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Eine Passantin

Sie waren ja ganz schnell da und haben versucht, den Gefangenen zu befreien. Wie kamen Sie dazu?

  Befreiungsakt
Ein Befreiungsakt.
Ja, ich bin heute ganz spontan hier vorbeigegangen. Da habe ich da den Käfig mit einem jungen Mann drin gesehen und mir das erst mal angeguckt. Ich hab eine Zeit lang gewartet und bin dann mit ihm in Kontakt getreten. Aber er gab mir so lapidare Antworten. Irgendeine Willenserklärung seinerseits war da nicht heraushörbar. Da habe ich gedacht: Okay, ich muss mir das noch einen Augenblick lang angucken. Und dabei ist eigentlich ganz schnell der Gedanke gekommen, ihn zu befreien. Ich muss zugeben, so ein bisschen habe ich auch gedacht, das ist hier jetzt ein Test. Also, das hatte ich schon auch im Kopf. Ich hätte also auch weitergehen können; aber ich finde, ein Mensch hat nicht eingesperrt zu sein. So habe ich dann reagiert und das Schloss kaputt gemacht.

Sie haben ihm ja wohl noch die freie Wahl gelassen, was er anschließend macht, oder wie war das?

Ja, ich habe das Fahrradschloss einfach nur durchtrennt und habe ihm das mitgeteilt. Ich sagte: So, es ist offen. Er könnte jetzt selber wählen, ob er drinbleiben möchte, wenn er meinte, eine Strafe verdient zu haben. Oder er könnte gehen. Für mich war das in Ordnung. Natürlich hätte jetzt der Nächste kommen können, ihn wieder einsperren können. Ich weiß nicht; vielleicht hätte ich ihn dann wieder befreit. Ich weiß es wirklich nicht.

Was hat Sie gestört: Dass er gefangen war? Oder dass er sozusagen in der Öffentlichkeit gefangen war, sprich: am Pranger gestanden hat?

Also, die Öffentlichkeit habe ich überhaupt nicht gesehen. Ich bin selbst ein bisschen panisch. Und eingesperrt sein, ohne rauszukönnen, nur das allein zählte für mich. Weder ob es ein Mann, eine Frau, ob er jung oder alt war - das war für mich überhaupt nicht interessant. Gar nicht. Ich habe spontan gehandelt und ihn einfach befreit. Sonst nichts.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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