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Medienreaktionen

Westfälische Rundschau vom 20.6.2008

Befreiung schon nach 30 Minuten

Käfig-Experiment: Passanten in Köln zeigten erheblich früher Zivilcourage als in Attendorn

  Menschenauflauf
Eingesperrt in [der] Kölner Innenstadt.
Vor zwei Monaten stand er auf dem Attendorner Wochenmarkt, jetzt in der Kölner City: der zweieinhalb Quadratmeter große Käfig, den Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 12 des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums für ein sozialwissenschaftliches Experiment gebaut hatten. Darin hockten zwei verschüchtert wirkende Jugendliche. Wenn sie gefragt wurden, warum sie eingesperrt worden seien, erklärten sie, sie hätten etwas ausgefressen, wollten aber nicht darüber reden.

Die Idee, sich in einem Käfig als einer Art modernem Pranger öffentlich zur Schau zu stellen, das Gefühl am eigenen Leib zu erfahren und die Reaktionen der vorbeiströmenden Passanten zu testen, hatten die Schüler der Klasse 10a des St.-Ursula-Gymnasiums und ihr Politiklehrer Frank Kugelmeier.

Auslöser war die Bemerkung Kugelmeiers im Unterricht angesichts zahlreicher "vergessener" Hausaufgaben gewesen, sie hätten großes Glück: im Mittelalter wären sie dafür an den Pranger gestellt worden. Hieraus entwickelten sie die Idee mit dem Käfig, der jetzt vor einem Kaufhaus in der belebten Breite Straße in Köln aufgestellt wurde. Das gab der Attendorner Schülercrew in Köln reichlich Gelegenheit, Reaktionen und Erfahrungen zu sammeln.

Hatte der Käfig in Attendorn bereits Aufmerksamkeit erregt, war diese in der Domstadt umso größer. Teils im Minutentakt erkundigten sich die Passanten nach dem Schicksal der "Gefangenen". Allerdings setzten die meisten ihren Weg danach unbekümmert fort. Einige nutzten die Gelegenheit sogar, ihren Kindern zu drohen, wenn sie sich nicht benähmen, kämen sie genauso hinter Gitter.

Doch es gab [auch] deutliche Zeichen von Zivilcourage: Hatte es in Attendorn drei Stunden gedauert, bis die ersten Passanten das Käfigschloss aufschneiden wollten, so wurde es in Köln bereits nach einer halben Stunde von einer Frau geknackt. "Ich kann nicht dulden, dass da jemand eingesperrt ist. Die Insassen können jetzt selbst entscheiden, ob sie herauskommen wollen oder nicht", erklärte sie und ging weiter. Kurze Zeit später "solidarisierte" sich ein Tourist mit den Gefangenen, indem er etwa zwanzig Minuten lang im Schneidersitz neben dem Käfig Platz nahm.

Am Mittag riefen zwei Passantinnen schließlich die Polizei. Zum Entsetzen der Umstehenden rückten die Beamten, nachdem sie die vom Kölner Ordnungsamt ausgestellte Genehmigung des "Käfigprangers" überprüft hatten, unverrichteter Dinge wieder ab. Ein Straßenkünstler instrumentalisierte den Käfig für seine politische Botschaft, indem er ein Schild mit der Aufschrift "USA - Guantanamo" anheftete.

Am Nachmittag ging es rund um den vermeintlichen Pranger dann noch einmal heiß her. Ein Radfahrer versuchte das Gitter aufzubrechen, um zwei gerade einsitzende Mädchen zu befreien. Auch durch das Attendorner Beobachterteam ließ er sich davon kaum abhalten. Dass hier ein Mann einschritt, war allerdings die Ausnahme. Die meisten, die sich aktiv für die Gefangenen einsetzten, waren Frauen.

Westfälische Rundschau, Nr.142 (20.6.2008), S.ROE_1 und ROE_5.


Ähnliche Berichte, die auf eine Presseinformation der Schule Bezug nehmen, stehen außerdem an folgenden Orten:

Käfigpranger erregte viel Aufmerksamkeit. Attendorner Schüler mit ihrem Experiment in der Domstadt. In: Westfalenpost, Nr.142 (20.6.2008), S.POEK6.

"Käfigpranger" in Köln. Passanten erkundigten sich nach Gefangenen-Schicksal. In: Sauerlandkurier vom 25.6.2008, S.14.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2008-2012

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