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Interview

"Ich persönlich gebe den Leuten hin und wieder auch etwas"

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma über einheimische und auswärtige Bettler

Herr Oberbürgermeister, Bettler in der Kölner Innenstadt - was sagen Sie dazu?

In allen Großstädten gibt es Menschen, die Not leiden und sich dann unter Umständen auch auf den Plätzen und Straßen befinden und andere Menschen um eine Gabe bitten. Ich weiß aber ebenso, dass es viele dieser Bettler gibt, die organisiert sind und irgendwelchen Gruppen angehören, die also letztlich zum Betteln gezwungen werden. Da geht es dann schon in den Bereich von Kriminalität; und da sind unsere Behörden dann allerdings sehr kritisch. Deswegen muss sich ein Bettler zum Beispiel auch fragen lassen, ob er einen Ausweis hat, damit man ihn identifizieren kann, ob er irgendwo wohnhaft ist und so weiter.
   Das heißt, dieses Phänomen gibt es, und das muss es in einer Großstadt auch geben dürfen. Betteln muss möglich sein. Solange das nicht aggressiv passiert und Leute behindert werden, Zugänge versperrt werden, ist das bei uns toleriert.

Jetzt gilt Köln in dieser Hinsicht ja - im Gegensatz zu anderen Städten - als liberal. Es gibt beispielsweise keine Sperrbezirke für Bettler. Warum ist das so?

Das liegt wohl an den Kölnern selbst, an der Bevölkerung. Die Kölner Bevölkerung ist ein munteres Völkchen, ist ein offenes Völkchen. Wir halten viel aus in dieser Stadt, und wir wollen die Bettler nur deswegen, weil sie nun einmal da sind in unserer Stadt, nicht unbedingt vertreiben.
   Wenn sie sich still verhalten, dann dürfen sie auch da sein. Sie dürfen, wie gesagt, nicht Eingänge oder Durchgänge zustellen, also nicht aggressiv auftreten, aber ansonsten haben sie bei uns natürlich die Möglichkeit, um Almosen zu bitten.
   Ich persönlich gebe den Leuten hin und wieder auch etwas, frage aber meistens, was denn nun wirklich an Bedarf da ist. Wenn jemand zum Beispiel Hunger hat, dann gebe ich demjenigen lieber mal eine kleine Mahlzeit aus.
   Allerdings muss man da differenzieren. Letztens bettelte mal einer mit dem Wunsch: Ich will mir mal einen Kaffee trinken! Da habe ich ihn angesprochen, habe gesagt: Okay, dann gehen wir da rüber, drüben ist ein Tchibo-Laden, dann gebe ich Ihnen da einen Kaffee aus. Das haben wir dann auch so gemacht; das wollte der dann aber nicht unbedingt, da hat er plötzlich doch keinen Kaffeedurst mehr gehabt. In dem Fall schien mir da ein bisschen etwas faul zu sein.

Machen Sie einen Unterschied zwischen einheimischen und zum Beispiel osteuropäischen Bettlern?

Nein, das sehe ich ja auch auf den ersten Blick nicht unbedingt. Manchmal kann man es schon erkennen, häufig aber nicht.
   Wir haben allerdings seit den letzten Monaten durchaus auch organisierte Banden hier, die ihrerseits ebenfalls abgezockt werden. Da macht die Ordnungsbehörde schon Unterschiede und geht dem nach. Und wenn wir feststellen, dass das organisiertes Banden-Betteln ist, dann greifen wir da auch ein, da das nämlich missbrauchte Menschen sind, darunter oft auch Kinder, die auf die Straße geschickt werden und denen man das Erbettelte dann sofort wieder abnimmt. Wenn da Organisationen dahinterstehen, dann können wir das nicht dulden, weil es eine Form von Kriminalität ist. Und deswegen greifen wir da dann auch ein.

Das Interview wurde am 12.10.2007 während des "2. Jugendforums NRW" in Köln geführt. Die Fragen stellte Anna Carla Kugelmeier.


©  Frank U. Kugelmeier, Attendorn 2006-2010

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