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Medienreaktionen

WDR-Hörfunk vom 9.9.2008

Schweige-Experiment beendet

Das Schweige-Experiment am St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn wurde am Morgen nach fünf Tagen beendet. Seit Donnerstag hatten 30 Zehntklässler in der Aula gelebt und geschwiegen. Sie wollten herausfinden, ob der Mensch ohne Sprache gesellschaftsfähig ist und wie sich ihre Gruppe in der Extremsituation verhält. Die Schüler berichteten, die Stimmung sei sehr harmonisch gewesen. Von den 30 Schülern hielten 26 das Experiment bis zum Schluss durch.

WDR 2 - Nachrichten aus Südwestfalen, 9.9.2008, ca. 11.41 Uhr.


WDR-Hörfunk vom 9.9.2008

Endlich wieder sprechen!

Moderatorin: Ihr hört EinsLive; einen schönen Mittag euch. Boah, das ist gar nicht so einfach, wenn man mal nichts sagen soll und schweigen muss. Habt ihr das mal ausprobiert? Seit Donnerstag ging das ganz vielen Schülern so; da war es in der Aula des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn im Sauerland ganz schön leise. 30 Schüler der Klasse 10a haben einfach - geschwiegen! Für dieses Experiment haben sie in der Zeit auch in der Aula geschlafen, gekocht und Unterricht gehabt; nur geredet werden durfte nicht. Wir haben in den vergangenen Tagen immer mal wieder berichtet. EinsLive-Reporterin Katrin Boers war für uns mit dabei, auch heute Morgen, als nach fünf Tagen dann Schluss war - endlich wahrscheinlich, Katrin, oder?

Reporterin: Ja, die wollten wieder sprechen, eindeutig. Deshalb sind sie heute Morgen auch schon ganz früh aufgestanden und haben schon mal die Aula aufgeräumt. Und um 7 Uhr war es dann endlich so weit. Die Beobachter haben runtergezählt.

Beobachter [O-Ton]: ... vier, drei, zwei, eins, null! [Allgemeiner Jubel und Trubel.]

Reporterin: Ja, es ging sofort los. Heiser oder eingerostet war da keiner. Alles redete wild durcheinander, und die waren einfach nur froh, wieder zu reden.

Moderatorin: Was ist denn bei diesem Experiment jetzt rausgekommen? Weil: das hat auch einen wissenschaftlichen Hintergrund...

Reporterin: Einmal wollten sie herausfinden, wie das mit der Gruppendynamik in so einer extremen Situation läuft. Heraus kam: die Klasse hat sich fünf Tage lang sehr harmonisch verhalten. Ein Riesenproblem war allerdings die Langeweile. Vier Schüler sind am Wochenende ausgestiegen, weil ihnen die Decke auf den Kopf gefallen ist. Und ein weiteres Ergebnis: Ohne Sprache geht es, aber man muss echt aufpassen, sagt Lukas.

Lukas [O-Ton]: Schwierig war es dann in so Situationen wie zum Beispiel, wenn einer niest oder so - dann das "Gesundheit!"-Sagen [zu] unterdrücken - oder wenn man eine Hand verliert beim Pokern. Da waren vielleicht erst anderhalb Stunden [um], da hatte ich schon das erste Mal "Scheiße!" gesagt - auch beim Pokern. Es war schon schwierig.

Reporterin: Generell hat Experimentsleiter Frank Kugelmeier auch etwas festgestellt.

Kugelmeier [O-Ton]: Mädchen sind wesentlich kommunikativer, auch wenn sie stumm sein sollen - kommunikativer [in dem Sinne], dass sie mehr die Zeichensprache benutzen, auch das Fingeralphabet. Den Jungen reichten eigentlich bis zum Schluss ein paar - ja, ich sage mal: - Grunzlaute, ein, zwei Wörter, die sie ja dann in ihrer Fantasiesprache benutzen durften. Und der Rest wurde irgendwie mit sehr einfachen Gesten abgehandelt.

Reporterin: Also: ohne geht's, mit macht aber mehr Spaß.

Moderatorin: Ja, und was machen die Schüler jetzt wieder - außer Grunzen?

Reporterin: Ab acht Uhr ist wieder normal Unterricht. Claire und Dominik freuen sich nach der Schule auf einfache Dinge.

Claire [O-Ton]: Auf meinen Freund und [darauf], dass ich nicht mehr selber Essen kochen muss - und dass das Essen wieder schmeckt! [Lachen.]

Dominik [O-Ton]: Auf mein Handy, auf Zuhause und auf mein eigenes Bett.

Moderatorin: Was halt wichtig ist im Leben. Danke, Katrin. In Attendorn also haben 26 Schüler fünf Tage lang geschwiegen, mit dem Erfolg, dass sie jetzt definitiv wissen, dass es ohne Sprache ganz schön schwierig ist - und auch ganz schön langweilig.

WDR EinsLive, 9.9.2008, mittags.


©  Katrin Boers (WDR), Siegen und
St.-Ursula-Gymnasium Attendorn 2008

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