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Interview

Holger Drobe Herr Drobe, das Projekt "Move It!" wurde von den Wirtschaftsjunioren Südwestfalen initiiert. Wer bzw. was sind die "Wirtschaftsjunioren"?

Die "Wirtschaftsjunioren" sind junge Führungskräfte, oder anders gesagt: Nachwuchs-Führungskräfte, die einen Dachverband gebildet haben und in verschiedenen Arbeitskreisen zusammenarbeiten. Schwerpunktmäßig werden wirtschaftliche Informationen ausgetauscht. Der Arbeitskreis, in dem ich tätig bin, trägt den Titel "Schule - Beruf - Wirtschaft". Wir suchen den Kontakt zu den örtlichen Schulen, initiieren Aktionen, machen Bewerbertrainings und führen Informationsveranstaltungen durch. Wir kooperieren mit dem Arbeitsamt.

Wie sind Sie selbst zu den Wirtschaftsjunioren gekommen?

Über "Move It!". Während einer Veranstaltung des Arbeitsamts hat mich Ralf Stötzel, der Leiter des Arbeitskreises "Schule - Beruf - Wirtschaft", angesprochen. Ich habe zweimal am Arbeitskreis teilgenommen und mich dann zur Teilnahme entschlossen, weil mir das Gesamtkonzept gefällt.

Sie sind also nicht als "Wirtschaftsjunior" auf "Move It!" gestoßen, sondern umgekehrt über dieses Projekt zu den "Wirtschaftsjunioren"...

Richtig.

Was will "Move It!"?

"Move It!" hat zwei Ziele. Zum einen erlernen die Schülerinnen und Schüler praxisnah, in Form eines Planspiels bzw. einer Wirtschaftssimulation, wirtschaftliche - besonders betriebswirtschaftliche - Grundlagen. Zum andern möchten wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Sport und körperlicher Fitness animieren. Dahinter steckt die Überlegung, dass die Führungskräfte von morgen geistig, wirtschaftlich, aber auch körperlich fit sein müssen, denn gemäß einem alten lateinischen Sprichwort gilt: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.

Ist diese Lehre vom gesunden Geist im gesunden Körper schon eine Art neue Unternehmensphilosophie oder eher etwas, was man im ökonomischen Bereich erst einmal ausprobiert?

Holger Drobe Die Firma "Viega", bei der ich beschäftigt bin, engagiert sich seit Jahren für den Sport; beispielsweise unterstützen wir das heimische Radteam. Ich selbst halte mich mit Fußballspielen und Mountainbiking fit. Nach einem stressigen Arbeitstag ist das für mich ein guter Ausgleich, wenn ich mich körperlich bewegen und so richtig austoben kann. Dadurch fühle ich mich auch fit für den Betrieb.

Ich frage deshalb, weil einige Firmen diese Art von Doppelstrategie - fitter Körper, fitter Geist - ja bereits systematisch betreiben. Es gibt Unternehmen, die machen inzwischen Survival-Trainings für ganze Abteilungen, wobei es dann allerdings nicht vorrangig ums pure Überleben geht (das natürlich auch!), sondern darum, die Truppe enger zusammenzuschweißen.

So philosophisch untermauert ist das bei uns noch nicht. Für bestimmte Bereiche gibt es bei "Viega" ein so genanntes "Aufbautraining", einen Outdoor-Parcours, der sportliche Elemente enthält wie zum Beispiel eine Hochseil-Aktion. Damit soll der Teamgeist innerhalb einer Abteilung entwickelt und gestärkt werden. Systematische Sportangebote gibt es in unserer Firma noch nicht. Allerdings haben sich bestimmte Gruppen, Betriebsgemeinschaften, gefunden, die zum Beispiel zusammen Fußball spielen.

Zurück zu "Move It!": Wie finanziert sich das Projekt?

Über Sponsorengelder. Das heißt, die Wirtschaftsjunioren aus unserem Arbeitskreis sind an verschiedene Firmen herangetreten und haben das Projekt vorgestellt. Wir haben Spenden in Höhe von 50, 100, 500 oder sogar 3.000 Euro bekommen. Auch die Firma "Viega" hat natürlich gesponsert. So sind wir dieses Jahr wieder auf eine Summe von knapp 20.000 Euro gekommen, und die haben wir auch gebraucht.

Was verspricht sich ein Unternehmen wie "Viega" von dieser speziellen Form der Jugendarbeit?

Wir möchten Kontakte in die Schulen herstellen und den Schülerinnen und Schülern zeigen, welche Perspektiven wir ihnen mit einer qualifizierten Ausbildung anbieten können und dass die Berufsausbildung - bzw. der Ausbildungsberuf - auch eine chancenreiche Alternative zum Studium ist. Mit dem Planspiel "Move It!" kommen wir mit den Jugendlichen gut ins Gespräch; wir können ihnen die betrieblichen Abteilungen und Berufsbilder erklären. Die eine oder andere Nachfrage habe ich daraufhin auch schon erhalten.

Nun ist das Planspiel "Move It!" für dieses Jahr zu Ende. Waren Sie mit dem Ablauf und dem Ergebnis zufrieden?

Vor dem Abschlusslauf Ich war positiv überrascht, wie stark das Interesse der Schülerinnen und Schüler ist, wenn sie erst mal in der Materie drin sind. Am Anfang waren die Reaktionen an den fünf teilnehmenden Schulen naturgemäß eher verhalten. Die jungen Menschen haben sich gefragt: Oh, was kommt da auf mich zu?! Da muss ich ja - Stichwort Lauftraining - richtig etwas dafür tun! Aber schließlich war das Engagement doch recht groß. - Aufgefallen ist mir allerdings, dass einige Schüler in der Endphase des Spiels ein wenig abgebaut haben. Die wollten das Ganze einfach zu Ende bringen, wollten Ergebnisse haben. Das galt auch für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des St.-Ursula-Gymnasiums: Die letzten beiden Spielrunden sind - nach soliden Entscheidungen zu Beginn des Projekts - schwächer ausgefallen. Unstrittig ist allerdings, dass die Attendorner sowohl bei der Laufvorbereitung als auch beim Abschlusslauf eine Super-Leistung gebracht haben, mit guten Einzelleistungen, aber vor allem einem guten Ergebnis der gesamten Gruppe.

Was würden Sie beim nächsten Mal anders oder besser machen?

Was mich persönlich betrifft: Ich würde nicht noch einmal zwei Teams betreuen. Es hat mir zwar einen Riesenspaß gemacht, doch es war sehr belastend, sehr zeitaufwendig, zumal die Arbeit im Büro liegen geblieben ist. - Auch innerhalb unserer Arbeitsgruppe haben wir das Projekt "Move It!" Revue passieren lassen. Es gibt Überlegungen, es in Zukunft etwas anders aufzuziehen, vielleicht größer und mit mehr Schulen, möglicherweise auch aus anderen Landkreisen oder Bundesländern, aus dem Hessischen, dem Rheinland-Pfälzischen. Wir müssten das Projekt dann zeitlich strecken. Vielleicht sollten wir auch einmal ein anderes Planspiel auswahlen und das Ganze auf internationaler Ebene durchführen, eventuell eine Gastgruppe aus den Niederlanden, Frankreich oder Großbritannien dazunehmen, um länderübergreifende Vergleichswerte zu bekommen. Für die Schülerinnen und Schüler ist es sicherlich interessant zu sehen, wie die Altersgenossen in anderen Ländern mit den Herausforderungen in einem Planspiel umgehen und zu welchen Ergebnissen sie gelangen. In der Marktwirtschaft herrscht internationaler Wettbewerb; dem muss man sich stellen. Und das kann schon in der Schule anfangen.


Wirtschaftsjunior Holger Drobe, Jahrgang 1969, ist Ausbildungsleiter und Personalreferent der Firma Viega, Attendorn. - Das Gespräch wurde am 30.7.2004 geführt. Die Fragen stellte Frank U. Kugelmeier.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2004-2010

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