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Interviews mit Konditoren und Cafébesitzern

Konditormeister Peter Lütticke ist Inhaber des "Café Moses" im Attendorner Ortsteil Neu-Listernohl.

Herr Lütticke, seit diesem Sommer gibt es ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Wie gehen Sie mit dieser neuen Gesetzeslage um?

Das Gesetz ist ja am 1. Januar 2008 mit einer Übergangsfrist von einem halben Jahr in Kraft getreten. Ungeachtet dieser Übergangsfrist hat sich der Konditorenverband des Kreises Olpe mit den Konditoren und Cafébetreibern auf die Regelung geeinigt, dass ein generelles Rauchverbot schon zum 1. Januar stattfindet. Daran haben wir uns gehalten.

Sehen Sie für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot Beeinträchtigungen?

  Peter Lütticke
Peter Lütticke während des Gesprächs im Café.
Beeinträchtigungen sehen wir eigentlich nicht, weil unser Geschäft - anders als Gaststätten oder kleinere Kneipen - auf das Rauchen der Gäste verzichten kann. Es hat, als das Gesetz eingeführt wurde, Reaktionen von einigen wenigen älteren Gästen gegeben, die ständig geraucht haben, auch bei einer Tasse Kaffee, und die dann zornig waren und uns letztlich nicht mehr so oft besucht haben, weil wir hier in unseren Räumlichkeiten keine Möglichkeit haben, einen Raucher- von einem Nichtraucherraum abzutrennen.
   Ausweichen konnten sie allerdings ab April, Mai auf unsere Terrasse, wo das Rauchen weiterhin gestattet ist. Das haben übrigens viele gute Gäste auch schon im Vorfeld der Gesetzgebung praktiziert. Die sind selbst in den Wintermonaten der letzten Jahre immer schon freiwillig zum Rauchen nach draußen gegangen.
   Wir selber sind jedenfalls froh, dass das Rauchverbot gekommen ist. Denken Sie nur mal an unsere Einrichtung. Fast ein Jahr Nichtrauchen heißt da: nach viermaligem Waschen endlich wieder weiße Gardinen, wieder eine weiße Fassade; die Luft ist viel besser. Wenn Sie sich das hier ansehen: Das strahlt alles! Nur weil ein Jahr nicht geraucht worden ist! Das macht sich also schon auch in der Räumlichkeit bemerkbar.
   Wir sind dementsprechend nur positiver Dinge, was das Nichtrauchen angeht.

Und Sie haben auch noch niemanden vor die Tür setzen müssen, der uneinsichtig war und trotz Verbot im Gastraum rauchen wollte?

Nein, den Fall hatten wir nicht. Wohl haben wir aber Kunden verloren; das fällt allerdings prozentual nicht sehr ins Gewicht. Wir hatten hier einige Ehepaare, die in hohem Alter noch massive Raucher waren und die Tasse Kaffee zusammen mit der Zigarette "brauchten". Die sind dann in der Tat nicht wiedergekommen. Da gab es zum Beispiel zwei, drei Paare aus Lüdenscheid, die man kannte und die, als wir im Vorfeld darüber gesprochen haben, sagten: Dann kommen wir halt im Winter nicht! Im Sommer sind sie allerdings wieder da gewesen.

Das Gesetz soll ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten dienen. Diese sollen vor Passivrauchen geschützt werden. Wie beurteilen Sie das?

Das ist ebenfalls ein ganz wichtiger Aspekt. Auch der Gaststättenverband hat ja gesagt, dass die Mitarbeiter, wenn in den Räumlichkeiten nicht geraucht wird, besser und gesünder arbeiten können. Denn jeder weiß, wie problematisch das Passivrauchen ist. Die Nichtraucher nehmen ja den Rauch der Raucher ebenfalls auf. Wenn also dieses Café hier keine Raucherzone mehr hat, dann ist das sicherlich auch ein gesundheitliches Plus für die Mitarbeiter. Das sollte man nicht unterschätzen.

Welche Verbesserungsvorschläge hätten Sie hinsichtlich des Gesetzes?

Verschiedene Branchen haben, wenn ich die Pressemitteilungen richtig deute, bereits Schwierigkeiten wegen des Gesetzes bekommen. Angesichts der Tatsache, dass einige Unternehmen - Kneipen, Gaststätten, aber auch Diskotheken - ihr Hauptgeschäft nach 22 Uhr haben, sollte man meiner Meinung nach eine Lücke öffnen und diesen Betrieben, in denen weniger verzehrt, sondern hauptsächlich Bier getrunken wird, die Möglichkeit geben, eine Raucherzone einzurichten.
   Meine Branche, das Konditoreigewerbe, hat da nicht so die Probleme. Aber für Gaststätten, die abends länger auf haben, sollte der Gesetzgeber seinen Gesetzestext vielleicht noch mal modifizieren.


Markus Harnischmacher ist Konditormeister und Besitzer des gleichnamigen Innenstadt-Cafés.

Herr Harnischmacher, seit diesem Sommer gibt es ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Wie gehen Sie damit um?

Als sich Ende letzten Jahres das Rauchverbot, das diesen Sommer dann endgültig in Kraft getreten ist, abzeichnete, haben wir konsequent schon ab 1.1.2008 unser Lokal zum Nichtraucherlokal erklärt.

Sehen Sie für Ihren Betrieb durch das Rauchverbot Beeinträchtigungen?

Eigentlich ist das Verbot bei uns sehr positiv angenommen worden, weil wir ein klassisches Konditorei-Café sind. Das heißt, bei uns wird Kuchen gegessen und Kaffee getrunken - oder auch nur ein Kaffee getrunken -, und da begrüßen es die Leute im Grunde genommen, dass die Luft sauber ist.

Gab es auch andere Reaktionen auf das Verbot?

Am Anfang gab es einige, die damit wirkliche Probleme hatten und nicht mehr gekommen sind. Die Raucher werden da ja vom Gesetzgeber auch in eine üble Ecke gedrängt, was ich schon ziemlich brutal finde. Wir haben mittlerweile aber draußen sechs Tische, die überdacht sind, für Raucher erhalten. Wir haben es da mit Kerzchen und Deckchen gemütlich gemacht und auch eine Infrarotheizung aufgehängt, so dass sich jemand da unter die Wolldecke verkriechen, seinen Kaffee trinken und dabei auch im Winter seine Zigarette rauchen kann.

Wie stehen Sie persönlich zu dem Rauchverbot?

Ich habe früher geraucht, bin aber inzwischen Nichtraucher. Mir macht es nichts aus, wenn in Kneipen, wo Bier getrunken wird, wo gefeiert wird oder Partys sind, die eine oder andere Zigarette geraucht wird, weil die Anzahl der Raucher in den letzten Jahren sowieso drastisch zurückgegangen ist und das Rauchen also nicht mehr ganz so gravierend ist. - Aber auf der anderen Seite kann ich auch verstehen, dass in Speiselokalen oder, wie bei uns hier, in Cafés nicht geraucht werden soll.

Das Gesetz soll ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten dienen. Diese sollen vor Passivrauchen geschützt werden. Wie beurteilen Sie das?

Ich denke, das war in unserem Café nicht ganz so drastisch. Denn so viel ist da nicht geraucht worden, dass man vor lauter Nebel nicht mehr durch die Räumlichkeiten gekommen wäre. Aber in einigen Discos oder Kneipen, in denen richtig gequalmt wurde oder vielleicht auch eine schlechte Lüftung war, waren die Angestellten dem Rauch natürlich schon sehr stark ausgesetzt.
   Auf der anderen Seite kann sich ja jeder aussuchen, wo er arbeiten geht. Ganz so dringlich sehe ich ein solches Gesetz also nicht. Es muss schließlich nicht alles vom Gesetzgeber geregelt werden.

Hätten Sie Verbesserungsvorschläge zu dem Gesetz?

Meiner Ansicht nach sollte im Falle der so genannten Eckkneipen jeder Kneipenbesitzer selbst entscheiden können, ob er eine spezielle Raucherkneipe betreiben will oder nicht. Wenn ich als Nichtraucher ein Problem damit habe, in eine Raucherkneipe zu gehen, dann gehe ich halt in eine andere Lokalität, in eine Nichtraucherkneipe.


Konditormeister Michael Kersting ist Inhaber des Attendorner "Dom-Cafés".

Herr Kersting, wie gehen Sie mit dem neuen Nichtraucherschutzgesetz um?

So wie es mir der Gesetzgeber vorschreibt - mit einigen Bauchschmerzen und mit Umsatzrückgängen. Konkret: Es darf hier im Raum nicht mehr geraucht werden, nur noch vor der Tür - bei gutem Wetter. Bei schlechtem Wetter entfällt das Rauchen dann ganz.
   Auf den Tischen stehen keine Aschenbecher mehr, und damit müssen die Raucher leben. Leider, füge ich gleich hinzu.

  Michael Kersting
Michael Kersting im Dom-Café.
Wie stehen Sie denn selbst zu dem Rauchverbot?

Obwohl ich erklärtermaßen Nichtraucher bin, lehne ich es ab. Wir haben es mit erwachsenen Menschen zu tun, die selber entscheiden können, ob sie in ein Lokal hineingehen wollen oder nicht. Wenn dort geraucht wird und ich ein solch überzeugter Nichtraucher bin, dass ich Rauch absolut ablehne, muss ich mir halt die Lokalität suchen, wo genau das angeboten wird. Auch wenn das Grundgesetz körperliche Unversehrtheit vorsieht: Ich sehe es etwas anders. Denn dann müssen wir auch das Autofahren einstellen; das ist genauso schädlich. Und was ist mit all den Kindern, die zu Hause dem Qualm ihrer rauchenden Eltern ausgesetzt sind?

Wie sind die Reaktionen Ihrer Gäste auf das Rauchverbot?

Eingefleischte Nichtraucher unter den Gästen haben behauptet, sie würden bei einem Rauchverbot öfter kommen. Leider sehe ich das angesichts der manchmal gähnenden Leere im Café anders. Die Worte sind oft andere als die Taten, die danach folgen. - Die Raucher kommen weniger; sie machen eine Abstimmung mit den Füßen. Und die Nichtraucher kommen trotzdem nicht häufiger. Das beschert mir, wie gesagt, Bauchschmerzen und enorme Umsatzrückgänge.

Das Gesetz soll ja nicht nur dem Schutz der Gäste, sondern auch dem der Angestellten dienen. Diese sollen vor Passivrauchen geschützt werden. Wie beurteilen Sie dies?

Die Angestelltensituation ist bei mir so weit zurückgefahren, dass ich das Café nur noch mit meiner Frau und mit einigen Aushilfen betreibe, die aber selber Raucher sind. Die haben also überhaupt kein Problem damit.

Welche Verbesserungsvorschläge zum aktuellen Gesetz haben Sie?

Es sollte in der Form modifiziert werden, dass es dem Betreiber eines Lokals selbst überlassen wird, welche Betriebsform er wählt. Denn er trägt das alleinige Risiko. - Wenn mir der Gesetzgeber sagt, ich muss auf Umsätze verzichten, dann muss er mir einen finanziellen Ausgleich schaffen, dann soll er auch dafür bluten. Das Risiko des Erfolgs oder Misserfolgs trage schließlich ich, nicht er.
   Die einfachste, die sinnvollste Lösung wäre die Abschaffung des Gesetzes - die Wiederherstellung des Status Quo, dass jeder selbst entscheiden kann, was für einen Betrieb er führen möchte. Sonst reden wir ja auch vom mündigen Bürger. Der wäre hier gefragt. So, wie es jetzt ist, wird es einem von außen aufgedrückt, und damit kann keiner gut leben.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2009

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