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Interview

Dietmar Brockes   Dietmar Brockes,
Jahrgang 1970,
Mitglied des NRW-Landtags (FDP),
wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion

Kirche und Politik

Herr Brockes, wie sind Sie in die Politik und zur FDP gekommen?

Ich habe mich schon früh in der kirchlichen Jugend engagiert, war bei uns vor Ort als Messdiener aktiv. Wir haben zum Beispiel Rockkonzerte und einiges andere organisiert. Irgendwann reichte mir das dann aber nicht mehr; ich wollte mich noch mehr engagieren, auch über den eigenen Ort hinaus. Deshalb bin ich dann in die Politik, zur FDP gegangen. Denn ich liebe gerade die Freiheit. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich dafür einsetzt, dass nicht alles der Staat regelt, sondern dass die Menschen die Chance haben, möglichst viel selbst zu regeln - dass sie eben nicht alles von oben vorgegeben kriegen.

Kirche und Politik - wie passt das zusammen?

Ich finde, es passt gut zusammen. Wie schon gesagt: Ich komme aus der kirchlichen Jugendarbeit, ich bin gläubiger Katholik, und deshalb ist mir mein Glaube im politischen Geschäft wichtig.

Inwieweit dürfen sich denn Kirchenvertreter in die Politik einmischen? Nehmen wir mal die aktuellen Fälle Kinderkrippenpolitik oder Stammzellenforschung.

Es ist sicherlich richtig, dass auch die Kirche ihre Meinung äußert. Sie sollte allerdings parteipolitisch neutral bleiben und rein in der Sache tätig sein.
   Aber selbstverständlich gilt: Die Kirche muss ihre Position in die politische Arbeit mit einbringen, das ist wichtig, denn nur so kann sie auch Gehör finden und ihre Ziele umsetzen.

Diesseits und Jenseits

In diesem Zusammenhang eine eher intime Frage: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja.

Wie stellen Sie sich dieses Leben konkret vor?

Das ist sehr schwierig zu beschreiben; das möchte ich aus dem Stegreif nicht beantworten. Aber ich stelle es mir schön vor.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus Ihrem Glauben für Ihre konkrete politische Arbeit?

Der Glauben ist wichtig. Er spielt bei vielen politischen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Denn wir haben Entscheidungen zu treffen, die auch den Glauben berühren - nehmen wir das Thema Stammzellenforschung. Da ist es wichtig, dass man seinem Gewissen traut und danach handelt.
   Ich finde es zum Beispiel sehr gut, dass es bei solchen Entscheidungen bei uns in der Fraktion keinen Zwang gibt, in die eine oder andere Richtung abzustimmen, sondern dass jeder nach seinem Gewissen entscheiden kann. Ich habe mich aus diesem Grunde für die Stammzellenforschung ausgesprochen, aus meinem Glauben heraus, weil ich sehe, dass wir damit viel Not lindern und viele Krankheiten, etwa Alzheimer, heilen können.

Das Interview wurde am 20.9.2008 in Düsseldorf geführt. Die Fragen stellte Anna Carla Kugelmeier.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2007-2012

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