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Presseinformation

Saubere Gardinen, aber Umsatzeinbußen

Attendorner Schüler recherchierten zum gesetzlichen Rauchverbot in Gaststätten

In Nordrhein-Westfalens öffentlichen Einrichtungen gilt es schon länger, seit gut einem halben Jahr auch in Gaststätten: ein allgemeines Rauchverbot. Einzige Ausnahme sind kleine, abgetrennte Raucherzimmer in Mehrraumlokalen. Wie sich das neue Gesetz bewährt hat, wollte jetzt eine Schüler-Arbeitsgruppe des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums wissen. Die Zehntklässler schwärmten aus und hörten sich in der örtlichen Gastronomie um.

Eins erkannten die Schüler sehr schnell: Die Meinungen der Betroffenen variieren beträchtlich. Dabei laufen die Fronten, ob Kneipier oder Konditor, quer durch alle Verbände.

  Stefan Bilsing
Im Gespräch mit Stefan Bilsing ("Burg Schnellenberg").
So beurteilt Benjamin Rocco, Betreiber des Lokals "Zum Kuckel", das Gesetz überaus kritisch: "Ein generelles Rauchverbot beschneidet ganz klar Persönlichkeitsrechte." Ähnlich sieht es Jens Selter von "Diebels Fasskeller": "Es geht wieder ein Stück Freiheit verloren."

Magdaleni Samara würde das Verbot am liebsten rückgängig machen. Sie hat ihr Lokal "Napoleon" inzwischen - ganz legal - in einen Raucherclub umgewandelt, zu dem nur Mitglieder Zutritt haben. Anders gehe es nicht: "Sonst sitzen wir alleine in unserer Einraumkneipe. Unsere Gäste haben deutlich gesagt: Wenn wir hier nicht rauchen dürfen, dann kommen wir nicht mehr!"

Genau aus diesem Grund stört sich jedoch Rudolf Selter ("Zur Nette") an dem Gesetz. Es kenne zu viele Ausnahmen und sei zu schwammig formuliert: "Die Verantwortlichen sollten sich mal einig werden - nicht da rauchen lassen und dort wieder nicht." Und Ulrich [H.] ("Ars Vivendi") beklagt mangelnde behördliche Kontrollen der Bestimmungen. "Denn manche Gaststätten halten sich nicht daran."

Auch die Konditoren zeigen kein einheitliches Bild. Peter Lütticke ("Café Moses") begrüßt das Gesetz ausdrücklich: "Endlich wieder weiße Gardinen; und die Luft ist viel besser!" Demgegenüber richtet Markus Harnischmacher vom gleichnamigen Innenstadt-Café den Rauchern auch im Winter zumindest einen beheizten Außenbereich ein. Erklärter Gegner des Gesetzes ist Michael Kersting vom "Dom-Café": "Eingefleischte Nichtraucher unter den Gästen haben behauptet, sie würden bei einem Rauchverbot öfter kommen. Leider sehe ich das nicht. Die Raucher kommen weniger; aber die Nichtraucher kommen trotzdem nicht häufiger." Das beschere ihm "Bauchschmerzen und enorme Umsatzrückgänge".

Relativ gelassen könnten eigentlich die örtlichen Hoteliers das neue Gesetz angehen, da es bisher nur für den Restaurantbereich, nicht aber für einzelne Gästezimmer gilt. Dennoch sei die Umsetzung des Verbots eine Gratwanderung, so Stefan Bilsing von "Burg Schnellenberg". Schließlich wolle man weder Raucher noch Nichtraucher verprellen.

Als "militanter Nichtraucher" outet sich Christof Platte vom Niederheldener "Romantik-Hotel Platte". Rauchen habe viel zu lange eine viel zu positive Lobby gehabt. Mittelfristig wolle er die Zahl der Raucherzimmer in seinem Haus deshalb bis auf ganz wenige herunterfahren. "Denn der Rauch hängt in den Möbeln, im Teppich, in den Gardinen. Das ist ein riesengroßes Problem, zumal seit dem Inkrafttreten des Gesetzes jetzt verstärkt auf den Zimmern geraucht wird."

Kompromissbereiter geben sich Carsten Reissl ("Forsthaus") und Peter Schneidersmann ("Haus Biggen"). Sie akzeptieren zwar ein Rauchverbot in Restaurants, zeigen jedoch auch Verständnis für ihre Kollegen im Einraumkneipen-Gewerbe. "Gaststätten, die von der reinen Getränke-Kundschaft leben, sind", so Schneidersmann, "derzeit schon benachteiligt."

Ein wesentlicher Aspekt des Gesetzes, nämlich der Schutz der Angestellten vor dem Passivrauchen, spielt in der Argumentation der Wirte dagegen kaum eine Rolle. Auf Nachfrage erklärt die Mehrzahl der Gastronomen recht unverbindlich, hier mit ihren Mitarbeitern einvernehmliche Lösungen gefunden zu haben.

Illusionen machen sich die Befragten indessen nicht. Dass über kurz oder lang ein strenger formuliertes Nichtraucherschutzgesetz kommen wird, steht für die meisten außer Frage.


Die Pressemitteilung wurde, z. T. leicht überarbeitet, in folgenden Medien veröffentlicht:

Rote Karte für blauen Dunst - Schüler befragten Wirte. // Schüler-Recherche zum Rauchverbot. // Rauchverbot spaltet die Gastronomen. Gespaltenes Echo bei Schüler-Umfrage: Von Freude über weiße Gardinen bis zu Bauchschmerzen.
In: Westfälische Rundschau, Nr.16 (20.1.2009), S.1, S.ROEA_1 und S.ROE_4.

Studie zum Rauchverbot. Ursulinen-Schüler befragten heimische Gastronomen.
In: Sauerlandkurier vom 21.1.2009, S.25.

Wirte üben heftige Kritik am Rauchverbot in den Kneipen. Schüler-Umfrage in Attendorn. "Napoleon" bereits in Raucherclub umfunktioniert.
In: Westfalenpost, Nr.18 (22.1.2009), S.POEA1.


©  St.-Ursula-Gymnasium, Attendorn 2009

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