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Medienreaktionen

Westfälische Rundschau vom 3.9.2008

Reden für Schüler verboten

Experiment in Attendorn

Attendorn. Frank Kugelmeier hat seine Schüler schon zum Lernen in Käfige oder in den Keller gesteckt. Doch am Attendorner St.-Ursula-Gymnasium werden keineswegs Kinder gequält. Frank Kugelmeier macht nur Experimente zur Verhaltensforschung. Beim nächsten Projekt ist den Schülern tagelang das Reden verboten.

  Im Käfig
Beim letzten Projekt setzten sich die Schüler freiwillig in einen Käfig. Aufgestellt wurden die Mini-Gefängnisse auf dem Schulhof und in der Fußgängerzone.
"Die Schüler freuen sich immer darauf und fragen, wann ich wieder ein Projekt mache", sagt Kugelmeier. Dieses Mal hat er die Klasse 10a für das Experiment "Die Stummen" [sic!] eingespannt. Von Donnerstag bis Dienstag werden die Schüler in der Aula bleiben. Bis einschließlich Samstag dürfen sie dabei kein Wort sagen. "Es geht darum herauszufinden, wie sich Menschen in einer Gruppe verhalten und wie es um unseren Spracherwerb steht", so der Lehrer.

Am Freitag findet in der Aula auch der reguläre Unterricht statt. Die Pädagogen können sich dann an eine außergewöhnlich ruhige Klasse gewöhnen. "Die Lehrer dürfen reden, aber die Schüler natürlich nicht. Wir werden sehen, wie der Unterricht dann abläuft. Vielleicht kann man einiges durch Mimik und Gestik erkennen. Oder wir arbeiten mit der Tafel", erklärt Kugelmeier. Die ganze Zeit über wird die Klasse von Oberstufenschülern beobachtet. Absolut freiwillig verzichten die Schüler übrigens auf die Sprache. "Wer aussteigen möchte, kann jederzeit nach Hause gehen", sagt Kugelmeier.

Ab Sonntag darf allerdings wieder verbal kommuniziert werden, jedoch nicht auf Deutsch. Die Schüler haben sich selbst eine Liste von 40 Wörtern überlegt, die sie für absolut notwendig halten. Ihr Lehrer hat für jedes der Worte ein neues Fantasie-Wort erstellt. "Wir haben ein Schimpfwort dabei, weil die Schüler es unbedingt wollten. Das heißt in unserer neuen Sprache 'Buh'".

Möglich, dass die Schüler dieses Wort gebrauchen werden, weil ihnen der Entzug von Fernsehen, Handy und MP3-Playern in der Aula aufs Gemüt schlägt. Kugelmeier: "Für Schüler ist der Handy-Entzug das Schlimmste. Sie freuen sich aber trotzdem auf das Projekt. So lernen sie die eigenen Grenzen kennen. Bei einem ähnlichen Projekt hatte eine andere Gruppe nach anderthalb Tagen das Fingeralphabet gelernt. Wir werden sehen, wie es dieses Mal mit der Unterhaltung ohne Worte klappt."

Westfälische Rundschau, Nr.209 (3.9.2008).
URL: http://www.derwesten.de/nachrichten/wr/2008/9/2/news-73766023/detail.html


©  Maria Haensch (Westfälische Rundschau), Dortmund und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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