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Projekttagebuch: Donnerstag, 13.3.2008

Donnerstag, 13.3.2008, 9.30 Uhr (erste große Pause)

  Laura
Laura.

Heute finden sich zunächst zwei Mädchen im Käfig ein: Laura und Karina.

Um sie herum stehen fast ausschließlich Fünftklässler und ein paar Mitschüler aus Parallelklassen, die nach eigenen Aussagen über das Projekt "Bescheid wissen", ohne dies allerdings näher spezifizieren zu können. Viele Umstehende sind nach wie vor der Meinung, es handele sich um einen Selbstversuch, um die Gefühle von Tieren im Zoo nachzuvollziehen. Den meisten Befragten sind die Gründe für das Szenario aber ohnehin gleichgültig.

Wieder gibt es einen "harten Kern" von Schülern, die sich am Käfig zu schaffen machen. Sie suchen extra Müll zusammen, um ihn anschließend ins Gehege zu werfen. Auf Nachfrage geben sie an, den Käfig "aus Langeweile" zu traktieren. Einige jüngere Schüler rütteln an den Stäben und versuchen die Kabelbinder, die den Käfig zusätzlich stabilisieren, zu durchtrennen. Allerdings nimmt wiederum niemand die Befestigungsschrauben des Gitters in Angriff. Am Ende der Pause wollen einige Jungen den Käfig umwerfen, was ihnen freilich nicht gelingt. Insgesamt haben all diese Aktionen einen eher sporadischen Charakter.

Die Mehrheit der Pausenhallenbesucher zeigt sich desinteressiert. Dies gilt auch und gerade für die Gruppe von Realschülern, die sich am Dienstagmittag durch ihre Feuerzeug-Aktion hervorgetan haben. "Mädchen werden mehr in Ruhe gelassen", resümiert Laura dann auch nach dem Pausengong.

Beim "Freilassen" der beiden Eingesperrten steht kaum noch jemand um das Gittergefängnis herum. Lediglich ein kleines Mädchen schaut ungläubig in das Käfiginnere.


Donnerstag, 13.3.2008, 11.30 Uhr (zweite große Pause)

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In der zweiten großen Pause halten sich nicht mehr zwei Mädchen im Käfig auf, vielmehr findet sich ein "gemischtes" Paar ein: Karina und Marco. Und noch eine weitere Veränderung ist zu verzeichnen: Der Versuchsleiter hat zwischendurch vier Schilder an den Gitterstäben befestigt. Neben der Eingangstür hängen ausgefranste Zettel mit den Aufschriften "Bitte hier füttern!" und "Versager", auf der gegenüberliegenden Seite klebt ein drittes Blatt mit der Aufschrift "Opfer". Ein vierter Zettel mit dem Vermerk "Abschaum" baumelt lose an der Käfigdecke.

Die Aufschriften sind nicht willkürlich gewählt, sondern von den Zurufen der Umstehenden in den letzten drei Tagen inspiriert. Möglicherweise, so das Kalkül des Projektteams, beflügeln die Formulierungen die Aktivitäten der Umstehenden.

In der Tat ist es in dieser Pause um den Käfig herum erheblich unruhiger als in der ersten. Viele Schüler lesen die Schilder, lachen die Gefangenen daraufhin aus und zerren an den Gittern herum. Zum ersten Mal seit dem Mittwochmorgen klettert wieder ein Junge am Käfig hoch. Ältere Schüler schmeißen größere Mengen Müll hinein. Die Insassen werden gekitzelt. Und auch die Realschüler-Gruppe tritt endlich wieder in Erscheinung und gibt spöttische Kommentare ab.

Im Laufe der Pause werden zwei der angeklebten Schilder - "Versager" und "Opfer" - abgerissen, allerdings nicht, um die Käfiginsassen von einem Makel zu befreien, sondern um sie Mitschülern auf deren Tornister zu heften. Das "Abschaum"-Schild bleibt hängen, da es an der Käfigdecke nur schwer zu erreichen ist.

Kreativ gehen die Umstehenden mit dem "Bitte hier füttern"-Schild um, indem sie es durch einen selbst entworfenen, auf Kästchenpapier geschriebenen Zettel ergänzen: "Affen im Sonderangebot - knallhart reduziert. Vorher: 10 Euro, jetzt nur: 9,99 Euro unverbindliche Preisempfehlung!!! Aus guter Haltung". Das Papier ist in drei verschiedenen Farben (Grün, Gelb und Rot) beschrieben. Dies und einiges andere spricht dafür, dass es sich um ein Gemeinschaftswerk handelt. So ist unter anderem nachträglich das Wort "nur" in "vür" (statt "für") verschlimmbessert worden.

Insgesamt präsentiert sich die Szene um den Käfig zwar nicht so aufgewühlt wie am Dienstag, jedoch deutlich belebter als am Mittwoch.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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