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Zwei Passantinnen

Sie haben jetzt dankenswerterweise die Polizei gerufen, nachdem Sie hier stehen geblieben sind. Sagen Sie uns bitte, was Sie gedacht haben und wie Sie dazu gekommen sind...

  Polizeifahrzeug am Käfig
Polizeifahrzeug am Käfig.
A: Ich habe den beiden jungen Herren da vertraut, dass sie nicht freiwillig in diesem Käfig sitzen. Die haben sehr gut geschauspielert. Ich bin davon ausgegangen, dass die da irgendwie eingesperrt wurden und gegen ihren Willen da drin sitzen. Das ist nicht rechtens. Das ist auch eine Erniedrigung, wenn da einer im Käfig sitzt und alle an dem vorbeigehen und den zu füttern versuchen oder blöd gucken und lachen. Ich kann mir vorstellen, dass das bestimmt nicht angenehm ist, in so einem Käfig zu sitzen.

Es ist aber doch eine Überwindung zu sagen: Jetzt rufe ich wirklich jemanden, zum Beispiel die Ordnungsmacht. Wie war das bei Ihnen?

A: Naja, ich habe mich ja erst mal versichert, ob ich den beiden jetzt glauben kann oder nicht. Na gut, vielleicht bin ich so naiv, aber ich hab denen geglaubt. Von daher habe ich gedacht: Es gibt ja ein Gesetz in Deutschland, demzufolge darf man das nicht, jemanden einfach in einen Käfig einsperren.

Was haben Sie denn gedacht, wer das veranlasst hat? Denn die Obrigkeit wird's ja wohl nicht gewesen sein.

A: Was weiß ich? Vielleicht irgendjemand aus irgendeiner Gang. Ich weiß es nicht. Vielleicht haben die beiden irgendwo was geklaut - dass das dann eine Art von Selbstjustiz war, dass man sie dann einfach eingesperrt hat. Ich weiß nicht; es ist ja nun ziemlich aufwendig, sich so einen Käfig anzuschaffen und hier mittenrein zu stellen. Ich weiß ja nicht, ob es vorher überhaupt schon mal jemandem aufgefallen ist, der Polizei zum Beispiel, dass der hier steht. Na ja, die wusste das vielleicht durchs Ordnungsamt. Aber es braucht anscheinend eine Weile, bis es sonst jemandem auffällt.

Der Käfig steht seit halb elf hier.

A: Okay. Das wird dann als ganz normal betrachtet, weil man das ja schon gewohnt ist, dass es hier irgendwelche Aktionen oder Straßentheater oder so etwas gibt. Und dann geht man erst mal von dem Positiven aus, dass es eh nur ein Scherz ist.

Wenn es Sie tröstet: In Attendorn, wo wir herkommen, gab es auch erst nach drei Stunden den ersten Anruf bei der Notrufzentrale.

A: Okay...

Wollen Sie auch noch etwas sagen?

B: Ich bin ja erst später dazugekommen, hab aber dann die Dame ermutigt, die Polizei zu rufen, weil ich finde, dass das unsere Pflicht ist, nicht weiter zu gehen, sondern halt die Polizei zu rufen. Auch wenn das jetzt ein übler Scherz gewesen wäre (jetzt ist es ja kein Scherz, sondern es soll auf etwas aufmerksam machen), hätte die Polizei kommen müssen, und es wäre dann weiter nichts passiert. Aber wenn es kein Scherz oder keine Aktion gewesen wäre, hätte vielleicht auch Schlimmeres passieren können. Und da, finde ich, ist es einfach unsere Pflicht, die Polizei zu rufen und da stehen zu bleiben und nachzuhaken. Es gab hier mal eine Aktion von der Polizei, die hieß "Zusammestonn, net weiterjonn" ["Zusammenstehn, nicht weitergehn"]. Die fand ich auch gut. Und das sollte jeder hier beherzigen.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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