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Corinna, Gefangene

Warum haben Sie an dem Experiment als Gefangene teilgenommen?

  Corinna
Corinna.
Weil ich es interessant fand herauszubekommen, wie die Passanten reagieren würden, und weil ich es außerdem eine gute Erfahrung fand, diese Reaktionen so mehr oder weniger wehrlos hinzunehmen.

Wie haben Ihre Familie, Freunde, Bekannten auf Ihre Entscheidung reagiert?

Meine Familie fand es gut, dass ich mich zu so einem Experiment bereit erklärt habe, und war gespannt, was ich danach erzählen würde. - Freunde und Bekannte haben es einfach neutral hingenommen.

Wie haben die Passanten auf Sie reagiert?

Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich und gingen von misstrauischen bis abwertenden Blicken bis hin zu Beleidigungen ("Scheiß Blagen!", "Affen im Käfig, die können nicht sprechen!"). Andere Passanten waren wirklich interessiert, jedoch nur wenige hatten echtes Mitgefühl.

Stimmten die Reaktionen der Passanten mit dem überein, was Sie vorher vermutet hatten? Inwiefern gab es Abweichungen?

Ich hätte nicht erwartet, dass uns so viele Leute ansprechen. Ich habe eher mit Ignoranz gerechnet, was sich ja ein Stück weit auch bestätigt hat, da die meisten Leute nur oberflächlich wissen wollten, warum wir im Käfig sitzen.
   Was mich überrascht hat, ist, dass eigentlich niemand gefragt hat, ob wir wirklich Hilfe brauchen, ob es uns gut geht.
   Die Frau, die versucht hat, den Käfig aufzubrechen, hat natürlich alle meine Erwartungen übertroffen.

Wie erklären Sie sich die Reaktionen der Passanten?

Die Reaktion derjenigen Passanten, die eher ignorant an uns vorbeigingen, erkläre ich mir damit, dass diese wohl geahnt haben, dass es sich um ein Projekt oder einen Versuch handelt. Dass die Menschen, die von uns erfahren haben, dass wir "unsere Strafe" absitzen, wieder gegangen sind, lässt sich wohl dadurch erklären, dass sie uns nicht geglaubt haben.
   Die Menschen, die uns anscheinend doch geglaubt haben und auch entsetzt waren, haben sich vielleicht nicht getraut zu handeln, weil sie Angst hatten, sich zu blamieren, weil ja auch sonst niemand - von ein bis zwei Ausnahmen abgesehen - reagiert hat.

Welche Reaktionen der Passanten haben Sie am meisten (positiv oder negativ) überrascht?

Negativ überrascht hat es mich, dass viele Passanten aggressiv wurden, wenn sie von uns nichts Näheres erfahren haben, warum wir im Käfig saßen. Obwohl wir offensichtlich nicht freiwillig dort saßen, haben sie uns verbal angegriffen.
   Positiv hat mich die engagierte Frau überrascht.

Wie hätten Sie als Passantin auf einen Käfig auf dem Marktplatz reagiert? Genauso? Anders?

Ich denke, ich hätte ähnlich wie die meisten Passanten reagiert. Ich hätte nachgefragt, warum die Menschen im Käfig eingesperrt sind, und hätte mich dann, je nachdem, wie glaubwürdig die Antwort gewesen wäre, bei den Umstehenden erkundigt, ob jemand etwas Genaueres weiß. - Wahrscheinlich hätte ich aber nicht in das Geschehen eingegriffen.

Was haben Sie während des Versuchs empfunden?

Zu Beginn des Versuchs war ich erschrocken über die oft abfälligen Bemerkungen der Vorübergehenden. Teilweise hat mich die ungläubige Reaktion einiger Passanten, die sich dann außerdem noch lustig gemacht haben, richtig aggressiv gemacht.
   Zur Mitte des Experiments hatte man sich einigermaßen an die Reaktionen gewöhnt, und ich hatte ein neutrales Gefühl, das sich nicht viel verändert hat.
   Zum Ende des Versuchs standen mehrere ältere Menschen um den Käfig, die sich entrüstet haben, sehr großes Mitgefühl mit uns hatten und auch versucht haben, uns irgendwie zu befreien oder andere Menschen zu mobilisieren. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich sehr unwohl gefühlt, da diese Menschen sich um etwas Gedanken gemacht haben, was eigentlich nur inszeniert war. Ich habe mich eher wie eine "Betrügerin" gefühlt und war dann froh, den Käfig verlassen zu können.

Was halten Sie von der Wiedereinführung eines "Käfigprangers" - speziell zur Bestrafung von Jugendkriminalität?

Ich halte nichts von der Einführung, da ich glaube, dass gerade kriminelle Jugendliche durch die Reaktion der Passanten nur noch aggressiver werden würden und es für sie keine wirkliche Strafe wäre, sondern vielleicht sogar eine Möglichkeit, Mitmenschen, also Passanten, zu beschimpfen.

Würden Sie ein weiteres Mal an einem solchen Käfig-Experiment teilnehmen?

Ich würde auf jeden Fall ein weiteres Mal teilnehmen, da ich es zum Beispiel interessant fände zu testen, wie Menschen in einer größeren Stadt reagieren und ob beispielsweise zu einer späteren Zeit auch Jugendliche stärker auf den Käfig reagieren würden.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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