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Medienreaktionen

Westfalenpost vom 8.9.2008

Eine Zeit der Sprachlosigkeit

30 Schüler der 10a des Ursula-Gymnasiums in Attendorn leben fünf Tage stumm zusammen

Attendorn. Für die 30 Schüler der 10a des Ursula-Gymnasiums in Attendorn ist alles ein großes Abenteuer. Fünf Tage lang hocken sie rund um die Uhr zusammen in einem abgeschlossenen Bereich der Aula - und das, ohne ein Wort zu sprechen. Denn das ist strikt verboten.

  Bis zum Dienstag "sprachlos" - Foto: (c) B. Sander-Graetz
Ein ungewöhnliches und spannendes Experiment: Nadine Deimel, Katharina Feldmann und Dominik Schröder (von links) sind noch bis zum Dienstag "sprachlos".
Klassenlehrer Frank Kugelmeier hat das sprachlose Experiment auf die Beine gestellt. Der Pädagoge ist bekannt dafür, die Reaktionen seiner Schüler unter Extrembedingungen zu testen.

Am Donnerstag hat der sozialwissenschaftliche Versuch begonnen. Dominik Schröder (15) hat sich ein dickes Buch mitgenommen. Den "Krieg der Zwerge" will er in der Zeit der Sprachlosigkeit lesen: "Ich denke, es ist ähnlich wie ein Schüleraustausch in einem fremden Land. Auch da muss man sich mit Händen und Füßen verständigen."

Denn Unterhaltungen per Mimik und Gestik sind erlaubt. Wer tuschelt, bekommt einen Verweis, wer spricht, muss die Aula verlassen. Nachts wird der Schulsaal zum Schlaflager umfunktioniert, es gibt eine Sitzecke, aber auch ein Klassenzimmer. Denn gestern fand normaler Unterricht statt - per Zeichen- und Schriftsprache. Eine besondere Herausforderung für Musiklehrer Christoph Schulte. Singen ist verboten. Schulte: "Deshalb arbeiten wir mit Klangkörpern."

Nadine Deimel (16) und Katharina Feldmann (15) haben sich mit Büchern, Zeitschriften, Spielen, Schminkutensilien und jeder Menge Lebensmitteln eingedeckt. Grundnahrungsmittel hat Lehrer Kugelmeier eingekauft, für den Rest waren die Schüler zuständig. "Wir dürfen auch Fußball und Tischtennis spielen, halt nur lautlos", so die Mädchen. Gefragt ist auch die eigens eingerichtete Kochnische. "Mit Kochen können wir uns die Zeit vertreiben und natürlich duschen, so lange man will."

Doch warum machen die Schüler überhaupt mit bei dem Experiment, bei dem sie auf Fernsehen, Computer, MP3-Player und Handy verzichten müssen? "Ich will schon meine eigenen Grenzen ein wenig austesten", überlegt Dominik Schröder. Es sei ein Erlebnis für die Klasse, auch über die Schulzeit hinaus, denkt Nadine Deimel. Dem stimmt Katharina Feldmann zu. "Die Parallelklasse beneidet uns um diese Aktion."

Sonntag [dürfen] die Schüler zwei Stunden lang Musik hören und sich in einer Phantasiesprache, bestehend aus 40 Wörtern, die Kugelmeier vorgibt, unterhalten. "Aber ich glaube nicht, dass wir diese Wörter wirklich benutzen. Bis dahin haben wir sicher eine bessere Möglichkeit zur Verständigung gefunden", glaubt Dominik Schröder.

Westfalenpost, Nr.210 (8.9.2008), S.PJO4_.
Der Artikel erschien montags, war aber offenbar für die Samstagsausgabe geschrieben.


©  Barbara Sander-Graetz (Westfalenpost), Hagen/Attendorn und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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