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Die Kritik des Augsburger Bischofs

Während die Krippenpläne der Familienministerin von der mitregierenden SPD und den Oppositionsparteien gleichermaßen begrüßt wurden, erntete Ursula von der Leyen in konservativen Kreisen ihrer eigenen Partei, vor allem aber in der Schwesterpartei CSU deutliche Kritik. Interessanterweise erregte diese Kritik jedoch erst in dem Augenblick beträchtliche mediale Aufmerksamkeit, als nicht ein Politiker, sondern ein Kirchenvertreter intervenierte: der Augsburger Bischof Walter Mixa.

Die Initiative der Ministerin sei, so der Bischof am 22. Februar 2007, "schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert". Von der Leyens Familienpolitik diene nicht in erster Linie dem Kindeswohl oder der Stärkung der Familie, sondern sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren", erklärte Mixa anlässlich einer Audienz für den Vorstand des Familienbundes der Katholiken seiner Diözese. Dies, so bemängelte der Geistliche weiter, sei kinderfeindlich: "Die Doppelverdiener-Ehe wird von der Ministerin geradezu zum 'ideologischen Fetisch' erhoben. Wer aber mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleitet, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiert die Frau zur 'Gebärmaschine' und missachtet alle wissenschaftlichen Erkenntnisse über die besondere Mutter-Kind-Beziehung in den ersten Lebensjahren." [1]

Die Denkmuster der Familienministerin erinnerten in beklemmender Weise an die Ideologie der staatlichen Fremdbetreuung von Kindern in der untergegangenen DDR. Die ehemalige DDR habe die höchste Dichte an Kindertagesstätten und zugleich die niedrigste Geburtenrate in Europa aufgewiesen.

Hingegen werde durch die neue Krippenpolitik Frauen, die ihre Kinder selbst erzögen, ein schlechtes Gewissen eingeredet, weil das Kind angeblich zu Hause weniger gefördert werde als durch so genannte Profis. "Die wirklichen Profis für die Erziehung eines Kindes sind dessen Eltern und im Besonderen dessen Mutter", fügte Mixa hinzu. Die Anstrengungen des Staates im Sinne einer modernen Familienpolitik müssten deshalb darauf gerichtet sein, immer mehr Mütter für die zeitlich überwiegende oder ausschließliche häusliche Erziehung ihrer Kinder in den ersten drei Lebensjahren zu gewinnen und dies auch finanziell zu fördern. [2]

Vor diesem Hintergrund machte sich Mixa die Forderung des Familienbundes der Katholiken nach einem Erziehungsgehalt für alle Eltern zu eigen, durch das diese wahlweise die Kosten einer außerfamiliären Betreuung oder die Lohnausfälle in Folge eigener Kindererziehung ausgleichen könnten.

Sechs Wochen nach diesen Äußerungen legte der Augsburger Bischof dann noch einmal nach. Die Politik der Ministerin sei, so gab er am 7. April 2007 der "Passauer Neuen Presse" zu Protokoll, "zutiefst unsozial und familienfeindlich". Der Ausbau von Krippenplätzen für Kleinstkinder sei "gesellschaftspolitisch völlig verfehlt und in hohem Maße ideologiegeleitet". Deutschland brauche vielmehr vor allem stärkere finanzielle Hilfen für Mütter und Familien, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren selbst erziehen wollten. Besonders allein erziehende und finanziell schlechter gestellte Mütter hätten derzeit keine echte Wahlfreiheit zwischen eigener Kindererziehung und Berufstätigkeit. [3]

Auch Mixas Position zur Kinderbetreuung lässt sich statistisch untermauern:

Dass seine "Gebärmaschinen"-Rhetorik kein Zufallsprodukt, kein Versehen gewesen sei, machte Mixa später in einem Vortrag beim Diözesankomitee in Regensburg deutlich: Mit seiner Wortwahl habe er "sehr bewusst und wohlüberlegt einen drastischen Vergleich gewählt, der vielleicht auch deshalb auf so große Empörung in bestimmten politischen Kreisen gestoßen" sei, weil er "eine tabuisierte Wahrheit offen ausgesprochen" habe. [9] An anderer Stelle ergänzte Mixa: "Wäre ich nicht so deutlich geworden, wäre das Thema unter den Tisch gefallen. Das hat mit den Mechanismen unserer Mediengesellschaft zu tun." [10]


©  St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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