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Interviews mit Gaststättenbetreibern

Jens Selter ist Betreiber der Gaststätte "Diebels Fasskeller" am Attendorner Marktplatz.

Herr Selter, wie beurteilen Sie das aktuelle Nichtraucherschutzgesetz?

Die Gesetzeslage ist nicht mehr eindeutig. Das Gesetz existiert zwar noch, ist aber vom Verfassungsgericht in Baden-Württemberg und Berlin gekippt worden, so dass auch in Nordrhein-Westfalen Veränderungen vollzogen worden sind. Daher bin ich momentan von dem Gesetz enttäuscht, weil es nicht einheitlich, sondern schwammig ist. Ich gehe aber davon aus, dass in den nächsten Jahren das Rauchverbot komplett eingeführt wird, egal, ob man nun Einraum- oder Zweiraumgaststätten hat.

  Jens Selter
Jens Selter mit Interviewpartnerin im "Fasskeller".
Sehen Sie durch das Rauchverbot Beeinträchtigungen für Ihr Geschäft?

Jein. Dadurch, dass das Gesetz zurzeit noch schwammig ist, kann ich variieren, indem ich unter der Woche nicht rauchen, am Wochenende ab 21 Uhr, wenn die Küche geschlossen hat, aber rauchen lasse. Dadurch kann im Grunde genommen jeder Gast selbst entscheiden: Gehe ich hier rein, gehe ich nicht hier rein?
   Sicherlich ist es schon eine Beeinträchtigung, dass die Leute in Deutschland nicht so schnell umschalten und dass es noch lange dauert, bis sie die Gegebenheiten akzeptiert haben. Das ist aber auch die einzige Beeinträchtigung, die noch da ist. Diskussionen um das Verbot gibt es keine mehr.

Wie stehen Sie persönlich zum Rauchverbot?

Ich habe damit kein Problem. Ich rauche selber nicht. Andererseits muss ich sagen: Der Gesetzgeber greift da in private Angelegenheiten ein. Eigentlich sollte jeder erwachsene Mensch selbst entscheiden dürfen, ob er in eine Kneipe geht, in der geraucht wird. Es geht wieder ein Stück Freiheit verloren.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Gäste bzw. Kunden?

Unterschiedlich. Die Nichtraucherkunden sind sicherlich begeistert, in einen Raum zu kommen, in dem kein Qualm ist (da wir eine gute Lüftungsanlage haben). Und die Raucher gewöhnen sich so allmählich daran, weil es ja jetzt auch erst nach und nach Einzug gehalten hat. Im Sommer war es natürlich einfacher, da hatten wir einen Biergarten. Jetzt im Winter müssen sie halt die Woche über vor die Tür gehen. Das wird auch gemacht; aber es bleiben sicherlich deswegen auch welche zu Hause.

Das Gesetz soll ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten dienen. Diese sollen vor Passivrauchen geschützt werden. Wie beurteilen Sie das?

Dieser Schutz ist natürlich auch nur dann möglich, wenn die Angestellten nicht selbst rauchen. Meine Erfahrungen nach zwölf Jahren "Fasskeller" zeigen, dass etwa 80 Prozent meiner Angestellten rauchen. Im Endeffekt schützt man mit dem Gesetz also Leute, die selber rauchen. Das ist die Idiotie dabei. Gerade in diesem Beruf wird oft und viel geraucht.

Welche Verbesserungsvorschläge zum aktuellen Gesetz haben Sie?

Die, die ich gerade schon genannt habe. Man muss klar sagen: Rauchen - ja oder nein! Nicht dieses Jein mit zwei Räumen, mit Raucherecke, mit Raucherclubs. Entweder alle oder keiner. Das muss ganz klar geregelt werden. Ich bin dafür, das Rauchen komplett zu verbieten. An ein solches Verbot kann man sich gewöhnen. In Italien klappt es ja auch. Warum sollte es also bei uns nicht funktionieren?


Benjamin Rocco ist Wirt des Lokals "Zum Kuckel".

Herr Rocco, wie sehen Sie das gesetzliche Rauchverbot?

Sehr kritisch. Denn ich bin leidenschaftlicher Raucher. Aber ich bin nicht an das Gesetz gebunden, denn ich habe eine sehr aufgeschlossene Gemeinde. Attendorn ist da wirklich super. Das wünschen sich die Kollegen in anderen Städten. Ich habe gesehen, wie das bei Kolleginnen und Kollegen in Hamburg gehandhabt wird. Demgegenüber sind wir hier im Kreis Olpe, glaube ich, führend.

Können Sie das näher erläutern?

  Benjamin Rocco
Benjamin Rocco beim Bierzapfen in seinem Lokal.
Das ist eigentlich ganz einfach. Der Kreis Olpe hat das Gesetz etwas weiter ausgelegt. Dem Gesetzestext fehlt da ja eine feste Grundlage: Es heißt lediglich, der Nichtraucherraum muss größer sein als der Raucherraum. Aber dass man Nichtraucherräume zusammenlegen kann, Räume, die nur für das Personal zugänglich sind, wie Küche und Personaltoiletten, aber auch die öffentlichen Toiletten, darüber ist nie nachgedacht worden. Das hat die Gemeinde Attendorn selber gemacht. Deshalb darf in diesem Raum hier weiterhin geraucht werden. Nebenan habe ich einen Speiseraum, da darf nicht geraucht werden.
   Hinzu kommt, dass ich insofern Glück habe, als ich Bestandsschutz für diesen Raum genieße. Deshalb kann ich, so wie es im Moment läuft, glücklich und zufrieden sein.

Sie sagten gerade, Sie haben zwei Räume. Sehen Sie trotzdem durch das Rauchverbot irgendwelche Beeinträchtigungen?

Beeinträchtigungen derart, dass wir mittlerweile in einem Polizeistaat leben. Es sollte sich jeder Mensch aussuchen können, wohin er gerne gehen möchte. Und wenn es sich lohnen würde, länger als sechs Wochen eine Nichtraucherkneipe zu betreiben (was ich bezweifle), dann wären bestimmt auch schon irgendwelche Leute auf diesen Zug aufgesprungen.

Gibt es für Sie denn auch finanzielle Einbußen?

Die würde es in Hamburg zum Beispiel geben. Hier bei uns, konkret für mein Lokal, jetzt nicht. Aber zum Beispiel in Hamburg gibt es Umsatzeinbußen von bis zu 60 Prozent, und das ist natürlich existenzbedrohend.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Gäste bzw. Kunden?

Dazu muss ich sagen, dass wir mit etwa 90 Prozent Stammkundschaft arbeiten. Da sind die Reaktionen auf die Tatsache, dass hier geraucht werden darf, positiv. Und die Nichtraucher unter meinen Kunden, von denen hier auch gerade einige an der Theke sitzen, bewerten es ebenfalls positiv. In Kneipen muss geraucht werden dürfen. Wer das nicht einsieht, muss halt draußen bleiben.
   Wenn wir mal Gäste etwa aus dem Ruhrgebiet haben, dann stehen die dem Rauchen etwas skeptischer gegenüber, aber das sind dann die Leute, die vielleicht einmal im Jahr hierher kommen. Von denen werden wir alle in der Gastronomie nicht leben können.
   Generell ist meine Meinung: Wo nur gegessen wird - in Restaurants -, da ist das Nichtrauchergesetz absolut zutreffend. Ich habe es auch nicht gerne, wenn ich irgendwo beim Essen sitze und neben mir auf Teufel komm raus gequalmt wird. Aber in Kneipen und normalen Gaststätten sollte das Rauchen weiterhin erlaubt sein. Ein generelles Rauchverbot beschneidet da ganz klar Persönlichkeitsrechte.

Nun soll das Gesetz ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten dienen...

Deswegen stelle ich seitdem nur noch Raucher ein.

Hätten Sie Verbesserungsvorschläge zu dem aktuellen Gesetz?

Nicht zu diesem, aber zur Gesetzgebung allgemein. Das Nichtrauchergesetz hat in der Politik ja für viel Wirbel gesorgt und viel Aufmerksamkeit gebunden. Dadurch sind andere Gesetze durchgekommen, die sonst nie so einfach durchgekommen wären. Wir haben momentan genug Miseren. Dass sich die Leute dermaßen wegen der Raucherei aufregen, finde ich deshalb einen Witz. Momentan gibt es wichtigere Sachen, die man anpacken müsste.


Rudolf Selter ist Inhaber des Lokals "Zur Nette".

Herr Selter, seit diesem Sommer gibt es ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Wie gehen Sie mit dieser neuen Gesetzeslage um?

Ganz einfach, hier vorne ist das Raucherzimmer, und da im separaten Raum ist "Nichtraucher".

Sehen Sie für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot Beeinträchtigungen?

Ja. Ich habe weniger Umsatz.

Wie stehen Sie persönlich zum Rauchverbot?

Seit einem halben Jahr macht mir das nichts mehr aus. Ich habe vorher stark geraucht, aber nach einem Herzinfarkt damit aufgehört. Doch auch insgesamt hat das Rauchen hier stark nachgelassen. Wenn an der Theke zwanzig Mann stehen, dann rauchen von denen heute höchstens noch drei, vier.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Gäste auf das Nichtraucherschutzgesetz?

Die meisten finden das in Ordnung. Ein paar gehen wieder raus, aber die meisten bleiben.

Das Gesetz soll ja nicht nur die Gäste, sondern auch die Angestellten vor dem Passivrauchen schützen. Wie beurteilen Sie das?

Dazu kann ich gar nichts sagen. Ich mache hier alles alleine.

Und welche Verbesserungsvorschläge zum aktuellen Gesetz haben Sie?

Von mir aus sollen sie ein absolutes Rauchverbot einführen. Das wäre das Beste. Nur müssten sich die Verantwortlichen mal einig werden, was sie machen wollen - nicht da rauchen lassen und dort wieder nicht. Wenn hier um die Ecke ein Lokal ist, über dem dick "Wir sind eine Rauchergaststätte" steht, dann gehen die Leute natürlich dahin statt hierhin. Nur wenn man nirgends mehr rauchen darf, kommen die Leute auch automatisch wieder zu mir.


Magdaleni Samara betreibt den Raucherclub "Napoleon".

Frau Samara, wie gehen Sie mit der neuen Gesetzeslage um?

Wir haben zunächst mal einen Raucherclub gegründet, denn bei uns sind 99 Prozent der Kunden Raucher. Anders können wir es nicht machen, sonst sitzen wir alleine hier in unserer Einraumkneipe.

  Magdaleni Samara
Magdaleni Samara hinter der Theke des "Napoleon".
Sehen Sie denn für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot Beeinträchtigungen?

In den ersten Tagen, nachdem das Gesetz in Kraft war, ja. Aber jetzt nicht mehr. Jetzt wird ja wieder geraucht.

Wie funktioniert so ein Raucherclub?

Das ist in unserem Fall der Dehoga-Raucherclub. Man ist da Mitglied. Alle Gäste, die hier reinkommen, sind eingetragen. Die sind auch damit einverstanden, dass hier geraucht wird. Sie müssen das unterschreiben. Wir haben da eine Buchführung.

Wie stehen Sie persönlich zu einem Rauchverbot?

Ich selber rauche ja nicht, mein Mann auch nicht. Aber wir müssen das Rauchen durchgehen lassen. Denn für das Geschäft wäre es sonst schlecht.

Wie sind die Reaktionen der Gäste?

In den ersten zwei Tagen nach dem Inkrafttreten des Gesetzes hatten wir sehr wenig zu tun. Viele unserer Gäste sind damals in andere Kneipen gegangen, wo geraucht wurde. Bei uns war also gar nichts los. Unsere Gäste haben auch ganz klar gesagt: Wenn wir hier nicht mehr rauchen dürfen, dann kommen wir nicht mehr!

Nun dient ja das neue Gesetz nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten. Die sollen ja vor dem Passivrauchen geschützt werden. Wie beurteilen Sie das?

Wir haben keine Angestellten. Von daher kann ich da nicht mitreden.

Welche Verbesserungsvorschläge zu dem aktuellen Gesetz haben Sie?

Ich würde es am liebsten abschaffen. Ich kann mir doch selbst aussuchen, ob ich in einen Raum gehe, in dem geraucht wird. Das kann ich ja selbst entscheiden. Deshalb sollte man mich auch selbst entscheiden lassen.


Wolfgang Böhmer ist Inhaber der Atta-Höhle und des zugehörigen Restaurants "Himmelreich".

Herr Böhmer, wie gehen Sie mit dem neuen Nichtraucherschutzgesetz um?

Bei uns besteht generell in allen Räumlichkeiten Rauchverbot.

Sehen Sie Ihren Betrieb durch das Rauchverbot beeinträchtigt?

Nein.

Wie stehen Sie selbst zu dem Rauchverbot?

Positiv.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Gäste?

Positiv.

Das Gesetz soll ja auch dem Schutz der Angestellten vor dem Passivrauchen dienen. Wie beurteilen Sie das?

Positiv.

Welche Verbesserungsvorschläge hätten Sie zu dem Gesetz?

Keine mehr. Wir haben ein generelles Rauchverbot; da gibt es nichts Besseres mehr.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2009

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