Zurück Übersicht Seitenende Weiter

Zur Übersicht

Kleines Lehrstück in Sachen Theorie und Praxis

Zurück in Deutschland, nehmen wir unsere Umfrage in der hiesigen Gastronomie in Angriff. Adressen müssen herausgesucht, Termine vereinbart und Fragenkataloge konzipiert werden. Auch eine Einweisung in die schuleigenen Diktiergeräte ist notwendig, denn nichts ist ärgerlicher als ein brillantes, doch versehentlich nicht aufgenommenes Interview.

Zu unseren Vorbereitungen gehört ebenfalls, dass wir, bevor wir uns auf den Weg durch die heimische Kneipenwelt machen, einen Moment über das Wesen eines allgemeinen Rauchverbots nachdenken. Ist es, wenn auch in Gesetzesform gegossen, politisch überhaupt durchsetzbar - oder wird es, wie gerade in Bayern geschehen, nach jeder verlorenen Landtagswahl dem aktuellen Stammtischwillen angepasst? Und kann es dann, falls durchgesetzt, tatsächlich hinreichend vor gesundheitlichen Schäden bewahren? Oder gilt womöglich der üble Spruch, Verbote seien lediglich dazu da, umgangen zu werden? Fragen über Fragen.

Was liegt da näher, als sie zunächst einmal am Beispiel unseres eigenen "Dunstkreises", der Schule, zu beantworten. Denn auch hier gilt ja ein Rauchverbot. Spontan befragen wir unseren Schulleiter Peter Wiedemeier, einen erklärten Raucher. Zu fünft rücken wir in sein Dienstzimmer ein. Unversehens werden dabei unsere Recherchen zum Nichtraucherschutz zu einem Lehrstück in Sachen Theorie und Praxis.

Herr Wiedemeier, Sie sind selbst Raucher. Wie stehen Sie zum Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen?

  Peter Wiedemeier
Schulleiter Peter Wiedemeier.
Zum Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen habe ich insofern eine sehr klare Meinung, als ich es im Kern begrüße. Ich finde allerdings, dass die Art und Weise, in der das Ganze auf den Weg gebracht worden ist, sehr polemisch und wenig sachorientiert war. Ich habe zum Beispiel großes Verständnis für Wirte von kleinen Kneipen, denen man damit tatsächlich sehr große wirtschaftliche Probleme bereitet.
   Was mir nicht gefällt, ist, dass es keine bundesweite Regelung gibt, sondern dass sich das Ganze auf Länderebene zerstückelt. Aber die Kernaussage, dass in öffentlichen Bereichen - und dazu zählt ein Krankenhaus genauso wie eine Gaststätte und erst recht eine Schule - das Rauchen verboten wird, unterstütze ich, obwohl ich in der Tat im Moment auch rauche.

Wie kommen Sie Ihrem Drang zu rauchen während der Schulzeit nach?

Das ist eine schwierige Frage. Ich muss gestehen, dass ich glücklicherweise einen Alltag habe, der nicht so strukturiert ist, dass ich mich 45 Minuten in einem Raum aufhalten muss, dann 5 Minuten im Lehrerzimmer und dann wieder 45 oder gar 90 Minuten in einen Raum zu gehen habe, sondern häufig muss ich etwas Außerschulisches erledigen. Und da mache ich gar keinen Hehl daraus: Dann rauche ich da auch eine. Aber hier in diesem Raum rauche ich natürlich nicht; das ist völlig klar. Das geht nicht.

Gelegentlich tragen Sie im Schulgebäude offen sichtbar in Ihrer Hemdtasche eine Zigarettenschachtel. Ist das kein schlechtes Vorbild für die Schüler?

Ja! Uneingeschränkt. Und wenn ihr das jetzt fragt, dann tue ich mich auch nicht schwer damit zu sagen: Das sollte ich nicht tun. Wenn ihr es hier ansprecht, ist das für mich eine Motivation, in Zukunft darauf zu achten. Es ist ein schlechtes Vorbild.

An sich ist unsere Schule ja eine rauchfreie Zone. Allerdings nur theoretisch. - Praktisch gibt es einen Raum, in dem hemmungslos geraucht wird, nämlich die Hausmeisterwerkstatt. Darf das sein?

Das darf grundsätzlich sein, denn wir haben hier in der Schule ja verschiedene Bereiche. Zum Beispiel haben wir die Wohnbereiche der Hausmeister, wir haben Wirtschaftsräume. Und diese sind sehr wohl von solchen Bestimmungen auszunehmen.

Was sagen Sie dann dazu, dass die Klassen, die sich unmittelbar über der Werkstatt befinden, während des Unterrichts und auch in den Pausen ihre Fenster geschlossen halten müssen, damit nicht der ganze Zigaretten- oder Zigarrenqualm hineinzieht?

Ist das so?

Das ist so.

Wen haben wir denn da als Klasse? Das sind die Siebener. Ich werde die darauf ansprechen. Und wenn sie sich belästigt fühlen, dann werden wir das ändern.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2009

Zurück Übersicht Seitenanfang Weiter