erstens sollte der Versuch überprüfen, wie die äußeren Anzeichen von Delinquenz bzw. Außenseitertum (hier in Gestalt der Käfiginsassen) auf "neutrale" Außenstehende wirken würden: Würden die Umstehenden gleichgültig reagieren? Erklärten sie sich solidarisch mit den Delinquenten? Empfänden sie Mitleid? Unternähmen sie vielleicht sogar Anstrengungen, die "Gefangenen" zu befreien? Oder solidarisierten sie sich - im Gegenteil - mit der durch die Wachleute verkörperten strafenden Macht? Mit anderen Worten: Würden sie die Gefangenen hänseln, sie möglicherweise gar tätlich angreifen oder sonst irgendetwas unternehmen, um sie zusätzlich zu demütigen?

Zweitens sollte der Versuch überprüfen, ob sich das Verhalten der Umstehenden im Laufe der Woche ändern würde. Denkbar war, dass die bizarre Situation - Käfighaltung von (missliebigen?) Schülern inmitten der Pausenhalle - zunächst mit Befremden, Interesse, Neugierde aufgenommen werden würde, dass mit der Zeit jedoch ein Gewöhnungseffekt eintreten würde, so dass den Mitschülern die "Outcasts" in der Mitte der Halle als etwas ganz Selbstverständliches erschienen.

Drittens sollte der Versuch natürlich testen, wie sich die "Delinquenten" selbst in ihrer Käfigumgebung fühlten. Wie würden sie mit den (positiven? negativen?) Reaktionen ihrer draußen befindlichen Mitmenschen umgehen? Würden sie sich nach einiger Zeit womöglich tatsächlich als soziale Outcasts fühlen? Welche Bedeutung würden für sie Werte wie "Solidarität", "Hilfsbereitschaft", "Freiheit", "Menschenwürde" usw. vor und nach dem Experiment haben?

Rahmenbedingungen

Zur PDF-Datei
PDF-
Datei:
Frage-
bögen

Die Begleitung und Auswertung des Versuchs war nicht ganz einfach, da die Gefahr bestand, dass zu aufdringliches Beobachten die unvoreingenommenen Pausenhallenbesucher beeinflussen würde. Zur Aufzeichnung des Versuchsverlaufs wurden folgende Maßnahmen vorgesehen:

Der Versuch konnte natürlich nur "funktionieren", wenn die Besucher der Pausenhalle uneingeweiht, im experimentellen Sinne also "naiv" waren. Entsprechend hatten die "Gefangenen", die "Wärter", die Beobachter und die Versuchsleitung vor dem Experiment striktes Stillschweigen über Verlauf und Ziele zu wahren.

Selbstverständlich wurde eingeplant, Agenten, die mit der möglicherweise angespannten Situation nicht zurecht kommen würden, jederzeit aus dem Experiment aussteigen zu lassen.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter