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Lisa, Gefangene

Warum haben Sie an dem Experiment als Gefangene teilgenommen?

Einfach aus Neugier, um herauszufinden, wie die Passanten reagieren, und um festzustellen, ob meine schauspielerischen Fähigkeiten ausreichen, unsere depressive Einstellung rüberzubringen.

Wie haben Ihre Familie, Freunde, Bekannten auf Ihre Entscheidung reagiert?

Familie und Freunde fanden es eigentlich gut und interessant, wobei sich meine Mutter schon ein paar Sorgen gemacht hat.

Wie haben die Passanten auf Sie reagiert?

Unterschiedlich. Einige reagierten unfreundlich und beleidigend, andere boten Hilfe an und zeigten Mitgefühl.

Stimmten die Reaktionen der Passanten mit dem überein, was Sie vorher vermutet hatten? Inwiefern gab es Abweichungen?

Ich hätte eigentlich nicht mit so vielen unfreundlichen Reaktionen gerechnet, schon gar nicht von den älteren Passanten. Dass jemand so weit geht und das Schloss knacken will, hätte ich allerdings auch nicht gedacht.

Wie erklären Sie sich die Reaktionen der Passanten?

Missverständnisse und Neugier, unbefriedigte Neugier, sind, denke ich mal, die Auslöser für die Reaktionen der Passanten gewesen.

Welche Reaktionen der Passanten haben Sie am meisten (positiv oder negativ) überrascht?

Die Reaktion der Frau, die uns "retten" wollte, hat mir am besten gefallen, da sie sich wirklich für uns eingesetzt hat. Am negativsten fand ich die Beleidigungen älterer Menschen, wie zum Beispiel: "Die sitzen da wie die Affen!" oder "Dumme Blagen - reden nicht!" - Für uns persönlich haben sie sich gar nicht interessiert.

Wie hätten Sie als Passantin auf einen Käfig auf dem Marktplatz reagiert? Genauso? Anders?

Ich hätte gefragt, warum die Gefangenen darin sitzen und wie es ihnen geht. Ich denke, ich hätte ihnen auch Essen und Trinken angeboten. Die Polizei hätte ich nicht eingeschaltet, weil ich persönlich die Situation nicht allzu ernst genommen hätte, also auch ein Experiment dahinter vermutet hätte.

Was haben Sie während des Versuchs empfunden?

  Lisa und Corinna
Lisa und Corinna.
Am Anfang musste man sich erst einmal in seine traurige und unglückliche Rolle einfügen, und am Anfang war es auch schwer, ernst zu bleiben. Mit der Zeit jedoch gewöhnte man sich an "den Blick" und "die Haltung" und man blieb ernst.
   Bei Passanten, die unfreundlich reagierten, war ich manchmal schockiert und habe ihr Verhalten nicht ganz verstanden. Wenn Passanten Empörung und Mitgefühl zeigten, tat es mir manchmal schon leid, dass diese Menschen sich ernsthafte Gedanken um uns machten, und da fiel einem das "Lügen" schon mal sehr schwer.
   Als die Frau uns befreien wollte, war für mich eigentlich so der Hochpunkt des Experiments, weil wir nicht wussten, wie wir reagieren sollten. In dem Moment hatte ich irgendwie Schuldgefühle gegenüber der Frau, da ich sie ja "belogen" hatte, und fühlte mich sehr schlecht in meiner Haut. Gegen Ende wurde das Gefühl dann immer weiter verstärkt, da viele Passanten deutlich betroffen waren.

Was halten Sie von der Wiedereinführung eines "Käfigprangers" - speziell zur Bestrafung von Jugendkriminalität?

Ich denke, dass es sinnlos ist, so einen Käfig einzuführen, weil man seine Umwelt ja eigentlich ignorieren kann und man auch einen "Schutz" durch den Käfig hat. Ich denke nicht, dass man dadurch aus seinen Fehlern lernt, es sei denn, dass die Mitmenschen wüssten, was man verbrochen hat.
   Allgemein finde ich die Idee jedoch nicht gut.

Würden Sie ein weiteres Mal an einem solchen Käfig-Experiment teilnehmen?

Ja, bei einigen Änderungen, zum Beispiel einer "erhellenden" Beschriftung des Käfigs, auf jeden Fall. Ich fand es sehr spannend und aufregend in dem Käfig, da so viele verschiedene Meinungen der Passanten auf einen einprallten. Vor allem in einer Großstadt, wie etwa Köln, wäre es sicher interessant, Meinungen aus allen Altersklassen und vielleicht auch von Außenseitern wie Obdachlosen zu hören.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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