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Interview

Ute Koczy   Ute Koczy,
Jahrgang 1961,
Mitglied des Bundestags (Bündnis 90/Grüne),
entwicklungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion

Kirche und Politik

Frau Koczy, Kirche und Politik - wie passt das zusammen?

Das gehörte immer schon irgendwie zusammen.

Und wie passt es zusammen?

Manchmal ist es so, dass Kirche Politik beeinflusst. Aber meiner Meinung nach sollten Kirche und Politik getrennt sein.

Inwieweit dürfen sich dann Kirchenvertreter in die Politik einmischen? Gerade hat dies der Augsburger Bischof Walter Mixa ja getan, indem er sich gegen die "Kinderkrippen"-Politik von Familienministerin von der Leyen gestellt hat.

Ich finde es legitim, wenn die Kirche sagt, welche Position sie hat. Ob die Leute dann darauf reagieren - oder ob die Politik darauf reagiert -, das ist dann eine andere Sache. Die Kirche kann sich durchaus zur Politik äußern; sie muss dann allerdings auch mit den Konsequenzen leben.

Lassen sich Kirche und Politik immer voneinander trennen? Ich denke da zum Beispiel an die Regensburger Rede von Papst Benedikt, die bei Muslimen ja heftige - auch politische - Kritik ausgelöst hat.

Daran sieht man, dass viele dieser kirchlichen Äußerungen politisch sind. Der Papst hat da einen Fehler gemacht. Das war ein politischer Fehler, der bittere Konsequenzen hatte, der ja auch richtige Zerwürfnisse zur Folge hatte; und die musste er dann ausbügeln. Es ist ihm zum Glück gelungen, aber da hing viel an einem seidenen Faden. Da wünsche ich mir keine Wiederholung.

Welche Rolle spielt die Kirche in der Entwicklungspolitik? Welche Rolle sollte sie spielen?

Die Kirche und besonders die kirchlichen Entwicklungsorganisationen spielen eine große Rolle. In vielen Ländern sind die Kirchen noch Garanten für eine bestimmte Struktur. In Nigeria ist es zum Beispiel so. Allerdings, muss ich sagen, treten dort sehr häufig auch anglikanische Sekten auf, die zum sozialen Unfrieden beitragen. Es gibt viele Probleme gerade dadurch, dass es auch Kirchen gibt, die anders agieren, als man sich das hier vielleicht so unter "normaler" Kirchentätigkeit vorstellt. - Was die Kirche tun soll: Ich bin der Meinung, dass die humanitäre Hilfe, das Unterstützen der Leute, die Hungerhilfe und das Aufbauen von Strukturen immer eine tragende Rolle der kirchlichen Arbeit bleiben werden und auch bleiben sollten. Es wäre sehr schade, wenn sich die Kirche aus der Entwicklungsarbeit zurückziehen würde.

Diesseits und Jenseits

Zum Schluss noch eine eher intime Frage zum Thema Religion: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Nein.

Warum nicht?

Muss ich das glauben? Gibt es dazu Zwänge?

Nein, ich frage halt nur, warum nicht. Es muss ja einen Grund haben.

Ich glaube, dass das Leben mit dem Tod beendet ist und dass es keine Möglichkeiten gibt, auszusagen, was es danach gibt. Ich habe noch von niemandem gehört, der zurückgekommen ist. Man kann natürlich hoffen, dass es da irgendwie etwas gibt. Aber ich bin der Meinung, dass dieses Leben, das wir haben, das entscheidende ist.

Das Interview wurde am 24.2.2007 am Rande eines entwicklungspolitischen Workshops zur Eröffnung der Misereor-Fastenaktion in Paderborn geführt. Die Fragen stellte Anna Carla Kugelmeier.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2007-2012

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