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Projekttagebuch: Mittwoch, 12.3.2008

Mittwoch, 12.3.2008, 9.30 Uhr (erste große Pause)

Diesmal ist es ein erkennbar ungleiches Team, das den Käfig bevölkert: einerseits Kilian (kräfig, groß), andererseits Laura (klein und zierlich).

Das Interesse an den beiden ist eher gering. Zwar hat Kilian, der zeitweilig auf dem Boden sitzt, eingedenk der Erfahrungen vom Vortag ein "etwas mieses Gefühl", doch sind diese Sorgen unbegründet: Man lässt die beiden weitgehend in Ruhe.

Die Zuschauerschaft vor dem Käfig hat sich ausgedünnt. Nur einige Fünft- und Sechstklässler stehen herum und stellen ein paar Fragen - erstmalig auch danach, wie sich die Insassen fühlen. Wieder wird den Eingesperrten zum Schein Essen angeboten, zudem klettern ein paar Jungen auf das Gitter, doch gibt es auch andere, die ihren Mitschülern sagen, sie sollten die Gefangenen "in Frieden" lassen.

Einige befragte Umstehende finden den Käfig schlichtweg "seltsam".


Mittwoch, 12.3.2008, 11.30 Uhr (zweite große Pause)

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Beob-
achter
  Kilian
Kilian, stehend.

Auch in der zweiten großen Pause stehen nicht viele Leute um den Käfig herum. Allenfalls ist zu beobachten, dass sich Freunde und Bekannte den Insassen nähern und versuchen, mit diesen ins Gespräch zu kommen.

Inzwischen machen drei alternative Gerüchte, was es mit dem Käfig auf sich habe, die Runde. Erstens: Das Käfig-Szenario sei ein Projekt des Sozialwissenschaften- bzw. Politik-Unterrichts (ohne dass genaue Zielvorgaben genannt werden). Zweitens: Es handele sich um eine Strafaktion der Schulleitung. Man werde dort eingesperrt, wenn man etwas ausgefressen habe, beispielsweise nach einem Klassenbucheintrag. Drittens: Das Szenario diene dazu herauszufinden, "wie sich Tiere im Zoo fühlen". Erklärung 3 wird, wenn man sich umhört, für die wahrscheinlichste gehalten.

Trotz des mäßigen Interesses kommt es aber auch in dieser Pause zu dem einen oder anderen Vorfall. So wird Kilian von einem Jungen mit einem Schirm geärgert. Erneut werfen Fünft- und Sechstklässler Geld in den Käfig, und auch der Müll am Käfigboden nimmt zu.

Am Ende der Pause stehen allerdings nur noch zwei Personen am Gitter. Beim Herauslassen fragen einige jüngere Schüler die Gefangenen nach wie vor nach dem Grund ihrer Inhaftierung und schauen, auch als die Insassen schon längst weg sind, weiterhin versonnen in das - nun leere - Käfiginnere.

Kilian zeigt sich erleichtert und ein wenig enttäuscht zugleich: Die zweite Pause sei "total locker" gewesen.


Mittwoch, 12.3.2008, 13.20 Uhr (dritte große Pause)

In der dritten großen Pause nehmen Florian H. und Florian B. hinter Gittern Platz. Beide sind "käfiggeschädigt": Der eine wurde am Vortag mit Wasser übergossen, dem anderen hat man die Haare angesteckt. Dennoch sind beide heute ganz zuversichtlich.

Tatsächlich bietet die Pause keine besonderen Vorkommnisse. Ein paar Zurufe und Neckereien sind zu hören; ansonsten bleibt der Aufenthalt der beiden Gefangenen unspektakulär.

Nach dem turbulenten Dienstag ist der Mittwoch also auffällig ruhig - Grund genug für das Projektteam, sich erneut Gedanken über die Versuchsanordnung zu machen. Vielleicht lässt sich ja nun, da sich allmählich Gewöhnung einzustellen scheint, durch weitere Veränderungen des Szenarios die Stimmung wieder ein bisschen "anheizen".


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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