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Interviews mit Hoteliers

Stefan Bilsing ist Mitgeschäftsführer des Hotels und Restaurants "Burg Schnellenberg".

Herr Bilsing, wie gehen Sie mit dem neuen Nichtraucherschutzgesetz in Ihrem Hotel um?

Wir haben lange nach geeigneten Lösungen gesucht, weil wir viele Stammgäste haben, die Nichtraucher sind, aber auch viele, die rauchen. Beide Gruppen bringen uns Umsatz; deshalb will man natürlich keinen verärgern.
   Im Hotelbereich haben wir es nun so geregelt, dass wir für alle 42 Zimmer, für alle Gesellschafts- und Seminarräume ein allgemeines Rauchverbot ausgesprochen haben.
   Allerdings gilt das Nichtraucherschutzgesetz ja nur für die öffentlichen Räume. Wenn nun tatsächlich mal rauchende Stammgäste kommen, versuchen wir es deshalb so einzurichten, dass die möglichst große Zimmer mit großen Fenstern bekommen, und da wird dann ab und zu auch schon mal ein Aschenbecher hingestellt. Ob das die beste Lösung ist, weiß ich nicht, aber ein Stück weit wurden da die Gastronomen vom Gesetzgeber allein gelassen.
   Anders ist es in unserem Frühstücksraum, in der Georgstube und in unserem Restaurant im Rittersaal. Da herrscht generelles Rauchverbot. Im anschließenden Turmzimmer, dessen Tür fest verschließbar ist, darf wiederum geraucht werden, desgleichen im Wappenkeller, unserer Bar. Und wenn wir geschlossene Veranstaltungen haben, etwa Hochzeiten, kann das Brautpaar ebenfalls sagen: Rauchen ist okay. Dann darf da auch geraucht werden.

Sehen Sie für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot denn Beeinträchtigungen?

Eher nein. Es hat allerdings anfangs ziemliche Probleme gegeben. Ich hab dadurch sicherlich ein paar Kunden verloren, etwa vier, fünf Stammkunden aus Attendorn, die mir gesagt haben: Ihr seid bekloppt! Das machen wir nicht mit! Dann kommen wir nicht mehr! Die wollten nicht zu jeder Zigarette nach draußen gehen und da womöglich im Regen stehen müssen.
   Man hätte dieses Problem sicherlich mit Hilfe dieser Heizschirme lösen können, die neuerdings überall zu sehen sind. Andererseits gibt es da ja zum Beispiel in Stuttgart die Verordnung, dass man auch die Heizschirme nicht mehr benutzen darf - wegen der Luftverschmutzung.
   Natürlich hätten wir draußen auch einen Baldachin aufstellen können, aber das war uns dann doch zu aufwendig. So sind wir dann letztlich den bitteren Weg des Verbots gegangen.
   Allerdings wird es mittlerweile auch von den meisten Gästen akzeptiert. Beim Essen rauchen die jetzt nicht, und danach wechseln sie halt runter in den Wappenkeller, wo sie es dürfen. Für die Mehrheit der Gäste, etwa 80 Prozent, ist das Rauchverbot also okay. 20 Prozent stößt es etwas säuerlich auf.

Wie stehen Sie selbst zu dem Verbot? Sie sind, glaube ich, auch Raucher...

Nicht ganz richtig. Ich bin Gelegenheitsraucher. Das heißt, ich rauche gerne mal nach dem Essen ein Zigarillo, mehr aber nicht.
   Aber jetzt zur Sache: Ich finde das Verbot okay. Es ist eine gute Lösung. Auch wenn ich ab und zu rauche, habe ich doch nie während des Essens geraucht. So schön, wie es ist, wenn man sich eine Zigarre oder eine Pfeife ansteckt, beeinträchtigt das halt doch den Geschmackssinn, und zwar nicht nur den eigenen, sondern vor allem den der Mitmenschen, die dort auch essen. Und da muss man ganz klar sagen: Infolge des Verbots ist in den Gasträumen einfach eine bessere Luft.

  Stefan Bilsing
Stefan Bilsing im Frühstücksraum auf der "Burg".
Das Gesetz soll ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten dienen. Diese sollen vor Passivrauchen geschützt werden. Wie beurteilen Sie das?

Grundsätzlich ist es sehr gut, dass so ein Angestelltenschutz angestrebt wird. In Bezug auf den Barbereich im Wappenkeller, wo traditionell viel geraucht wird, versuchen wir es deshalb so zu regeln, dass da unten als Bedienung auch ein Raucher hinkommt, der selbst mal eine Zigarette mitraucht.

Hat es denn schon mal einen Fall gegeben, dass ein Angestellter, eine Angestellte gesagt hat: "Ich möchte bei dieser Raucherveranstaltung nicht bedienen"?

Das haben wir bisher noch nicht gehabt. Aber sollte die Frage kommen, dann schichtet man einfach im Dienstplan um.

Hätten Sie Verbesserungsvorschläge hinsichtlich des Nichtraucherschutzgesetzes?

Dass das Gesetz jetzt da ist, ist gut. Zwei Dinge finde ich allerdings nicht gut: Das war zum einen die Entstehung des Gesetzes. Da war zu viel Hin und Her. Das hätte es von oben richtige Vorgaben, richtige Regeln geben müssen, auf Bundesebene. Da hätte Frau Merkel sagen müssen: So wird es jetzt gemacht! Das Verbot gilt, und es gilt allgemein! Stattdessen hat man die Sache auf Länderebene abgehandelt, und da kocht jedes Bundesland für sich.
   Zweitens stören mich all die Lockerungen, von denen man da jetzt in der Presse liest: In Bayern ist zum Beispiel in den Bierzelten, meines Wissens auch in den Brauereistuben das Rauchen wieder erlaubt worden. Lächerlich ist auch die Regelung mit den "Raucherclubs", wo man für einen symbolischen Euro Beitrag Mitglied werden kann.
   Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum die Leute in den Zelten rauchen dürfen, während sie bei mir den Rittersaal verlassen müssen.

Mit anderen Worten: Das Nichtraucherschutzgesetz müsste noch viel konsequenter umgesetzt werden.

Ja. Da müsste, wie gesagt, eine Regelung von oben kommen, die besagt: Rauchen ist gar nicht mehr gestattet! Dass man jetzt "zur Rettung der Eckkneipe" wieder Sonderregelungen fährt, ist unfair, weil es letztlich den Wettbewerb verzerrt. Insofern sind wir da schon ziemlich enttäuscht.


Christof Platte ist Mitinhaber des "Romantik-Hotels Platte" in Attendorn-Niederhelden.

Herr Platte, seit diesem Sommer gibt es ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Wie gehen Sie mit dieser neuen Gesetzeslage um?

Wir haben das Gesetz im Grunde genommen schon vor seinem Inkrafttreten umgesetzt. Nordrhein-Westfalen war ja eins der letzten Bundesländer, das ein Nichtraucherschutzgesetz verabschiedet hat. Wir haben es also nicht erst zum 1. Juli, sondern schon zum 1. Januar diesen Jahres umgesetzt. Auf Druck der Mehrzahl unserer Gäste sind wir mehr oder weniger dazu genötigt worden.
   Als wir das Rauchverbot noch nicht praktiziert haben, gab es einige Gäste, die zu extremen Problemen beigetragen haben. Die haben sich im Restaurant sogar zwischen den einzelnen Gängen eine Zigarette angesteckt. Die haben die Zigarette während des Essens auf den Aschenbecher gelegt und während des Essens weitergeraucht. Hinzu kamen die Pfeifen- und Zigarrenraucher, die das Problem vervielfacht haben, die also massiv zum Passivrauchen der übrigen Gäste beigetragen haben. Seitdem wir das Rauchverbot im Restaurant umgesetzt haben, ist es damit erfreulicherweise vorbei.

Wie sieht es mit dem Bereich außerhalb des Restaurants aus?

Ganz verboten haben wir das Rauchen in unserem Haus nicht. In unserer Bar ist es weiterhin erlaubt. Da haben wir eine starke Lüftungsanlage. Auch einen Zigarettenautomaten haben wir hier noch stehen, allerdings nur noch einen von ehemals zweien. Den anderen habe ich vor längerer Zeit eigenhändig zur Abfuhr an die Straße gestellt.
   Und was den Hotelbereich angeht: Dort halten wir zwar noch eine größere Zahl an Raucherzimmern vor, sind aber dabei, dies konsequent abzubauen, weil uns die Raucher viele Zimmer, wenn ich das so sagen darf, für Nichtraucher unbrauchbar machen. Denn der Rauch hängt in den Möbeln, im Teppich, in den Gardinen. Man kann auch durch den Einsatz von Chemie diesen Geruch nicht neutralisieren. Das ist ein riesengroßes Problem, zumal seit dem Inkrafttreten des Gesetzes jetzt verstärkt auf den Zimmern geraucht wird.
   Derzeit haben wir 60 Zimmer, aber ich strebe an, dass wir mittelfristig nur noch zwei, drei Zimmer freigeben, in denen geraucht werden darf. Der Rest soll dann konsequent Nichtraucherzimmer werden. Darauf werden die Gäste dann auch explizit hingewiesen, und dann sollten wir Reinigungspauschalen dafür erheben, wenn sie sich nicht daran halten.

Das klingt ja zunächst mal sehr positiv. Aber sehen Sie für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot auch irgendwelche Beeinträchtigungen?

Es ist definitiv so, dass uns Gäste, auch Stammgäste, hinter denen wir natürlich sehr herweinen, abgesprungen sind, weil sie ihrer Sucht (es ist ja nun mal eine) nicht widerstehen konnten. Ich nehme an, dass sie auf Lokalitäten ausgewichen sind, in denen das Rauchen in separaten Räumen noch möglich ist.
   Viele andere Gäste sind natürlich sehr zufrieden. Ich gehe im Übrigen davon aus, dass selbst von den Rauchern sich nur ein sehr geringer Prozentteil wirklich ernsthaft gegen das Gesetz wehrt.

Wie stehen Sie selbst zu dem Rauchverbot?

Ich bin militanter Nichtraucher!

Das neue Gesetz dient ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten vor dem Passivrauchen. Wie stehen Sie dazu?

  Christof Platte
Christof Platte während des Gesprächs in der Bar.
Das ist der einzige Punkt in dieser ganzen Problematik, der nicht entkräftet werden kann. Gerade aus diesem Grund sollte das Rauchverbot deshalb auch konsequent durchgezogen werden. Es geht dabei nämlich vorrangig um den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter. Da haben Forderungen nach der "freien Entfaltung der Raucherpersönlichkeit" hintan zu stehen.
   Rauchen hat viel zu lange eine viel zu positive Lobby gehabt. Die ist konsequent durch die Tabakindustrie aufgebaut worden. Rauchen hatte durch die Milliarden an Werbebudgets, die da investiert worden sind, ein unheimlich gutes Image. Hätte man viel früher angefangen aufzudecken, was das Rauchen, gerade auch das Passivrauchen, alles anrichten kann, dann wären wir heute schon viel weiter. Nächstes Jahr sieht die Sache sicherlich schon ganz anders aus. Dann wird sich keiner mehr über das Rauchverbot aufregen. Die Deutschen sind ja dafür bekannt, dass sie für alles etwas länger brauchen.

Wenn die Mitarbeiter - auch Ihrer Ansicht nach - vor dem Passivrauchen geschützt werden sollen, wie steht es dann mit Ihren Mitarbeitern in der Bar? Dort sind sie ja dem Zigarettenqualm ausgesetzt.

Erstens hat sich auch in der Bar das Rauchen radikal reduziert. Es steht übrigens nirgendwo dran, dass dort geraucht werden darf. Wenn jemand fragt, bekommt er einen Aschenbecher hingestellt, sonst nicht. Allgemein geht also der Trend dahin, dass insgesamt weniger geraucht wird; die Beeinträchtigung ist somit nicht sehr groß. Und zweitens haben wir sehr viele Angestellte, die selber Raucher sind, denen es also nichts ausmacht, dort zu arbeiten.

Aber wenn jemand sagen würde, er möchte als Nichtraucher nicht in der Bar eingesetzt werden, dann würden Sie das berücksichtigen?

Ja. Wir haben Mitarbeiter, die zwar nicht speziell durch das Rauchen, aber generell gesundheitliche Probleme haben, etwa Asthma. Für die war es natürlich ein Glückstag, als das Rauchverbot eingeführt wurde, und die werden dementsprechend dann auch nicht im Raucherbereich eingesetzt.

Wenn Sie Ihr Hotel und Ihr Restaurant jetzt spontan komplett zur Nichtraucherzone erklären würden - wäre das wirtschaftlich überhaupt durchsetzbar?

Mein Wunsch wäre ein absolutes, ein konsequentes Rauchverbot - überall, in allen Hotel- und Restaurantbetrieben. Dann würde sich in absehbarer Zeit diese Frage überhaupt nicht mehr stellen.


Carsten Reissl ist Inhaber des Hotel-Restaurants "Forsthaus" am Ortseingang von Attendorn.

Herr Reissl, seit diesem Sommer gibt es ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Wie gehen Sie mit dieser neuen Gesetzeslage um?

Wir halten uns daran. Wir haben einen Raucher- und einen Nichtraucherraum.

Sehen Sie für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot Beeinträchtigungen?

Nein. Dadurch, dass wir einen Raucherraum haben, nicht.

Und wie stehen Sie selbst zu dem Rauchverbot?

Mir ist es ganz recht.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Gäste bzw. Kunden?

Sie halten sich auch daran. Viele haben eine positive Einstellung zu dem Nichtraucherschutzgesetz.

Gibt es auch Klagen?

Vereinzelt. Es gibt mitunter Leute, die sich hier in den Nichtraucherraum setzen und fragen: Warum können wir nicht rauchen? Es ist doch sonst keiner da!

Wie ist es denn, wenn jemand versehentlich im Nichtraucherbereich raucht?

Der wird darauf hingewiesen. Dagegen gab es auch noch keinen Protest. Dann gehen die Leute halt zum Rauchen raus. Viele bleiben auch schon draußen; die rauchen gar nicht erst hier drinnen.

Das Gesetz soll ja nicht nur die Gäste, sondern auch die Angestellten vor dem Passivrauchen schützen. Wie beurteilen Sie das?

Wenn sie selbst nicht rauchen, ist das notwendig.

Das Gesetz sollte also nicht modifiziert oder wieder abgeschafft werden?

Für Restaurants nicht. Da muss Rauchen nicht sein. Bei Biergaststätten und Ähnlichem sollte man sich das allerdings meiner Meinung noch mal überlegen. Wenn die Leute ein Bier trinken, rauchen sie auch gerne mal ein Zigarettchen dazu. Auch in den Cafés wird ja gerne eine Zigarette zum Kaffee geraucht, deshalb haben die, soweit ich gehört habe, wohl auch Umsatzeinbußen.


Peter Schneidersmann ist Wirt und Inhaber des Hotel-Restaurants "Haus Biggen".

Herr Schneidersmann, seit diesem Sommer gibt es ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Wie gehen Sie damit um?

Wir haben Räumlichkeiten für Raucher und solche für Nichtraucher geschaffen, so dass sich die Leute bequem aus dem Weg gehen können.

  Peter Schneidersmann
Peter Schneidersmann an der Theke seiner Gaststube.
Sehen Sie für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot Beeinträchtigungen?

Nein, in keinster Weise. Bei uns kommen die Leute zum Essen. Sie können ja dann auch rauchen, wenn sie sich in den entsprechenden Räumlichkeiten befinden. Für uns ist das also kein Problem.

Wie stehen Sie selbst zu dem Rauchverbot?

Mir ist es gleich. Ich bin selber Nichtraucher, habe aber auch kein Problem, wenn an meinem Tisch einer raucht. Ich finde den Geruch teilweise sehr angenehm.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Gäste bzw. Kunden?

Da kann ich nichts Negatives sagen. Denn die Kunden können ja weiterhin bei uns rauchen und sich im Übrigen, wie gesagt, notfalls aus dem Weg gehen. Ich denke, dass es da keine Kalamitäten gibt.

Das Gesetz soll ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten dienen. Diese sollen vor Passivrauchen geschützt werden. Wie beurteilen Sie dies?

Ich denke, dass die Leute, die bei uns arbeiten, durchaus mit Rauch konfrontiert werden, aber gut damit umgehen können. Sonst müssten sie sich halt einen anderen Job suchen.

Welche Verbesserungsvorschläge zum aktuellen Gesetz haben Sie?

Ich finde, das Gesetz sollte ganz einfach wieder abgeschafft werden, weil es Kollegen gibt, die auf die Raucher angewiesen sind.
   Ich behaupte mal: Die Raucher sind geselligere Menschen, bleiben länger sitzen und verzehren auch hin und wieder ein Bierchen mehr. Und da sind Gaststätten, die von der reinen Getränke-Kundschaft leben, derzeit schon benachteiligt.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2009

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