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Interview

Reinhard Jung   Reinhard Jung,
Jahrgang 1952,
Mitglied des NRW-Landtags (SPD),
Mitglied im Ausschuss Bauen/Verkehr
und im Petitionsausschuss

Kirche und Politik

Herr Jung, Kirche und Politik - wie passt das zusammen?

Überhaupt nicht.

Können Sie das näher erläutern?

Ich sage es mal auf meine Art. Wenn der Pastor in Schönau, meinem Heimatort, zuließe, dass ich auf die Kanzel steigen und in der heiligen Messe zwanzig Minuten über Politik, über Parteipolitik sprechen dürfte, dann ließe ich auch die Kirche in der Politik zu.

Inwieweit dürfen sich denn dann Kirchenvertreter überhaupt in die Politik einmischen? Ich denke da zum Beispiel an die Kinderkrippenpolitik oder die Stammzellenforschung.

Sie müssen sich grundsätzlich einmischen dürfen. Sie mischen sich dann allerdings als Menschen ein und klären in ihrem Sinne auf. Aber von der Kanzel herunter zu predigen, politische Richtungen vorzugeben - das finde ich fatal. Das darf nicht sein. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Kirche und Politik getrennt sind. Das ist so, und das ist auch gut so.

In diesem Zusammenhang eine eher intime Frage: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Eher nein. Manchmal denke ich mir, wenn ich ein zweites Mal auf die Welt kommen würde, würde ich gerne als Hund wiederkommen - weil die es bei uns Menschen ziemlich gut haben. Aber mal im Ernst: Ich glaube eher nicht daran.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus Ihrem Nicht-Glauben für Ihre konkrete politische Arbeit?

Vorsicht! Ich glaube. Ich bin kein Ungläubiger. Ich glaube sehr stark. Ich bin römisch-katholisch getauft und erzogen worden. Ich bin auch in der katholischen Kirche. Ich glaube nur wahrscheinlich ein bisschen anders.
   Ich muss nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen; ich muss auch nicht jede Woche zur Beichte gehen. Sondern es gibt Dinge, die man mit dem Herrgott oder wem auch immer auch an anderen Stellen ausmachen kann. Ich gehe zum Beispiel sehr gerne spazieren, gehe sehr gerne unterwegs in die Kapellen hinein und mache mir da meine Gedanken. Und die Gedanken, die man sich bei solchen Gängen macht, die kreisen nicht nur um Politik.

Das Interview wurde am 11.12.2008 in Attendorn geführt. Die Fragen stellte Anna Carla Kugelmeier.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2007-2012

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