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Kurzinformation

Die Sprachlosen

Im Jahr 2003 geschahen seltsame Dinge am St.-Ursula-Gymnasium: Im Rahmen des Projekts "Die Stummen" schwiegen neun Oberstufenschüler drei Tage lang rund um die Uhr und beobachteten dabei die eigenen Reaktionen und die ihrer Umgebung. Fünf Jahre später, Anfang September 2008, ging das Schweige-Experiment in die zweite Runde, diesmal allerdings unter verschärften Bedingungen. Geschwiegen wurde nicht mehr nur drei, sondern fünf Tage; auch trat jetzt eine ganze Schulklasse an.

In dem Szenario, das nun den Titel "Sprachlos" trug, fanden sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a am frühen Donnerstagnachmittag des 4. September 2008 in der Schulaula ein. Dort blieben sie die folgenden fünf Tage bis zum Dienstagmorgen. Die wichtigste Regel während ihres Aufenthalts lautete: Von Donnerstag bis Samstag war Sprechen absolut tabu. Ab Sonntag gab es dann eine leichte Veränderung: Die Probanden durften nun zur Kommunikation immerhin 40 Fantasiewörter verwenden, die ihnen auf einer aushängenden Vokabelliste vorgestellt wurden. - Während des Experiments war den Versuchspersonen die Benutzung von Rundfunk- und Fernsehgeräten, Computern und MP3-Playern untersagt. Auch auf das "Simsen" per Handy mussten sie verzichten.

"Sprachlos" zielte auf die Beantwortung zweier Fragenkomplexe. Erstens: Inwiefern macht Sprache "gesellschaftsfähig"? Wie verhalten sich die Schüler in der Gruppe, wenn sie ausschließlich per Gestik und Mimik kommunizieren können? Und zweitens: Wie steht es um ihren Spracherwerb? Nutzen die Probanden das "Angebot der 40 Wörter" - oder kommen sie auch so zurecht?

Ein besonderer Reiz des Experiments lag darin, dass die schweigenden Jugendlichen ihren Aufenthalt vollkommen selbstständig organisieren mussten. Dies galt für das gemeinsame Kochen und die Freizeitgestaltung gleichermaßen wie für das Anfertigen der Hausaufgaben. Denn auch der reguläre Unterricht fand "stumm" in der Aula statt - eine Herausforderung nicht nur für die Schüler, sondern auch für ihre Lehrer.

Zur Beobachtung der schweigsamen Schulklasse meldeten sich etwa 40 Oberstufenschüler. Sie hielten sich im Wechsel zu je drei bis sechs Personen durchgängig bei den Probanden auf und überwachten deren "Sprachlosigkeit".


©  St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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