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In der Großstadt - Das Konzept des Versuchs

Die Ergebnisse des Versuchs auf dem Attendorner Wochenmarkt waren zwar aufschlussreich, nach Ansicht der Initiatoren möglicherweise aber nur in Maßen repräsentativ.

  Menschenauflauf
Menschenauflauf in der Kölner City.
Zu vermuten war nämlich, dass zumindest ein Teil der Marktbesucher "voreingenommen" auf das Gittergerüst reagierte. Immerhin hatte der Käfig einen Monat zuvor eine ganze Woche lang im Schulforum gestanden; daher war es nicht nur nicht auszuschließen, sondern sogar in hohem Maße wahrscheinlich, dass etliche der etwa 1.400 Schüler der beiden St.-Ursula-Schulen zu Hause von der Aktion erzählt und ihre Eltern und/oder Großeltern damit in gewisser Hinsicht "vorgewarnt" hatten. Hinzu kam, dass das St.-Ursula-Gymnasium in der Region für seine Sozialwissenschaften-Projekte bekannt ist, so dass sich sicherlich auch deshalb einige Vorübergehende nicht verblüffen ließen. Drittens waren die vier Käfiginsassen ortsbekannt, was die Reaktionen einzelner Passanten ebenfalls beeinflusst haben dürfte.

Aus diesen Gründen führten die Initiatoren des Versuchs das Käfig-Experiment ein weiteres Mal durch. Sie wählten diesmal einen Ort, an dem sie und ihr Projekt einen eindeutig geringeren Bekanntheitsgrad aufwiesen und der zudem noch umfangreichere Publikumskontakte versprach: die Kölner Innenstadt.

Eine Erlaubnis zum Aufstellen des Käfigs zu erhalten war in diesem Fall relativ einfach, vielleicht weil die Ordnungsbehörden der Rheinmetropole gewohnt waren, mit allerlei kuriosen Anträgen zur Sondernutzung der öffentlichen Flächen konfrontiert zu werden. Nachdem die zuständige Polizei zur Sache gehört worden war, gab das Ordnungsamt grünes Licht. Gegen eine Bearbeitungsgebühr von 27,50 Euro erhielt die Projektgruppe die auf drei DIN-A4-Seiten ausgeführte Erlaubnis, den Käfig am Samstag, dem 14. Juni, in der Zeit von 10.30 bis 16.00 Uhr auf der Breite Straße in Höhe des Karstadt-Kaufhauses zu platzieren.

Mit dieser Zuweisung konnte die Gruppe sehr zufrieden sein: Die Breite Straße, eine der zahlreichen Fußgängerzonen in der City, gilt zwar nicht als die "Renne" für den touristischen Durchgangsverkehr, ist jedoch ebenfalls stark frequentiert - freilich im Gegensatz zu der bekannteren Schildergasse bzw. der Hohe Straße überwiegend von Einheimischen.

Ähnlich wie in Attendorn umfasste die Planung des Experiments drei Zeitblöcke von jeweils etwa anderthalb bis zwei Stunden (Block 1: 10.30 bis 12.00 Uhr, Block 2: 12.00 bis 14.00 Uhr, Block 3: 14.00 bis 16.00 Uhr). Allerdings sollten in jedem Block jeweils zwei verschiedene Besatzungen nacheinander in der Käfigzelle Platz nehmen. Insgesamt sollten sich so im Laufe des Versuchs also sechs Käfigbesatzungen - zunächst ein Schüler der Klasse 10 und danach fünf weibliche oder männliche Pärchen aus den Jahrgangsstufen 10 und 12 - die Gittertür in die Hand geben. Die maximale Aufenthaltsdauer im Käfig sollte pro Besatzung bei etwa einer Stunde liegen, in der Praxis allerdings von den jeweiligen Publikumsreaktionen abhängig gemacht werden.

Für das Verhalten der Käfiginsassen wurde dieselbe Parole wie auf dem Attendorner Wochenmarkt ausgegeben: Die Gefangenen hatten in demütiger, leicht gebückter Haltung auf dem Boden des Käfigs zu sitzen und auf Nachfrage hin verschüchtert zu antworten, sie hätten etwas ausgefressen, wollten aber lieber nicht darüber reden, um die ganze Sache dadurch nicht noch schlimmer zu machen.

Natürlich blieben die Gefangenen auch in Köln nicht sich selbst überlassen. Jedem Zeitblock war eine Gruppe aus mehreren diskret agierenden Beobachtern zugeordnet, die ihre Eindrücke auf dem inzwischen eingeübten elektronischen Weg (Diktiergeräte, Kameras) aufzeichneten. Insgesamt nahmen 21 Mitglieder der Projektgruppe an dem Versuch in der Domstadt teil.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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