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Lucas, Gefangener

Warum hast du an dem Experiment als Gefangener teilgenommen?

Leider konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht am Käfig-Experiment in der Schule teilnehmen. Daher wollte ich die Gelegenheit nutzen, diese Erfahrung beim Experiment in der Stadt zu machen.

Wie haben deine Familie, Freunde, Bekannten auf deine Entscheidung reagiert?

Sie waren eigentlich alle erfreut. Meine Mutter hatte Bedenken, ob es nicht zu kalt sei.

Wie haben die Passanten auf dich reagiert?

Die meisten sind einfach vorbeigegangen und haben höchstens neugierig geschaut oder gelacht. Einige - vor allem ältere - Personen blieben aber auch stehen und fragten nach dem Grund, aus dem ich dort saß. Manche vermuteten eine Demonstration als Grund. Andere waren von Mitleid bewegt. Eine ältere Frau schenkte mir eine Packung Bonbons mit den Worten, ich solle mir die Zeit im Käfig etwas versüßen. Ein jüngerer Passant versuchte mit seinen Schlüsseln das Schloss aufzubekommen. Ein älterer Mann war verärgert, dass der Grund für meinen Käfigaufenthalt nicht klar war.

Stimmten die Reaktionen der Passanten mit dem überein, was du vorher vermutet hattest? Inwiefern gab es Abweichungen?

Ich hatte mit mehr negativen Reaktionen, zum Beispiel Bewerfen, Treten oder Verspotten, gerechnet und mich deshalb von der Kleidung her darauf eingestellt. Allerdings hatten viele Passanten eher Mitleid.

Wie erklärst du dir die Reaktionen der Passanten?

Wahrscheinlich waren sie geschockt oder erschrocken, da es eine sehr ungewohnte Situation war. Dadurch bekamen sie Mitleid. Viele waren wahrscheinlich einfach nicht selbstbewusst genug, um mit mir zu sprechen oder zu versuchen, mir zu zu helfen.

Welche Reaktionen der Passanten haben dich am meisten (positiv oder negativ) überrascht?

Dass jemand versucht hat, den Käfig zu öffnen, und dass ich Bonbons geschenkt bekommen habe.

Wie hättest du als Passant auf einen Käfig auf dem Marktplatz reagiert? Genauso? Anders?

Vermutlich wäre ich wie die meisten vorbeigegangen.

Was hast du während des Versuchs empfunden?

  Im Käfig
Im Käfig.
Ich fühlte mich im Käfig schon etwas eingeengt und öffentlich zur Schau gestellt. Eigentlich habe ich fast gehofft, dass mich nicht so viele Leute ansprechen, da es mir unangenehm war.
   Von manchen Leuten fühlte ich mich etwas bedrängt, da sie unbedingt den Grund wissen wollten, warum ich dort sitze, und sie waren teilweise wütend und verärgert, dass ich nicht viel verraten habe.
   Und ich fühlte mich schon etwas hilflos, da ich nicht aus dem Käfig herauskonnte.

Was hältst du von der Wiedereinführung eines "Käfigprangers" - speziell zur Bestrafung von Jugendkriminalität?

Diese Methode der Bestrafung halte ich für zu hart und nicht mehr zeitgerecht. Wenn sich tatsächlich herausstellt, dass der Jugendliche im Käfig eine schwere Straftat begangen hat, ist vermutlich mit brutaleren Reaktionen zu rechnen. Dabei könnte der Jugendliche körperlichen Schaden davontragen oder gar sterben. Außerdem sollte die Bestrafung Jugendlicher eher das Gemeinwohl stärken, etwa durch Sozialstunden, gemeinnützige Arbeit usw.

Würdest du ein weiteres Mal an einem solchen Käfig-Experiment teilnehmen?

Auf jeden Fall wäre ich bereit, nochmal teilzunehmen. Vor allem würde mich interessieren, wie die Reaktionen in der Fußgängerzone einer größeren Stadt sind. Ich fand es nämlich sehr interessant und teilweise auch verwunderlich, wie verschieden manche Leute auf solch einen Käfig reagieren.
   Auch fände ich es spannend, das Experiment mit einer knappen, aber aussagekräftigen Beschriftung am Käfig durchzuführen.
   Des Weiteren kann dieses Experiment den Teilnehmenden, also auch mir, und den Menschen, die davon in den Medien erfahren, eine Lehre sein. Es zeigt, wie wichtig Hilfsbereitschaft und Sozialcourage sind, und gibt den Leuten einen Grund, darüber nachzudenken.
   Allerdings würde ich auch gern anderen die Gelegenheit geben, als Gefangene teilzunehmen und so zu erfahren, wie man sich in dieser Situation fühlt und wie die Mitmenschen reagieren, wenn sie einen anscheinend Unterlegenen in diesem Käfig sehen.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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