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Medienreaktionen

Sauerlandkurier online vom 18.9.2008

"Experiment Sprachlos"

30 Schüler und Schülerinnen der Klasse 10A des St.-Ursula-Gymnasiums Attendorn versetzten sich von Donnerstag bis Dienstag in die Rolle eines Stummen. Der Klassenlehrer der 10A, Frank Kugelmeier ist für seine Experimente im Fach Sozialwissenschaft bereits bekannt.

Projekte wie "Schwarzweiß" und "Das Käfigprojekt" entstanden unter seiner Leitung, und diesmal testete er mit seiner Klasse, wie es ist, fünf Tage lang nicht zu sprechen. Bereits im Experiment "Die Stummen" erklärten sich Oberstufenschüler bereit, drei Tage zu schweigen. Doch diesmal herrschten verschärfte Bedingungen und einige Veränderungen.

Das "Experiment Sprachlos" dauerte fünf Tage, es trat eine ganze Klasse an, sie durften nicht schreiben und Musik hören, aber ab dem vierten Tag festgelegte Fantasiewörter benutzen. "Ich hab alles erzählt", so Lena Heller, die selbst bei dem Experiment teilnahm. "Ich habe die Sprache gar nicht vermisst." Aber wie kann das sein, wenn man fünf Tage lang nicht sprechen und später nur ein begrenztes Vokabular benutzen darf? "Wir haben angefangen, uns mit Zeichensprache zu verständigen", erzählt Annika Besting, "man musste sich mehr aufeinander konzentrieren, aber es funktionierte gut." "Am Donnerstag mussten wir zuerst einfach draufloslachen, weil die Situation so ungewohnt war", berichtet Alina Gabriel weiter, "aber dann haben wir uns schnell daran gewöhnt und uns auch gegenseitig ans Schweigen erinnert." "Nur Wörter wie 'Gesundheit' oder die Geräusche beim Gähnen rutschen einem noch am Anfang raus. Man musste sich wirklich konzentrieren."

Die drei Schülerinnen berichten begeistert von ihren Erfahrungen der letzten fünf Tage, obwohl doch eigentlich die Freizeitgestaltung stark eingeschränkt war. "Ich habe dadurch mich und meine Grenzen gut kennen gelernt und gemerkt, dass ich solche Situationen meistern kann. Ich bin stolz darauf und meine Eltern haben geglaubt, ich schaff es nicht, weil ich immer gerne und viel rede", so Annika Besting stolz grinsend. Ab Sonntag durften die Schüler dann 40 ausgesuchte Wörter benutzen, die sie vorher zusammen als notwendig empfunden und ausgesucht hatten. Sie bezogen sich auf die notwendigsten Themen wie Kochen, welches sie selbst in Gruppen organisierten, oder um [ihre] Meinung mitzuteilen. Jedoch übersetzte Frank Kugelmeier die ausgesuchten Vokabeln in eine frei erfundene Fantasiesprache und so hörte man ab Sonntag in der Aula der Schule, wo das Experiment stattfand, merkwürdige Laute wie "Tu", "Ki", "Bu" oder "Troll", welche die meistbenutzten Worte "Ja", "Nein", "Mist" und "Verschwinde" darstellten. Dabei sollte festgestellt werden, wie sich die "Stummen" untereinander verhalten und ob sie die angebotenen Wörter wirklich benutzen oder doch lieber auf andere Mittel wie die Fingersprache zurückgreifen. "Wir haben eher per Zeichensprache kommuniziert", so Annika Besting, "irgendwann waren wir ziemlich schnell mit der Gestik. Die Jungs haben eher die Wörter benutzt." Doch trotz des Experiments litt natürlich nicht der Unterricht darunter, denn eigens für die Teilnehmer kamen die Lehrer zum Unterricht in die Aula. Natürlich durften die Lehrkräfte sprechen, doch die Schüler verständigten sich mit Zeichen und Anschreiben. Manchen wurde die Zeit jedoch zu lang und deshalb brachen vier Schüler ab und fünf traten erst gar nicht an, so dass die Klasse 10A mit 30 Personen anfing und zu 26 Personen das Experiment beendete.

Damit während des Projekts auch wirklich keiner heimlich sprach, wurden sie von Oberstufenschülern in verschiedenen Tages- und Nachtschichten beobachtet und wurden [im Falle] eines Verstoßes wieder auf die Verschwiegenheit hingewiesen. Außerdem genossen die Zehntklässer eine große Medienpräsenz. Sämtliche bekannten Fernsehsender wie WDR, RTL, Sat1 und die lokalen Radiosender des WDR wie WDR2, WDR5 und 1LIVE zeigten ein hohes Interesse an den verstummten Schülern.

Sauerlandkurier online vom 18.9.2008, 11:30 Uhr.
URL: http://www.sauerlandkurier.de/druckansicht/1_112_64995.html


Derselbe Bericht, im Wortlaut geringfügig verändert und um den letzten Abschnitt gekürzt, findet sich auch an folgendem Ort:

"Experiment Sprachlos". Schüler verstummten fünf Tage in Attendorn. In: Sauerlandkurier vom 24.9.2008, S.40.


©  Miriam Graetz (Sauerlandkurier), Attendorn und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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