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Nachtrag: Montag, 31.3.2008

Montag, 31.3.2008, 9.30 Uhr (erste große Pause)

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  Lehrer hinter Gittern
Ein Lehrer hinter Gittern.

Zwei Wochen nach dem Experiment. Zwischenzeitlich hat es Osterferien gegeben; gleichwohl steht der Käfig jetzt, am ersten Schultag, noch immer - oder besser gesagt: schon wieder - im Forum. Ungewöhnlich daran ist: Diesmal hat sich ein Lehrer hinter Gittern eingefunden. Am Ende der zweiten Unterrichtsstunde ist Wolfgang D. von den Wachleuten abgeholt und eingeschlossen worden. Pünktlich zum Pausengong steht er mit leicht betretenem Gesichtsausdruck in seinem Gefängnis.

Als die ersten Schüler in der Pausenhalle eintreffen, zeigen sie sich kurzzeitig überrascht und belustigt. Dann gehen sie jedoch schnell zur Tagesordnung über. Großes Aufsehen erregt die Lehrkraft jedenfalls nicht. Zwar nähern sich einige Neugierige, weniger aus der Unter-, sondern mehr aus der Mittel- und Oberstufe; mehrere betrachten ihn "aus dem Augenwinkel"; zwei Schüler fragen gar scherzhaft, ob der Gefangene gefüttert zu werden wünscht, und reichen ihm ein Bonbon. Insgesamt bleibt das Interesse jedoch gering.

Auffällig ist, dass die Umstehenden sich überwiegend vom Käfig abwenden. Auch halten sie unabgesprochen eine Art Sicherheitsabstand von etwa 40 bis 50 Zentimetern ein. Berührt wird der Käfig kaum. Allenfalls hinter Wolfgang D.s Rücken wagen es zwei Unterstufenschüler, die Gitterstäbe zweimal kurz anzufassen.

Hin und wieder wird der Gefangene angesprochen und nach dem Grund seines Aufenthalts gefragt. Er gibt einsilbig Antwort, das wisse er auch nicht genau; er sei halt von den Wachleuten eingesperrt worden. Auch als die Umstehenden versuchen, Späße zu machen (beispielsweise indem sie mutmaßen, der Lehrer bekomme Geld für seine Aktion), bleibt er ernst, und so kommt die Kommunikation bald zum Erliegen.

Gegen Ende der Pause wird einmal kurz am Käfig gerüttelt; ansonsten verläuft der Versuch unspektakulär. Bezeichnend ist, dass, im Gegensatz zu den Szenarien mit den jugendlichen Gefangenen, der Boden des Käfigs nach der Pause wie geleckt aussieht. Nicht ein einziges Stückchen Papier, keinerlei Essensreste und erst recht keine Geldstückchen sind hineingeworfen worden. Kursmappe und Buch, die der Lehrer aus dem Unterricht mitgebracht und vor sich abgelegt hat, sind unversehrt.

Nach der Pause erklärt Wolfgang D. zwar, er habe sich zeitweilig schon "wie im Zoo" gefühlt. Objektiv gesehen haben sich die "Zoobesucher" jedoch, gemessen an den vorherigen Versuchen, in seinem Fall sehr zurückgehalten.


Montag, 31.3.2008, 11.30 Uhr (zweite große Pause)

In der zweiten großen Pause bleibt der Käfig leer. Mehr noch: Sein Schloss fehlt. Die Gittertür ist zwar zu, aber nur angelehnt.

In der ersten Hälfte der Pause passiert gar nichts. Das Gittergehege wird völlig ignoriert. Vielleicht warten die Umstehenden auch ganz einfach darauf, dass irgendein Gefangener erst noch "gebracht" wird.

Als sich abzeichnet, dass dies nicht der Fall ist, beginnen einige Schüler der Unterstufe vorsichtig, sich näher für den Käfig zu interessieren. Schnell finden sie heraus, dass die Tür unverschlossen ist. Ab diesem Augenblick ändert sich die Stimmung schlagartig. Einige - ausschließlich männliche - Schüler dringen in das Gehege ein; andere werden hineingeschubst, und als die ersten wieder nach draußen drängen, gibt es ein paar Rangeleien. Von drinnen wird geschoben, von außen wird die Tür zugedrückt. All dies geschieht jedoch unter Gelächter. Die Gitterstäbe sind mehr Spielplatzgerüst als Gefängnis.

Bemerkenswert ist, dass auch jetzt nicht mit Müll geworfen wird. Lediglich ein Junge schlappt eine Bananenschale gegen das Gitter, um damit seinen drinnen befindlichen Klassenkameraden zu ärgern. Er lässt die Schale jedoch nicht fallen, sondern steckt sie anschließend weg, so dass der Boden, ähnlich wie schon in der ersten Pause, keine Verschmutzungen aufweist.

Von den Schülern, die der Unterstufe entwachsen sind, interessiert sich für den Käfig fast keiner; umstehende Mädchen wenden sich ohnehin ab. Alles in allem bleibt das Gittergerüst in dieser Pause auffällig unbeachtet.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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