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Interview

Renate Künast   Renate Künast,
Jahrgang 1955,
Mitglied des Bundestags (Bündnis 90/Grüne),
Fraktionsvorsitzende

Kirche und Politik

Frau Künast, Kirche und Politik - wie passt das zusammen?

Na ja, beide haben eine Vorstellung davon, dass sie die Zukunft des Lebens organisieren müssen und erhalten wollen. Die Kirche muss und will die Schöpfung und ihre Grundlagen erhalten; die Politik hat ebenfalls die Aufgabe, die Lebensgrundlagen zu erhalten. Es gehört also zusammen.

Inwieweit dürfen sich Kirchenvertreter in die Politik einmischen? Ich denke da an die Kritik von Bischof Mixa an der Krippenpolitik der Familienministerin.

Also, ich meine, dass sich alle in die Politik einmischen dürfen. Da muss die Kirche auch gar keine Scheu haben; denn alle anderen Gruppen mischen sich ja auch ein. Die Kirche vertritt ihre Interessen in der Gesellschaft. Jeder Automobilkonzern, jede andere Gruppe mischt sich ein. Unabhängig davon haben wir natürlich das Recht, genauso schroff wie Herr Mixa unsere Antwort auf Herrn Mixa zu geben. Das ist klar.

Lassen sich Kirche und Politik immer voneinander trennen? Nehmen wir zum Beispiel die Regensburger Rede von Papst Benedikt...

Nein. Die lassen sich gar nicht immer voneinander trennen. Ich sag mal so: Jeder, der heute redet, ob es nun ein Kirchenvertreter ist oder ein Politiker, eine Politikerin, muss immer genau das Wort wägen und genau darauf achten. Man kann nicht in Anführungsstrichen und in Andeutungen reden, sondern muss immer sehr genau wissen, was man sagt. Das gilt auch für die Kirche, das gilt für jeden Pfarrer bei der Sonntagspredigt, dass er genau wissen muss, dass Begriffe festgelegt sind, dass es fast traditionelle Missverständnisse oder Empfindsamkeiten gibt. Das gilt für jeden.

Welche Rolle spielt die Kirche in der Entwicklungspolitik? Welche sollte sie spielen?

Die Kirche macht ihren Teil in der Entwicklungspolitik - mit "Brot für die Welt" zum Beispiel. Ich glaube aber, dass Kirche in der Entwicklungspolitik noch schärfer sein kann, also durchaus auch kritisch auf die Politik blicken kann - wie sie eigentlich das Geld ausgibt, ob sie genug ausgibt und ob sie wirklich, statt nur viele große Projekte zu unterstützen, auch Strukturen verändert, also wirklich Armut vor Ort bekämpft, die Menschen befähigt und ausbildet. Da wünsche ich mir also noch mehr kritischen Blick auf uns, die Politiker.

Diesseits und Jenseits

Eine etwas persönlichere Frage: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich weiß es nicht. Das ist eine für mich unbeantwortete Frage. Das ändert sich auch manchmal lebensphasenweise, dass ich an ein Leben danach glaube und dann überlege: Was ist denn dieser "Himmel"? Und an einer anderen Stelle bin ich dann auch wieder ganz beseelt davon, dass ich selber mit meiner Asche Teil dieser Erde und der Welt bin. Ich weiß gar nicht: Ist das philosophisch betrachtet vielleicht auch ein Leben danach? Denn wenn ich Erde bin, bin ich ja Nährstoff für Blumen, oder? Und bin schon wieder Teil des Wachstums, einer Blüte, eines Duftes. Schwierig!

Angenommen, es gäbe die berühmte Fee und Sie hätten einen (aber wirklich nur einen!) politischen Wunsch frei: Welches Ziel würden Sie sofort verwirklichen?

Ich würde etwas im Bereich Energie machen. Dass sofort eine feste Regel gefunden wird, wie viele erneuerbare Energien verwendet werden müssen. Ich würde also zum Beispiel den Zauberstab bewegen und sagen: Ab 2009 gilt 30 Prozent, ab 2015 gilt 50 Prozent. Und dann würde ich sagen: Macht mal! - Eine komische Fee ist das; eigentlich bin ich die ja dann selber...

Das Interview wurde am 7.6.2007 am Rande des 31. Evangelischen Kirchentags in Köln geführt. Die Fragen stellte Anna Carla Kugelmeier.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2007-2012

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