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Interview

Angela Freimuth   Angela Freimuth,
Jahrgang 1966,
Mitglied des NRW-Landtags (FDP),
Landtagsvizepräsidentin

Kirche und Staat

Frau Freimuth, Kirche und Politik - wie passt das zusammen?

Kirchen sind Mitgestalter unserer Gesellschaft. Sie haben eine sehr wichtige Aufgabe nicht nur in der Seelsorge, sondern auch in der gesellschaftspolitischen Diskussion. Deswegen haben die Kirchen da ihren wichtigen Platz, und Politik wäre klug beraten, Kirchen in politische Diskussions- und Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen - genauso wie (ich sage das ausdrücklich) zum Beispiel Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Kräfte auch.
   Ansonsten, auf der staatlich-strukturellen Ebene, bin ich allerdings für eine sehr strenge Trennung von Kirche und Staat.

Inwieweit dürfen sich denn dann Kirchenvertreter in die Politik einmischen? Ich denke da zum Beispiel an den Fall des Augsburger Bischofs Mixa und seine Äußerungen zur "Krippenpolitik" der Familienministerin oder an die Einwände mehrerer Bischöfe gegen die Stammzellenforschung.

Selbstverständlich dürfen sich die Bischöfe einklinken. Jeder von Ihnen darf ja auch Kritik üben und kommentieren, was aus Ihrer Sicht in einer bundes- oder landespolitischen Entscheidung richtig oder falsch ist. Dieses Recht haben selbstverständlich auch Vertreter der Kirchen - als Bürger sowieso, aber natürlich auch als diejenigen, die bestimmte innerhalb der Kirchen ja meistens in Gremien in demokratischen Entscheidungsprozessen gewonnene Standpunkte vertreten.
   Solche innerhalb der Kirchen demokratisch entstandenen Mehrheitsmeinungen halte ich für völlig legitim. (In den meisten Fällen sind es ja Mehrheitsmeinungen, gelegentlich - auch das kommt vor - sind es aber auch einzelne Kirchenvertreter, die eine andere Bewertung vornehmen.)
   Politische Entscheidungsträger dürfen und müssen solche Standpunkte und Meinungen allerdings nicht "als Gott gegeben" kritiklos übernehmen.

Lassen sich Kirche und Politik immer voneinander trennen?

Bis jetzt dachte ich eigentlich immer: ja. Deshalb macht mich Ihre Frage jetzt nachdenklich. Wenn Sie mir vielleicht ein Beispiel sagen könnten, das Sie im Hinterkopf haben...

Kirche und Politik sind ja bei uns zum Beispiel nicht so getrennt wie in Frankreich - durch den dortigen Laizismus. Kirche und Politik haben bei uns ja immer noch viele Schnittstellen, die Ihrer Forderung nach einer strengen Trennung von Kirche und Staat widersprechen.

Nehmen wir einen konkreten Fall. Ab nächstem Jahr gibt es ja die Abgeltungssteuer, und bislang ist die Kirchensteuer ja nur auf die Einkommensteuer bezogen. Da müssen wir natürlich jetzt im Gesetz die Frage regeln, inwieweit die Kirchen bei der Umstellung der Kapitalbesteuerung auch auf die Abgeltungssteuer ihren Kirchensteueranteil erheben können.
   Es ist legitim, eine Diskussion darüber zu führen. Ich persönlich würde es allerdings sehr begrüßen, wenn es eine andere Möglichkeit gäbe, wenn die Kirchen ihre Beiträge also nicht über den Staat in Form der Kirchensteuer erhöben, sondern unmittelbar von ihren Mitgliedern, von den Kirchenangehörigen. Aber das ist halt leider durch Verträge, für die ich nicht verantwortlich zeichne, wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit ausgeschlossen. Warum sollten auch die Kirchen ein Interesse daran haben, das zu ändern?

Diesseits und Jenseits

In diesem Zusammenhang eine eher intime Frage: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich persönlich ja.

Und wie stellen Sie sich das konkret vor?

Da habe ich, das gebe ich unumwunden zu, keine konkrete Vorstellung. Ich glaube, dass es etwas nach dem Tod gibt. Ich glaube, dass sonst viele Sachen einfach keinen Sinn machen würden. Vielleicht ist es auch die Hoffnung, dass es irgendetwas nach dem Tod gibt, dass es danach in irgendeiner Form etwas Weiteres gibt. Aber ich habe keine konkreten Vorstellungen, wie das dann aussehen soll, wen ich da treffe. Ich hab ein paar Wünsche, aber das ist dann sehr privat.

Das Interview wurde am 13.6.2008 in Attendorn geführt. Die Fragen stellte Anna Carla Kugelmeier.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2007-2012

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