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Weitere Experimente in deutschen Fußgängerzonen

Auf Arbeitsuche "Suche Arbeit jeder Art. Bitte sprechen Sie mich an!" - Mit Schildern wie diesem machten sich am Samstag, dem 28.10.2006, dreißig Oberstufenschülerinnen und -schüler des Attendorner St.-Ursula-Gymnasiums auf den Weg in die Kölner Innenstadt. Sie wollten überprüfen, wie schwierig es in Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit tatsächlich ist, einen Ausbildungsplatz oder zumindest einen Aushilfsjob zu finden.

Neben den "Arbeitsuchenden", die mit ihren Plakaten in der Fußgängerzone auf und ab gingen, nahmen einige andere Gymnasiasten, wie schon in einem ähnlichen Experiment vor zwei Jahren, als Bettler am Straßenrand Platz, um die Spendenbereitschaft der Vorübergehenden zu testen. Wieder andere versuchten sich als Straßenmusiker oder "Statuenmensch" auf der Domplatte. Ihre Mitschüler notierten diskret die Reaktionen der Passanten.

Ein überraschendes Ergebnis war die Tatsache, dass die Jugendlichen wirklich eine Reihe seriöser Angebote erhielten - wobei die Mädchen besser als die Jungen abschnitten. So musste sich Marius ("Übernehme jede Arbeit") mit einem Auftrag zur Gartenarbeit bescheiden. André wurden lediglich zwei Aushilfsjobs angeboten. Mehmet, der sein Schild ("Suche Arbeit. Bitte helfen Sie!") auf Deutsch und auf Türkisch beschriftet hatte, konnte immerhin drei Offerten (Fensterputzen, Kellnern, Packdienst am Flughafen) verbuchen.

Beim BettelnHingegen wurde Dajana vom Geschäftsführer eines nahe gelegenen Telefonladens gleich eine Stelle als Kundenberaterin angeboten. Auch als Volontärin bei RTL hätte sie anfangen können. Und Vanessa konnte zwischen Jobs in einer Bäckerei, einem Modegeschäft oder in einem Pulheimer Familienbetrieb wählen. Gegen Ende des Versuchs erschien dann noch ein gut gekleideter Herr in Begleitung seiner Frau - der Vorstandschef eines süddeutschen IT-Unternehmens, wie sich herausstellte. Er habe die Schülerin gesehen und eine Weile über sie nachgedacht, erklärte er. Wenn sie flexibel sei, solle sie sich doch schriftlich bei ihm bewerben. Er habe in Stuttgart einen Ausbildungsplatz zur kaufmännischen Angestellten frei.

Auch die "Bettler" machten interessante Erfahrungen. Daniel (18) saß am Anfang der Schildergasse - an derselben Stelle und zur selben Uhrzeit wie zwei Jahre zuvor bereits einer seiner Mitschüler. Lediglich das Schild, das er vor sich stehen hatte, war neu: "Ich bin wie du." Mit diesem Spruch, der kürzlich von einer Berliner Werbeagentur speziell für dortige Bettler entworfen worden war, hatten die Almosenempfänger ihre Einnahmen angeblich um ein Viertel steigern können. Für Köln ließ sich dies nicht bestätigen: Der Attendorner Schüler nahm mit knapp 18 Euro in zwei Stunden exakt so viel ein wie sein "Kollege" vor zwei Jahren.

Nicht ganz so erfolgreich war Christian ("Heute ich, morgen du!") mit 9 Euro. Immerhin schien sein Platz jedoch gut gewählt zu sein. Denn den nahmen nach seinem Abgang gleich zwei andere, "echte" Bettler ein.

Ein Erlebnis der besonderen Art hatte Julian, der auf der Hohe Straße mit Anzug und Krawatte hinter dem Schild "Qualifiziert, aber überflüssig" hockte. Schon nach ein paar Minuten forderte ihn ein Passant auf, aufzustehen und, statt herumzusitzen, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. "Du musst kämpfen, kämpfen!", schrie er immer wieder auf den Schüler ein und zerriss ihm schließlich sogar das Pappschild.

Madeleine (16) versuchte sich derweil als Klarinettistin entlang der Schildergasse. Getreu der Kölner Straßenordnung wechselte sie alle paar Minuten ihren Standort. Etwa 9 Euro waren das Resultat ihres Bemühens nach 40 Minuten Spiel.

Die meisten Einnahmen erzielte allerdings Daniel (17). Er stand im Nikolauskostüm als unbeweglicher "Statuenmensch" vor dem Südturm des Kölner Doms und konnte sich vor Zuspruch kaum retten. Alle wollten ein Foto von sich und ihm machen: kleine Kinder und angeheiterte Fußballfans ebenso wie fröhliche Pensionäre und fernöstliche Touristen. Die Bilanz nach einer Stunde: über 18 Euro - Spendengeld, das die Schüler auch in diesem Jahr wieder an die Kölner Tafel weiterreichten.

Die Attendorner Truppe war in der Domstadt übrigens nicht allein. Ein Team des Senders Pro7 begleitete einige der Schüler und filmte, teils durch eine versteckte "Brillenkamera", die Erlebnisse der Oberstufler mit. Sendetermin: Dienstag, der 7. November, im Mittagsmagazin SAM.

Achtung! Die vorliegende Dokumentation ist im Aufbau. Detaillierte Ergebnisse sind in Vorbereitung. Bis jetzt können Sie folgende Informationen abrufen:

Falls Sie eine etwa 23-minütige Audio-Reportage zum dritten "Bettelarm"-Projekt hören möchten, klicken Sie bitte auf den Schaltknopf "Media Player"! Sie benötigen zum Aktivieren der ca. 2,6 MB großen Audio-Datei den Windows(TM) Media Player.

Haben Sie diesen nicht installiert, können Sie versuchen, die Audio-Datei über den Knopf "Audio Player" zu starten.

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©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2006-2010

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