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Medienreaktionen

WDR-Hörfunk vom 4.9.2008

Schweigeexperiment St.-Ursula Attendorn

In Attendorn beginnt am Nachmittag für 30 Zehntklässler des St.-Ursula-Gymnasiums ein Schweige-Experiment. Fünf Tage lang wollen die Schüler in der Aula leben und dabei kein Wort sprechen. Nur Zeichensprache ist erlaubt. Handys und MP3-Player sind verboten. Ältere Schüler achten darauf, dass die Regeln eingehalten werden. Mit dem Experiment wollen die Schüler herausfinden, wie sich eine Gruppe unter extremen Umständen verhält.

WDR 2 - Nachrichten aus Südwestfalen, 4.9.2008, ca. 7.35 Uhr.


WDR-Hörfunk vom 4.9.2008

"Sprachlos" in Attendorn

Moderator: Liebe Schüler, ihr sollt im Unterricht nicht quatschen - also: nicht mit dem Nachbarn oder so; nur wenn's zum Thema passt. Am St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn im Sauerland reicht das nicht. Da sollen die Schüler jetzt gar nicht mehr reden. Bis nächsten Dienstag geht das Experiment. EinsLive-Reporterin Katrin Boers, warum reden die nicht?

Reporterin: Die wollen einfach ausprobieren, ob es überhaupt klappt, ob sie das Schweigen durchhalten, und wie sich das anfühlt. Gegen 15 Uhr ziehen sie für fünf Tage in die Aula. In einer Ecke ist dann ein Schlafsacklager. Eine andere Ecke sieht wie ein Wohnzimmer aus, mit Sesseln und einer Topfblume. Gemütlich darf es schon sein, so ein bisschen wie ein Klassenausflug. Charlene und Svenja sind total aufgeregt, aber auch sehr neugierig.

Charlene [O-Ton]: Ein bisschen mit Angst, aber auch Spannung, weil ich nicht genau weiß, was passieren wird, ob ich es schaffen werde und so.

Svenja [O-Ton]: Ja, also, ich denke mal, dass es ganz schön eine Herausforderung wird. Wie man sich mit anderen Leuten dann verständigt - ich denk mal, dass das ganz schön kompliziert wird, aber auch eine tolle Erfahrung wird.

Reporterin: In den fünf Tagen sind auch insgesamt 40 Beobachter dabei; das sind Oberstufenschüler, die aufpassen, dass nicht gequatscht wird. Die dokumentieren das Experiment auch und werten es später aus. Die Schüler wollen zum einen herausfinden, ob sie ohne Sprache überhaupt gesellschaftsfähig sind, und zweitens, wie eine Gruppe in einer Extremsituation miteinander umgeht. Das hat also schon auch einen wissenschaftlichen Hintergrund.

Moderator: So. Jetzt sitzen die also da. Aber ist es nicht auch ein bisschen langweilig - die ganze Zeit in der Aula rumsitzen und nicht reden dürfen?

Reporterin: Ja, das könnte schon sein. Sie dürfen sich halt zum Beispiel die Zeit mit Kartenspielen vertreiben, und sie kochen und sie schlafen ja auch da, morgen und am Montag gibt's auch Unterricht in der Aula, Tische und Tafel stehen schon da. Wie das Schweigen mit dem Unterricht abläuft, weiß allerdings noch keiner so richtig. Sie dürfen ihre Antworten zwar aufschreiben; in der Freizeit sollen sie aber keine Briefe schreiben, sondern nur Zeichensprache benutzen. Wer sich daran nicht hält, fliegt raus. Ab Sonntag dürfen sie auch wieder sprechen, wenn sie wollen, aber dann nur 40 Wörter einer extra erfundenen Fantasiesprache. Auch das ist spannend: Benutzen sie diese neue Sprache dann - oder reicht ihnen die Zeichensprache? - Übrigens sind auch verboten: MP3-Player, Handy und Fernseher.

Moderator: Fünf Tage nicht sprechen - das kann vor allem ich mir nur schwer vorstellen. Haben die sich darauf vorbereitet?

Reporterin: Also, bei vielen habe ich schon den Eindruck, die quatschen auf Vorrat. Beim Aufbauen war es in der Aula auch total laut. Svenja hat es wiederum anders gemacht; sie hat schon vorher versucht, ganz wenig zu sprechen und sich Handzeichen zu überlegen. Ansonsten lassen die meisten es einfach so auf sich zukommen, und Nicht-Sprechen ist für Helena kaum vorstellbar.

Helena [O-Ton]: Unterhalten ist schon wichtig, weil: Wenn man zu Hause ist, mit Freunden oder so, redet man ja auch nur [und] macht nichts [anderes], sitzt da nur und redet, unterhält sich. Und wenn man das jetzt auf einmal nicht mehr kann und einem gerade etwas einfällt, was man unbedingt sagen will, und das dann nicht kann, ist das schon ziemlich schwer, nichts zu sagen.

Reporterin: Mal abwarten, wie die mit der Stille und mit der vielleicht aufkommenden Langeweile klar kommen.

Moderator: EinsLive-Reporterin Katrin Boers war in Attendorn im Sauerland. Am St.-Ursula-Gymnasium machen Schüler nämlich ein Experiment und reden fünf Tage nicht. Wir - bzw. ich - probieren das jetzt auch mal aus. [Pause.] Wie lange ist schon um? Fünf Sekunden erst? Oh...

WDR EinsLive, 4.9.2008, ca. 13.35 Uhr.


©  Katrin Boers (WDR), Siegen und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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